Lucky Strike

Lucky Strike gehört zu den ältesten noch bestehenden Tabakmarken der USA: 1871 als Kautabak in Richmond (Virginia) eingetragen, seit 1916 als Zigarette verkauft und seit 1994 im Besitz von British American Tobacco. Das weiße Päckchen mit dem roten Kreis, der Slogan „It's Toasted“ und die Formel-1-Jahre machten die Marke weltweit bekannt; in Deutschland ist sie seit 1960 erhältlich und seit der Einführung der Filtervariante 1989 vor allem durch ihre Plakatkampagnen präsent.

Eingeführt1871 als Kautabak (Richmond, Virginia); 1916 als Zigarette; 1960 in Deutschland
HerstellerBritish American Tobacco (in Deutschland BAT Germany, Hamburg; in den USA R. J. Reynolds)
HerkunftUSA
Namensherkunft„Glückstreffer“, Anspielung auf den Goldrausch; frühe Packungen zeigten einen Goldgräberhammer
PackungsdesignWeißer Grund mit rotem Kreis seit 1942 (Raymond Loewy); zuvor dunkelgrün
Marktanteil Deutschland5,6 Prozent (2005, Wikipedia); aktuelle Zahlen nicht frei zugänglich
SponsoringTitelsponsor des Formel-1-Teams British American Racing 1999–2006
Packung Lucky Strike (Luckies Red) im weißen Design mit rotem Kreis und deutschem Warnhinweis, Deutschland 2005
Packung Lucky Strike (Luckies Red) im weißen Design mit rotem Kreis und deutschem Warnhinweis, Deutschland 2005 – Foto: fakie (Wikipedia-Benutzer), CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons. Markenzeichen und Packungsgestaltung sind Eigentum des jeweiligen Herstellers.

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Name und Anfänge: ein Glückstreffer aus Virginia

„Lucky Strike“ bedeutet so viel wie „Glückstreffer“ und spielt auf den Goldrausch des 19. Jahrhunderts an: Wer beim Schürfen auf eine ergiebige Ader stieß, hatte einen „lucky strike“ gelandet. 1871 ließ der Tabakhändler Dr. Richard A. Patterson in Richmond (Virginia) den Namen als Marke für Kau- und Pfeifentabak eintragen; frühe Packungen zeigten den Hammer eines Goldgräbers. Damit gilt Lucky Strike als älteste noch bestehende Tabakmarke der USA. Der rote Kreis des heutigen Logos wird in der Markengeschichte als „Target“ bezeichnet.

1903 verkaufte Patterson sein Unternehmen an W. T. Blackwell, das 1905 in der American Tobacco Company aufging, dem damals beherrschenden Tabakkonzern der USA. Unter diesem Dach wurde aus dem Kautabak eine Zigarette: 1916 kam Lucky Strike als filterlose Zigarette auf den Markt, und ab 1917 warb man mit dem Slogan „It's Toasted“. Er verwies auf das Rösten des Burley-Tabaks, das den Blend milder und süßlicher machen sollte.

Geschichte: Aufstieg zur meistverkauften Zigarette der USA

In den 1920er-Jahren wuchs Lucky Strike mit aggressiver Werbung zur führenden Marke der Vereinigten Staaten. Der Absatz stieg laut englischer Wikipedia von 14 Milliarden Zigaretten im Jahr 1925 auf 40 Milliarden im Jahr 1930; zusammen mit Camel und Chesterfield bildete die Marke die „großen Drei“ des amerikanischen Marktes. In den 1930er-Jahren warben Hollywood-Stars wie Gary Cooper und Joan Crawford, im Radio sponserte die Marke „Your Hit Parade“. Das Kürzel „L.S./M.F.T.“ („Lucky Strike Means Fine Tobacco“) wurde in den 1940er-Jahren fester Bestandteil der Packung.

