Lord Extra
Mit der Lord Extra brachte die Cigarettenfabrik Kristinus 1962 eine nikotinarme Filterzigarette auf den Markt, die das Segment der leichten Zigaretten in Deutschland prägte und 1972 bis auf Platz zwei der meistverkauften Marken vorrückte. Die Sorte hat alle Besitzerwechsel von Brinkmann über Rothmans bis zu British American Tobacco unter ihrem ursprünglichen Namen überstanden.
| Sorte | Lord Extra, nikotinarme Leitsorte der Marke Lord |
|---|---|
| Eingeführt | 1962 von der Cigarettenfabrik Kristinus (seit 1957 Teil von Martin Brinkmann, Bremen) |
| Slogans | „Leichter Genuss im Stil der neuen Zeit“ (1960er Jahre, laut Brandslex); „So leicht kann Genuss sein“ (BAT, 2001–2005) |
| Packungen | 1962 Softpack mit 20 Stück, ab 1969 Klappschachtel; Großpackungen mit 50 und 48 Stück (1970er und 1980er Jahre); 19 und 24 Stück (1990er Jahre); Langformat Lord Extra 100 |
| Hersteller heute | British American Tobacco (Germany) GmbH, Hamburg; Fertigung seit 2016 in anderen europäischen BAT-Werken (Brandslex) |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Charakter und Konzept
Die Lord Extra ist die Sorte, um die sich die Marke Lord seit 1962 dreht. Die Cigarettenfabrik Kristinus brachte sie als nikotinarme Filterzigarette heraus, zu einer Zeit, in der in Deutschland noch überwiegend filterlose Zigaretten geraucht wurden. Ihr Versprechen fasste der Slogan „Leichter Genuss im Stil der neuen Zeit“ zusammen, den das Markenlexikon Brandslex überliefert. BAT beschrieb die Lord Extra noch Anfang der 2000er Jahre als Klassiker mit unverwechselbarem Geschmack und als Angebot für alle, die leicht rauchen möchten.
Zur Tabakmischung hat der Hersteller keine Einzelheiten veröffentlicht, und auch Markenlexika und Sammlerverzeichnisse schweigen dazu. Belegt ist das Konzept der nikotinarmen Zigarette, nicht die Rezeptur. Wie Filter, Papier und Belüftung die Rauchwerte einer Zigarette beeinflussen, erklären die Seiten Aufbau und Inhaltsstoffe. Dabei gilt: „Leicht“ beschreibt den Geschmack, nicht das Risiko (siehe Gesundheit).
Format und Packung
Zum Start 1962 kam die Lord Extra, wie eine datierte Sammlerpackung zeigt, im Softpack mit 20 Zigaretten. 1969 folgte laut Brandslex die feste Klappschachtel, die das Bild der Sorte seither bestimmt. Das Sammlerverzeichnis Zigsam dokumentiert eine bemerkenswerte Formatvielfalt: Großpackungen mit 50 Stück in einer Klappbox aus den frühen 1970er Jahren, später mit 48 Stück, in den 1990er Jahren Schachteln mit 19 und 24 Zigaretten sowie das Langformat Lord Extra 100. Hinzu kamen kleine Gratispackungen, die nicht für den Verkauf bestimmt waren: drei Zigaretten in einer Schiebeschachtel, in den 1960er Jahren über Lufthansa ausgegeben, und Fünferpackungen der 1980er Jahre.
Gestalterisch ist die jüngere Schachtel nach der Beschreibung des Übersee-Museums Bremen weiß, mit blau-roter Schrift und einem goldenen Wappen; das Museumsexemplar trägt bereits den kombinierten Bild- und Textwarnhinweis, der seit 2016 vorgeschrieben ist. Für Sammler interessant sind außerdem die Exportpackungen, etwa für Österreich, wohin die Lord Extra von 1972 bis 2007 importiert wurde, für Belgien und für Spanien, dazu Lizenzfertigungen im jugoslawischen Kumanovo, dem heutigen Nordmazedonien. Mehr zum Thema unter Packungen sammeln.
