
Peter Stuyvesant
Peter Stuyvesant galt in der Bundesrepublik jahrzehntelang als amerikanische Zigarette, dabei stammt die Marke aus Südafrika und trägt den Namen eines niederländischen Kolonialgouverneurs. Die Hamburger Reemtsma Cigarettenfabriken sicherten sich 1959 die Rechte für den deutschsprachigen Raum und machten die Filterzigarette mit Fritz Bühlers Slogan „Der Duft der großen weiten Welt“ zu einem Symbol des Wirtschaftswunders und der Reiselust der 1960er Jahre. Seither hat die Marke stark an Gewicht verloren; in Deutschland wird heute nur noch die Stammsorte verkauft, während der Name international zu British American Tobacco gehört.
| Eingeführt | 1954 in Südafrika (Rembrandt Tobacco Corporation); 1957 international nach Testmarkt in New York; 1959 in der Bundesrepublik |
|---|---|
| Hersteller | Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg, seit 2002 Teil von Imperial Brands (deutschsprachiger Raum); international British American Tobacco |
| Herkunft | Südafrika; Name und Auftritt nach niederländisch-amerikanischem Vorbild |
| Namensgeber | Petrus Stuyvesant (1612–1672), ab 1647 Generaldirektor von Nieuw Nederland, gilt als Gründerfigur New Yorks |
| Slogan | „Der Duft der großen weiten Welt“ (1958, Fritz Bühler); später „Der Geschmack der großen, weiten Welt“ und „Come together and learn to live as friends“ (1989) |
| Marktstellung | 1960er Jahre rund 15 Prozent Marktanteil, Platz 2 hinter HB (Museum für Kommunikation Berlin); September 2002 2,3 Prozent (Imperial Tobacco); heute kleine Traditionsmarke |
| Produktion in Deutschland | Berlin-Wilmersdorf (1959 bis 2012), danach Langenhagen bei Hannover; Schließung des Werks bis 2027 angekündigt |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: von Kapstadt über New York nach Hamburg
Peter Stuyvesant ist keine amerikanische Zigarette, auch wenn sie jahrzehntelang so wahrgenommen wurde. Die Marke entstand 1954 in Südafrika bei der Rembrandt Tobacco Corporation des Unternehmers Anton Rupert, die im selben Jahr die Mehrheit am britischen Traditionshaus Rothmans of Pall Mall übernahm. Nach einem Testmarkt in New York wurde die Marke 1957 international eingeführt; heute ist sie je nach Zählung in 30 bis 55 Ländern erhältlich. In Europa fertigte die niederländische Rothmans-Tochter Turmac in Zevenaar die Zigarette, deren Werkshallen später durch eine Kunstsammlung bekannt wurden.
Für den deutschsprachigen Raum ging die Marke einen eigenen Weg. 1959 erwarb die Hamburger Reemtsma Cigarettenfabriken die Herstellungs- und Vermarktungsrechte, gründete die Peter Stuyvesant Cigaretten GmbH und eröffnete für die Produktion ein neues Werk in Berlin-Wilmersdorf. Die Filterzigarette kam noch im selben Jahr auf den westdeutschen Markt, nach Darstellung des Museums für Kommunikation Berlin als „Ergebnis intensiver Marktforschung“. Innerhalb weniger Jahre erreichte sie rund 15 Prozent Marktanteil und lag damit auf Platz zwei hinter HB; im Reemtsma-Portfolio verdrängte sie allmählich die Vorkriegsmarke Ernte 23 vom Spitzenplatz.
Die Eigentümerstruktur teilte sich damit dauerhaft. International wanderte Peter Stuyvesant mit Rothmans, das 1972 als Rothmans International gebündelt und 1999 von British American Tobacco übernommen wurde, in den BAT-Konzern. In Deutschland blieb die Marke bei Reemtsma, das 1980 mehrheitlich an Tchibo und 2002 an Imperial Tobacco, das heutige Imperial Brands, ging. Bis heute stehen deshalb zwei Konzerne hinter demselben Namen.
