Pall Mall Blue
Pall Mall Blue ist die zweite Säule des Sortiments: ein mittelstarker American Blend, der in denselben Großformaten wie die rote Schwestersorte erhältlich ist. Ihre Farbe erzählt ein Stück Regulierungsgeschichte, denn Blau trat an die Stelle der 2003 in der EU verbotenen Bezeichnungen „Light“ und „Mild“.
| Sorte | Mildere Hauptsorte, mittelstark |
|---|---|
| Mischung | American Blend, belüfteter Filter |
| Namensherkunft | Farbcode anstelle von „Lights“ (EU-Verbot seit 30.09.2003) |
| Packungsgrößen | 20 bis 60 Stück |
| Status | aktiv |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Charakter und Tabakmischung
Pall Mall Blue ist die mildere der beiden Hauptsorten. Grundlage ist wie bei Red ein American Blend aus Virginia-, Burley- und Orienttabaken, allerdings in einer Mischung, die der Hersteller als mittelstark und feinwürzig beschreibt. Der mildere Eindruck entsteht in erster Linie durch die Rezeptur und durch die Belüftung des Filters: Feine Perforationen im Mundstückpapier ziehen beim Zug Luft an, verdünnen den Rauch und lassen ihn weicher erscheinen. Wie Filter und Blend zusammenwirken, ist unter Aufbau erläutert.
Wichtig ist, was „milder“ nicht bedeutet: Eine mildere Zigarette ist nicht weniger schädlich. Raucher gleichen niedrigere Werte durch tiefere Züge, häufigeres Ziehen oder das unbewusste Abdecken der Belüftungslöcher aus, ein Phänomen, das als Kompensation bekannt ist und durch zahlreiche Studien belegt wurde. Genau deshalb dürfen Nikotin-, Teer- und Kohlenmonoxidwerte in der EU seit 2016 nicht mehr auf die Packung gedruckt werden, und genau deshalb ist die Bezeichnung „Light“ verboten. Mehr zu den Schadstoffen im Rauch unter Inhaltsstoffe.
Die Rauchwerte, mit denen mildere Sorten jahrzehntelang beworben wurden, stammen aus einem genormten Verfahren, bei dem eine Maschine in festen Abständen Züge fester Länge nimmt. Belüftungslöcher senken die gemessenen Werte dabei drastisch, weil die Maschine sie nicht abdeckt. Ein Mensch tut genau das, mit Lippen oder Fingern, meist ohne es zu merken. Die Lücke zwischen Maschinenwert und tatsächlicher Aufnahme ist bei milden Sorten deshalb besonders groß.
Von „Lights“ zu „Blue“: die Namensgeschichte
Die blaue Farbe hat bei Pall Mall eine regulatorische Vorgeschichte. Über Jahrzehnte war es in der Branche üblich, mildere Varianten als „Lights“ oder „Mild“ zu kennzeichnen, bei Pall Mall in den USA etwa als Pall Mall Lights in blauer Aufmachung. Die EU-Richtlinie 2001/37/EG untersagte solche Bezeichnungen, weil sie den Eindruck erwecken, ein Tabakerzeugnis sei weniger schädlich als andere; das Verbot gilt seit dem 30. September 2003. Die Hersteller reagierten europaweit mit Farbcodes, und Blau wurde zum verbreiteten Kürzel für die frühere Lights-Variante, bei Pall Mall ebenso wie bei anderen Marken. In den USA folgte derselbe Schritt 2009, als die Arzneimittelbehörde FDA die Verwendung von „Light“ und „Ultra Light“ untersagte und Reynolds die Pall-Mall-Sorten in Farbnamen umbenannte. Auch die Bezeichnung „Silver“ für die leichteste Stufe folgt dieser Logik. Wann BAT in Deutschland die Bezeichnung „Blue“ genau eingeführt hat, ist nicht dokumentiert; die Umstellung fällt aber in die Zeit nach 2003.
Bemerkenswert ist, dass die Farbcodierung genau die Assoziationen weiterträgt, die der Gesetzgeber unterbinden wollte: Blau wird von vielen weiterhin als „leichter“ und damit fälschlich als „gesünder“ gelesen. Studien zur Packungswahrnehmung haben das mehrfach bestätigt. Die Debatte darüber, ob auch Farbcodes eingeschränkt werden sollten, ist Teil der Diskussion um Einheitsverpackungen, die in mehreren Ländern bereits eingeführt sind und unter Recht skizziert werden.
