John Player Special (JPS)

John Player Special, meist nur JPS genannt, verbindet zwei Geschichten: die eines Tabakpioniers aus Nottingham, dessen Firma 1877 begann, und die einer Zigarettenmarke von 1970, die als schwarz-goldene Lackierung der Lotus-Rennwagen zur Ikone wurde. In Deutschland ist JPS seit 1982 auf dem Markt und wird von der Imperial-Tochter Reemtsma produziert; nach der Neupositionierung im preisgünstigen Segment gehört sie hier zu den größten Zigarettenmarken. Das Sortiment reicht heute von der kräftigen Red über die mildere Blue bis zur intensiven Black, ergänzt um Long-, Just- und Slim-Varianten.

Eingeführt1970 in Großbritannien, 1982 in Deutschland
HerstellerImperial Brands PLC; in Deutschland Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH
HerkunftNottingham, Großbritannien (John Player & Sons, gegründet 1877)
NamensgeberJohn Player (1839–1884), Tabakfabrikant
DesignSchwarz-goldene Packung; Vorlage für die Lotus-Formel-1-Wagen 1972–1986
Marktanteil Deutschland9,9 Prozent (2011, Herstellerangabe)
ProduktionBis 2027 Werk Langenhagen bei Hannover, danach Verlagerung im Konzern

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: von Nottingham in die Formel 1

Die Wurzeln der Marke reichen in das Jahr 1877 zurück, als der Kaufmann John Player (1839–1884) in Nottingham das Tabakgeschäft von William Wright übernahm. Unter dem Namen John Player & Sons wurde daraus einer der Pioniere des vorverpackten Markentabaks in Großbritannien; die 1883 eingeführte Player's Navy Cut gehörte über Jahrzehnte zu den bekanntesten Zigaretten des Landes. Nach dem Tod des Gründers führten seine Söhne John Dane und William Goodacre Player das Unternehmen ab 1893 weiter. 1901 schloss sich John Player & Sons mit W.D. & H.O. Wills und weiteren britischen Herstellern zur Imperial Tobacco Company zusammen.

Die Zigarettenmarke John Player Special selbst ist deutlich jünger: Sie kam 1970 in Großbritannien auf den Markt, wie das 50-jährige Markenjubiläum 2020 bestätigt. Die schwarze Packung mit goldenem Schriftzug war von Beginn an als Premiumprodukt angelegt. Berühmt wurde sie jedoch weniger durch den Tabak als durch den Motorsport: Nachdem Imperial bereits 1968 mit der Marke Gold Leaf als erster Sponsor eines Formel-1-Werksteams bei Lotus eingestiegen war, fuhr das Team ab 1972 als „John Player Team Lotus“ in Schwarz-Gold. Emerson Fittipaldi wurde 1972 Weltmeister, Mario Andretti 1978; in derselben Ära holte Lotus die Konstrukteurstitel 1972, 1973 und 1978. Nach einer Unterbrechung 1979 und 1980 kehrte das JPS-Design 1981 zurück und blieb bis Ende 1986, zuletzt mit Ayrton Senna am Steuer. Auch die Rennmotorräder von Norton trugen die Lackierung, zunächst in den frühen 1970er Jahren und erneut von 1988 bis 1991.

1982 brachte Imperial Tobacco die Marke in mehreren europäischen Ländern auf den Markt, darunter Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien und Portugal. 1989 folgten die American-Blend-Varianten Red, Silver und White, aus denen sich das heutige Sortiment entwickelt hat. Mehr dazu unter Geschichte.

Konzern und Produktion

Markeninhaber ist die Imperial Brands PLC mit Sitz in Bristol, die bis 2016 als Imperial Tobacco Group firmierte. Für den deutschen Markt ist die Hamburger Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH zuständig, die Imperial 2002 mehrheitlich übernahm und inzwischen vollständig kontrolliert. Reemtsma produziert und vertreibt JPS in Deutschland und führt die Marke neben Gauloises, West und Davidoff als eine seiner Schlüsselmarken; nach eigenen Angaben ist JPS die wichtigste Zigarettenmarke des Unternehmens auf dem deutschen Markt.

