Winston

Winston gehört zu den bekanntesten Zigarettenmarken der Welt und war die erste Filterzigarette, die in den USA zum Massenerfolg wurde. 1954 von der R.J. Reynolds Tobacco Company in Winston-Salem eingeführt, führte die Marke von 1966 bis 1972 die US-Verkaufsstatistik an, bevor Marlboro sie ablöste. Heute liegen die Rechte außerhalb der USA bei Japan Tobacco International, das Winston als zweitmeistverkaufte Zigarettenmarke der Welt bezeichnet; in Deutschland stammt die Marke aus dem Werk Trier.

Eingeführt1954 in Winston-Salem (USA); in Deutschland ab den 1960er Jahren über das Trierer Haus Neuerburg
HerstellerJapan Tobacco International (außerhalb der USA); in Deutschland JT International Germany GmbH, Köln/Trier. USA: ITG Brands (Imperial Brands)
HerkunftUSA
NamensgeberStadt Winston-Salem in North Carolina, Sitz von R.J. Reynolds
Produktion in DeutschlandWerk Trier (Zigarettenfertigung seit 1908, seit 1999 JTI)
Marktstellungnach Herstellerangaben zweitmeistverkaufte Zigarettenmarke der Welt; in Deutschland Nummer eins im Feinschnitt (Herstellerangabe)
Sorten in DeutschlandOriginal Red, Legend Blue, Black; Feinschnitt Volume Blue und Premium Blue

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: eine Filterzigarette für die Zeit der ersten Gesundheitswarnungen

Winston kam 1954 auf den US-Markt, in einer Phase, in der erste Studien den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs öffentlich gemacht hatten. Die R.J. Reynolds Tobacco Company aus Winston-Salem in North Carolina, bis dahin vor allem mit Camel groß geworden, reagierte mit einer Filterzigarette. Ein Testpanel hatte zuvor rund 250 Versuchsmischungen geraucht, ehe die Wahl 1954 auf die Mischung Nummer 736 fiel. Winston sollte nicht nach Verzicht schmecken, sondern nach einer kräftigen American-Blend-Zigarette mit Filter. Das traf den Nerv der Zeit: Bereits 1955 war Winston die meistverkaufte Filterzigarette der USA, und der Anteil der Filterzigaretten am US-Markt stieg von etwa einem Prozent im Jahr 1952 auf rund die Hälfte im Jahr 1960.

Von 1966 bis 1972 war Winston die meistverkaufte Zigarettenmarke der Vereinigten Staaten; 1972 zog Marlboro vorbei und hält die Spitze seither. In den USA verlor Winston danach stetig an Gewicht und lag 2017 mit rund zwei Prozent Marktanteil nur noch auf Rang sieben. International verlief die Entwicklung anders: Außerhalb der USA wurde Winston nach 1999 zur Wachstumsmarke von Japan Tobacco International. Der Konzern meldete 2010 neun Jahre zweistelligen Wachstums in Folge und bezeichnet Winston seither als zweitmeistverkaufte Zigarettenmarke der Welt hinter Marlboro.

Konzern und Produktion: von Reynolds zu Japan Tobacco International

Die Markenrechte sind seit 1999 geteilt. Damals verkaufte RJR Nabisco das internationale Tabakgeschäft von R.J. Reynolds für 7,8 Milliarden US-Dollar an Japan Tobacco; daraus entstand die in Genf ansässige Japan Tobacco International (JTI), die Winston, Camel und Salem seither außerhalb der USA führt. In den USA blieb Winston zunächst bei Reynolds. Als Reynolds American den Konkurrenten Lorillard übernahm, mussten aus kartellrechtlichen Gründen Marken abgegeben werden: 2015 gingen Winston, Kool, Salem, Maverick und die E-Zigarettenmarke blu für 7,1 Milliarden US-Dollar an Imperial Tobacco, dessen Tochter ITG Brands Winston seither in den Vereinigten Staaten vertreibt.

