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Historische Packungen sammeln

Eine Zigarettenpackung ist ein Wegwerfartikel – und genau deshalb ein seltenes Dokument, sobald sie ein paar Jahrzehnte überstanden hat. Wer Packungen sammelt, hält Grafik, Steuerrecht, Warenkunde und Alltagsgeschichte in der Hand, auf sechs bedruckten Flächen von der Größe einer Handfläche. Diese Seite zeigt, wie man ein Sammelgebiet eingrenzt, Vollpackung und Flatpack unterscheidet, eine Packung über Steuerzeichen und Aufdruck datiert und die Sammlung so aufbewahrt und katalogisiert, dass sie in fünfzig Jahren noch etwas erzählt.

SammelobjekteWeichpackungen, Klappschachteln, Schiebeschachteln und Blechdosen – voll, geöffnet oder flach gelegt
ZeitspanneVon den Papierhüllen des 19. Jahrhunderts bis zu den Warnhinweis-Varianten von heute
ErhaltungsformenVollpackung (ungeöffnet), geöffnete Packung in Form, Flatpack (leer und flach)
DatierungshilfenSteuerzeichen (Hoheitszeichen, Währung, Preis), Warnhinweise, Teer- und Nikotinangaben, Stückzahl, Strichcode, Rückverfolgungscode
AufbewahrungDunkel, trocken, gleichmäßig temperiert; säurefreie Kartons, Hüllen aus Polypropylen oder Polyester statt PVC
Öffentliche SammlungenReemtsma-Archiv der Stiftung Historische Museen Hamburg, Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum Bünde, Objektdatenbanken von Museen
WertfaktorenSeltenheit, Zustand, Vollständigkeit, Nachfrage nach Marke und Epoche, belegte Herkunft

Vom Wegwerfartikel zum Dokument

Kaum ein Gegenstand wurde im 20. Jahrhundert so oft hergestellt und so selbstverständlich weggeworfen wie die Zigarettenpackung. Sie war für den Weg vom Ladentisch zum Aschenbecher gedacht, nicht für die Vitrine – und genau das macht sie zum Sammelobjekt. Von den Millionen Packungen, die eine Marke in den 1920er Jahren ausgeliefert hat, haben ein paar hundert überlebt: in Schubladen, als Knopfdose auf dem Nähtisch, in Nachlässen. Was heute als Rarität gilt, war einmal Massenware, und diese Umkehrung ist der Reiz des Gebiets.

Zugleich ist eine Packung ein erstaunlich dichtes Dokument: vorn das Markenbild, hinten der Werbetext, auf den Schmalseiten Steuerzeichen, Stückzahl und Warnhinweis, am Boden Herstellerangabe und Codes, innen Folie und Innenkragen. Wie sich die Gestaltung von der Papierhülle bis zur Einheitsverpackung entwickelt hat, erzählt die Seite zur Geschichte des Packungsdesigns; hier geht es um das Sammeln selbst – Eingrenzung, Zustand, Datierung, Aufbewahrung und Katalog.

Sammelgebiete: Wie man sich eingrenzt

Niemand sammelt „alle Zigarettenpackungen“. Die Zahl der Marken, Sorten und Varianten geht weltweit in die Hunderttausende, und wer ohne Rahmen beginnt, besitzt nach zwei Jahren einen Karton, aber keine Sammlung. Die meisten Sammler wählen deshalb eine Achse – oder den Schnittpunkt von zweien, etwa deutsche Filterzigaretten der 1960er Jahre.

Nach Marke

Die Markensammlung folgt einem Namen durch alle seine Häutungen. Camel hat sein Dromedar seit 1913 kaum verändert, aber Rückseite, Schmalseiten, Stückzahl und Warnhinweis Dutzende Male – jede Änderung ist eine Variante. Lucky Strike bietet den Sprung vom grünen zum weißen Päckchen 1942, Marlboro die erste Klappschachtel von 1955 und seither eine lange Reihe von Sondereditionen; wer die Auslandsausgaben dazunimmt, findet dieselbe Marke mit Steuerzeichen aus Japan und Warnhinweisen aus Kanada. Die Geschichten hinter den Namen versammelt das Markenlexikon.