Gefertigt wurde JPS für Deutschland über Jahrzehnte im Reemtsma-Werk Langenhagen bei Hannover, das seit 1971 in Betrieb ist. Im Oktober 2025 kündigte Imperial Brands an, die dortige Produktion einzustellen; nachdem Verkaufsgespräche mit einem Interessenten gescheitert waren, wurde im Frühjahr 2026 die schrittweise Schließung bis 2027 beschlossen. Rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Die Fertigung soll in andere Werke des Konzernnetzwerks verlagert werden; den künftigen Standort hat Imperial noch nicht benannt. In Nottingham, der Heimat von John Player, endete die Tabakproduktion bereits 2016 mit der Schließung der Horizon-Fabrik.

Sortiment und Sorten im Überblick

Das deutsche JPS-Sortiment ist eine typische Markenfamilie mit Farbcode: Red steht für den kräftigen, Blue für den milderen American Blend, Black für die intensivste Variante. Dazu kommen Long-Formate, die zusatzstofffreie Linie „Just“ und seit 2025 zwei Slim-Varianten. Unter dem Namen John Player gibt es außerdem Volumentabak, Filterhülsen und Zigarettenpapier. Die Mentholvarianten sind seit dem EU-weiten Verbot vom Mai 2020 Geschichte.

SorteCharakterStatus
JPS Redkräftig-würziger American Blend, King Size, Packungen von 20 bis 60 Stückaktiv
JPS Bluemildere Variante, bis August 2022 als „Blue Stream“ geführt, auch als Longaktiv
JPS Blacklaut Hersteller intensivste Variante, nur als 20er-Packungaktiv
JPS Full Redbesonders kräftige Ausprägung der Red-Linieaktiv
JPS Red Long / Blue LongLong-Format der beiden Hauptsortenaktiv
JPS Just Red / Just Blueohne Zusatzstoffe, kräftig beziehungsweise mildaktiv
JPS Slims Pink / PurpleSlim-Format; Pink mild (März 2025), Purple vollmundig (November 2025)aktiv
JPS Motionmilde Variante mit Tube-Filter und Duftpartikeln auf der Packung (2023)unsicher
JPS MentholMentholvariante, mit dem EU-Mentholverbot 2020 eingestellthistorisch
JPS Silver / White1989 eingeführte American-Blend-Varianten, in Deutschland nicht mehr gelistethistorisch

Werbung und Design: Schwarz und Gold

Kaum eine Zigarettenmarke ist so stark über ihr Design definiert wie JPS. Die schwarze Packung mit goldenem Rahmen und der stilisierten Wortmarke wurde in den 1970er Jahren zur Vorlage für eines der bekanntesten Erscheinungsbilder des Motorsports. Die schwarz-goldenen Lotus-Rennwagen wurden zeitgenössisch als fahrende Zigarettenschachteln beschrieben, und genau das war der Zweck: Die Rennwagen transportierten die Packung in Fernsehbilder, in denen klassische Zigarettenwerbung bereits eingeschränkt war. Motorsport-Historiker sehen in JPS deshalb ein frühes Beispiel dafür, wie Sponsoring als Ersatz für verbotene Produktwerbung eingesetzt wurde.

In Deutschland verlief die Markenführung nüchterner. Nach der Neupositionierung Mitte der 2000er Jahre setzte Reemtsma vor allem auf Großpackungen und ein günstiges Preis-Leistungs-Verhältnis statt auf Imagekampagnen; nach Herstellerangaben kauften 2021 rund zwei Drittel der Konsumenten Großformate. 2022 wurde das Packungsdesign modernisiert, wobei Red und Blue ein helles Weiß als Grundfarbe erhielten, während Black und Just die schwarze Identität behielten. 2023 und 2024 folgten abgerundete Ecken, Soft-Touch-Lackierung, geprägtes Logo und Klickverschlüsse für die großen Formate.