1942 wich das dunkelgrüne Päckchen dem weißen Design mit rotem Kreis, das bis heute gilt. Vermarktet wurde der Wechsel als Kriegsbeitrag („Lucky Strike Green has gone to war“): Die grüne Druckfarbe binde Kupfer und Chrom, die man für die Rüstung brauche. Der Industriedesigner Raymond Loewy, der das Design überarbeitete, setzte den roten Kreis auf beide Seiten der Packung; die hellere Gestaltung sprach Käuferinnen stärker an und senkte zudem die Druckkosten.

Nach 1945 wurde Lucky Strike in Deutschland zum Inbegriff der „Ami-Zigarette“, die auf dem Schwarzmarkt der Nachkriegsjahre als Ersatzwährung diente. Regulär auf den deutschen Markt kam die filterlose Sorte 1960 über die Hamburger BAT-Tochter; mehr zur Epoche unter Geschichte.

Konzern und Produktion

Die American Tobacco Company firmierte ab 1970 als American Brands und verkaufte ihr Tabakgeschäft 1994 an Brown & Williamson, die US-Tochter von British American Tobacco (BAT). Brown & Williamson fusionierte 2004 mit R. J. Reynolds zur Reynolds American Inc., an der BAT zunächst nur beteiligt war; die vollständige Übernahme wurde 2016 angekündigt und 2017 vollzogen. Seitdem liegen die Rechte an Lucky Strike weltweit im BAT-Konzern, wobei in den USA weiterhin R. J. Reynolds als Vertriebsgesellschaft auftritt.

In Deutschland ist die British American Tobacco (Germany) GmbH mit Sitz in Hamburg zuständig. Ihr 1957 gegründetes Werk in Bayreuth war lange die größte Fabrik des Konzerns; 2013 wurden dort nach Presseberichten knapp elf Milliarden Lucky Strike für 20 Märkte hergestellt. Bis Ende 2017 verlagerte BAT die Zigarettenfertigung jedoch nach Polen, Ungarn, Rumänien und Kroatien. In Bayreuth verblieben Tabakaufbereitung, Feinschnitt, Aromen und ein Entwicklungszentrum; die in Deutschland verkauften Lucky Strike stammen heute aus anderen europäischen BAT-Werken.

Lucky Strike in Deutschland

Der eigentliche Durchbruch kam spät. Bis 1989 war Lucky Strike hierzulande eine filterlose Nischenzigarette; mit „Lucky Strike Filters“ und einer außergewöhnlich langlebigen Plakat- und Anzeigenkampagne wurde daraus eine Marke für ein breites Publikum. Da Fernseh- und Hörfunkwerbung für Tabak bereits verboten war, setzte man auf lakonische Plakatmotive mit dem Slogan „Lucky Strike. Sonst nichts.“, die bis weit in die 2000er-Jahre liefen. 2005 erreichte die Marke laut Wikipedia einen Anteil von 5,6 Prozent am deutschen Zigarettenmarkt.

Heute positioniert BAT Lucky Strike im mittleren Preissegment, deutlich hinter dem Marktführer Marlboro und hinter der konzerneigenen Schwestermarke Pall Mall, die im preisbewussten Segment stärker ist. Aktuelle, frei zugängliche Marktanteilszahlen liegen nicht vor. Auffällig ist die Formatstrategie mit Großpackungen von 22 bis 60 Stück und einer seit 2025 angebotenen günstigeren Zweitlinie. Weitere Marken sind unter Marken versammelt.

Sortiment und Sorten im Überblick

Das deutsche Sortiment folgt seit 2003 einer Farbsystematik statt Stärkeangaben, weil die EU Bezeichnungen wie „Lights“ oder „Mild“ verboten hat; BAT benannte damals „Filters“ in „Red“ und „Lights“ in „Silver“ um. Die Kernlinie heißt heute „Original“: Original Red als kräftige Hauptsorte und Original Blue als mildere Schwester. Die 2010 eingeführte Linie „Authentic“ (Red und Blue) verzichtet auf Zusatzstoffe, wobei dieser Hinweis seit 2016 nicht mehr auf der Packung stehen darf. Traditionsbewusste greifen zur Lucky Strike ohne Filter im weichen Päckchen. 2025 kamen laut Handelsangaben „Crafted 1871“ (Red und Blue) als preisgünstigere Linie und „Luckies by Lucky Strike“ als Design-Variante hinzu.