Namensherkunft: ein Gouverneur als Markenzeichen
Namensgeber ist Petrus Stuyvesant (1612–1672), ab 1647 Generaldirektor der niederländischen Kolonie Nieuw Nederland mit der Hauptstadt Nieuw Amsterdam. 1664 übernahmen die Engländer die Siedlung und nannten sie New York; der Gouverneur mit dem Holzbein gilt bis heute als Gründerfigur der Stadt. Genau dieser Bezug war gewollt. Die Marke sollte, wie das Markenlexikon brandslex.de schreibt, „eine amerikanische Zigarette suggerieren“, zu einer Zeit, in der American Blends in Europa als Inbegriff von Modernität galten. Der geschwungene blaue Schriftzug und das Weltkugel-Emblem der Packung setzten diese Idee ins Bild.
Konzern und Produktion
In Deutschland führt Reemtsma die Marke von Hamburg aus. Produziert wurde zunächst in Berlin-Wilmersdorf; dieses Werk wurde 2012 im Zuge der Restrukturierung nach der Altadis-Übernahme geschlossen, die Fertigung ging in das Imperial-Werk Tarnowo Podgórne bei Posen und in das 1971 eröffnete Werk Langenhagen bei Hannover. Im Oktober 2025 kündigte Imperial Brands an, die Produktion in Langenhagen aufzugeben; im März 2026 folgte nach gescheiterter Käufersuche die Entscheidung, das letzte Reemtsma-Werk in Deutschland bis 2027 schrittweise stillzulegen. Rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Wo Peter Stuyvesant für den deutschen Markt künftig hergestellt wird, hat der Konzern bislang nicht mitgeteilt.
Außerhalb des deutschsprachigen Raums gehört die Marke zu British American Tobacco; in Australien und Neuseeland vertreibt sie Imperial Tobacco. Der ehemalige Turmac-Standort in Zevenaar dient inzwischen als Rathaus und Kulturzentrum.
Sortiment im Überblick
Das deutsche Sortiment war über Jahrzehnte eine kleine Familie um die Stammsorte. Die deutsche Wikipedia listet neben Peter Stuyvesant Original die Langversion Peter Stuyvesant 100, die Großpackung Big Box sowie die milderen Linien Gold und Silver. Anfang der 1990er Jahre gab es zudem „Peter Stuyvesant Modern Lights“, deren Werbebroschüre das Deutsche Historische Museum aufbewahrt. Heute ist in Deutschland nur noch die Stammsorte im Handel, in der 20er-Packung und in Großformaten; Gold und Silver wurden nach Branchenangaben mangels Nachfrage eingestellt. Auf aktuellen Packungen erscheint die Marke als „Peter Stuyvesant by Davidoff“, also unter dem Dach der Reemtsma-Premiummarke Davidoff.
International ist das Bild breiter: Dort laufen Sorten wie Red, Gold, Blue und Silver; in Australien blieben nach Einführung der Einheitsverpackung nur drei Varianten übrig, darunter Classic Blue.
Werbung und Design: „Der Duft der großen weiten Welt“
Kaum ein deutscher Werbespruch ist so sprichwörtlich geworden wie „Der Duft der großen weiten Welt“. Der Basler Grafiker Fritz Bühler schuf ihn 1958, ein Jahr vor dem Marktstart. Die Kampagne arbeitete mit Collagen aus Flughäfen, Häfen und Metropolen und warb, so die Wikipedia zu Bühler, erstmals in Deutschland mit ideellen Werten wie Weltoffenheit und Internationalität statt mit dem Produkt selbst. Unterlegt waren die Kino- und Fernsehspots mit dem „Sportsmaster March“ von Robert Busby aus dem Jahr 1951. Das Museum für Kommunikation Berlin zählt die Motive zu den Höhepunkten des künstlerischen Werbeplakats in der Bundesrepublik und sieht in der Marke ein Symbol für die Reiselust und die Sehnsucht nach internationaler Anerkennung der 1960er Jahre.
Nach dem Fernseh- und Hörfunkwerbeverbot von 1975 wechselten die Claims häufiger: „Mehr erleben“ (1970), „Echter Stuyvesant-Geschmack mit Tabaken aus vier Kontinenten“ (1975), „Take off“ (1980) und in den 1980er Jahren „Der Geschmack der großen, weiten Welt“. 1989 folgte mit der Agentur Scholz & Friends die Kampagne „Come together and learn to live as friends“, die junge Menschen verschiedener Herkunft zeigte. Die internationale Markenmutter investierte außerdem in Kultur: Die 1960 im Turmac-Werk Zevenaar begonnene Peter Stuyvesant Collection wuchs auf mehr als 1.400 Werke moderner Kunst, hieß nach 1999 BAT Artventure und wurde zwischen 2010 und 2012 versteigert. In den 1970er Jahren trat die Marke als Titelsponsor der Tasman-Cup-Rennserie in Australien und Neuseeland auf.