Marktstellung in Deutschland

Auf dem deutschen Markt zählt JPS zu den meistverkauften Zigarettenmarken und gilt als wichtigste Marke Reemtsmas. Der Erfolg beruht auf einer bewussten Repositionierung: Nachdem die Marke seit 1982 im gehobenen Segment eher unauffällig geblieben war, positionierte Reemtsma sie Mitte der 2000er Jahre im preisgünstigen Segment neu. Die Zeit fiel mit mehreren Tabaksteuererhöhungen zusammen, die viele Raucher zu günstigeren Marken und Großpackungen wechseln ließen. In einer Pressemitteilung vom November 2011 sprach Reemtsma vom „siebten Jahr der Marktpräsenz“ und nannte JPS die erfolgreichste Zigaretten-Neueinführung der vergangenen Jahre; der Marktanteil lag nach Herstellerangaben 2011 bei 9,9 Prozent (2010: 9,3 Prozent). Aktuellere unabhängige Marktanteile veröffentlichen Marktforscher nur kostenpflichtig; der Hersteller selbst sprach Ende 2021 von einer „sehr starken Performance“. Marktführer bleibt Marlboro; JPS konkurriert vor allem mit anderen Marken des mittleren und unteren Preissegments wie Pall Mall und L&M.

Kontroversen und Regulierung

JPS ist als Zigarettenmarke Teil eines Produkts, das bei bestimmungsgemäßem Gebrauch krank macht; die gesundheitlichen Folgen des Rauchens sind unter Gesundheit beschrieben. Markenspezifisch steht vor allem die Sponsoringgeschichte in der Kritik: Die Konstruktion einer Marke, deren Packung zugleich Rennwagen-Lackierung war, gilt in der Tabakkontrollforschung als Lehrbeispiel für die Umgehung von Werbebeschränkungen. Das Formel-1-Engagement endete 1986 aus geschäftlichen Gründen, lange bevor die EU 2005 das Tabaksponsoring grenzüberschreitender Veranstaltungen untersagte.

Auch die Produktpolitik folgte den Regeln, wo sie musste: Bezeichnungen wie „Lights“ oder „Mild“ sind seit September 2003 in der EU verboten, weshalb die Branche – JPS eingeschlossen – auf Farbcodes wie Blue oder Silver umstellte. Mit dem Mentholverbot der Tabakproduktrichtlinie vom 20. Mai 2020 verschwanden die JPS-Mentholvarianten vom Markt. Die Forschungsplattform Tobacco Tactics der Universität Bath dokumentiert, dass Imperial in Großbritannien rund um das Verbot JPS-Varianten mit Aromakapsel-Filtern („Crush“) und umbenannte Varianten anbot, was Kritiker als Versuch werten, das Verbot zu umgehen. Für Deutschland sind vergleichbare Produkte nicht belegt. Rückrufe oder Gerichtsverfahren speziell zu JPS in Deutschland sind nicht bekannt. Die allgemeinen Regeln zu Verpackung, Warnhinweisen und Werbung findet man unter Recht.

