Camel Yellow
Camel Yellow ist die klassische Filterzigarette der Marke und in Deutschland die Stammsorte des Sortiments. Bis 2019 hieß sie Camel Filters; der neue Name griff auf, was Handel und Raucher längst sagten: die „gelbe Camel“.
| Eingeführt | Filtervariante 1966 (USA); in Deutschland seit 1968 als Camel Filter |
|---|---|
| Umbenannt | Camel Filters → Camel Yellow, Sommer 2019 |
| Charakter | kräftigere Stammsorte, American Blend mit Orienttabak |
| Format | King-Size-Filterzigarette, gelbe Klappschachtel; 20er-Original-Pack und Großpackungen |
| Produktion | JTI-Werk Trier |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Die Stammsorte mit dem gelben Etikett
Wer in Deutschland von Camel spricht, meint meist diese Zigarette. Camel Yellow ist die Filtervariante der Marke, die über fünf Jahrzehnte als Camel Filter beziehungsweise Camel Filters verkauft wurde und seit dem Sommer 2019 den Farbnamen trägt. Sie steht für das, was die Marke seit 1913 ausmacht: eine Mischung aus amerikanischen und orientalischen Tabaken, die Packung mit Dromedar, Palmen und Pyramiden und ein Auftritt, der sich über die Jahrzehnte kaum verändert hat. Innerhalb des deutschen Sortiments von Camel ist sie die Bezugsgröße, an der sich alle anderen Sorten orientieren.
Charakter und Mischung
Camel Yellow ist ein American Blend, also eine Mischung aus hellen, süßlichen Virginia-Tabaken, den kräftigeren, nussigen Burley-Tabaken und einem Anteil kleinblättriger Orienttabake. Gerade der Orientanteil gilt seit jeher als Markenzeichen: Die Urform von 1913 warb ausdrücklich mit „Turkish & Domestic Blend“, und auch heute betont die Marke die Mischung mit Orienttabak. Im Sortiment ist Yellow die kräftigere der beiden Hauptsorten; die blaue Schwester ist milder abgestimmt. Wie stark eine Zigarette tatsächlich wirkt, hängt allerdings weniger von Maschinenwerten als vom Rauchverhalten ab – tiefere Züge und häufigeres Ziehen führen zu deutlich mehr Nikotin und Schadstoffen, als Messwerte nach Norm vermuten lassen. Deshalb werden hier keine Nikotin- oder Teerangaben genannt; seit 2016 dürfen sie ohnehin nicht mehr auf Packungen stehen, weil sie eine falsche Vergleichbarkeit vorspiegeln. Was beim Verbrennen von Tabak entsteht, ist unter Inhaltsstoffe beschrieben.
Format und Packung
Camel Yellow ist eine Filterzigarette im King-Size-Format mit Acetatfilter und korkfarbenem Mundstückpapier. Die Packung ist die Klappschachtel aus Karton in Gelb, auf der die klassische Wüstenszene weitgehend unverändert erhalten ist; seit 2016 nehmen die kombinierten Bild-Text-Warnhinweise einen großen Teil der Vorder- und Rückseite ein. Neben dem 20er-Original-Pack gibt es die Sorte in mehreren Großpackungen, die der Hersteller als „Big Pack“ bezeichnet; bei der Umbenennung 2019 reichten sie von 23 bis 35 Zigaretten, seither haben sich die Stufen mit den Tabaksteuererhöhungen mehrfach verschoben. Solche Großformate sind in Deutschland ein Preisinstrument: Der Stückpreis sinkt, der Rauchvorrat wächst – aus Sicht der Suchtprävention ein zweischneidiges Format, weil es den Konsum eher erhöht als begrenzt.
Einführung und Umbenennungen
Die Filtervariante von Camel kam in den USA 1966 auf den Markt, ein gutes halbes Jahrhundert nach der filterlosen Urform. In Deutschland stand sie von Anfang an im Mittelpunkt: Als Haus Neuerburg die Marke ab August 1968 in Köln produzierte und vertrieb, warb man bereits für die „Camel Filter“, und der berühmte Slogan lautete nicht zufällig „Ich geh' meilenweit für Camel Filter“. Über die Jahre wurde aus dem Singular der Plural „Camel Filters“, wie die Sorte auch international heißt. Den Namen Camel Yellow führte JTI Germany im Sommer 2019 ein; die Fachpresse berichtete im August 2019 darüber. Der Hersteller begründete den Schritt damit, dass die Sorte so besser zur blauen Variante passe und die Bezeichnung „Yellow“ ohnehin der Alltagssprache am Verkaufstresen entspreche. Anders als bei vielen Umbenennungen der Branche stand hier also keine Rechtsvorschrift dahinter – das EU-Verbot von Bezeichnungen wie „light“ betraf 2003 nur die milden Sorten.
