Camel Blue
Camel Blue ist die mildere der beiden Hauptsorten von Camel und trägt seit dem EU-Verbot der Bezeichnung „light“ einen Farbnamen. In Deutschland wird sie wie die gelbe Schwester in mehreren Packungsgrößen angeboten.
| Eingeführt | als Camel Lights 1978 (USA); Farbname Blue in der EU nach dem Verbot von „light“ (30. September 2003) |
|---|---|
| Charakter | milder abgestimmter American Blend |
| Format | King-Size-Filterzigarette, blaue Klappschachtel; 20er-Original-Pack und Großpackungen |
| Langformat | nein – 100er gibt es nur von Yellow |
| Produktion | JTI-Werk Trier |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Die milde Schwester
Camel Blue ist die zweite Säule des deutschen Camel-Sortiments. Sie ist die milder abgestimmte Variante der gelben Stammsorte und richtet sich an Raucher, denen die klassische Camel zu kräftig ist. Ihre Geschichte ist zugleich ein Lehrstück über die Regulierung von Zigarettennamen: Was in den USA 1978 als Camel Lights begann und dort zur meistverkauften Einzelsorte der Marke wurde, darf in der Europäischen Union seit 2003 nicht mehr so heißen. Die Farbe Blau übernahm die Rolle des verbotenen Wortes – bei Camel wie bei fast allen Konkurrenten, etwa Marlboro oder Pall Mall.
Charakter und Mischung
Wie alle Sorten von Camel ist Blue ein American Blend aus Virginia-, Burley- und Orienttabaken. Die Abstimmung ist auf ein milderes Raucherlebnis ausgelegt; die Sorte ist als weniger kräftig als Yellow positioniert, ohne dass der Hersteller die Mischung im Detail offenlegt. Technisch wird ein milderer Eindruck vor allem über die Tabakauswahl, die Schnittbreite und die Ventilation des Filters erreicht: Winzige Löcher im Mundstückpapier mischen dem Rauch Luft bei, wodurch Rauchmaschinen niedrigere Werte messen. Genau dieser Mechanismus ist der Grund, warum „leichte“ Zigaretten keine gesundheitlich sinnvolle Wahl sind – dazu unten mehr. Auf konkrete Nikotin- oder Teerangaben wird hier verzichtet; die Zusammensetzung des Rauchs ist unter Inhaltsstoffe erklärt.
Format und Packung
Camel Blue ist eine Filterzigarette im King-Size-Format in der blauen Klappschachtel, auf der die Wüstenszene mit Dromedar, Palmen und Pyramiden in Blautönen wiederkehrt. Die Packungsgrößen laufen parallel zur gelben Sorte: Bei der Neuordnung des Sortiments im Sommer 2019 wurden Yellow und Blue jeweils als 20er-Original-Pack sowie als Big Pack mit 23, 27 und 35 Zigaretten angeboten; die Stufen sind seither mit den Tabaksteuererhöhungen mehrfach angepasst worden. Ein 100-mm-Langformat gibt es in Deutschland nur von der gelben Sorte, nicht von Blue. Seit 2016 tragen alle Packungen die kombinierten Bild-Text-Warnhinweise, die rund zwei Drittel der Fläche einnehmen.
Einführung und Umbenennungen
In den USA führte R.J. Reynolds 1978 Camel Lights ein, gefolgt von Ultra Lights und 100-mm-Versionen. Die Sorte wurde dort so erfolgreich, dass ein Händlerhandbuch des Herstellers sie Ende der 1990er Jahre als am schnellsten wachsende Zigarette des Landes bezeichnete. Nach Deutschland kam die milde Variante ebenfalls unter dem Namen Camel Lights. Mit der EU-Richtlinie 2001/37/EG wurden Bezeichnungen, die den Eindruck eines weniger schädlichen Produkts erwecken – ausdrücklich genannt „light“ und „mild“ –, ab dem 30. September 2003 verboten; die Hersteller wichen auf Farben aus. Seither heißt die Sorte Camel Blue. In den USA, wo keine solche Vorschrift galt, wurde Camel Lights erst mit der Neugestaltung der Marke 2008 in Camel Blue umbenannt. Der genaue Zeitpunkt der deutschen Umstellung ist in frei zugänglichen Quellen nicht dokumentiert; belegt ist der Rechtsrahmen.