Format und Packungen
Pall Mall Blue gibt es im King-Size-Format mit Filter in der 20er-Schachtel sowie in den für die Marke typischen Großformaten, darunter Giga mit 24 bis 26 Stück, Jumbo mit 50 und Hercules mit 60 Stück; je nach Zeitpunkt kamen und kommen weitere Zwischengrößen wie XXL oder Super hinzu. Die Stückzahlen ändern sich immer wieder, meist im Zusammenhang mit Tabaksteuererhöhungen, bei denen BAT eher die Packungsgröße als den Preis anpasst. Die Packung ist in Blau gehalten und übernimmt Wappen und Wortmarke der roten Schwestersorte. Wie bei allen Zigarettenpackungen in der EU decken Bild-Text-Warnhinweise 65 Prozent der Hauptflächen ab.
Stellung im Sortiment
Blue ist die zweite Säule der Marke. Sie teilt sich mit Red das breiteste Formatangebot und ist die einzige weitere Sorte, die bis zur 60er-Packung reicht. Die blaue Linie erstreckt sich außerdem auf Volumentabak und Drehtabak sowie auf die Filterzigarillos Blue XL mit 17 Stück, die steuerlich als Zigarren eingestuft sind. Für viele Raucher, die von kräftigeren Sorten kommen, ist Blue die Ausweichsorte, wenn sie glauben, sich damit etwas Gutes zu tun. Für einen tatsächlich weniger schädlichen Konsum taugt sie nach heutigem Wissensstand nicht, siehe Gesundheit. Das Sortiment als Ganzes ist auf der Markenseite beschrieben.
Abgrenzung zu den Schwestersorten
- Pall Mall Red: die kräftigere Hauptsorte mit gleichem Design und gleichem Formatspektrum.
- Pall Mall Authentic Blue: die mittelstarke Variante der Linie ohne Zusatzstoffe, in weniger Formaten erhältlich; die Linie ist auf der Seite zu Authentic Red beschrieben.
- Pall Mall Authentic Silver: die leichteste Variante der Marke, ebenfalls ohne Zusatzstoffe. Eine „Silver“ innerhalb der klassischen Linie führte die deutsche Wikipedia 2020 noch auf; in aktuellen Handelslistungen findet sich nur noch die Authentic-Ausführung.
- Pall Mall Spark: Variante mit Aktivkohlefilter, die ebenfalls auf einen weicheren Rauch zielt, allerdings mit einem anderen technischen Ansatz.
- Pall Mall Flow: 2020 als Ersatz für die verbotenen Mentholsorten eingeführt, inzwischen im Handel nicht mehr auffindbar.
Ein Blick in die USA
In den Vereinigten Staaten heißt die blaue Pall Mall ebenfalls Blue und gehört dort zu den Filtervarianten der Marke, die neben der filterlosen roten Stammsorte angeboten werden. Eine Ausführung mit zurückversetztem Filter, „Pall Mall Blue Deep Set Recessed Filter“, geriet 2015 in die Schlagzeilen: Die FDA ordnete an, sie zusammen mit ihrer Mentholschwester und zwei weiteren Reynolds-Produkten vom Markt zu nehmen, weil der Hersteller nicht nachweisen konnte, dass sie älteren Produkten gleichwertig war. Es war das erste Mal, dass die Behörde Varianten einer großen Marke aus dem Handel verbannte. Auf das deutsche Sortiment hatte der Vorgang keine Auswirkungen.
Status heute
Pall Mall Blue ist aktiv und gehört zu den verbreitetsten Sorten der Marke, die nach Kantar-Daten 2022 mit rund 4,2 Millionen Konsumenten auf Platz zwei in Deutschland lag. Der Erfolg der milden Variante ist zugleich ein Lehrstück der Tabakregulierung: Das Verbot der Lights-Bezeichnung hat den Namen verändert, aber nicht die Erwartung, die viele Raucher mit einer blauen Packung verbinden. Für die Marke ist Blue außerdem das typische Angebot für Umsteiger von teureren Marken, die eine mildere Zigarette suchen und zugleich weniger ausgeben wollen; dass beide Motive zusammenfallen, erklärt einen Teil des Erfolgs im preisbewussten Segment. Wer das Rauchen tatsächlich weniger schädlich gestalten will, hat nach heutigem Kenntnisstand nur eine Option, nämlich den Ausstieg; Wege dorthin unter Rauchstopp.
Quellen: siehe Markenseite Pall Mall.