MarkenPall Mall

Pall Mall ohne Filter

Pall Mall ohne Filter ist die einzige filterlose Sorte der Marke in Deutschland und zugleich die Verbindung zu ihrer Geschichte: Die große Zeit von Pall Mall in den USA war die Zeit der filterlosen King Size. Heute bedient die Sorte ein kleines Segment traditionsbewusster Raucher.

SorteFilterlose Variante, kräftigste Sorte der Marke
FormatSoftpack mit 20 Stück, keine Großformate
MischungAmerican Blend ohne Filter
Historischer BezugFilterlose Pall Mall King Size war 1960 US-Marktführer
Statusaktiv, Nischenprodukt

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Charakter: Tabak ohne Filter

Pall Mall ohne Filter ist die filterlose Ausführung der Marke und die kräftigste Variante im Sortiment. Ohne Filter gelangt der gesamte Rauch mit allen Partikeln ungebremst in den Mund; es gibt keine Belüftungslöcher, die ihn verdünnen, und kein Celluloseacetat, das einen Teil der Partikelphase zurückhält. Entsprechend werden filterlose Zigaretten in Maschinenmessungen durchweg mit höheren Nikotin-, Teer- und Kohlenmonoxidwerten geführt als Filterzigaretten. Der Geschmack ist dichter, würziger und für Umsteiger von Filterzigaretten zunächst schroff. Wie Filter im Detail arbeiten und warum sie das Rauchen nicht ungefährlicher machen, ist unter Aufbau beschrieben.

Die Mischung ist ein American Blend, im Handel wird die Sorte als „sehr kräftig“ eingeordnet. Auf der Packung stehen seit 2016 keine Rauchwerte mehr; die frühere Angabe hoher Werte war für viele Raucher filterloser Zigaretten ohnehin eher Bestätigung als Warnung, ein Hinweis darauf, wie wenig diese Zahlen über das tatsächliche Risiko vermittelten. Anders als bei den Filtersorten gibt es keine Stärkestufen; die filterlose Pall Mall existiert nur in einer Ausführung. Zu den Stoffen im Rauch informiert der Bereich Inhaltsstoffe.

Format und Packung

Pall Mall ohne Filter kommt im Softpack mit 20 Stück, also in der weichen Papierpackung, die im Segment der filterlosen Zigaretten Tradition hat. Großformate, wie sie die Marke bei Red und Blue anbietet, gibt es hier nicht. Die Aufmachung greift das rote Design und das Wappen der Stammsorte auf. Auch das Softpack unterliegt den Vorgaben der Tabakproduktrichtlinie: Bild-Text-Warnhinweise auf 65 Prozent der Hauptflächen, keine Rauchwerte, keine Hinweise auf Aromen oder Zusatzstoffe.

Das Softpack hat seine eigene Geschichte. Bis in die 1950er-Jahre war die weiche Packung aus Papier und Folie weltweit der Standard. Die Klappschachtel aus Karton, die Philip Morris 1955 mit der Neuausrichtung von Marlboro populär machte, setzte sich mit dem Aufkommen der Filterzigarette durch und verdrängte das Softpack in den meisten Segmenten. Bei filterlosen Zigaretten blieb es erhalten, teils aus Tradition, teils weil die Kundschaft es so erwartet. Dass Pall Mall ohne Filter im Softpack kommt, ist deshalb kein Zufall, sondern ein Code: Die Packung signalisiert das Segment.