Einführung und Namen
Die Lord Extra erschien 1962, knapp ein Jahrzehnt nachdem Kristinus den Namen Lord im Juni 1953 wiederbelebt hatte. Der Zusatz „Extra“ grenzte sie von der bestehenden Lord mit Filter ab, die Zigsam in Schiebeschachteln zu zehn Stück aus denselben Jahren belegt. Anders als viele Leichtmarken musste die Sorte ihren Namen nicht ändern. Als die EU-Richtlinie 2001/37/EG ab dem 30. September 2003 Bezeichnungen wie „Light“, „Mild“ oder „Ultra“ untersagte, verschwanden die leichteren Schwestern unter ihren alten Namen, die Lord Extra aber blieb: BAT führte sie unter dieser Bezeichnung weiter, und Zigsam belegt sie noch auf einer Duty-Free-Packung von 2016. Wie die Regeln heute aussehen, steht unter Recht.
Zum 35. Geburtstag erschien 1997 eine Sonderedition „35 Jahre Lord Extra“, deren Motive Plakate der 1960er Jahre aufgreifen, etwa eine Szene vor einem Auto, eine auf einem Schiff und eine in einer Winterlandschaft. Die Anzeigen und Plakate jener Jahre stammten nach Brandslex von der Düsseldorfer Agentur Holzschuher, Bauer & Ulbricht und dem englischen Illustrator Gerry Fancett, die auf knallbunte Szenen mit gut gelaunten Menschen bei Sport und Freizeit setzten.
Stellung im Sortiment
Die Lord Extra ist die Leitsorte der Marke, und BAT führte sie in seinen Übersichten zeitweise stellvertretend für die ganze Familie. 2001 stellte das Unternehmen sie als drittgrößte Leichtmarke des deutschen Marktes vor, die mit ihren Varianten ein vollständiges Angebot für Raucher leichter Zigaretten biete; in der Marktanteilsübersicht für Januar bis April 2000 stand sie mit 2,5 Prozent. Um sie herum entstanden abgestufte Varianten: die Lord Ultra, nach Zigsam seit den späten 1970er Jahren, die Lord Lights und die besonders leichte Lord Ultima in den 1990er Jahren sowie Langformate mit 100 Millimetern. Die ältere Lord mit Filter lief daneben bis in die 1980er Jahre.
Status heute
Die Lord Extra ist nach den verfügbaren Belegen weiterhin auf dem Markt, auch wenn BAT sie nicht mehr in seiner Markenübersicht nennt. Die deutschsprachige Wikipedia führt sie als ehemalige Brinkmann-Marke, die noch immer von BAT produziert wird; das Übersee-Museum Bremen nahm 2021 eine Packung mit Bildwarnhinweis in seine Sammlung auf. Seit BAT ab 2016 die Zigarettenfertigung aus Bayreuth verlagert hat, kommen die für Deutschland bestimmten Zigaretten nach Brandslex aus anderen europäischen Werken des Konzerns. Aktuelle Zahlen zum Absatz oder Marktanteil ließen sich nicht finden.
Abgrenzung zu den Schwestersorten
- Lord (Filter): die ältere Filterzigarette der Marke, in den 1960er Jahren in Schiebeschachteln zu neun und zehn Stück, belegt bis in die 1980er Jahre.
- Lord Extra 100: Langformat der Lord Extra, belegt von den 1990er Jahren bis 2002.
- Lord Ultra und Ultra 100: noch leichtere Variante, nach Zigsam seit den späten 1970er Jahren, nach Brandslex seit Anfang der 1980er Jahre.
- Lord Lights und Lord Ultima: weitere Abstufungen der 1990er Jahre, die Ultima als leichteste Stufe.
- Lord Blue und Lord Gold: 2005 belegte Sorten aus der Zeit nach dem Verbot von Bezeichnungen wie „Lights“ und „Ultra“.
Quellen: siehe Markenseite Lord.