SorteSeitStatus
Original Red1989 als „Filters“, seit April 2003 „Red“aktiv
Original BlueNachfolgerin der Amber (2015)aktiv
ohne Filter1916 (USA), 1960 (Deutschland)aktiv
Authentic Red / Blue2010aktiv
Crafted 1871 Red / Blue2025 (Handelsangabe)aktiv
Silver2003 als Nachfolgerin der LightsVerfügbarkeit unklar
Change Green / Dark Green2021Verfügbarkeit unklar
Click & Roll / Double Click2009 / 2014historisch (Mentholverbot 2020)
Amber2015historisch (in Blue umbenannt)

Die Kapselzigaretten „Click & Roll“ (2009) und „Double Click“ (2014) fielen unter das EU-Mentholverbot; die Linie „Change“ (2021) mit Papierfilter und folienfreier Packung taucht in Handelsübersichten nur noch vereinzelt auf. Was Zusatzstoffe bewirken, erläutert der Abschnitt Inhaltsstoffe.

Werbung und Design

Kaum eine Zigarettenmarke hat die Werbegeschichte so geprägt wie Lucky Strike. „It's Toasted“ (1917) machte ein Produktionsdetail zum Verkaufsargument; „Reach for a Lucky instead of a sweet“ (1928) bewarb die Zigarette als Ersatz für Süßigkeiten; die „Torches of Freedom“ von 1929, bei denen der PR-Pionier Edward Bernays junge Frauen auf der New Yorker Osterparade demonstrativ rauchen ließ, gelten als Lehrstück früher PR. Loewys weiße Packung von 1942 zählt zu den Designikonen des 20. Jahrhunderts, und in der Fernsehserie „Mad Men“ (ab 2007) ist der Pitch für „It's Toasted“ eine Schlüsselszene.

Von 1999 bis 2006 war Lucky Strike Titelsponsor des Formel-1-Teams British American Racing, das ab 2000 als „Lucky Strike BAR Honda“ antrat und 2004 Zweiter der Konstrukteurswertung wurde. Weil BAT das Team 2005 vollständig an Honda verkaufte und die Tabakwerbeverbote weltweit griffen, endete das Engagement nach der Saison 2006.

Kontroversen und Regulierung

Die frühen Frauenkampagnen gelten heute als Lehrbeispiele manipulativer Werbung: Sie verkauften Zigaretten als Schlankheitsmittel und als Symbol weiblicher Emanzipation. Auch der Farbwechsel von 1942 wird kritisch gesehen, weil der Rohstoffmangel nach verbreiteter Einschätzung eher Vorwand als Grund war. In Deutschland klagten Dieter Bohlen und Ernst August von Hannover gegen satirische Plakatmotive aus den Jahren 2000 und 2003, die auf Bohlens teilweise geschwärztes Buch und die Handgreiflichkeiten des Prinzen anspielten. Der Bundesgerichtshof erklärte die Werbung am 5. Juni 2008 für zulässig, der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte wies die Beschwerden am 19. Februar 2015 ab.