Die filterlose Zigarette als Ursprung der Marke

Für Pall Mall ist die Variante ohne Filter keine Randerscheinung, sondern historisch der Kern. Die 1899 in London eingeführte Zigarette war filterlos, wie damals alle Zigaretten. Und die große Zeit der Marke in den USA war die Zeit der filterlosen King Size: 1939 brachte die American Tobacco Company Pall Mall in der Überlänge von 85 Millimetern heraus, beworben mit dem Versprechen, die längere Tabaksäule filtere den Rauch auf natürlichem Weg, eine Behauptung ohne gesundheitlichen Wert, die aber den Boden für spätere Filterversprechen bereitete. Damit stieg die Marke bis 1960 zur meistverkauften Zigarette der Vereinigten Staaten auf, und zwar ohne Filter. Erst 1966 kamen mit Pall Mall Gold im 100-Millimeter-Format Filtervarianten hinzu, die aber nie die Bedeutung der filterlosen Roten erreichten. In den USA wird die filterlose Pall Mall bis heute verkauft; sie ist die Zigarette, die der Schriftsteller Kurt Vonnegut zeitlebens rauchte und in seinen Büchern mit bitterem Humor als langsamen Selbstmord beschrieb.

In Deutschland ist die Perspektive eine andere. Hier kam die Marke 1989 als Filterzigarette auf den Markt, und die filterlose Variante wurde als Ergänzung für ein kleines, traditionsbewusstes Segment aufgenommen. Wann genau, ist nicht dokumentiert; 2020 gehörte sie laut deutscher Wikipedia zum Sortiment und ist es bis heute.

Das Segment: eine Nische mit eigener Kundschaft

Filterlose Zigaretten sind in Deutschland ein kleiner Restmarkt. Ihre Käufer sind überwiegend langjährige Raucher, die den intensiveren Geschmack schätzen und den Filter als Verfälschung empfinden. Traditionell war das Segment von Marken mit dunklem Tabak und regionaler Verwurzelung geprägt; Pall Mall ohne Filter ist insofern eine Ausnahme, weil sie einen hellen American Blend filterlos und zum Preisniveau des Value-Segments anbietet. Für Neueinsteiger spielt die Variante kaum eine Rolle, was aus Sicht der Prävention immerhin bedeutet, dass von ihr kein besonderer Anreiz für Jugendliche ausgeht. In der Tabaksteuerstatistik werden filterlose Zigaretten nicht gesondert ausgewiesen, weshalb sich die Größe des Segments nicht beziffern lässt. Ein Überblick über weitere Marken mit filterlosen Sorten findet sich in der Markenübersicht.

Gesundheit: kein Filter, keine Illusion

Der Verzicht auf den Filter hat eine paradoxe Seite. Filter halten zwar einen Teil der Partikel zurück, aber Raucher kompensieren das durch tiefere Züge; unter dem Strich hat die Einführung der Filterzigarette nach heutigem Wissensstand das Krebsrisiko nicht gesenkt, sondern nur das Krankheitsbild verschoben, weg von den zentralen Atemwegen hin zu Adenokarzinomen in den äußeren Lungenbereichen. Filterlose Zigaretten machen diese Kompensation überflüssig, führen dem Körper aber pro Zug mehr Schadstoffe zu. Weniger schädlich ist keine der beiden Varianten. Wer filterlos raucht, nimmt in der Regel mehr Kohlenmonoxid und mehr Teer auf, was die Risiken für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung erhöht. Hinzu kommt, dass Tabakkrümel und Papier direkt mit den Lippen in Berührung kommen. Einzelheiten unter Gesundheit, Wege aus der Abhängigkeit unter Rauchstopp.

Abgrenzung zu den Schwestersorten

Status heute

Pall Mall ohne Filter ist aktiv, aber ein Nischenprodukt mit einem einzigen Format. Innerhalb der Marke steht die Sorte für die Verbindung zur eigenen Geschichte, innerhalb des Marktes für ein schrumpfendes Segment, dessen Kundschaft altert und kaum nachwächst. Dass BAT sie dennoch im Programm hält, hat auch mit der Sortimentslogik des Value-Segments zu tun: Eine Marke, die alle Produktformen abdecken will, vom Feinschnitt über Filterzigarillos bis zur Großpackung, lässt auch die filterlose Zigarette nicht aus. Ob die Sorte langfristig im Programm bleibt, hängt deshalb weniger von der Marke als von der Zukunft des Segments ab. Die übrigen Sorten sind auf der Markenseite zusammengefasst.

Quellen: siehe Markenseite Pall Mall.