Marktstellung in Deutschland
Von der Nummer zwei der 1960er Jahre ist Peter Stuyvesant zu einer Marke der zweiten Reihe geworden. Einen Zwischenstand liefert der Geschäftsbericht von Imperial Tobacco, der die Marke im September 2002 mit 2,3 Prozent Marktanteil als eine der führenden Marken im Hochpreissegment nannte. Seither hat sich der deutsche Markt weiter zu Preismarken und Feinschnitt verschoben, während Reemtsma seine Kräfte auf West, JPS und Davidoff konzentrierte. Aktuelle Marktanteile veröffentlicht der Konzern nicht; Branchenbeschreibungen führen Peter Stuyvesant heute als bekannte, aber kleine Traditionsmarke im oberen Preissegment, die vor allem von langjährigen Rauchern gekauft wird. Der Name bleibt gleichwohl Teil der deutschen Werbe- und Alltagsgeschichte, und Reemtsma hält die Marke trotz geringer Stückzahlen im Programm.
Kontroversen und Regulierung
Der Erfolg der Kampagne war zugleich ihr Problem. Das Museum für Kommunikation formuliert es nüchtern: Mit der Werbung wurde „der lungenschädliche Tabakrauch in weltmännisches Flair umgedeutet“. Peter Stuyvesant steht damit exemplarisch für eine Werbeepoche, die den Zigarettenkonsum mit Freiheit und Erfolg verknüpfte und die der Gesetzgeber schrittweise beendete: Fernseh- und Hörfunkspots sind in Deutschland seit 1975 verboten, Tabakwerbung in Presse und Internet seit 2007, Außenwerbung seit 2022. Die EU untersagte 2003 Bezeichnungen wie „Lights“ und „Mild“; seit 2016 dürfen Teer- und Nikotinwerte nicht mehr auf der Packung stehen, stattdessen bedecken bildliche Warnhinweise zwei Drittel der Fläche. Mehr dazu unter Recht.
International geriet die Marke mehrfach in die Kritik. 1996 warb sie während der Olympia-Übertragungen in Malaysia über ein gleichnamiges Reisebüro und umging so das dortige Tabakwerbeverbot. In Australien sorgten 2006 Retro-Blechdosen mit leicht ablösbaren Warnhinweisen, 2009 eine VIP-Party in einem Gebäude des Bundesstaates South Australia und vor der Einheitsverpackung 2012 die Kampagne „It's what's on the inside that counts“ für Schlagzeilen; die damalige Gesundheitsministerin Tanya Plibersek nannte sie einen „kranken Scherz“. 2016 folgten Softpacks in Hartpackungen, mit denen sich die vorgeschriebenen Bildwarnungen entsorgen ließen. Unabhängig von Werbung und Verpackung gilt für Peter Stuyvesant, was für jede Zigarette gilt: Rauchen verursacht Krebs, Herz-Kreislauf- und Lungenerkrankungen. Informationen dazu unter Gesundheit und Rauchstopp.
