
Reval
Reval zählt zu den letzten filterlosen Zigarettenmarken auf dem deutschen Markt. Die Marke entstand 1935 bei der Badischen Tabakmanufaktur Roth-Händle in Lahr im Schwarzwald, verschwand im Zweiten Weltkrieg und kehrte im Dezember 1949 zurück; ihr Name erinnert an Reval, die bis 1918 gebräuchliche deutsche Bezeichnung für Tallinn. Über die Mehrheitsbeteiligung von 1957 und die vollständige Übernahme 1985 kam Reval zu Reemtsma und damit seit 2002 zum britischen Konzern Imperial Brands, der die Filtervariante 2016 einstellte und nur die klassische Reval ohne Filter im Softpack weiterführt.
| Eingeführt | 1935 durch die Badische Tabakmanufaktur Roth-Händle, Lahr; Wiedereinführung Dezember 1949 |
|---|---|
| Hersteller | Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg (seit 1985 vollständig; seit 2002 zu Imperial Tobacco, heute Imperial Brands) |
| Herkunft | Deutschland (Lahr im Schwarzwald) |
| Namensgeber | Reval, bis 1918 deutscher Name der estnischen Hauptstadt Tallinn |
| Produktionsstandorte | Lahr (bis 1989), Berlin (1989 bis Schließung 2012), danach Reemtsma-Werke, u. a. Langenhagen (Schließung bis 2027 angekündigt) |
| Aktuelles Sortiment | eine Sorte: Reval ohne Filter im Softpack; historisch Reval Goldschnitt, Reval Filter Golden Blend (bis 2016) und Drehtabak |
| Packung | blaue Schrift auf gelbem Grund mit Wappen |

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Namensherkunft: der alte Name Tallinns
Der Markenname geht auf Reval zurück, die bis 1918 gebräuchliche deutsche Bezeichnung der estnischen Hauptstadt Tallinn. Die Stadt war seit dem Mittelalter Hansestadt mit starkem deutschsprachigem Bürgertum, und der Name blieb im deutschen Sprachraum auch nach 1918 lange geläufig. Als die Badische Tabakmanufaktur Roth-Händle 1935 eine neue Zigarette auf den Markt brachte, griff sie diesen klangvollen, leicht fern wirkenden Namen auf. Das Wappen auf der Packung ist nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia auch nicht identisch mit dem Stadtwappen Tallinns; es handelt sich um eine freie heraldische Gestaltung. Warum die Wahl genau auf diesen Namen fiel, ist in den zugänglichen Quellen nicht dokumentiert.
Geschichte: von Straßburg über Lahr nach Berlin
Die Wurzeln des Herstellers reichen bis 1871 zurück, als Jules Schaller in Straßburg-Neudorf eine Tabakfabrik gründete, aus der 1890 die Elsässische Tabakmanufaktur AG hervorging. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Straßburger Betrieb von Frankreich beschlagnahmt, und das Unternehmen setzte seine Tätigkeit 1920 als Badische Tabakmanufaktur Roth-Händle GmbH fort, zunächst mit Sitz in Frankfurt am Main, dann in Lahr im Schwarzwald. Die Stammmarke war Roth-Händle, eine seit 1897 eingetragene Marke für Zigaretten aus dunklem Tabak. 1935 kam Reval als zweite große Marke des Hauses hinzu, ebenfalls eine filterlose Zigarette aus dunklem Tabak, wie man sie damals als „schwarze Zigarette“ bezeichnete. Nach der Dokumentation des Freilichtmuseums Roscheider Hof setzte sich Reval wegen ihrer Qualität rasch am Markt durch.
