f6

f6 ist eine Zigarettenmarke aus Dresden, die 1959 vom volkseigenen Betrieb Dresdner Zigarettenfabriken auf den Markt gebracht wurde und in der DDR zu den meistgerauchten Marken gehörte. Seit 1990 gehört sie zu Philip Morris, das die Marke nach der Wiedervereinigung bewusst als ostdeutsche Traditionsmarke führte und dafür als erstes Ostprodukt den Goldenen Effie erhielt. Heute besteht das Sortiment aus f6 Original und f6 Blue; hergestellt wird seit 2019 nicht mehr in Dresden, sondern in Konzernwerken in Polen und Tschechien.

Eingeführt1959 in der DDR durch den VEB Dresdner Zigarettenfabriken; der Hersteller druckt heute „seit 1962“ auf die Packung
HerstellerPhilip Morris International; in Deutschland Philip Morris GmbH, Gräfelfing bei München
HerkunftDeutschland (Dresden, DDR)
Namensherkunft„f“ für Filter, „6“ für die 1960er Jahre; nicht, wie oft behauptet, nach der Fernverkehrsstraße 6
Produktionbis Juni 2019 Zigarettenfabrik Jasmatzi in Dresden-Striesen, seither Konzernwerke in Polen und Tschechien; das Dresdner Werk schloss im Juli 2025
AuszeichnungGoldener Effie für die Markenführung nach 1990, als erstes ostdeutsches Produkt
Sorten heutef6 Original (bis 2023 „f6 Filter“) und f6 Blue (bis Oktober 2023 Chesterfield Blue)

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Namensherkunft: Filterzigarette der 60er Jahre

Der Markenname ist ein Kürzel: Das „f“ steht für Filter, die „6“ für die 1960er Jahre. Als die Marke entstand, waren Filterzigaretten in der DDR noch keine Selbstverständlichkeit, und der Name sollte ein modernes, in das neue Jahrzehnt weisendes Produkt kennzeichnen. Eine verbreitete Legende führt den Namen stattdessen auf die Fernverkehrsstraße 6 zurück, die in Dresden an der bekannten Tabakfabrik Yenidze vorbeiführt. Diese Erklärung ist falsch; f6 wurde nie in der Yenidze hergestellt, sondern im Stadtteil Striesen.

Geschichte: von der DDR-Marke zur Konzernmarke

Dresden war in den 1920er Jahren das Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie; je nach Zählung arbeiteten damals zwischen 70 und 140 Fabriken in der Stadt, und etwa jede vierte deutsche Zigarette kam von dort. Nach 1945 wurden die verbliebenen Betriebe verstaatlicht. 1959 entstand der VEB Dresdner Zigarettenfabriken, später VEB Vereinigte Zigarettenfabriken Dresden (Vezifa) und Stammbetrieb des Kombinats Tabak. Aus diesem Betrieb stammt f6. Wikipedia und Markenlexika nennen 1959 als Einführungsjahr, der Hersteller druckt heute „seit 1962“ auf die Packung; welche Angabe den Verkaufsstart bezeichnet, ist nicht abschließend geklärt.

In der DDR gehörte f6 neben Cabinet, Club, Juwel, Karo und Semper zu den meistgerauchten Marken. Sie zählte zu den sogenannten Dreizwanzigern, benannt nach dem staatlich festgelegten Preis von 3,20 Mark für die Zwanzigerpackung, und lag damit zwischen der billigen Karo und der teuren Duett. Typisch waren der auffällig kurze Filter und eine Tabakmischung, die sich deutlich vom American Blend westlicher Marken unterschied. Über den grob geschnittenen Tabak machte der Volksmund seine Witze: Der Unterschied zwischen f6 und Wasser sei, dass Wasser keine Balken habe.

Mit der Währungsunion im Juli 1990 kamen DM-Preise auf die Packung, und im September 1990 übernahm die Philip Morris GmbH die Vereinigten Zigarettenfabriken Dresden. Mit dem Betrieb erwarb der Konzern die Ostmarken f6, Karo und Juwel. Anders als Cabinet, das unter Reemtsma verwestlicht wurde und in Ostdeutschland stark verlor, blieb f6 bewusst ostdeutsch. Seit 1998 firmierte der Dresdner Betrieb als f6 Cigarettenfabrik GmbH & Co. KG. Ende 2012 überführte Philip Morris die nach der Wende eingeführten Zusatzsorten in die Marke Chesterfield; nur das Original blieb übrig.

