L&M Blue Label
L&M Blue Label ist die zweite Säule der Marke: milder als Red Label, in denselben Großformaten erhältlich und mit einer Geschichte, die von der Regulierung geschrieben wurde. Unter dem Namen L&M Lights eingeführt, musste die Sorte ihren Namen abgeben, als die EU 2003 Bezeichnungen verbot, die eine geringere Schädlichkeit suggerieren.
| Sorte | mildere Hauptsorte |
|---|---|
| Vorläufer | L&M Lights; Umbenennung nach dem EU-Verbot von „light“/„mild“ (wirksam 30. September 2003) |
| Mischung | milder American Blend mit Zusatzstoffen |
| Maschinenwerte | 6 mg Teer / 0,5 mg Nikotin / 7 mg CO (Wikipedia-Sortentabelle, Stand 2008) |
| Formate in Deutschland | 20er-Klappschachtel, Großpackungen XL bis 9XL (5XL seit November 2020) |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Von „Lights“ zu „Blue Label“
Milde Varianten kamen in den 1970er Jahren in Mode, als die Tabakindustrie auf die wachsende Gesundheitsdebatte mit „Light“-Zigaretten reagierte: weniger Teer und Nikotin auf dem Prüfstand der Rauchmaschine, versprochen wurde ein „leichteres“ Rauchen. Auch L&M erhielt eine solche Variante, die L&M Lights, in Deutschland mit blauem Etikett. Wann genau sie hierzulande eingeführt wurde, ist nicht dokumentiert; Marlboro Lights kamen 1983 nach Deutschland, im selben Jahr wie L&M selbst, und es liegt nahe, dass die Lights-Variante von L&M in den 1980er oder frühen 1990er Jahren folgte. Mit der Richtlinie 2001/37/EG verbot die EU Bezeichnungen wie „light“, „mild“ oder „ultra“, weil sie von den Verbrauchern als Hinweis auf eine verminderte Gesundheitsgefahr gedeutet werden könnten; die Frist lief am 30. September 2003 ab. Philip Morris behalf sich mit dem, was ohnehin schon auf der Packung war: Aus L&M Lights wurde L&M Blue Label, die Farbe wurde zum Namen. Parallel wurde aus Marlboro Lights Marlboro Gold und aus Pall Mall Lights Pall Mall Blue. Der Farbcode Blau für die milde Variante ist inzwischen Branchenstandard, von Pall Mall Blue über Chesterfield Blue bis zu den Blue-Varianten vieler Discountmarken; Marlboro bildet mit Gold die prominente Ausnahme.
Charakter und Mischung
Blue Label ist ein milderer American Blend mit – nach Handelsbeschreibungen – höherem Virginia-Anteil und zurückhaltender Würze. Was „mild“ im Mund bedeutet – weniger Kratzen, weniger Würze –, ist Geschmackssache; was es für den Körper bedeutet, ist gut untersucht: nichts. Die Wikipedia-Sortentabelle nennt für 2008 Maschinenwerte von 6 mg Teer, 0,5 mg Nikotin und 7 mg Kohlenmonoxid, gegenüber 10, 0,8 und 10 mg bei Red Label. Diese Werte sind mit Vorsicht zu lesen: Sie stammen aus standardisierten Rauchmaschinen und sagen wenig darüber aus, was ein Mensch tatsächlich aufnimmt. Rauchende milder Sorten ziehen erfahrungsgemäß tiefer, häufiger oder verdecken die Belüftungslöcher im Filter – ein Verhalten, das als Kompensation bekannt ist. Genau deshalb sind Angaben zu Teer und Nikotin seit 2016 von den Packungen verschwunden. Philip Morris positionierte Blue Label 2020 im „Fine-Flavor-Segment“, das nach Konzernangaben branchenweit wächst; das ist ein Marketingbegriff für milde, „feine“ Zigaretten, der die verbotene Stärkeangabe umschreibt. Wie die anderen regulären L&M-Sorten enthält Blue Label Zusatzstoffe; die zusatzstofffreie Entsprechung ist Simply Blue. Mehr zu Zusatzstoffen unter /inhaltsstoffe/.
