MarkenCamel

Camel ohne Filter

Camel ohne Filter ist die Urform der Marke: die filterlose Zigarette im weichen Päckchen, wie sie 1913 auf den Markt kam. In Deutschland wird sie heute als Camel Yellow ohne Filter im 20er-Softpack geführt.

Eingeführt1913 (USA) als ursprüngliche Camel; in Deutschland seit 1968
Heutiger NameCamel Yellow ohne Filter
Formatfilterlos, Softpack mit 20 Zigaretten; keine Großpackungen
Charakterkräftig, American Blend mit betontem Orientanteil
ProduktionJTI-Werk Trier
Statusaktiv (Nische)

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Die Urform von 1913

Als die R.J. Reynolds Tobacco Company 1913 die erste Camel verkaufte, gab es keinen Filter – wie bei jeder Zigarette jener Zeit. Die filterlose Camel im Softpack war über ein halbes Jahrhundert die einzige Camel überhaupt und wurde in den USA zur meistverkauften Zigarette des Landes; 1952 erreichte sie laut einem Händlerhandbuch des Herstellers aus den späten 1990er Jahren mit gut hundert Milliarden verkauften Stück einen Jahresrekord, den Reynolds noch Jahrzehnte später als unerreicht bezeichnete. In den USA heißt sie bis heute schlicht Camel, im Sprachgebrauch „Straights“ oder „Regulars“. In Deutschland läuft sie als Camel ohne Filter beziehungsweise seit der Umbenennung der gelben Sorte 2019 als Camel Yellow ohne Filter – ein Nischenprodukt, das die Marke Camel aus Traditionsgründen im Sortiment hält.

Charakter und Mischung

Die filterlose Camel ist ein American Blend, bei dem der Orientanteil besonders deutlich hervortritt. Reynolds warb von Anfang an mit dem Aufdruck „Turkish & Domestic Blend“, und als das Unternehmen 1958 die Packung modernisieren und diesen Schriftzug streichen wollte, protestierten die Käufer so vehement, dass die alte Gestaltung zurückkehrte – viele glaubten, mit dem Aufdruck sei auch die Rezeptur verändert worden. Ohne Filter gelangt der Rauch unverdünnt in den Mund; der Zug ist leichter, der Geschmack kräftiger, und Tabakkrümel auf der Zunge gehören zur Erfahrung. Die Sorte ist in Deutschland der kräftigen gelben Linie zugeordnet. Zahlenangaben zu Nikotin oder Teer werden hier bewusst nicht gemacht: Bei filterlosen Zigaretten liegen die Maschinenwerte naturgemäß höher als bei Filtersorten, sagen aber wie überall wenig über die tatsächliche Aufnahme aus. Was im Rauch steckt, steht unter Inhaltsstoffe.

Format und Packung

Die filterlose Camel wird in Deutschland im Softpack mit 20 Zigaretten verkauft, dem weichen Päckchen aus Papier und Folie, das man oben aufreißt, statt einen Deckel aufzuklappen. Das Format ist historisch: Die Klappschachtel aus Karton setzte sich erst in den 1950er Jahren durch, das Softpack war davor der Standard, und Camel gehörte zu den ersten Marken, die ihre Päckchen zusätzlich mit Zellophan gegen Austrocknen schützten. Die Zigarette selbst ist kürzer als eine Filterzigarette im King-Size-Format – in den USA wird sie als 70-mm-Version geführt –, weil der Filter fehlt und der Tabakstrang nicht entsprechend verlängert wurde. Großpackungen gibt es von der filterlosen Sorte nicht; sie bleibt beim klassischen 20er-Format. Das Softpack hat einen praktischen Nachteil, der zugleich Teil seines Rufs ist: Es schützt die Zigaretten weniger vor Druck, weshalb sie oft leicht verbogen aus der Hemdtasche kommen – für Liebhaber der Sorte gehört das zum Ritual. Auch auf dem Softpack sind seit 2016 die Bildwarnhinweise Pflicht.

