Chesterfield Blue
Chesterfield Blue ist die leichtere der beiden deutschen Chesterfield-Sorten: derselbe American Blend wie bei der Original, aber mit niedrigeren Maschinenwerten und weniger Wucht. Entstanden ist sie in den 1990er Jahren als Chesterfield Lights; seit dem EU-Verbot von „Lights“ und „Mild“ 2003 trägt sie den Farbnamen Blue, der in ganz Europa für die milde Variante steht.
| Sorte | mildere Variante (ehemals „Lights“) |
|---|---|
| Eingeführt | in Deutschland in den 1990er Jahren als Lights mit blauem Etikett; seit dem EU-Verbot der Bezeichnung (30.09.2003) als Blue |
| Mischung | American Blend wie die Original, auf leichteren Rauch abgestimmt (Filterbelüftung) |
| Maschinenwerte | 6 mg Teer / 0,6 mg Nikotin / 7 mg CO (Wikipedia-Sortentabelle, Werte aus der Zeit vor Mai 2016) |
| Formate in Deutschland | 20er-Klappschachtel, Großpackungen XL/2XL/4XL; dazu Zigarillos mit Filter |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Die mildere Schwester
Chesterfield Blue ist die zweite Sorte im deutschen Sortiment und die Antwort der Marke auf einen Trend, der die Branche seit den 1970er Jahren prägt: die Nachfrage nach „leichteren“ Zigaretten. Während die Chesterfield Original die Tradition der kräftigen Vollgeschmack-Zigarette fortführt, richtet sich die Blue an Raucher, die denselben American Blend mit weniger Intensität bevorzugen. In Deutschland kam die Variante in den 1990er Jahren hinzu, als Philip Morris die Marke mit einem braunen, an Packpapier erinnernden Design und einer blau etikettierten „Lights“ neu inszenierte. Seitdem bilden Rot und Blau das Grundgerüst, das in fast allen europäischen Märkten der Marke gleich aussieht.
Von „Lights“ zu „Blue“: warum der Name wechselte
Der heutige Name ist eine Folge europäischer Gesetzgebung. Die Richtlinie 2001/37/EG untersagte ab dem 30. September 2003 auf Zigarettenpackungen alle Angaben, die den Eindruck erwecken, ein Produkt sei weniger schädlich als andere – ausdrücklich genannt wurden Begriffe wie „light“, „mild“ oder „ultra“. Hintergrund waren Studien, die zeigten, dass Raucher von Light-Zigaretten die geringeren Maschinenwerte durch tiefere und häufigere Züge ausgleichen und am Ende ähnlich viel Nikotin und Schadstoffe aufnehmen wie bei regulären Sorten. Die Hersteller reagierten europaweit gleich: Aus „Lights“ wurden Farbnamen, meist Gold, Silver oder Blue. Bei Chesterfield lag Blau nahe, weil das Etikett der Lights ohnehin blau war. Die deutsche Wikipedia hält fest, dass die Marke im Zuge dieser Umstellung Anfang der 2000er Jahre auch zu ihrer klassischen weißen Packungsgestaltung zurückkehrte. Dass Farben die verbotene Botschaft weitertransportieren, ist Regulierern bewusst; in Ländern mit Einheitsverpackung wie Frankreich ist deshalb auch die Farbcodierung von der Packung verschwunden.
Charakter und Mischung
Die Blue verwendet dieselbe Tabakbasis wie die Original – Virginia, Burley und Orient –, ist aber auf einen leichteren Rauch abgestimmt. Der Handel beschreibt sie als mild und ausgewogen mit spürbar weniger Würze. Technisch erreichen Hersteller solche Unterschiede weniger über den Tabak als über die Konstruktion der Zigarette: feine Belüftungslöcher im Filterpapier, die Nebenluft zumischen, poröseres Zigarettenpapier und teils eine lockerere Füllung; wie das im Einzelnen funktioniert, erklärt die Seite Aufbau einer Zigarette. Die Sortentabelle der deutschen Wikipedia nennt für die Blue aus der Zeit vor 2016 6 mg Teer, 0,6 mg Nikotin und 7 mg Kohlenmonoxid je Zigarette, gegenüber 10, 0,8 und 10 mg bei der Red. Es sind Rauchautomaten-Werte nach ISO-Norm, die auf Packungen seit Mai 2016 nicht mehr stehen dürfen – gerade weil sie beim Rauchen einer belüfteten Zigarette nicht erreicht werden, sobald man die Löcher mit Fingern oder Lippen verdeckt oder stärker zieht. Die in der Tabelle genannten Zusatzstoffe entsprechen denen der Original: Zucker, Lakritzextrakt, Glycerin, Kakao, Stärke. Ob und wie stark sich die Tabakrezeptur selbst von der Original unterscheidet, gibt der Hersteller nicht bekannt.