Format und Packung
Wie Red Label ist Blue Label eine King-Size-Filterzigarette in der Klappschachtel mit 20 Stück und in einer langen Reihe von Großpackungen von XL bis 9XL. Die 5XL-Packung wurde im November 2020 gemeinsam mit der roten Schwester eingeführt, die 2XL mit 31 Stück im März 2025. Nur die Long-Variante im 100er-Format bleibt der Red Label vorbehalten. Für die Großformate gilt dasselbe Muster wie bei der roten Schwester: Die Stückzahlen wandern mit jeder Tabaksteuererhöhung, damit bestimmte Preispunkte gehalten werden können. Das Etikett ist blau, der Rest der Packung weiß; seit Oktober 2024 gilt das überarbeitete Design mit dem Zusatz „Premium Quality Tobaccos“. Den größten Teil der Fläche nehmen ohnehin die Bildwarnhinweise ein, die seit 2016 auf 65 Prozent der Vorder- und Rückseite vorgeschrieben sind. Wie eine Filterzigarette konstruiert ist und was Belüftungslöcher bewirken, erklärt /aufbau/.
Warum die Bezeichnung „Light“ verboten wurde
Die Umbenennung ist mehr als eine Fußnote: Sie steht für eine der wichtigsten Erkenntnisse der Tabakforschung. Seit den 1990er Jahren zeigten Studien, dass Raucherinnen und Raucher von „Light“-Zigaretten kein geringeres Risiko für Lungenkrebs oder Herzinfarkt hatten als jene, die reguläre Sorten rauchten. Die Industrie hatte die niedrigen Maschinenwerte über belüftete Filter und andere Konstruktionsdetails erreicht, die im Alltag unterlaufen werden. Ein US-Bundesgericht stellte 2006 im Verfahren der Vereinigten Staaten gegen Philip Morris und andere Hersteller fest, dass die Konzerne die Öffentlichkeit über „Light“-Zigaretten getäuscht hatten; in der EU war das Verbot der Begriffe da bereits in Kraft. Die EU zog zwei Konsequenzen: 2003 das Verbot der Bezeichnungen, 2016 das Ende der Teer- und Nikotinangaben auf den Packungen, weil auch nackte Zahlen den Vergleich „weniger ist gesünder“ nahelegen. Für Blue Label heißt das: Die Sorte ist milder im Geschmack, aber nicht weniger schädlich. Mehr zu den Mechanismen unter /gesundheit/, zu den Regeln unter /recht/.
Stellung im Sortiment
Blue Label ist die zweitwichtigste Sorte der Marke und in fast allen Formaten der Red Label erhältlich – ein Zeichen, dass sie einen erheblichen Teil des Absatzes trägt. Im deutschen Markt ist die milde Variante bei vielen Marken inzwischen ähnlich stark wie die kräftige; für L&M veröffentlicht Philip Morris keine Sortenanteile, und auch die Kantar-Erhebung, die L&M 2023 auf Rang zwei der deutschen Marken führte, unterscheidet nicht nach Sorten. Innerhalb des Konzerns entspricht Blue Label der Marlboro Gold, eine Preisstufe darunter. Mit der Einführung der 5XL-Packung 2020 machte Philip Morris deutlich, dass die milde Sorte im Großpackungsgeschäft gleichberechtigt neben der roten steht.
Status heute
Blue Label ist aktiv, in allen gängigen Großformaten erhältlich und wird seit der Schließung der Werke in Berlin und Dresden 2025 in anderen europäischen Werken des Konzerns produziert. Die Mentholvariante, mit der Blue Label lange das milde Ende des Sortiments teilte, ist seit dem EU-Mentholverbot vom 20. Mai 2020 Geschichte; damit ist Blue Label heute die mildeste reguläre L&M in Deutschland, nur Simply Blue liegt nach Handelsangaben ähnlich. Eine besonders milde Silver Label, wie sie in anderen europäischen Märkten existiert, ist in Deutschland nicht regulär im Handel. Eine Rückkehr der Bezeichnung „Lights“ ist ausgeschlossen: Die Tabakerzeugnisrichtlinie von 2014 hat das Verbot bekräftigt und auf alle Angaben ausgeweitet, die einen falschen Eindruck von der Schädlichkeit erwecken; Farbcodes wie das blaue Etikett blieben erlaubt.
Abgrenzung zu den Schwester-Sorten
Red Label: kräftiger, mehr Würze, identische Formate plus Long. Simply Blue: ähnlich mild, aber ohne Zusatzstoffe und nur in der 20er-Packung. Marlboro Gold: das teurere Pendant im Konzern. Chesterfield Blue: der konzerninterne Konkurrent im selben Preissegment. Wer von Red auf Blue Label wechselt, um „weniger zu rauchen“, sollte wissen, dass dieser Effekt in Studien nicht nachweisbar ist; der Umstieg auf eine mildere Sorte ist keine Vorstufe zum Aufhören, sondern oft ein Grund, es aufzuschieben. Wege aus der Abhängigkeit beschreibt /rauchstopp/.
Quellen: siehe Markenseite L&M.