MarkenHB

HB Classic Blend

HB Classic Blend ist die Fortsetzung der Zigarette, mit der British American Tobacco 1955 in Hamburg antrat und die von 1959 bis 1984 die meistverkaufte der Bundesrepublik war. Sie ist die kräftigere der beiden heutigen HB-Linien und wird als King Size, im 100er-Langformat, in der Großpackung und als Feinschnitt angeboten.

Eingeführt1955 als „HB“; Zusatz „Classic Blend“ seit Bestehen der Burley-Schwesterlinie
CharakterAmerican Blend aus Virginia- und Burley-Tabak; kräftigste Linie der Marke
FormateKing Size (19 Stück im Handel, 20 im Automaten), 100er-Langformat, Big Pack mit 24 Stück, Feinschnitt
Frühere Packungswertebis 2016: 10 mg Kondensat, 0,8 mg Nikotin, 10 mg Kohlenmonoxid je Zigarette (Packungsaufdruck, nach Wikipedia)
Produktionbis 2016 Bayreuth, seither BAT-Werke in Osteuropa
Statusaktiv

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Charakter und Mischung

Classic Blend ist die HB, wie man sie seit Jahrzehnten kennt. Die Mischung ist ein American Blend aus Virginia- und Burley-Tabaken, den der Hersteller als vollmundig und würzig beschreibt. Virginia liefert die leicht süße Grundnote, Burley Körper und Kraft; ob und in welchem Anteil Orienttabak beigemischt ist, gibt BAT nicht an. Von den beiden heutigen HB-Linien ist Classic Blend diejenige mit den höheren Maschinenwerten. Solange die Packungen diese Angaben tragen mussten, also bis zur Umstellung auf die EU-Tabakproduktrichtlinie 2016, standen für Classic Blend 10 Milligramm Kondensat, 0,8 Milligramm Nikotin und 10 Milligramm Kohlenmonoxid je Zigarette auf der Schachtel. Damit lag die Sorte bei Kondensat und Kohlenmonoxid genau an der seit 2004 in der EU geltenden Obergrenze. Seit 2016 werden die Werte nicht mehr aufgedruckt, weil sie unter genormten Maschinenbedingungen gemessen werden und wenig darüber sagen, was ein Raucher tatsächlich aufnimmt. Was im Rauch steckt, erläutert die Seite Inhaltsstoffe.

Dass die Mischung seit 1955 „unverändert“ sei, gehört zur Markenerzählung; überprüfen lässt sich das nicht. Realistisch ist, dass Rezepturen über sechs Jahrzehnte an Ernten, Einkaufsmärkte, Filtertechnik und Vorschriften angepasst wurden. Zudem stammt die Zigarette nicht mehr aus deutschen Werken, sondern seit 2016 aus BAT-Fabriken in Osteuropa.

Format und Packung

HB war 1955 eine der ersten deutschen Zigaretten im amerikanischen King-Size-Format von rund 80 bis 85 Millimetern; die Vorkriegszigaretten waren meist kürzer. Classic Blend wird in diesem Format weitergeführt, dazu gibt es als „Classic Blend 100“ ein Langformat von 100 Millimetern. Die Packung ist die klassische weiße Schachtel mit dem roten Kegel und der rot-goldenen Krone, seit 2016 zu einem großen Teil von den kombinierten Text-Bild-Warnhinweisen der EU bedeckt. Bei den Stückzahlen folgte BAT den Vorgaben des Gesetzgebers: Nach dem Verbot von Packungen unter 17 Stück im Jahr 2004 gab es HB im Handel lange mit 17 Zigaretten, seit Mai 2009 mit 19 Zigaretten, im Automaten mit 20; das „Big Pack“ enthält 24 Stück. Unter dem Namen Classic Blend wird außerdem Feinschnitt zum Stopfen und Drehen verkauft, früher in Gebinden mit 40, 100 und 170 Gramm, heute in kleineren Dosen. Der Feinschnitt ist das einzige HB-Produkt, das noch mit dem deutschen Standort verbunden ist, denn das Bayreuther Werk verarbeitet weiterhin Stopf- und Drehtabak.

Ein Kapitel für sich sind die Sondereditionen, mit denen BAT die Packung als letzte verbliebene Werbefläche nutzte: die „Undercover“-Reihe Anfang der 1990er Jahre, die Serie „Growing Regions“ von 2004 mit Motiven aus Tabakanbaugebieten und die Aktion „Wir sind Partyland“ zur Fußball-Europameisterschaft 2008. Seit die Bildwarnhinweise zwei Drittel der Packungsflächen belegen, ist dieser Spielraum weitgehend verschwunden.

