MarkenCabinet

Cabinet Original

Cabinet Original führt die Zigarette fort, mit der die Marke 1972 in der DDR startete. Nach dem gescheiterten Versuch, sie 1990 an westlichen Geschmack anzupassen, kehrte Reemtsma zur kräftigen Mischung zurück und nannte sie „Cabinet Würzig“; seit die EU Geschmackshinweise auf Packungen verbietet, heißt sie „Original“. Sie wird in einer Standardpackung und in Großpackungen angeboten, vor allem in den neuen Bundesländern.

Eingeführt1972 als „Cabinet Filter“ in der DDR
Umbenannt1991 in „Cabinet Würzig“; seit 2016 „Cabinet Original“ (EU-Tabakproduktrichtlinie)
Charakterkräftig-würzige, unparfümierte Mischung nach traditioneller Rezeptur; kräftigste Sorte der Marke
Frühere Packungswerte2007: 10 mg Kondensat, 0,9 mg Nikotin, 10 mg Kohlenmonoxid (BMEL-Angaben, nach Wikipedia); 1990: 15 mg Kondensat, 1,0 mg Nikotin (Sammlerverzeichnis zigsam.at)
PackungenStandardpackung und zwei Großpackungen; Stückzahlen 2025 angepasst
ProduktionNordhausen bis 2002, seither Langenhagen (Schließung bis 2027 angekündigt)
Statusaktiv

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Charakter und Mischung

Cabinet Original ist eine Filterzigarette mit einer kräftigen, würzigen Tabakmischung, die der Hersteller als traditionelle Rezeptur ohne Parfümierung beschreibt. Das unterscheidet sie von den meisten großen Marken des deutschen Marktes, die als American Blend auf eine Mischung aus Virginia, Burley und Orient mit zugesetzten Aromen setzen. Ihre Wurzeln liegen in der DDR, deren Zigarettenindustrie Rohtabake aus Bulgarien, China, Brasilien, Simbabwe und dem eigenen Anbau verarbeitete und daraus vergleichsweise schwere, herbe Mischungen komponierte. Welche Tabake heute genau in Cabinet Original stecken, gibt Reemtsma nicht bekannt; als Zusatzstoffe waren 2007 nach den beim Bundesministerium hinterlegten Angaben lediglich Wasser und Stickstoff gelistet, letzterer als Schutzgas. Wie sich Mischungen und Zusatzstoffe grundsätzlich unterscheiden, erklärt die Seite Inhaltsstoffe.

Zu den Maschinenwerten gibt es zwei belegte Momentaufnahmen: Sammlerverzeichnisse geben für die Nortak-Packung von 1990 15 mg Kondensat und 1,0 mg Nikotin je Zigarette an, und die Reemtsma-Sorte Cabinet Würzig lag 2007 bei 10 mg Kondensat, 0,9 mg Nikotin und 10 mg Kohlenmonoxid. Seit 2016 dürfen solche Werte nicht mehr auf Packungen stehen, weil sie eine Vergleichbarkeit vortäuschen, die es beim tatsächlichen Rauchen nicht gibt. Fest steht, dass Cabinet Original die kräftigste Sorte war, die die Marke unter Reemtsma je anbot, und dass sie heute die einzige ist.

Format und Packung

Cabinet Original ist eine Filterzigarette im Standardformat. In der DDR kam sie in einer Hartbox mit 20 Stück, deren schlichte Gestaltung aus Serifenschriftzug und Löwenwappen das Erscheinungsbild bis heute prägt. Nach der Übernahme führte Reemtsma 1990 eine schlankere Weichpackung mit 19 Zigaretten ein, was bei der Stammkundschaft ebenso wenig Anklang fand wie die geänderte Mischung; die Weichpackung gilt in der Rückschau als Teil des gescheiterten Anpassungsversuchs. In den 1990er und 2000er Jahren gab es Packungen mit 19 und 24 Stück, dazu Sondereditionen mit ostdeutschen Motiven wie der Dresdner Semperoper. Heute wird die Sorte in einer Standardpackung sowie in zwei Großpackungen angeboten, deren Stückzahlen der Hersteller 2025 leicht verringerte, eine in der Branche verbreitete Reaktion auf steigende Tabaksteuern. Großpackungen spielen bei Cabinet eine größere Rolle als bei vielen Wettbewerbern: Zwei der drei angebotenen Packungsgrößen fallen in diese Kategorie. Die Packungen tragen wie alle Zigaretten in der EU kombinierte Bild-Text-Warnhinweise auf 65 Prozent der Vorder- und Rückseite.