Nach Epoche

Wer nach Zeiträumen sammelt, sammelt Stilgeschichte. Die Orientzigarette des Kaiserreichs kommt aus Dresden und Berlin – Jasmatzi, Yenidze, Manoli, Garbáty – in Schiebeschachteln und Blechdosen mit Halbmonden, Palmen und Paschas. Die Weimarer Jahre bringen die nüchterne Markengrafik der großen Konzerne, die 1950er die weißen Packungen der Filterzigarette, die 1980er den ersten Warnhinweis, die Zeit nach 2016 die Bildwarnhinweise. Den Rahmen gibt die Geschichte der Zigarette.

Nach Land

Die Ländersammlung ist eine Weltreise im Schuhkarton: das Blau von Gauloises und die Tänzerin von Gitanes, der Matrose von Player’s Navy Cut und das Fünferpäckchen Woodbine, die ägyptische Cleopatra, die sowjetische Papirossa-Packung Belomorkanal mit der Landkarte auf dem Deckel. Interessant sind dabei weniger die Markenbilder als die staatlichen Spuren: Monopolvermerke, Steuerzeichen, Preisaufdrucke und Warnhinweise in Dutzenden Sprachen.

Sondereditionen und Testmarken

Seit den 1990er Jahren geben die Hersteller zunehmend Packungen in begrenzter Auflage heraus: zu Weihnachten, zu Jubiläen, zu Musik- und Motorsportthemen, mit Entwürfen von Künstlern oder in Metallhülsen. Sie kosten beim Erscheinen nichts extra und sind zehn Jahre später schwer zu finden, weil sie wie jede andere Packung im Müll landeten. Noch flüchtiger sind Testmarken, die nur in einer Region oder für wenige Monate verkauft wurden – gesuchte Stücke, gerade weil kaum jemand sie damals aufhob.

DDR-Packungen

Die DDR ist ein in sich geschlossenes Sammelgebiet: ein überschaubares Sortiment, über Jahrzehnte fast unverändert, mit f6, Cabinet, Karo, Juwel, Club und Duett als Kern. Weil es kaum Markenwerbung gab, war die Packung das eigentliche Gesicht der Marke; der staatlich festgesetzte Preis stand aufgedruckt auf der Schachtel, ein Warnhinweis fehlte. Reizvoll sind die Ränder: Exportausführungen und die kuriosen Übergangsstücke vom Sommer und Herbst 1990, als West- und DDR-Marken mit DDR-Steuerzeichen und Preis in D-Mark verkauft wurden. Wie es nach 1990 weiterging, erzählen die Seiten zu f6, Cabinet und Karo.

Kriegs- und Nachkriegszeit

Packungen aus den Jahren 1939 bis 1948 sind Dokumente des Mangels: dünnerer Karton, weniger Farben, kleinere Stückzahlen, in der zweiten Kriegshälfte rationierter Tabak, Packungen mit Wehrmachtsaufdruck, die nicht für den freien Verkauf bestimmt waren. Nach dem Krieg wurden Restbestände der alten Steuerzeichen weiterverwendet und das Hoheitszeichen mit dem Hakenkreuz überdruckt; das Haus der Geschichte zeigt in seiner Objektdatenbank eine solche Packung aus den Jahren 1945 bis 1947. Solche Stücke sammelt man als Zeitzeugen; wer sie ausstellt oder online zeigt, sollte die Regeln für NS-Symbole kennen.