Konzern und Produktion

Markeninhaber ist Philip Morris International. In Deutschland vertreibt die Philip Morris GmbH die Marke, die der Konzern neben Marlboro, L&M, Chesterfield und Parliament zu seinen erfolgreichsten Marken auf dem deutschen Markt zählt. Über Jahrzehnte war f6 mit der denkmalgeschützten Zigarettenfabrik Jasmatzi an der Schandauer Straße und der Glashütter Straße in Dresden-Striesen verbunden. Nach der Übernahme baute Philip Morris das Werk mit einem Investitionsvolumen von rund 200 Millionen Euro aus. 2017 kündigte der Konzern zudem eine neue Fabrik für Tabakerhitzer-Sticks in Dresden für rund 285 Millionen Euro an; das Vorhaben wurde später stillschweigend aufgegeben. Ab 2018 wurde das historische Stammwerk an der Schandauer Straße zu Wohnungen umgebaut, im verbliebenen Werk entstand vor allem Feinschnitt.

Im Juni 2019 verlegte Philip Morris die Zigarettenfertigung von f6 in zwei Konzernwerke in Polen und Tschechien. Als Grund nannte das Unternehmen die neue EU-Pflicht zur fälschungssicheren Kennzeichnung jeder Packung, für die in Dresden die Maschinen fehlten; f6 machte zu diesem Zeitpunkt nur noch etwa fünf Prozent der Dresdner Kapazität aus. Im Oktober 2024 gab der Konzern die Schließung des Dresdner Werks und der Berliner Fabrik für expandierten Tabak bekannt, betroffen waren an beiden Standorten zusammen 372 Beschäftigte. Ende Juli 2025 endete die Produktion in Dresden und damit die Tabakverarbeitung von Philip Morris in Deutschland.

Sortiment und Sorten im Überblick

Das heutige Sortiment ist schmal. Es besteht aus f6 Original, der Fortführung der DDR-Zigarette, und f6 Blue, einer milderen American-Blend-Variante, die bis Oktober 2023 als Chesterfield Blue verkauft wurde und seit dem 1. November 2023 wieder den Namen f6 trägt. In den 1990er und 2000er Jahren war das Angebot deutlich breiter: Es gab f6 Filter lang, f6 Light, die nach dem EU-Verbot beschönigender Bezeichnungen als f6 Fine Flavor weitergeführt wurde, f6 Silver, f6 International Blend, f6 Red beziehungsweise Full Flavor, zwei Mentholsorten sowie Feinschnitt, Zigarillos und Stopftabak. Die farbig codierten Sorten der „f6 Color Family“ wurden zum Jahreswechsel 2012/13 in Chesterfield überführt, begleitet von dem Slogan „Der Name ist neu. Der Geschmack bleibt.“

SorteZeitraumStatus
f6 Original (bis 2023 als „f6 Filter“ beschriftet)seit 1959 bzw. 1962aktiv
f6 Bluevor 2012; wieder seit November 2023aktiv
f6 Filter langnach 1990 bis etwa 2012historisch
f6 Light / Fine Flavor1990er Jahre bis 2012historisch
f6 Silver, International Blend, Red/Full Flavor, Menthol, Menthol Freshbis 2012historisch, in Chesterfield überführt
f6 Feinschnitt, Zigarillos, Quick Sticks, Tobacco Block2000er Jahrehistorisch

Werbung und Design

Das Erscheinungsbild von f6 hat sich seit DDR-Zeiten nur behutsam verändert: eine helle Packung, das dunkelrote Kürzel in einem abgerundeten Rahmen und an der Zigarette selbst ein schmaler brauner Ring, der den kurzen Filter markierte. Nach der Wiedervereinigung machte Philip Morris aus der Herkunft das zentrale Werbeargument. Statt die Marke zu verwestlichen, setzte man auf vertraute Optik, regionale Ansprache und selbstironische Wortspiele wie „6 fromme Brüder“ oder „6 fleißige Lieschen“. Für diese Markenführung erhielt f6 als erstes ostdeutsches Produkt den Goldenen Effie, den wichtigsten Preis der deutschen Werbewirtschaft für nachweislich wirksame Kommunikation.