Stellung im Sortiment
Camel Yellow ist das Zentrum des deutschen Sortiments. Vom gelben Stamm leiten sich die beiden weiteren Sorten mit gelbem Etikett ab: Camel Yellow 100, das Langformat mit 100 Millimetern, und Camel Yellow ohne Filter, die filterlose Softpack-Version. Beide tragen den Zusatz Yellow, weil sie die gleiche kräftigere Einordnung teilen. In der Marktforschung tauchte die Sorte über Jahre als eigenständige Größe auf – Handelsdaten aus den Jahren 2008 und 2009 führten Camel Filters unter den 20 meistverkauften Markenzigaretten Deutschlands, was für eine einzelne Sorte einer mittelgroßen Marke bemerkenswert ist. Aktuelle Absatzzahlen für die Sorte sind frei zugänglich nicht verfügbar.
Werbung und Wahrnehmung
Keine andere Camel-Sorte ist so eng mit der deutschen Werbegeschichte verbunden. Der Abenteurer, der für Camel Filter „meilenweit“ durch Dschungel und Savanne marschiert, gehörte in den 1970er und 1980er Jahren zum Inventar deutscher Zeitschriften und Kinos. Das Motiv verband Männlichkeit, Fernweh und Ausdauer mit dem Produkt, ohne die Zigarette selbst groß zu zeigen – ein Muster, das später als besonders wirksam und deshalb als besonders problematisch eingestuft wurde. Seit dem Verbot der Tabakwerbung in Presse und Internet 2007 und der Außenwerbung 2022 lebt die Sorte von ihrem Namen und von der Packung; die Regeln dazu erklärt die Seite Recht.
Besonderheiten
Die Packung von Camel Yellow trägt bis heute Details, die auf das Original von 1913 zurückgehen. Das Wort „CHOICE“ im Siegel liest sich im Spiegel genauso wie auf der Packung, und um die Zeichnung des Dromedars ranken sich seit Jahrzehnten Legenden über versteckte Figuren – Spielereien, die der Hersteller nie bestätigt, aber auch nie ausgeräumt hat. Ebenfalls auf Camel geht die 20er-Packung selbst zurück: 1913 war sie eine Neuerung gegenüber den damals üblichen 5er- und 10er-Schachteln und wurde zum Branchenstandard, an dem sich bis heute Steuerstufen und Warnhinweisflächen orientieren. Dass die Sorte in Deutschland nicht im Softpack, sondern in der Klappschachtel verkauft wird, unterscheidet sie von der filterlosen Schwester und entspricht dem Standard des deutschen Marktes seit den 1970er Jahren.
Status heute
Camel Yellow ist aktiv und wird im JTI-Werk Trier hergestellt. Sie ist in Deutschland flächendeckend im Fachhandel, in Supermärkten und Automaten vertreten. Eine Mentholvariante gibt es seit dem EU-Mentholverbot vom 20. Mai 2020 nicht mehr, und die zeitweise angebotene Linie ohne Zusatzstoffe, Camel Essential, wurde als Zigarette eingestellt. Wer nach einem Weg aus der Abhängigkeit sucht, findet unter Rauchstopp erprobte Methoden; die gesundheitlichen Folgen unterscheiden sich zwischen den Sorten nicht in einer Weise, die eine Wahl aus Gesundheitsgründen rechtfertigen würde – mehr dazu unter Gesundheit.
Abgrenzung zu den Schwester-Sorten
Gegenüber Camel Blue ist Yellow die kräftigere, würzigere Sorte; die Blaue ist die mildere Abstimmung derselben Markenfamilie, die früher als „Lights“ verkauft wurde. Camel Yellow 100 unterscheidet sich nur im Format, nicht in der Mischung. Camel ohne Filter verzichtet auf den Filter und kommt im Softpack, was den Zug spürbar verändert und sie zur Nischensorte für Liebhaber der Urform macht. Die US-Varianten wie Turkish Gold oder Camel Crush gehören zu einem anderen Hersteller und sind mit dem deutschen Sortiment nicht identisch, auch wenn Name und Dromedar gleich sind.
Quellen: siehe Markenseite Camel.