Geschichte in Deutschland

Camel kam ab August 1968 über Haus Neuerburg nach Deutschland, und in den ersten Jahrzehnten stand die Filterzigarette im Vordergrund der Werbung. Die große deutsche Kampagne „Ich geh' meilenweit für Camel Filter“ warb ausdrücklich für die Filterzigarette; eine eigene Kampagne für die filterlose Sorte ist nicht überliefert, was ihre Rolle als Sorte für Eingeweihte eher festigte. Sie lief parallel als Zigarette für Traditionsraucher und für alle, die den ungefilterten Rauch bevorzugten. Der deutsche Markt war für filterlose Zigaretten lange aufnahmefähiger als andere: Marken wie Roth-Händle, Reval oder Pall Mall ohne Filter hatten hier eine treue Kundschaft, und Camel ohne Filter besetzte innerhalb dieses Segments die Rolle der amerikanischen Alternative mit Orienttabak. Mit dem allgemeinen Rückgang filterloser Zigaretten seit den 1990er Jahren schrumpfte auch diese Nische; heute wird die Sorte im Trierer JTI-Werk in kleiner Auflage weitergeführt.

Stellung im Sortiment

Im deutschen Camel-Sortiment ist die filterlose Version die kleinste der vier aktiven Sorten. Sie teilt sich die gelbe Kennzeichnung mit Camel Yellow und Camel Yellow 100, hebt sich aber durch das Softpack und den fehlenden Filter deutlich ab. Anders als Yellow und Camel Blue wird sie nicht in Großpackungen angeboten und nicht in jedem Verkaufsregal geführt. Ihre Bedeutung liegt weniger im Absatz als in der Markenpflege: Sie hält die Verbindung zur Packung von 1913 lebendig, die auf dem Softpack am ehesten so aussieht wie im Ursprung. Dass sie 2019 den Zusatz Yellow erhielt, ist allein Folge der Umbenennung der gelben Stammsorte und kein Hinweis auf eine veränderte Mischung.

Filterlos und Gesundheit

Um filterlose Zigaretten ranken sich zwei Irrtümer. Der erste besagt, sie seien „ehrlicher“ oder „natürlicher“, weil kein Filter dazwischenliegt; tatsächlich enthält der Rauch dieselben Verbrennungsprodukte, nur ohne jede Rückhaltung, weshalb die Belastung mit Partikeln und Nikotin pro Zug höher ausfällt. Der zweite Irrtum ist die Umkehrung: dass ein Filter die Zigarette sicher mache. Filter halten einen Teil der Partikel zurück, ändern aber nichts an den Gasen und an der Tatsache, dass Raucher ihre Zugtechnik unbewusst so anpassen, dass sie die gewohnte Nikotinmenge erhalten. Historisch fällt der Siegeszug des Filters in die 1950er Jahre, als die ersten großen Studien den Zusammenhang zwischen Rauchen und Lungenkrebs belegten – der Filter war zuerst ein Beruhigungsmittel für verunsicherte Kunden. Weder mit noch ohne Filter gibt es eine unbedenkliche Zigarette; die Einzelheiten stehen unter Gesundheit, Wege aus der Abhängigkeit unter Rauchstopp.

Status heute

Camel ohne Filter ist aktiv und wird in Deutschland als Camel Yellow ohne Filter im 20er-Softpack angeboten. Für die Sorte gelten dieselben Vorschriften wie für jede Zigarette: Bildwarnhinweise seit 2016, Abgabeverbot an Minderjährige, Werbeverbote, Tabaksteuer. Das Mentholverbot von 2020 hat sie nicht berührt, weil es nie eine Mentholversion gab. Die Regeln im Einzelnen erklärt die Seite Recht. Wie lange die Nische Bestand hat, hängt vom Absatz ab; Belege für eine geplante Einstellung gibt es derzeit nicht.

Abgrenzung zu den Schwester-Sorten

Gegenüber Camel Yellow ist die filterlose Sorte die kompromisslosere Variante derselben Linie: gleiche Farbe, gleiche kräftige Einordnung, aber ohne Filter, kürzer und im Softpack. Camel Blue liegt am anderen Ende des Sortiments – mild abgestimmt, gefiltert, ventiliert. Camel Yellow 100 ist das gegenteilige Format: länger als jede andere Camel und ebenfalls mit Filter. Wer die filterlose Camel mit dem amerikanischen Original vergleicht, sollte wissen, dass die US-Version von R.J. Reynolds stammt und die deutsche von Japan Tobacco International in Trier; Packung und Name sind gleich, Hersteller und Rezeptur nicht zwingend.

Quellen: siehe Markenseite Camel.