Ab 1997 ergänzte der f6 Music Award die Markenkommunikation: ein Nachwuchswettbewerb mit Vorentscheiden in den ostdeutschen Bundesländern und einem Finale in Berlin, bei dem ein Plattenvertrag winkte. Der Wettbewerb lief bis 2013, zuletzt unter dem Namen Chesterfield f6 Music Award. Seit 2022 ist auch Außenwerbung für Zigaretten in Deutschland verboten, sodass die Marke heute im Wesentlichen nur noch über die Packung und den Verkaufsort sichtbar ist (siehe Recht).

Marktstellung in Deutschland

f6 ist die einzige DDR-Zigarettenmarke, die mehr als drei Jahrzehnte nach der Wiedervereinigung noch als eigenständige Marke eines Weltkonzerns geführt wird; Juwel verschwand 2015/16 vom Markt, Karo 2022. In den ersten Jahren nach 1990 behauptete sich f6 in den neuen Bundesländern als starke Regionalmarke; Wikipedia nennt für diese Zeit einen Anteil von rund 18 Prozent am ostdeutschen und 3,5 Prozent am gesamtdeutschen Zigarettenmarkt, ohne ein Bezugsjahr anzugeben. Mit der Überführung der Zusatzsorten in Chesterfield 2012 wurde f6 zur Ein-Produkt-Marke im unteren Preissegment, und erst 2023 baute Philip Morris das Sortiment mit f6 Blue und neuen Großpackungen wieder etwas aus. Aktuelle Marktanteile veröffentlicht der Hersteller nicht; f6 gehört heute zu den kleineren, regional verankerten Marken des deutschen Marktes.

Kontroversen, Regulierung und Gesundheit

Die auffälligste Debatte um f6 ist eine Debatte um Authentizität. Seit 2023 hat Philip Morris die Zigarette den übrigen Konzernmarken angeglichen: Der Filter ist auf die übliche Länge von rund zwei Zentimetern gewachsen, der braune Ring täuscht den alten Kurzfilter nur noch optisch vor, und die Packung trägt den Zusatz „Original“ statt „Filter“. Der Geschmack hat sich spürbar verändert, und die Bezeichnung „Original“ wirkt vor diesem Hintergrund unglücklich gewählt. Hinzu kommt der Verlust des Produktionsstandorts: Eine Marke, deren Werbung jahrzehntelang mit Dresden argumentierte, wird seit 2019 in Polen und Tschechien gefertigt.