Für Deutschland ist die JT International Germany GmbH zuständig, mit der Marktorganisation in Köln und dem Werk in Trier. Dort werden seit 1908 Zigaretten hergestellt; die Fabrik gehörte zum Haus Neuerburg, an dem Reynolds 1960 die Mehrheit übernahm und das 1969 vollständig in den Konzern überging. Nach Angaben von JTI arbeiten in Deutschland rund 2.200 Menschen, davon mehr als 1.800 in Trier, und etwa 80 Prozent der dort gefertigten Zigaretten gehen in den Export. Winston zählt neben Camel, Mevius und LD zu den vier globalen Flaggschiffmarken des Konzerns, der in mehr als 130 Ländern tätig ist.

Sortiment und Sorten im Überblick

Der Kern der Marke ist seit 1954 eine American-Blend-Mischung aus Virginia-, Burley- und Orienttabaken mit Filter. In Deutschland gibt es seit 2019 drei Linien, die sich vor allem in der Intensität unterscheiden:

Alle drei Linien gibt es in mehreren Packungsgrößen. JTI brachte im Juni 2020 mit dem 6XL Big Pack (53 Stück) nach eigenen Angaben die erste Packung mit mehr als 50 Zigaretten auf den deutschen Markt und ersetzte sie im Juni 2022 durch das Megapack mit 57 Stück. Daneben ist Winston in Deutschland vor allem als Feinschnittmarke stark: Winston Volume Blue (Volumentabak) und Winston Premium Blue (Feinschnitt) werden in Beuteln und Dosen angeboten; JTI bezeichnet Winston seit Jahren als Nummer eins im deutschen Feinschnittsegment. International existieren zahlreiche weitere Varianten, etwa Winston Classic, Silver, XS oder Super Slims, die es in Deutschland nicht gibt.

Werbung und Design: vom Slogan bis zum Adler

Kaum ein Werbespruch ist so bekannt wie „Winston tastes good like a cigarette should“, der von 1954 bis 1972 verwendet wurde. Der Satz löste eine jahrelange Grammatikdebatte aus, weil „like“ dort steht, wo Sprachpuristen „as“ verlangten; Nachrichtensprecher Walter Cronkite weigerte sich 1954, die Zeile so zu lesen. Von 1960 bis 1962 sponserte Winston die Zeichentrickserie „Familie Feuerstein“, in der Fred und Barney die Marke anpriesen. Nachdem 1971 in den USA Tabakwerbung im Fernsehen verboten wurde, floss das Geld in den Sport: Von 1971 bis 2003 hieß die höchste NASCAR-Rennserie „Winston Cup“, und 1982 trat die Marke als Sponsor der Fußball-Weltmeisterschaft auf. Die Werbefigur „Winston Man“ wurde von Models wie Alan Landers und David Goerlitz verkörpert, die später beide zu Gegnern des Rauchens wurden.

Das Packungsdesign ruht seit Jahrzehnten auf weißem Grund mit rotem Schriftzug in Antiqua und dem Adler als Emblem. 2018 rückte JTI den Adler näher an den Schriftzug, im September 2024 folgte in Deutschland ein Redesign mit kräftigeren Farben, bedrucktem Zigarettenpapier und den Sortennamen Original Red und Legend Blue. Hierzulande wirbt JTI für Winston mit dem Claim „Ganz genau“.

Marktstellung in Deutschland

Winston ist in Deutschland kein Neuling: Nach dem Einstieg von Reynolds beim Trierer Haus Neuerburg wurden ab 1961 mehrere Konzernmarken eingeführt, darunter Reyno, Camel und Winston. Eine große Rolle spielte die Marke hierzulande lange nicht; die Schwerpunkte lagen bei Reyno und Camel. Erst mit der Neupositionierung als preisgünstige Markenzigarette, die JTI ab etwa 2010 in mehreren europäischen Ländern vornahm, wuchs Winston auch in Deutschland spürbar. JTI nennt sich das am schnellsten wachsende Tabakunternehmen des Landes und gab 2022 an, sein Marktanteil habe die Zehn-Prozent-Marke überschritten; im Feinschnitt ist Winston nach Herstellerangaben die meistverkaufte Marke des Landes. Im Gesamtmarkt für Fertigzigaretten bleibt Marlboro mit Abstand die größte Marke; Winston gehört aber zu den Marken, die im preisgünstigen Segment am stärksten zugelegt haben.