Regulatorisch traf die Marke, was alle Zigaretten traf: das Verbot von Bezeichnungen wie „Lights“ (2003), die bildlichen Warnhinweise und das Ende der Nikotin- und Teerangaben auf der Packung (2016), das Mentholverbot (2020) und das Werbeverbot auf Plakaten (2022). Details dazu finden sich unter Recht. Unabhängig von Marke und Sorte bleibt der Kern: Rauchen ist die vermeidbare Hauptursache für Lungenkrebs und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, und keine Variante von Lucky Strike ist weniger schädlich als eine andere. Was das bedeutet, erläutern die Abschnitte Gesundheit und Rauchstopp.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. Lucky Strike – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Lucky_Strike
  2. Lucky Strike – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Lucky_Strike
  3. Brandslex Markenlexikon: Lucky Strike – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/l/markenlexikon-lucky-strike
  4. Horizont (10.03.2003): Lucky Strike tauft die Lights um – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/-Lucky-Strike-tauft-die-Lights-um-43002
  5. Horizont (2015): Gerichtshof urteilt über Werbung mit Bohlen und Ernst August – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/Lucky-Strike-Gerichtshof-urteilt-ueber-Werbung-mit-Bohlen-und-Ernst-August-132928
  6. Legal Tribune Online: EGMR-Urteile 53495/09 und 53649/09 (Bohlen, Ernst August von Hannover) – https://www.lto.de/recht/hintergruende/h/egmr-urteile-53495-09-53649-09-satirische-werbung-erlaubt-dieter-bohlen-ernst-august-von-hannover
  7. British American Racing – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/British_American_Racing
  8. BAT Germany: BAT in Deutschland (Standorte Hamburg und Bayreuth) – https://www.bat.de/wer-wir-sind/bat-in-deutschland
  9. Utopia: Lucky Strike Change – Papierfilter und Packung ohne Folie (2021) – https://utopia.de/news/lucky-strike-change-endlich-eine-gruene-zigarette_274986/
  10. Richtlinie 2001/37/EG (Verbot von „Light“/„Mild“, EUR-Lex) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32001L0037
  11. Richtlinie 2014/40/EU (Tabakproduktrichtlinie, EUR-Lex) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014L0040
  12. Wikimedia Commons: File:Lucky Strike logo.svg (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Lucky_Strike_logo.svg

Hinweis zur Quellenlage: 1) Loewy-Redesign: deutsche Wikipedia datiert es auf 1940, englische Wikipedia und Designliteratur auf 1942; der Farbwechsel Grün zu Weiß ist für 1942 belegt. 2) US-Rechtehistorie: eine englischsprachige Zusammenfassung nennt 1976/1978 für BAT bzw. Brown & Williamson; Brandslex und englische Wikipedia belegen den Verkauf des American-Brands-Tabakgeschäfts 1994, die Reynolds-Übernahme wurde 2016 angekündigt und 2017 vollzogen. 3) Marktanteil Deutschland: einzige frei belegte Zahl ist 5,6 Prozent für 2005 (Wikipedia); aktuelle Zahlen liegen hinter Paywalls, deshalb nur qualitative Einordnung. 4) Umbenennung Amber zu Blue, Einführung von „Crafted 1871“ (2025) und „Luckies by Lucky Strike“ sind nur über Handelsbeschreibungen belegt, ohne Herstellerquelle; das Jahr der Umbenennung Amber zu Blue ist unbekannt. 5) Status der Sorten Silver (ab 2003) und Change (2021) im deutschen Handel ist uneinheitlich, daher in der Tabelle als „Verfügbarkeit unklar“ geführt. 6) Der Slogan „Lucky Strike. Sonst nichts.“ ist über die deutsche Wikipedia belegt, ein Startjahr der Kampagne aber nicht. 7) Nikotin-/Teerwerte wurden bewusst nicht genannt, weil nur Händlerangaben vorliegen. 8) Die Verlagerung der Zigarettenproduktion aus Bayreuth bis Ende 2017 stützt sich auf Brandslex, die BAT-Standortseite (nennt für Bayreuth keine Zigarettenfertigung mehr) und Pressemeldungen; das genaue Herkunftswerk der in Deutschland verkauften Lucky Strike ist nicht öffentlich dokumentiert. 9) Sorten-Links sind als /marken/<sorten-slug>/ gesetzt (wie bei marlboro.json und lm.json); pall-mall.json verwendet /marken/pall-mall/<sorten-slug>/.