Unabhängig von Herkunft und Tradition gilt für f6, was für jede Zigarette gilt: Der Rauch enthält Nikotin, Teer, Kohlenmonoxid und zahlreiche krebserzeugende Stoffe; die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft Tabakrauch als eindeutig krebserzeugend ein. Weder der kurze Filter der DDR-Zeit noch die heutige Standardausführung ändern daran etwas. Ausführliche Informationen finden sich unter Gesundheit, Inhaltsstoffe und Rauchstopp; die Dresdner Tabakgeschichte ist unter Geschichte beschrieben, weitere Marken in der Markenübersicht.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. f6 (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/F6_(Zigarettenmarke)
  2. F6 (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/F6_(cigarette)
  3. Zigarettenfabrik Jasmatzi – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenfabrik_Jasmatzi
  4. Stadtwiki Dresden: f6-Zigarettenfabrik – https://www.stadtwikidd.de/wiki/F6-Zigarettenfabrik
  5. brandslex.de: Markenlexikon F6 – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/f/markenlexikon-f6
  6. Philip Morris Deutschland: Unsere Produkte – https://www.pmi.com/markets/germany/de/unsere-produkte
  7. Radio Dresden: Philip Morris verlegt f6-Produktion von Dresden nach Polen und Tschechien (30. Juli 2019) – https://www.radiodresden.de/beitrag/philip-morris-verlegt-f6-produktion-von-dresden-nach-polen-und-tschechien-595772/
  8. Oiger: Philip Morris baut Heißtabak-Fabrik in Dresden (19. Juni 2017) – https://oiger.de/2017/06/19/philip-morris-baut-heisstabak-fabrik-in-dresden/164088
  9. Oiger: Philip Morris schließt F6-Tabakfabrik in Dresden (29. Oktober 2024) – https://oiger.de/2024/10/29/philip-morris-schliesst-f6-tabakfabrik-in-dresden/192719
  10. t-online: Philip Morris – Tabakkonzern schließt sein letztes deutsches Werk (30. Juli 2025) – https://www.t-online.de/finanzen/aktuelles/wirtschaft/id_100835706/philip-morris-tabakkonzern-schliesst-sein-letztes-deutsches-werk.html
  11. Lebensmittel Zeitung: Philip Morris nimmt Ostmarke f6 vom Markt (19. November 2012) – https://www.lebensmittelzeitung.net/industrie/nachrichten/Philip-Morris-Nimmt-Ostmarke-f6-vom-Markt-96531
  12. Horizont: Zigarettenmarken – F6 wird zu Chesterfield (4. Dezember 2012) – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/-Zigarettenmarken-F6-wird-zu-Chesterfield-111768
  13. Volksstimme: Rauchen in der DDR – Diese Zigaretten-Marken prägten den Alltag – https://www.volksstimme.de/sachsen-anhalt/ddr-zigaretten-rauchen-marken-f6-juwel-karo-cabinett-4231797
  14. DDR Museum Berlin: Zigaretten „f6“ (Objekt 1022305) – https://www.ddr-museum.de/en/objects/1022305
  15. Parocktikum Wiki: F6 Music Award – https://parocktikum.de/wiki/index.php/F6_Music_Award
  16. Juwel (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Juwel_(cigarette)
  17. Karo (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Karo_(Zigarettenmarke)
  18. Wikimedia Commons: File:F6 cigarettes logo.png (PD-textlogo) – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:F6_cigarettes_logo.png

Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr: Wikipedia (de/en), brandslex und Presse nennen 1959, die heutige Packung „seit 1962“; die deutsche Wikipedia schreibt zudem „seit 1962 als Filterzigarette“. Im Text beide Angaben genannt. 2) Betriebsbezeichnung: Die Quellen widersprechen sich, wann aus dem VEB Dresdner Zigarettenfabriken der VEB Vereinigte Zigarettenfabriken Dresden wurde (1958/1959 laut Jasmatzi-Artikel und Stadtwiki, 1982 laut f6-Artikel); im Text ohne Jahr formuliert. 3) Marktanteile 18 Prozent Ost / 3,5 Prozent gesamt (Platz 8) stammen aus Wikipedia ohne Bezugsjahr; deshalb ausdrücklich so gekennzeichnet, kein aktueller Wert angegeben. 4) Jahr der Effie-Verleihung in keiner Quelle genannt. 5) Zeitpunkt der Umbenennung f6 Light in f6 Fine Flavor nicht datiert; der Zusammenhang mit dem EU-Verbot von „light“-Bezeichnungen (2003) ist plausibel, aber nicht belegt. 6) Welche Werke in Polen und Tschechien f6 heute fertigen, wird nicht genannt. 7) Mischung: Beschreibungen als „Orient-Mischung“ stammen aus Fan- und Handelsseiten und wurden nicht übernommen; Rohtabakherkunft in der DDR-Zeit nicht belegt. 8) Nikotin-/Kondensat-/CO-Werte stammen aus Wikipedia (Packungsaufdruck vor 2016), nicht aus einer Primärquelle. 9) Beschäftigtenzahl bei der Schließung: 372 (Dresden und Berlin, Oiger 2024) gegenüber 274 in Dresden (t-online 2025). 10) Investitionssumme 200 Millionen Euro stammt aus einem Unternehmensprofil des Verbands der Sächsischen Wirtschaft (Suchtreffer), nicht aus einer Primärquelle. 11) Aufgabe der 2017 angekündigten Heißtabak-Fabrik: Oiger 2024 spricht von einer stillen Einstellung, eine offizielle Absage wurde nicht gefunden. 12) Zigarettenformat (King Size oder kürzer) und Stückzahl je Packung nicht aus seriösen Quellen belegbar, deshalb nur „klassische Packung“ und „Großpackungen“. 13) Existenz von f6 Blue vor 2012 nur über die Aussage belegt, dass Blue-, Red- und Menthol-Sorten in Chesterfield überführt wurden.