Kontroversen und Regulierung

Winston steht seit seiner Einführung für die Frage, was ein Filter wirklich leistet. Wirtschaftshistoriker haben anhand von Reynolds-Unterlagen gezeigt, dass Winston-Raucher wegen der kräftigeren Mischung pro Zigarette eher mehr Nikotin und Teer aufnahmen als Camel-Raucher, obwohl die Marke als sicherere Alternative wahrgenommen wurde. Ende der 1990er Jahre positionierte Reynolds Winston in den USA als Zigarette „ohne Zusatzstoffe“. Die Federal Trade Commission wertete die Werbung 1999 als irreführend; Reynolds musste fortan den Hinweis abdrucken, dass Tabak ohne Zusatzstoffe keine sicherere Zigarette bedeute. 2015 mahnte die US-Behörde FDA die neue Eigentümerin ITG Brands wegen derselben Auslobung ab. Mehr dazu unter Inhaltsstoffe und Gesundheit.

In Deutschland geriet Winston 2021 in die Kritik, als das Bureau of Investigative Journalism dokumentierte, dass JTI auf Facebook und Instagram Seiten unter dem Namen „Ganz Genau“ betrieb, die wie Lifestyle-Communities auftraten, aber in Markenfarben gestaltet waren und Gewinnspiele mit Verweis auf Winston-Websites veranstalteten. JTI verwies auf Altersschranken und branchenübliche Praxis. Die Debatte fiel in die Zeit kurz vor dem Außenwerbeverbot für Tabakwaren zum 1. Januar 2022. Seit 2003 sind zudem Bezeichnungen wie „Lights“ verboten, seit 2016 gelten die Bildwarnhinweise der EU-Tabakproduktrichtlinie. Einen Überblick zu den Vorschriften gibt die Seite Recht.

Namensherkunft

Winston ist nach dem Firmensitz von Reynolds benannt: Winston-Salem in North Carolina. Die Siedlung Winston erhielt ihren Namen 1851 zu Ehren des Offiziers Joseph Winston aus dem Unabhängigkeitskrieg, das benachbarte Salem war 1766 von Herrnhuter Brüdern gegründet worden; 1913 schlossen sich beide Orte zu einer Stadt zusammen. Die Marke ist also, wie die Menthol-Schwester Salem, schlicht ein Stadtname und hat mit Winston Churchill nichts zu tun. Weitere Marken listet die Markenübersicht, die Entwicklung der Zigarette insgesamt der Abschnitt Geschichte.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. Winston (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Winston_(cigarette)
  2. Winston (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Winston_(Zigarettenmarke)
  3. JT International Germany – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/JT_International_Germany
  4. Japan Tobacco International – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Japan_Tobacco_International
  5. ITG Brands – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/ITG_Brands
  6. Winston-Salem, North Carolina – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Winston-Salem,_North_Carolina
  7. TIME: „Tobacco: The Controversial Princess“ (11. April 1960) – https://time.com/archive/6622409/tobacco-the-controversial-princess/
  8. Business History Conference: „Like a Cigarette Should“ – RJ Reynolds' Pivot from Camel to Winston, 1950–1964 (Abstract) – https://thebhc.org/index.php/node/97388
  9. Mental Floss: The Time Walter Cronkite Angered R.J. Reynolds – https://www.mentalfloss.com/article/502471/time-walter-cronkite-angered-rj-reynolds
  10. Federal Trade Commission: Settlement zu Winston-„No Additive“-Werbung (März 1999) – https://www.ftc.gov/news-events/news/press-releases/1999/03/ftc-accepts-settlement-charges-ads-winston-no-additive-cigarettes-are-deceptive
  11. NBC Sports: Winston fueled NASCAR for 33 years – https://www.nbcsports.com/nascar/news/smokin-winston-fueled-nascar-for-33-years
  12. Talking Retail: JTI launches Winston, its flagship brand, in the UK (27. Juli 2010) – https://www.talkingretail.com/products-news/tobacco/jti-launches-winston-its-flagship-brand-in-the-uk-27-07-2010/
  13. JTI: Medieninformation „Führungswechsel bei JTI in Deutschland“ (August 2022, PDF) – https://www.jti.com/assets/f/266538/x/7b8a6f904c/2022-08-jti_presseinformation_fuhrungswechsel_bei_jti_in_deutschland.pdf
  14. JTI: Where we operate – Germany – https://www.jti.com/en/our-company/where-we-operate/germany
  15. Sprit+: Produkte – Neues aus der Tabakbranche (Winston Black, 25. Juni 2019) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tankstelle/produkte-neues-aus-der-tabakbranche-3153520
  16. Sprit+: Winston Zigaretten sind jetzt im Megapack erhältlich (15. Juni 2022) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tankstelle/neu-winston-zigaretten-sind-jetzt-im-megapack-erhaeltlich-3189366
  17. Sprit+: JTI – Winston im neuen Look (19. September 2024) – https://www.sprit-plus.de/nachrichten/tabak-und-tabakersatz/jti-winston-im-neuen-look-3555943
  18. Trafikantenzeitung: Runderneuerung für Winston (30. Mai 2018) – https://www.trafikantenzeitung.at/produkte/runderneuerung-fuer-winston-47036/
  19. The Bureau of Investigative Journalism: Tobacco giant JTI placing stealth adverts on Facebook and Instagram (25. April 2021) – https://www.thebureauinvestigates.com/stories/2021-04-25/tobacco-giant-jti-placing-stealth-adverts-for-its-brands-on-facebook-and-instagram
  20. Tobacco Tactics: Japan Tobacco International – https://www.tobaccotactics.org/article/japan-tobacco-international/
  21. museum-digital: Zigarettenmarke Winston – 50er Geschenkdose (Freilichtmuseum Roscheider Hof) – https://nat.museum-digital.de/object/972282?navlang=de
  22. Wikimedia Commons: File:Winston cigarettes logo.png (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Winston_cigarettes_logo.png