Zustand: Vollpackung, geöffnete Packung, Flatpack

Bei kaum einem Sammelgebiet ist die Frage nach der Erhaltungsform so grundsätzlich. Eine Vollpackung ist ungeöffnet, mit Zellophan, Aufreißstreifen und unverletztem Steuerzeichen – das authentischste Objekt und das schwerste: Der Tabak darin altert, riecht und zieht Schädlinge an, und beim Versand ist sie eine Tabakware mit allen Regeln, die dafür gelten. Die geöffnete Packung in Form wurde vorsichtig geleert und behält ihre Dreidimensionalität; oft bleibt das Zellophan erhalten, das Steuerzeichen ist an der vorgesehenen Stelle durchtrennt. Das Flatpack – in der Sammlersprache auch kurz „Flat“ – ist eine leere Packung, die entlang der Klebefalze geöffnet und flach gelegt wurde. Diese Form entstand in den Jahrzehnten des Tauschs per Post: Zwanzig flache Packungen passen in einen Umschlag, zwanzig Schachteln nicht.

ErhaltungsformStärkenSchwächenAufbewahrung
Vollpackung (ungeöffnet)Vollständig, höchster DokumentwertTabak altert und riecht, Schädlingsrisiko, beim Versand TabakwareEinzeln, trocken, regelmäßig kontrolliert, getrennt von Papier
Geöffnet, in FormZeigt Außen- und Innenseite, Innenkragen und Folie erhalten, kein TabakBraucht Platz, Ecken empfindlich, Zellophan kann schrumpfenIn Kartons mit Fächern, eine Lage, nicht gestapelt
Flatpack (leer, flach)Platzsparend, alle Flächen sichtbar, leicht zu versendenFalze belastet, Klebespuren, nicht ohne Schaden rückführbarIn säurefreien Hüllen in Ordnern, aufrecht stehend
Schiebeschachtel und DoseStabil, oft mit Innenaufdruck, Dosen mit LithografieZweiteilig, Einschub geht leicht verloren; Dosen rosten und dellenVollständig zusammen lagern, Dosen nicht auf Metall stellen

Eine amtliche Zustandsskala gibt es nicht; nützlicher als Kürzel ist die konkrete Beschreibung: Knicke, gestoßene Ecken, Ausbleichen, Klebereste, Wasserränder, fehlende Teile wie Innenkragen, Folie, Zellophan oder Steuerzeichen. Preisetiketten des Handels und handschriftliche Vermerke lässt man, wo sie sind – sie sind Teil der Geschichte. Restaurieren sollte man nicht: kein Bügeln, kein Bleichen, kein Klebeband, kein Nachkleben mit modernem Leim.

Datieren: Steuerzeichen, Warnhinweis, Strichcode

Auf keiner Zigarettenpackung steht ein Herstellungsdatum, und doch lässt sich fast jede auf wenige Jahre genau einordnen. Der wichtigste Zeuge ist in Deutschland das Steuerzeichen, im Alltag Banderole genannt: Seit 1906 belegt es die Tabaksteuer und wird so über den Verschluss geklebt, dass es beim Öffnen reißt. Es trägt Hoheitszeichen, Stückzahl und den verbindlichen Kleinverkaufspreis samt Währung – und jedes dieser Elemente hat sich mehrfach geändert. Auf den Reichsadler folgte Mitte der 1930er Jahre der Adler mit Hakenkreuz, nach 1945 der überdruckte Restbestand, dann der Bundesadler; die Währung wanderte von Mark und Reichsmark über die D-Mark zum Euro. Seit 2019 dient das Steuerzeichen zusätzlich als Sicherheitsmerkmal, und die Packung trägt einen Rückverfolgungscode (mehr unter Recht). Bei DDR-Packungen ist der Aufdruck der wichtigste Zeuge: Der staatlich festgesetzte Einzelhandelsverkaufspreis stand mit dem Kürzel „EVP“ in Mark direkt auf der Packung, ein Warnhinweis fehlte; DDR-Steuerbanderole und D-Mark-Preis zusammen weisen in die zweite Jahreshälfte 1990.