Von „Cabinet Filter“ über „Würzig“ zu „Original“

Die Sorte hat dreimal den Namen gewechselt, ohne dass sich ihr Anspruch änderte. In der DDR hieß sie schlicht „Cabinet Filter“, weil es keine weitere Variante gab. 1990 brachte Reemtsma neben der angepassten Stammsorte eine „Cabinet Mild“ auf den Markt, und um beide zu unterscheiden, erhielt die kräftige Linie 1991 den Zusatz „Würzig“; im selben Jahr folgte das Langformat „Würzig 100“. Der Zusatz war zugleich Programm: Er signalisierte den ostdeutschen Rauchern, dass die alte Mischung zurück war. Die EU-Richtlinie 2001/37/EG verbot ab 2003 Bezeichnungen wie „Light“ und „Mild“, ließ „Würzig“ aber unangetastet, weil der Begriff keine geringere Schädlichkeit suggeriert. Erst die Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU, in Deutschland seit dem 20. Mai 2016 durch das Tabakerzeugnisgesetz umgesetzt, untersagte jeden Hinweis auf Geschmack, Geruch oder Aromen auf der Packung. Seither heißt die Sorte „Cabinet Original“, ein Wort, das nichts über den Geschmack aussagt und zugleich an die Herkunft erinnert. Die rechtlichen Hintergründe erläutert die Seite Recht.

Stellung im Sortiment

Cabinet Original war stets das Zentrum der Marke. Alle anderen Linien, die Reemtsma zwischen 1990 und 2000 einführte, waren leichtere Ableger: Mild beziehungsweise Red, Lights beziehungsweise Blue, Ultra beziehungsweise Gold und die Mentholvariante Fresh. Sie sollten Cabinet an den westdeutschen Trend zu leichteren Zigaretten anschließen und jüngere Käufer gewinnen. Cabinet Lights galt 1996 als erfolgreichste Neueinführung in den neuen Bundesländern, konnte sich langfristig aber ebenso wenig halten wie die übrigen Ableger. Dass am Ende nur die Stammsorte übrig blieb, sagt viel über die Marke: Wer Cabinet wählt, will die kräftige Zigarette, die man aus der DDR kennt, und nicht eine weitere Leichtvariante, von denen jede große Marke genug im Programm hat. Die Gesamtgeschichte steht auf der Seite Cabinet.

Abgrenzung zu den Schwester-Sorten

Gegenüber den eingestellten Schwestern unterschied sich Original vor allem in der Stärke. Nach den Angaben von 2007 lag Red bei 8 mg, Blue und Fresh bei 6 mg und Gold bei 2 mg Kondensat, Original bei 10 mg; Fresh enthielt zusätzlich L-Menthol und Aromastoffe, zum Teil im Filter. Innerhalb des Reemtsma-Portfolios steht Cabinet Original heute neben Duett, der zweiten aus Nordhausen übernommenen Ostmarke, sowie neben traditionellen westdeutschen Marken wie Ernte 23, Roth-Händle und Reval, die ebenfalls ältere Stammkundschaften bedienen. Von den großen internationalen Marken des Konzerns wie West oder Gauloises trennt sie das regionale Vertriebsgebiet und die eigenständige, nicht auf American Blend ausgerichtete Mischung. Die nächste Verwandte außerhalb des Konzerns ist f6 von Philip Morris, die andere große DDR-Zigarette der „Dreizwanziger“-Klasse; beide Marken teilen sich bis heute die ostdeutsche Stammkundschaft, und beide haben den Übergang in den gesamtdeutschen Markt nur als Regionalmarken überstanden.

Status heute und Ausblick

Cabinet Original ist aktiv und wird vor allem in Sachsen, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern verkauft; in Westdeutschland ist sie nur vereinzelt zu finden. Hergestellt wurde sie seit 2002 im Reemtsma-Werk Langenhagen bei Hannover, nachdem die Fertigung in Nordhausen geendet hatte. Mit der im Oktober 2025 angekündigten Schließung von Langenhagen bis 2027 endet die Produktion in Deutschland; Imperial Brands hat noch nicht mitgeteilt, in welchem Werk die Marke künftig gefertigt wird. Für die Sorte selbst bedeutet das voraussichtlich keinen Abschied, denn das Unternehmen führt Cabinet weiterhin in seinem Portfolio, aber der Bezug zum einstigen Herstellungsort ist damit endgültig Geschichte.

Besonderheiten und Gesundheit

Die Besonderheit von Cabinet Original liegt in ihrer Kontinuität. Sie ist eine der letzten Zigaretten auf dem deutschen Markt, deren Rezeptur bewusst nicht dem American Blend angeglichen wurde, und eine der wenigen DDR-Marken, die es überhaupt noch gibt. Für viele Raucher in Ostdeutschland ist sie ein Alltagsgegenstand mit biografischer Bedeutung, was die Marke über Jahrzehnte ohne nennenswerte Werbung getragen hat. Aus gesundheitlicher Sicht ändert das nichts: Eine kräftige Zigarette liefert pro Zug tendenziell mehr Nikotin, Kondensat und Kohlenmonoxid als eine leichte, und keine Variante ist unbedenklich. Wer über den Ausstieg nachdenkt, findet Hinweise unter Rauchstopp; zu den Risiken informiert die Seite Gesundheit.

Quellen: siehe Markenseite Cabinet.