Sorten im Lexikon
Quellen
- Peter Stuyvesant (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Stuyvesant_(Zigarettenmarke)
- Peter Stuyvesant (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Peter_Stuyvesant_(cigarette)
- Markenlexikon brandslex.de – Peter Stuyvesant – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/p/markenlexikon-peter-stuyvesant
- Markenlexikon brandslex.de – Reemtsma – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/r/markenlexikon-reemtsma
- Markenlexikon brandslex.de – Ernte 23 – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/e/markenlexikon-ernte-23
- Reemtsma Cigarettenfabriken – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Reemtsma_Cigarettenfabriken
- Fritz Bühler (Grafiker) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Fritz_B%C3%BChler_(Grafiker)
- Petrus Stuyvesant – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Petrus_Stuyvesant
- Museum für Kommunikation Berlin: Kampagnentexte zur Ausstellung „Berührt – Verführt. Werbekampagnen, die Geschichte machten“ (PDF) – https://www.mfk-berlin.de/wp-content/uploads/BERUeHRT-VERFUeHRT-Kampagnentexte.pdf
- slogans.de: Slogans der Marke Peter Stuyvesant – https://www.slogans.de/slogans.php?BSelect%5B%5D=81
- Imperial Tobacco Group PLC: Form 6-K, Geschäftsjahr bis September 2002 (SEC EDGAR) – https://www.sec.gov/Archives/edgar/data/1072670/000104746902005712/a2095288z6-k.htm
- Reemtsma: Unsere Produkte (Herstellerseite) – https://reemtsma.com/unser-unternehmen/produkte/
- Reemtsma: Pressemitteilung „Imperial Brands plant Rückzug vom Standort Langenhagen“ – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/imperial-brands-plant-rueckzug-vom-standort-langenhagen/
- t-online: Letztes Werk in Deutschland – Zigarettenfabrik mit 600 Mitarbeitern schließt für immer (24. März 2026) – https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_101183032/reemtsma-zigarettenfabrik-langenhagen-schliesst-600-jobs-betroffen.html
- Deutsche Digitale Bibliothek / Deutsches Historisches Museum: Werbebroschüre „Peter Stuyvesant Modern Lights“ (um 1990/91) – https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/4HJETJUBIYZEWPUI2MEUEA2ESHVPZER2
- Rothmans International – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Rothmans_International
- Rembrandt Group – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Rembrandt_Group
- Tabakwerbung – Wikipedia (deutsch), Abschnitt Entwicklung in Deutschland – https://de.wikipedia.org/wiki/Tabakwerbung
- Wikimedia Commons: Datei Peter stuyvesant logo.png (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Peter_stuyvesant_logo.png
Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr Deutschland: Wikipedia, brandslex.de und das Museum für Kommunikation nennen 1959; einzelne Handelsquellen nennen 1958, was vermutlich auf das Jahr des Slogans zurückgeht. 2) Firmierung der Vertriebstochter: brandslex.de „Peter Stuyvesant Cigaretten GmbH“, Wikipedia „Peter Stuyvesant Cigaretten Gesellschaft (Hamburg)“. 3) Marktanteil „rund 15 Prozent, Platz 2 hinter HB“ stammt aus den Ausstellungstexten des Museums für Kommunikation ohne Jahresangabe und Primärquelle; die 2,3 Prozent für September 2002 stammen aus dem 6-K-Bericht von Imperial Tobacco. 4) Aktueller Sortimentsstand (nur noch Original; Gold und Silver eingestellt) sowie der Packungszusatz „by Davidoff“ sind nur über Handelslistungen belegt; Zeitpunkt und Hintergrund der Einstellung bzw. der Davidoff-Anlehnung hat Reemtsma nicht veröffentlicht. 5) Maschinenwerte stammen aus der deutschen Wikipedia (Packungsaufdrucke vor 2016), nicht aus einer Primärquelle. 6) Ob Gold und Silver direkte Nachfolger früherer Lights-Varianten sind, ist nicht belegt; „Modern Lights“ ist nur durch die DHM-Broschüre (um 1990/91) dokumentiert, Laufzeit unbekannt. 7) Produktionsstandort: Handelsangaben nennen Langenhagen; Wikipedia beschreibt für die Berlin-Schließung 2012 eine Verlagerung nach Tarnowo Podgórne ohne Nennung einzelner Marken. 8) Zahl der Länder: de.wikipedia „etwa 30“, en.wikipedia „55“. 9) Jahr der australischen Kampagne „It's what's on the inside that counts“ aus dem Kontext (Einheitsverpackung Dezember 2012) abgeleitet, in der Quelle nicht datiert. 10) Die Infobox der englischen Wikipedia führt Reemtsma als „previous owner (Germany only)“ und enthält offensichtlich vandalierte Einträge; die Reemtsma-Produktseite listet Peter Stuyvesant weiterhin als eigene Marke, daher hier Reemtsma als aktueller Anbieter. 11) Das Weltkugel-Emblem der Packung ist nur aus Handelsbeschreibungen und Packungsabbildungen bekannt, nicht aus Herstellerangaben.