Der Preis selbst ist eine Uhr: Weil der Kleinverkaufspreis verbindlich war und sich nur selten änderte, meist bei Steuererhöhungen oder Preisrunden der Hersteller, lässt sich eine Packung mit einer Preisliste der Marke oft auf das Jahr genau bestimmen. Auch andere Länder haben ihre Uhren. In den Vereinigten Staaten trugen die Bundessteuerzeichen ab 1932 eine Seriennummer, die bis 1955 jährlich um eins stieg (Serie 102 bis 125), sodass sich das Jahr meist direkt ablesen lässt; die Serie 125 blieb danach bis zum Ende der Bundessteuerzeichen 1959 in Gebrauch. Auf dem Boden kleben oft zusätzlich die Steuermarken der Bundesstaaten. Britische Packungen tragen seit 2001 den Fiskalvermerk „UK Duty Paid“, vorher gab es keinen.

Merkmal an einer deutschen PackungDeutet auf
Steuerzeichen mit Reichsadler, Preis in Mark oder ReichsmarkKaiserreich und Weimarer Republik, bis Mitte der 1930er Jahre
Adler mit Hakenkreuz auf dem SteuerzeichenMitte der 1930er Jahre bis 1945; überdruckt: erste Nachkriegsjahre
Zellophan mit AufreißstreifenNicht vor den frühen 1930er Jahren
Preis in D-Mark, kein Warnhinweis1948 bis in die 1980er Jahre
Kleiner Warnhinweis „Der Bundesgesundheitsminister: Rauchen gefährdet Ihre Gesundheit“ mit Nikotin- und Kondensatangabe auf der Schmalseite1980er bis Anfang der 1990er Jahre
Kleine Warnhinweise nach EG-Recht („Die EG-Gesundheitsminister: …“) auf Vorder- und Rückseite, Teer- und Nikotinwert auf der SchmalseiteAnfang der 1990er Jahre bis 2003
Großer Textwarnhinweis auf beiden Breitseiten; Teer-, Nikotin- und Kohlenmonoxidwert auf der Schmalseite2003 bis Mai 2016
Stückzahl 17 oder 191990er Jahre bis Mai 2016; 17 Stück nur etwa 2004 bis 2010
Preis in EuroAb 2002
Bildwarnhinweis im oberen Teil beider Breitseiten, keine TeerangabeAb Mai 2016
Rückverfolgungscode und SicherheitsmerkmalAb 2019
Preis als „EVP“ in Mark aufgedruckt, kein WarnhinweisDDR bis Mitte 1990
DDR-Steuerbanderole und D-Mark-PreisZweite Jahreshälfte 1990

Praxistipp: Eine Packung datiert man nie an einem Merkmal allein; Steuerzeichen, Warnhinweis, Stückzahl, Strichcode und Herstelleradresse müssen zusammenpassen. Ein Warnhinweis der 1990er Jahre auf einer Packung mit Reichsmark-Preis verrät eine spätere Banderole, einen Nachdruck oder eine zusammengesetzte Packung. Die Begründung der Datierung gehört in den Katalog, nicht nur das Ergebnis.

Aufbewahrung: Licht, Feuchte, Säure

Packungen wurden aus dem billigsten Material gemacht, das seinen Zweck erfüllte: holzhaltiger Karton, dünnes Papier, Zinn- oder Aluminiumfolie, Zellophan, Leim. Wer eine Sammlung über Jahrzehnte erhalten will, muss drei Feinden begegnen.

Licht

Licht bleicht. Zuerst gehen die Rottöne, bis von einer roten Marlboro ein blasses Orange bleibt; Lacke vergilben, Zellophan wird gelb und spröde. Ultraviolettes Licht wirkt am schnellsten, aber auch Tageslicht ohne Sonne summiert sich über Jahre. Die Sammlung gehört deshalb in geschlossene Ordner und Kartons; gezeigt werden Dubletten, fern vom Fenster und unter Lampen ohne UV-Anteil.