In den späten 1930er Jahren wurde das Unternehmen im Zuge der sogenannten „Arisierung“ umgebaut: Die jüdischen Eigentümerfamilien Adler und Oppenheimer, die rund ein Drittel der Anteile hielten, wurden unter Beteiligung der Deutschen Bank aus dem Unternehmen gedrängt, den Großteil der Anteile übernahm der Zigarettenfabrikant Johann Neusch aus Herbolzheim. Im Zweiten Weltkrieg kam die Produktion zum Erliegen; im Dezember 1949 wurde Reval wieder eingeführt und gehörte in den 1950er und 1960er Jahren zu den bekannten filterlosen Marken der Bundesrepublik. 1957 wurde Reemtsma Mehrheitseigner der Badischen Tabakmanufaktur, 1985 übernahm der Hamburger Konzern das Unternehmen vollständig. 1989 wurde die Reval-Produktion von Lahr nach Berlin verlagert; das Lahrer Werk selbst wurde im März 2007 geschlossen. Als Reemtsma 2008 auch das Ende des Berliner Werks ankündigte, wanderte die Fertigung in die verbliebenen Werke des Konzerns. Einen Überblick über die Entwicklung der Zigarette in Deutschland bietet die Seite Geschichte.
Konzern und Produktion
Reval gehört heute zum Portfolio der Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH in Hamburg, die seit 2002 Teil des britischen Konzerns Imperial Tobacco ist, der inzwischen als Imperial Brands firmiert. Auf seiner Produktseite führt Reemtsma Reval neben Ernte 23, Roth-Händle, Cabinet und R6 unter den klassischen Tabakmarken. Als deutsches Werk nennt das Unternehmen Langenhagen bei Hannover, wo mehr als 1.700 verschiedene Produkte hergestellt werden. Dieser Standort steht allerdings vor dem Aus: Am 1. Oktober 2025 kündigte Imperial Brands an, die Produktion dort einzustellen, und am 23. März 2026 teilte das Unternehmen mit, dass Verkaufsgespräche gescheitert seien und das Werk bis ins Jahr 2027 hinein schrittweise geschlossen werde. Rund 600 Beschäftigte sind betroffen. Als Begründung nannte der Konzern langfristig rückläufige Produktionsmengen im klassischen Tabaksegment und eine unzureichende Auslastung. Wo Reval danach hergestellt wird, hat der Hersteller nicht mitgeteilt; nach der Schließung des Berliner Werks 2012 war ein Teil der dortigen Produktion bereits nach Tarnowo Podgórne in Polen verlagert worden.
Sortiment und Sorten im Überblick
Das Sortiment ist heute auf eine einzige Sorte zusammengeschrumpft: Reval ohne Filter, angeboten im Softpack, der weichen Packung, die für filterlose Zigaretten üblich ist. Die Zigarette ist rund, ohne Filter und wird aus einer Mischung dunkler Tabake gefertigt, die im Handel als kräftig und würzig beschrieben wird. Über die Jahrzehnte gab es deutlich mehr Varianten. Sammlerdokumentationen nennen für die 1950er Jahre Reval Goldschnitt und eine erste Filtervariante unter dem Namen Golden Blend; in den 1970er Jahren wurde die Filter-Reval mit eigenen Slogans beworben. Die Reval Filter Golden Blend hielt sich bis 2016. Daneben gab es einen Drehtabak, der nach Angaben der deutschsprachigen Wikipedia ebenfalls eingestellt wurde. Die Packungsgrößen reichten von kleinen Sechser- und Elferpackungen der Nachkriegszeit über 19er- und 20er-Softpacks bis zu Geschenkkartons mit 24 oder 48 Stück.
| Sorte | Zeitraum | Status |
|---|---|---|
| Reval ohne Filter | seit 1935, Wiedereinführung 1949 | aktiv |
| Reval Goldschnitt | 1950er Jahre | historisch |
| Reval Filter / Filter Golden Blend | 1950er Jahre bis Mai 2016 | historisch |
| Reval Drehtabak | bis in die 2010er Jahre | historisch |
Ein Sonderfall ist das Jahr 2015: Ab Mitte Mai wurden die Reemtsma-Traditionsmarken Eckstein No. 5, Juno und Salem No. 6 schrittweise in die Marke Reval überführt, bevor sie 2016 ganz vom Markt genommen wurden. Reval wurde so zur Sammelmarke für die letzten filterlosen Zigaretten des Konzerns.