Der Irrtum von „light“
Die Umbenennung hat einen ernsten Hintergrund. Über Jahrzehnte hatten Raucher milde Sorten als weniger schädlich verstanden – eine Annahme, die die Werbung nährte und die Forschung widerlegte. Wer eine ventilierte Zigarette raucht, zieht in der Regel tiefer, häufiger oder verdeckt die Löcher mit den Fingern, sodass die tatsächliche Aufnahme von Nikotin und Schadstoffen kaum sinkt. Große Kohortenstudien fanden keinen Rückgang des Lungenkrebsrisikos bei Rauchern „leichter“ Sorten, dafür Hinweise darauf, dass solche Produkte den Ausstieg hinauszögern, weil sie als Kompromiss erscheinen. Die EU zog daraus die Konsequenz, die Begriffe zu verbieten, und strich 2016 auch die Angabe der Maschinenwerte von den Packungen. Für Camel Blue heißt das: Sie ist die mildere Sorte im Geschmack, nicht die gesündere. Näheres unter Gesundheit.
Stellung im Sortiment
Blue ist neben Yellow die einzige Camel-Sorte, die in Deutschland in allen Packungsgrößen geführt wird; als der Hersteller 2019 die gelbe Sorte umbenannte, begründete er das ausdrücklich damit, dass Yellow so besser zum blauen Pendant passe. Das Sortiment ist damit auf zwei Farben reduziert, ergänzt um Langformat und filterlose Version der gelben Sorte. Eine Variante ohne Zusatzstoffe, Camel Essential Blue, gab es zeitweise ebenfalls; sie wurde als Zigarette eingestellt. Wie stark Blue am Absatz der Marke beteiligt ist, wird nicht veröffentlicht; in den USA war die Lights-Sorte über Jahre die stärkste Einzelsorte, für Deutschland liegt eine solche Aufschlüsselung frei zugänglich nicht vor.
Besonderheiten
Der Name Blue ist ein Kind der Regulierung, und das sieht man ihm an. Anders als Yellow, dessen Farbe schon die Urpackung prägte, musste Blau nach 2003 erst als Signal für „mild“ gelernt werden – ein Vorgang, den die gesamte Branche gleichzeitig durchlief, weshalb heute bei fast jeder Marke Blau, Silber oder Weiß für die milderen Sorten stehen. Für die Aufsicht ist das ein Dilemma: Farbcodes transportieren dieselbe Botschaft wie das verbotene Wort, ohne es auszusprechen. Die Tabakproduktrichtlinie von 2014 ging deshalb weiter und untersagte neben Begriffen auch Gestaltungselemente, die einen gesundheitlichen Vorteil suggerieren; Farben als solche blieben erlaubt, dafür wurden die Warnhinweise größer. Die Packung von Camel Blue ist damit ein Kompromiss zwischen Markenkontinuität und Vorschrift. Hinzu kommt eine Eigenheit der geteilten Markenrechte: Die Camel Blue, die Reynolds seit 2008 in den USA verkauft, und die Camel Blue von JTI in Europa tragen zwar denselben Namen und dasselbe Dromedar, sind aber Produkte zweier Konzerne mit jeweils eigener Rezeptur und eigenem Werk.
Status heute
Camel Blue ist aktiv und wird wie die übrigen Sorten im JTI-Werk Trier hergestellt. Eine Menthol- oder Click-Variante existiert seit dem 20. Mai 2020 nicht mehr, da die EU aromatisierte Zigaretten verboten hat. Die Sorte unterliegt denselben Regeln wie alle Zigaretten in Deutschland: Abgabe erst ab 18 Jahren, Werbeverbot in Presse, Internet und Außenwerbung, Bildwarnhinweise – zusammengefasst unter Recht. Wer den Konsum beenden möchte, findet unter Rauchstopp erprobte Wege.
Abgrenzung zu den Schwester-Sorten
Camel Yellow ist die kräftigere, würzigere Stammsorte, aus der Blue abgeleitet wurde; die Mischung ist verwandt, die Abstimmung milder. Camel Yellow 100 ist das Langformat der gelben Sorte und hat keine blaue Entsprechung. Camel ohne Filter steht am anderen Ende der Skala: ohne Filter, im Softpack und in der kräftigen Einordnung. Die in den USA verkauften Sorten wie Turkish Silver sind Produkte eines anderen Herstellers und mit der deutschen Blue nur dem Namen nach verwandt.
Quellen: siehe Markenseite Camel.