Feuchte und Klima

Karton nimmt Wasser aus der Luft auf und gibt es wieder ab; bei jedem Wechsel bewegt er sich, Leimfalze lösen sich, Folien korrodieren, in feuchter Luft entstehen Stockflecken und Schimmel. Zu trockene Luft macht Zellophan brüchig und lässt es schrumpfen, sodass es alte Schachteln regelrecht einschnürt. Ideal ist ein Wohnraumklima ohne Schwankungen: mittlere Luftfeuchte, gleichmäßige Temperatur, keine Außenwand, kein Dachboden, kein Keller. Auch der weißliche Belag alter Metallfolien wächst in trockener Luft langsamer.

Säurefreie Materialien

Das dritte Problem sitzt in der Verpackung der Verpackung. Gewöhnliche Pappkartons, Zeitungspapier und billige Klarsichthüllen enthalten Säuren oder Weichmacher, die auf das Sammelgut übergehen: Papier vergilbt und wird brüchig, Weich-PVC lässt Druckfarben kleben und zieht sie beim Herausnehmen ab. Bewährt haben sich säurefreie, ligninfreie Kartons und Zwischenlagen, wie sie Archive verwenden, und Hüllen aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyester. Flatpacks stehen in Hüllen aufrecht in nicht überfüllten Ordnern; Schachteln liegen in Kartons mit Fächern in einer Lage, denn das Gewicht von zwanzig Packungen drückt die unterste flach.

Volle Packungen

Tabak ist organisches Material, und Tabakkäfer und Tabakmotte haben sich darauf spezialisiert: Ihre Larven fressen sich durch Tabak, Papier und Karton und hinterlassen feine Löcher, Staub und Gespinste. Volle Packungen hält man deshalb getrennt vom Rest der Sammlung, kontrolliert sie regelmäßig und stellt Neuzugänge zunächst in Quarantäne. Museen behandeln befallene Objekte mit Kälte: mehrere Tage tiefgefroren, in Folie verpackt gegen Kondenswasser.

Ordnung und Katalogisierung

Eine Sammlung ohne Verzeichnis ist ein Haufen mit Anspruch. Der Katalog hält fest, was man über ein Stück herausgefunden hat, und macht die Sammlung für andere lesbar – für Tauschpartner, für Erben, im besten Fall für ein Museum. Zwei Grundsätze: Jedes Stück bekommt eine feste Nummer, die sich nie ändert und nicht den Standort verschlüsselt; und sie steht auf der Hülle oder einem Etikett, niemals auf der Packung selbst.

  1. Ansprache: Marke, Sorte und Variante, Hersteller und Ort laut Aufdruck, Land des Verkaufs; die Herstelleradresse ist ein eigenes Datierungsmerkmal, weil Firmennamen mit Übernahmen wechseln.
  2. Form: Weichpackung, Klappschachtel, Schiebeschachtel oder Dose; Stückzahl; Format; Besonderheiten wie Innenaufdruck oder Beilage. Die Bauformen erklärt die Seite zum Aufbau der Zigarette.
  3. Erhaltungsform und Zustand: voll, geöffnet in Form oder flach; Zellophan, Steuerzeichen, Innenfolie und Innenkragen vorhanden oder nicht; Mängel konkret benannt.
  4. Datierung: die beobachteten Merkmale aufzählen, daraus den Zeitraum ableiten und die Begründung festhalten. Ein „um 1965“ mit Begründung ist mehr wert als ein „1965“ ohne.
  5. Herkunft: woher das Stück stammt, wann es kam, ob durch Tausch, Kauf oder Geschenk; Vorbesitzer und Geschichte, soweit bekannt – Provenienz ist bei Packungen selten und deshalb wertvoll.
  6. Fotografie: Vorderseite, Rückseite, Schmalseiten, Boden und Steuerzeichen bei gleichem Licht und Maßstab, Dateiname gleich Katalognummer.
  7. Ablage: Standort eintragen, Etikett anbringen, einsortieren – physisch meist nach Land, dann Marke, dann zeitlich; der Katalog erlaubt jede andere Sicht.