Format und Packung
Chesterfield Blue gibt es in Deutschland als King-Size-Filterzigarette in der Klappschachtel, im 20er-Original-Pack sowie in den Großformaten XL, 2XL und 4XL, deren Stückzahlen zwischen 24 und 38 liegen und sich mit den Tabaksteuerstufen verschieben. Wie die Original erhielt auch die Blue im April 2026 eine limitierte Jubiläumsedition zum 130-jährigen Bestehen der Marke mit zwei zusätzlichen Zigaretten. Das Packungsbild entspricht dem der Original – weißer Grund, geschwungener Schriftzug –, nur die Sortenfarbe ist blau. Seit 2016 nehmen die vorgeschriebenen Bildwarnhinweise rund zwei Drittel der Fläche ein, was die Farbkennung auf ein schmales Feld reduziert. Unter dem blauen Etikett laufen in Deutschland auch Zigarillos mit Filter; Volumentabak und Feinschnitt gibt es dagegen nur in der roten Variante.
Abgrenzung zur Original
Die beiden Sorten unterscheiden sich ausschließlich in der Stärke. Format, Packungsgrößen und Preisstellung sind identisch – Philip Morris führt die Marke in Deutschland als Ganzes unterhalb von Marlboro im preisbewussten Segment. Wer von der Original zur Blue wechselt, bekommt also dieselbe Grundmischung mit weniger Rauch pro Zug, nicht eine andere Zigarette. Dass viele Raucher den Wechsel als Zwischenschritt vor dem Aufhören verstehen, ist ein bekannter Irrtum: Die Aufnahme passt sich an, die Zahl der Zigaretten oft ebenfalls.
Blue in anderen Ländern
Blau ist bei Chesterfield international die Farbe der milderen Variante. Als Philip Morris die Marke im April 2011 in Großbritannien einführte, geschah das mit den drei Sorten Red, Blue und Menthol im untersten Preissegment, allerdings mit einer Virginia-Mischung, wie sie der britische Markt bevorzugt. In Polen ergänzen Super-Slims- und 100er-Formate das Sortiment, und in Italien und Spanien, den größten europäischen Chesterfield-Märkten, ist die Blue Teil eines breiteren Angebots. In den USA, wo Altria die Rechte hält, testete Philip Morris USA 2019 eine „Blues“ genannte Variante; ob sie dauerhaft angeboten wird, ist nicht belegt. Die Mentholschwester verschwand in der EU mit dem Verbot von Mentholzigaretten zum 20. Mai 2020.
Status heute
Chesterfield Blue ist aktiv und gehört zum Kernsortiment der Philip Morris GmbH in Deutschland. Sie profitiert davon, dass die Marke für Philip Morris International seit Mitte der 2010er Jahre zu den wachsenden Zigarettenmarken zählt – 2022 mit rund 67 Milliarden Stück die drittgrößte des Konzerns –, auch wenn Deutschland mit einem Marktanteil von 1,6 Prozent (2016) zu den kleineren Chesterfield-Märkten gehört. In der EU hielt die Marke 2022 einen Anteil von 5,5 Prozent am Zigarettenmarkt; wie viel davon auf die Blue entfällt, weist PMI nicht aus. Seit dem Ende der Zigarettenproduktion in Berlin und der für 2025 angekündigten Schließung der Werke Berlin und Dresden wird sie nicht mehr in Deutschland hergestellt.
Der Irrtum „mild gleich weniger schädlich“
Die Geschichte der Blue ist untrennbar mit dem größten Missverständnis der Zigarettenwerbung verbunden. Light-Zigaretten wurden ab den 1970er Jahren als schonendere Alternative vermarktet, und interne Dokumente der Branche belegen, dass die Hersteller wussten, wie wenig die Maschinenwerte über die reale Belastung aussagen. Für Chesterfield Blue gilt deshalb dasselbe wie für jede andere Zigarette: Der Rauch enthält Dutzende krebserzeugende Stoffe, unabhängig davon, wie mild er schmeckt. Wer die Blue als schonende Variante versteht, unterliegt genau dem Effekt, den das EU-Verbot von 2003 unterbinden sollte. Eine sachliche Darstellung der Risiken bietet die Seite Gesundheit, Wege aus der Abhängigkeit die Seite Rauchstopp.
Quellen: siehe Markenseite Chesterfield.