Einführung und Umbenennungen

Als HB 1955 erschien, hatten Filterzigaretten in der Bundesrepublik einen Marktanteil von gut sieben Prozent; die meisten Raucher griffen zu filterlosen Marken und hielten Filter für Geschmacksbremsen. Der Slogan „Eine Filterzigarette, die schmeckt“ zielte genau auf diesen Vorbehalt, und der Erfolg gab der Hamburger BAT-Tochter recht: Nach 0,4 Prozent Marktanteil im ersten Jahr stand die Marke 1959 mit rund 17 Prozent an der Spitze und blieb dort bis 1984. Die heutige Classic Blend ist also nicht irgendeine Sorte, sondern das Produkt, mit dem sich die Filterzigarette in Deutschland durchsetzte.

Die Zigarette hieß bei ihrer Einführung schlicht „HB“ beziehungsweise „HB Filter“; der Zusatz „Classic Blend“ kam erst hinzu, als die Marke mit der milderen Schwesterlinie „Aromatic Burley“ eine Familie bildete und die Ursprungsvariante einen eigenen Namen brauchte. Anders als bei vielen Konkurrenten war dafür kein Verbot ausschlaggebend: Die EU-Regel von 2003, die Bezeichnungen wie „Lights“ oder „Mild“ untersagte, betraf die Original-Linie nicht, weil sie nie einen solchen Zusatz trug. Der genaue Zeitpunkt der Einführung des Namens Classic Blend ist in öffentlich zugänglichen Quellen nicht dokumentiert; belegt ist, dass die Bezeichnung spätestens in den 2000er Jahren gebräuchlich war. In Nachbarländern wie Österreich, der Schweiz und den Benelux-Staaten wurde HB ebenfalls verkauft; heute ist die Marke außerhalb Deutschlands vor allem noch im Duty-free-Handel zu finden.

Stellung im Sortiment

Classic Blend ist die Kernsorte der Marke und die einzige, die in mehreren Formaten und als Feinschnitt angeboten wird; die Breite des Angebots lässt darauf schließen, dass sie den größten Teil des HB-Absatzes trägt. Das Sortiment war nicht immer so schmal, aber auch nie breit: In den 1960er und 1970er Jahren war HB praktisch eine Ein-Sorten-Marke, weil die Original-Zigarette allein den Markt anführte; später kamen Sondereditionen und die Burley-Linie hinzu. Heute trägt Classic Blend die Marke nahezu allein. Wer HB sagt, meint in der Regel diese Zigarette.

Status heute

Die Sorte ist aktiv und bundesweit im Tabakhandel und in Automaten verbreitet. Beworben wird sie kaum noch; BAT konzentriert Marketing und Neuheiten seit Jahren auf Lucky Strike, Pall Mall und seine Tabakerhitzer- und E-Zigaretten-Marken. Auf der deutschen Website des Konzerns taucht HB nicht einmal mehr unter den genannten Marken auf. Die Käuferschaft gilt als älter und markentreu; die Erinnerung an das HB-Männchen und an die Zeit, als HB die meistverkaufte Zigarette Europas war, wirkt nach. Mit dem Rückgang des Zigarettenkonsums insgesamt und der Abwanderung preisbewusster Raucher zu Feinschnitt und Billigmarken schrumpft die Basis jedoch weiter.

Besonderheiten und Abgrenzung zur Schwesterlinie

Gegenüber HB Rounded Blend ist Classic Blend die kräftigere Variante mit höheren Maschinenwerten und deutlich mehr Würze; Rounded Blend ist runder und leichter abgestimmt. Gegenüber den großen amerikanischen Marken positioniert sich Classic Blend als deutsche Zigarette mit Tradition; tatsächlich ist die Mischung ebenfalls ein American Blend, und die Fertigung liegt längst im Ausland. Bemerkenswert ist, wie stark die Sorte von ihrer Vergangenheit lebt: Rote Packung, Krone und Schriftzug haben sich seit 1955 nur behutsam verändert, und die Redewendung vom In-die-Luft-Gehen ist Teil der Alltagssprache geblieben, obwohl seit 1984 kein neuer Spot mehr gedreht wurde.

Zur Einordnung gehört der Hinweis, dass „kräftig“ keinen Vorteil bedeutet, sondern in der Regel eine höhere Schadstoffaufnahme je Zigarette. Die Risiken des Rauchens sind unabhängig von Marke und Sorte unter Gesundheit beschrieben; einen Ausstieg erleichtern die Hinweise unter Rauchstopp. Die Geschichte der Marke insgesamt schildert die Seite HB.

Quellen: siehe Markenseite HB.