Als Werkzeug genügt eine regelmäßig gesicherte Tabellenkalkulation; aus ihr erwachsen die beiden Listen jeder Tauschbeziehung: die Fehlliste dessen, was man sucht, und die Dublettenliste dessen, was man abgeben kann.

Tauschen und Finden

Das Sammeln von Packungen war von Anfang an ein Tauschgebiet. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts verschickten Sammler flach gelegte Packungen in Briefumschlägen rund um die Welt, organisiert über Vereine mit Mitgliederzeitschriften und Tauschanzeigen; das Flatpack ist das Kind dieser Praxis. Heute übernehmen Foren, Gruppen in sozialen Netzwerken und Online-Auktionen den Kontakt, aber die Regeln sind geblieben: Stück gegen Stück, ehrliche Zustandsbeschreibung, Fotos vor dem Versand.

Die Packungen selbst kommen aus Nachlässen und Haushaltsauflösungen, von Flohmärkten und von Reklame- und Sammlerbörsen, auf denen sie meist als Nebenware zwischen Blech- und Emailleschildern liegen. Für die Gegenwart genügt das Umfeld: Raucher im Bekanntenkreis, Reisende mit einer leeren Packung aus Lissabon oder Tokio und der aufmerksame Blick auf jede Änderung im Kiosk, denn ein neuer Warnhinweis oder eine neue Stückzahl ist eine neue Variante. Was heute niemand aufhebt, ist in dreißig Jahren die Lücke in jeder Sammlung.

Praxistipp: Flatpacks verschickt man zwischen zwei Stücken steifem Karton in einem festen Umschlag, jede Packung in ihrer eigenen Hülle; Schachteln in Form polstert man einzeln. Bei vollen Packungen ist man Versender von Tabakwaren: Postdienste schließen Tabak oft aus, und über Grenzen greifen Zoll und Tabaksteuer. Die Reisefreimengen gelten für den Postversand nicht: Aus Ländern außerhalb der EU sind Tabakwaren nur in sehr kleiner Menge als private Geschenksendung abgabenfrei, bei Sendungen aus anderen EU-Staaten fällt die deutsche Tabaksteuer an (Einzelheiten unter Recht).

Was eine Packung wert ist

Zuerst die nüchterne Nachricht: Die meisten alten Packungen sind wenig wert. Sie wurden in Milliardenauflage hergestellt, und was aus den 1960er bis 1990er Jahren überlebt hat, findet sich noch reichlich. Wert entsteht, wo Seltenheit, Zustand und Nachfrage zusammentreffen. Seltenheit hängt weniger vom Alter ab als vom Umfeld: Eine Packung aus einer der vielen kleinen Zigarettenfabriken vor dem Ersten Weltkrieg ist rarer als jede Großmarke der 1930er; Testmarken, Fehldrucke, Exportausführungen und Packungen aus Krieg und Besatzungszeit folgen dahinter. Der Zustand vervielfacht oder teilt den Wert: Eine Vollpackung mit unverletztem Zellophan spielt in einer anderen Liga als dieselbe Packung flach und mit Klebespuren. Die Nachfrage schließlich ist Markensache: Camel, Lucky Strike, Marlboro und Gauloises haben eine weltweite Gemeinde, die DDR-Marken eine treue regionale, die Orientzigaretten des Kaiserreichs eine kleine, in der sich Packungssammler und Liebhaber der Plakatkunst treffen.

Fälschungen sind bei Packungen seltener als bei Blechdosen und Emailleschildern, deren Reproduktionen als Dekoration in großer Zahl im Umlauf sind. Nachdrucke, Fantasiepackungen und Retro-Editionen gibt es dennoch; manche Marke hat ihre historische Packung selbst neu aufgelegt, erkennbar an aktuellem Warnhinweis und Code. Verräterisch sind zu weißes Papier, das Raster moderner Offsetdrucke bei angeblich lithografierter Grafik, frischer Leim und ein Steuerzeichen, das nicht zur Epoche passt. Vorbilder zum Vergleich bieten das Reemtsma-Archiv der Stiftung Historische Museen Hamburg, das Deutsche Tabak- und Zigarrenmuseum in Bünde und die Objektdatenbanken von Museen. Die Fachbegriffe erklärt das Glossar; wie sich die Packung selbst gewandelt hat, die Rubrik Design & Werbegeschichte.