Hinweis zur Quellenlage: 1) Deutschland-Start: Das Freilichtmuseum Roscheider Hof nennt den Kauf des Hauses Neuerburg durch Reynolds für 1959 und die Einführung der Reynolds-Marken „ab 1961“; de.wikipedia (JT International Germany) datiert die Mehrheitsübernahme auf 1960 und die Komplettübernahme auf 1969. Händler- und Herstellertexte nennen „Trierer Produktion seit 1963“ und „Deutschland-Start 1964“ ohne Primärquelle; hier wurde deshalb nur „ab 1961 eingeführt“ bzw. „seit den 1960er Jahren“ geschrieben. 2) Die Neupositionierung als preisgünstige Markenzigarette ist für Großbritannien (2010) belegt; für Deutschland fehlt eine datierte Quelle, die Formulierung „ab etwa 2010 in mehreren europäischen Ländern“ ist eine vorsichtige Verallgemeinerung. 3) Umbenennung Lights → Blue: Das EU-Verbot (Richtlinie 2001/37/EG, wirksam 30.09.2003) ist belegt, der genaue Zeitpunkt, zu dem JTI Winston Lights in Winston Blue umbenannte, nicht. Das Einführungsjahr von Winston Lights in den USA (nach verbreiteter Darstellung 1974) ist nicht mit einer Primärquelle belegt, daher „in den 1970er Jahren“. 4) „Zweitmeistverkaufte Zigarettenmarke der Welt“ und „Nummer eins im Feinschnitt in Deutschland“ sind Herstellerangaben (JTI 2019–2024), keine unabhängig geprüften Zahlen. 5) Der Marktanteil „über zehn Prozent“ bezieht sich laut JTI-Medieninformation (August 2022) auf JTI Germany insgesamt, nicht auf Winston allein. 6) Die Packungsformate (20/24/28/38 Stück, 53er Big Pack, 57er Megapack) stammen aus Fachpresse-Meldungen 2019–2022; ob alle Formate 2026 noch angeboten werden, ist nicht geprüft. 7) Das Sponsoring der Fußball-WM 1982 ist nur über en.wikipedia belegt. 8) Dass die Stammsorte in vielen Ländern „Winston Classic“ heißt und dass der 2018 in Österreich angekündigte formstabilere Filter auch in Deutschland verwendet wird, ist nicht mit deutschen Primärquellen belegt. 9) Der Einführungsmonat von Winston Black (Mai 2019) stammt aus der Fachpresse (Sprit+), die eine JTI-Mitteilung wiedergibt.