Werbung und Design
Das Erscheinungsbild von Reval ist seit Jahrzehnten nahezu unverändert: eine traditionell gehaltene blaue Schrift auf gelbem Grund, dazu ein Wappen. Die Werbung der Nachkriegsjahrzehnte prägte vor allem der Grafiker Gerd Grimm, der nach seiner Rückkehr aus den USA 1951 über viele Jahre die Reval-Kampagnen gestaltete; seine Plakatentwürfe werden heute von einer Stiftung dokumentiert. Die Slogans kreisten fast durchweg um den Tabak selbst: „Naturrein“ (1962), „Der besondere Geschmack naturreiner Tabake“ (1973), „Naturrein im Tabak“ und „Echt im Tabak“ (1975) sowie „Echt im Tabak. Echt im Geschmack“ (1977). Für die Filtervariante warb man 1974 mit „Dem Filterfreund die Filter-Reval“. Der Begriff „naturrein“ ist aus heutiger Sicht heikel, weil er eine Unbedenklichkeit suggeriert, die eine Zigarette nie hat; Aussagen dieser Art sind in der Tabakwerbung inzwischen unzulässig. Wie andere Marken ihre Werbung entwickelt haben, zeigt die Markenübersicht.
Marktstellung in Deutschland
Reval war nie eine Massenmarke wie HB, Marlboro oder West, sondern immer eine Zigarette für eine Minderheit, die kräftigen, ungefilterten Tabak bevorzugte. In den Nachkriegsjahrzehnten gehörte Reval neben Roth-Händle zu den bekanntesten filterlosen Zigaretten aus dunklem Tabak in Westdeutschland. Mit dem Siegeszug der Filterzigarette schrumpfte dieses Segment kontinuierlich. Heute gehört Reval zu den wenigen filterlosen Zigaretten, die in Deutschland überhaupt noch angeboten werden, und ist innerhalb des Reemtsma-Portfolios eine kleine Traditionsmarke. Verlässliche Marktanteilszahlen liegen nicht vor. Historisch wurde Reval auch in Österreich, der Schweiz und Frankreich vertrieben; Sammlerdokumentationen nennen für die Schweiz Packungen des dortigen Herstellers Gerber & Cie.
Kontroversen und Regulierung
Die Marke steht sinnbildlich für die gesundheitlichen Risiken filterloser Zigaretten. Im Volksmund hat sich der Spitzname „Lungentorpedo“ etabliert, und makabre Reime über die Reval-Raucher kursierten schon vor Jahrzehnten. Die gemessenen Werte spiegeln die Regulierung: Für 1976 nennt die deutschsprachige Wikipedia 22 Milligramm Teer und 1,0 Milligramm Nikotin je Zigarette, Sammlerquellen geben für die späten 1980er Jahre 21 Milligramm Teer und 1,3 Milligramm Nikotin an. Seit die EU-Richtlinie 2001/37/EG ab 2004 Höchstwerte von 10 Milligramm Teer, 1 Milligramm Nikotin und 10 Milligramm Kohlenmonoxid vorschreibt, liegt Reval ohne Filter nach der Liste des Bundesministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz von 2007 bei 10 Milligramm Teer, 0,9 Milligramm Nikotin und 6 Milligramm Kohlenmonoxid. Niedrigere Messwerte bedeuten allerdings nicht, dass eine Zigarette weniger schädlich ist; Rauchende passen ihr Zugverhalten an, und ein Filter fehlt bei Reval ohnehin. Die zweite EU-Tabakrichtlinie 2014/40/EU mit bildlichen Warnhinweisen und einer Mindestpackungsgröße von 20 Stück war 2016 der Anlass, die Filtervariante aufzugeben: Reemtsma bestätigte im Mai 2016, dass Reval Filter Golden Blend gemeinsam mit Atika, Eckstein No. 5, Juno, Salem No. 6 und Player's Virginia No. 6 aus der Produktion genommen wurde. Wer sich über die Wirkung von Nikotin und Teer informieren möchte, findet Grundlagen unter Gesundheit und Inhaltsstoffe, zur Rechtslage unter Recht und zum Ausstieg unter Rauchstopp.