Quellen

  1. Zigarettenschachtel – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenschachtel
  2. Tabaksteuer (Deutschland) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Tabaksteuer_(Deutschland)
  3. LeMO, Haus der Geschichte: Zigarettenpackung mit überdrucktem Steuerzeichen, 1945–1947 (360-Grad-Objekt) – https://www.hdg.de/lemo/bestand/360grad/360gradobjekt-Zigarettenpackung.html
  4. Tabaksteuer-Banderole der Bundesdruckerei, Freilichtmuseum Roscheider Hof – museum-digital – https://rlp.museum-digital.de/object/73002
  5. Deutsches Tabak- und Zigarrenmuseum Bünde – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Deutsches_Tabak-_und_Zigarrenmuseum

Häufige Fragen

Soll man eine alte Packung ungeöffnet lassen oder leeren?

Beides hat seine Schule. Die ungeöffnete Vollpackung ist das vollständigste Dokument, bringt aber alternden Tabak, Geruch und Schädlingsrisiko mit und gilt beim Versand als Tabakware. Wer Varianten in Serie sammelt, leert die Packung vorsichtig und bewahrt sie in Form oder flach auf. Eine seltene, unversehrte Vollpackung lässt man in der Regel, wie sie ist – öffnen kann man später immer noch, wieder verschließen nie.

Was ist ein Flatpack?

Ein Flatpack ist eine leere Zigarettenpackung, die entlang ihrer Klebefalze geöffnet und flach gelegt wurde. Die Form stammt aus der Zeit des Tauschs per Post, weil flache Packungen in einen Umschlag passen, und sie ist bis heute die platzsparendste Art, große Serien in Ordnern zu verwahren. Der Preis dafür sind belastete Falze und Klebespuren; in ihre alte Form lässt sich eine flache Packung nicht ohne Schaden zurückbringen.

Wie datiert man eine Zigarettenpackung ohne Jahresangabe?

Über die Summe ihrer Merkmale: das Steuerzeichen mit Hoheitszeichen, Währung und Preis, den Warnhinweis und seinen Wortlaut, Teer- und Nikotinangaben, Stückzahl, Strichcode, Rückverfolgungscode und die Herstelleradresse. Jedes Merkmal grenzt einen Zeitraum ein; wo sich die Zeiträume überschneiden, liegt das Herstellungsjahr. Eine Preisliste der Marke verfeinert das Ergebnis oft auf ein einzelnes Jahr.

Wie bewahrt man Zigarettenpackungen richtig auf?

Dunkel, trocken und gleichmäßig temperiert, in säurefreien Kartons und in Hüllen aus Polypropylen, Polyethylen oder Polyester – nicht in Weich-PVC, dessen Weichmacher Druckfarben anlösen. Flache Packungen stehen aufrecht in Ordnern, Schachteln liegen in einer Lage in Kartons mit Fächern. Volle Packungen lagert man getrennt und kontrolliert sie regelmäßig auf Tabakkäfer.

Sind DDR-Zigarettenpackungen wertvoll?

Meist nicht, denn die Marken wurden in großer Auflage und bis 1990 fast unverändert hergestellt, und viele Packungen haben die Zeit in Schubladen überdauert. Interessant sind die Ränder des Gebiets: frühe Ausführungen aus den 1950er und 1960er Jahren, Kleinmarken, die nur kurz im Sortiment waren, Exportpackungen und die Übergangsstücke von 1990 mit DDR-Steuerzeichen und Preis in D-Mark. Der eigentliche Wert liegt in der Vollständigkeit einer Serie.