Namensherkunft und Schreibweise

Der Name verbindet den Gründer John Player mit dem Zusatz „Special“, der in der britischen Tabakindustrie traditionell eine gehobene Mischung kennzeichnete. Im Alltag hat sich die Abkürzung JPS durchgesetzt, die auch als Wortmarke auf Packung und Rennwagen stand. Zu unterscheiden ist die Marke von „Player's“ beziehungsweise „Player's Navy Cut“, den älteren Marken desselben Hauses, und von „John Player Gold Leaf“, das British American Tobacco in einigen asiatischen Märkten vertreibt.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. Reemtsma Cigarettenfabriken: Pressemitteilung zum Geschäftsjahr 2011 (JPS-Marktanteil 9,9 Prozent) – https://www.presseportal.de/pm/12800/2139602
  2. Brandslex Markenlexikon: John Player Special (JPS) – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/j/markenlexikon-john-player-special
  3. Wikipedia (en): John Player & Sons – https://en.wikipedia.org/wiki/John_Player_%26_Sons
  4. Wikipedia (en): Team Lotus – https://en.wikipedia.org/wiki/Team_Lotus
  5. Wikipedia (de): John Player – https://de.wikipedia.org/wiki/John_Player
  6. Wikipedia (de): Reemtsma Cigarettenfabriken – https://de.wikipedia.org/wiki/Reemtsma_Cigarettenfabriken
  7. Reemtsma: Unsere Produkte – https://reemtsma.com/en/company/our-products/
  8. Reemtsma: Verkaufsgespräche erfolglos – Standort Langenhagen wird geschlossen (2026) – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/verkaufsgespraeche-erfolglos-imperial-brands-standort-langenhagen-wird-geschlossen/
  9. Die Tabakzeitung: Imperial Brands plant Produktionsstopp in Langenhagen (Oktober 2025) – https://www.tabakzeitung.de/aktuell/branche/imperial-brands-plant-produktionsstopp-in-langenhagen/
  10. smokersplanet: JPS wird 50 – neue Großformate bei Reemtsma (Juni 2020) – https://smokersplanet.de/jps-wird-50-und-kommt-noch-einmal-ganz-gross-raus-neue-grossformate-bei-reemtsma/
  11. smokersplanet: JPS Red 60er (August 2021) – https://smokersplanet.de/reemtsma-news-jps-red-60er-und-gauloises-blondes-gold-geben-ihre-visitenkarte-ab/
  12. smokersplanet: Reemtsma-News – neues JPS-Design (März 2022) – https://smokersplanet.de/reemtsma-news-modern-urban-farbenfroh/
  13. smokersplanet: Aus JPS Blue Stream wird JPS Blue (August 2022) – https://smokersplanet.de/aus-jps-blue-stream-wird-jps-blue/
  14. Sprit+: Neue Variante JPS Motion, runde Ecken für Red, Blue und Black (März 2023) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tabak-und-tabakersatz/runde-ecken-und-duftpartikel-neue-variante-von-jps-motion-3330811
  15. Sprit+: Reemtsma – Verpackungs-Upgrades bei JPS (April 2024) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tabak-und-tabakersatz/reemtsma-verpackungs-upgrades-bei-jps-3504719
  16. Sprit+: JPS Slims ab März neu im Sortiment (Februar 2025) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tabak-und-tabakersatz/remtsma-jps-slims-ab-maerz-neu-im-sortiment-3621588
  17. tankstelle Magazin: JPS Slims Purple – Full-Strength-Variante (Oktober 2025) – https://www.tankstelle-magazin.de/reemtsma-jps-slims-purple-neue-full-strength-variante-im-slims-segment/
  18. Tobacco Tactics (University of Bath): Imperial Brands – https://www.tobaccotactics.org/article/imperial-brands/
  19. Wikimedia Commons: JPS John Player Special logo.svg (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:JPS_John_Player_Special_logo.svg

Hinweis zur Quellenlage: 1) Der genaue Zeitpunkt der Neupositionierung im günstigen Segment ist nur indirekt belegt (Reemtsma 2011: „siebtes Jahr der Marktpräsenz“, also etwa 2004/2005); das Einführungsjahr 1982 stammt aus Markenlexika, nicht vom Hersteller. 2) Der Marktanteil 9,9 Prozent (2011) ist eine Herstellerangabe; aktuelle unabhängige Marktanteile liegen hinter Bezahlschranken. 3) Nikotin-/Teerangaben zu den Sorten sind Händlerlistungen von 2025, keine amtlichen Werte. 4) Das Einführungsjahr der deutschen JPS Black und der Blue (Stream) ist nicht dokumentiert; ob es 2020 eine eigenständige „JPS Red Stream“ gab oder nur die Jubiläumspackung so hieß, bleibt unklar. 5) Die Auszeichnung „Produkt des Jahres 2018“ (Silber, JPS Blue Stream XXXL) ist nur über den Suchmaschinen-Eintrag der Lebensmittel Praxis belegt, die Seite selbst ist nicht mehr abrufbar. 6) Verfügbarkeit von JPS Motion, JPS Gold und JPS White in Deutschland 2026 nicht sicher belegt; die Sortenliste beruht auf Handelslistungen und Fachpresse, nicht auf einer offiziellen Produktseite. 7) Die JPS-Norton-Phasen (frühe 1970er, 1988–1991) folgen der englischen Wikipedia; das Dossier nannte abweichend 1972–1986. 8) Die Schließung Langenhagen: Ankündigung Oktober 2025, endgültige Entscheidung laut Presse Frühjahr 2026, Auslaufen bis 2027; künftiger Produktionsstandort für JPS nicht benannt.