Quellen
- Reval (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Reval_(Zigarettenmarke)
- Reval (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Reval_(cigarette)
- Badische Tabakmanufaktur – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Badische_Tabakmanufaktur
- Roth-Händle – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Roth-H%C3%A4ndle
- Reemtsma Cigarettenfabriken – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Reemtsma_Cigarettenfabriken
- Tallinn – Wikipedia (deutsch), Abschnitt zum Namen Reval – https://de.wikipedia.org/wiki/Tallinn
- Gerd Grimm – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Gerd_Grimm
- Museum-digital: Zigarettenmarke Reval 20er, 24er und 48er Packung (Freilichtmuseum Roscheider Hof) – https://nat.museum-digital.de/object/971446
- Zigsam.at: Reval – Sammlerdokumentation der Packungen seit den 1950er Jahren – https://www.zigsam.at/B_Reval.htm
- Slogans.de: Slogans der Marke Reval (1962–1977) – https://www.slogans.de/slogans.php?GInput=Reval
- Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.05.2016: Kleinere Zigarettenmarken verschwinden vom Markt – https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/kleinere-zigarettenmarken-verschwinden-vom-markt-14238434.html
- Juno (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Juno_(Zigarettenmarke)
- Tagesspiegel, 20.06.2008: Reemtsma schließt das Berliner Werk – https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/reemtsma-schliesst-das-berliner-werk-1664179.html
- Reemtsma: Unsere Produkte – https://reemtsma.com/unser-unternehmen/produkte/
- Reemtsma Pressemitteilung, 01.10.2025: Imperial Brands plant Rückzug vom Standort Langenhagen – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/imperial-brands-plant-rueckzug-vom-standort-langenhagen/
- Reemtsma Pressemitteilung, 23.03.2026: Verkaufsgespräche erfolglos – Standort Langenhagen wird geschlossen – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/verkaufsgespraeche-erfolglos-imperial-brands-standort-langenhagen-wird-geschlossen/
- Richtlinie 2001/37/EG (Höchstwerte Teer, Nikotin, Kohlenmonoxid) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32001L0037
- Richtlinie 2014/40/EU (Tabakerzeugnisrichtlinie, bildliche Warnhinweise, Mindestpackungsgröße) – https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/?uri=CELEX:32014L0040
- Wikimedia Commons: File:Reval cigarettes logo.png (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Reval_cigarettes_logo.png
Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr 1935: belegt durch die Objektbeschreibung des Freilichtmuseums Roscheider Hof (museum-digital) und die Sammlerseite zigsam.at; Wikipedia (de/en) nennt kein Einführungsjahr. Eine Handelsseite behauptet zudem, Reval sei 1935 als steuerbegünstigte Marke positioniert gewesen; das ist nicht anderweitig belegt und wurde nicht übernommen. 2) Status: Der Auftrag bezeichnete Reval als historische Marke; Reemtsma führt Reval aber auf seiner Produktseite (Stand 2026) als laufende Marke, und die deutschsprachige Wikipedia nennt die Sorte ohne Filter als weiterhin erhältlich. Daher status = aktiv, ohne Sortenseiten. 3) Produktionsort heute: Handelsseiten nennen Langenhagen, Reemtsma selbst ordnet Reval keinem Werk zu; die Verlagerung 1989 nach Berlin stammt aus dem Wikipedia-Artikel zur Badischen Tabakmanufaktur (ohne Einzelnachweis). Was nach der Schließung von Langenhagen geschieht, ist offen. 4) Berliner Werk: Wikipedia nennt 2012 als Schließungsjahr, der Tagesspiegel 2008 sprach von einem Ende „spätestens 2011“; der Text folgt Wikipedia. 5) Drehtabak: Die deutsche Wikipedia sagt, der Drehtabak sei eingestellt, die englische nennt ihn noch als erhältlich; der Text folgt der deutschen Fassung. 6) Die Teer- und Nikotinwerte 1976 stehen in der deutschen Wikipedia ohne Einzelnachweis; die Werte der späten 1980er Jahre stammen von zigsam.at; die 2007er Werte gehen auf die BMELV-Liste zurück, die Wikipedia als Quelle nennt. 7) Vertrieb in Frankreich/Schweiz/Österreich und der Schweizer Hersteller Gerber & Cie stammen aus der englischen Wikipedia bzw. von zigsam.at, nicht aus Unternehmensangaben. 8) Die Zuordnung von Gerd Grimms Reval-Kampagnen zu konkreten Jahren ist nicht belegt; Wikipedia sagt nur „über viele Jahre“ nach 1951. 9) Das Wappen auf der Packung ist nach Wikipedia nicht das Tallinner Stadtwappen; was es genau zeigt, ist nicht dokumentiert.