Markenf6

f6 Original

f6 Original ist die Stammsorte der Marke und die direkte Nachfolgerin der Zigarette, die in der DDR schlicht f6 hieß. Bis 2023 unterschied sie sich mit ihrem kurzen Filter und einer vom American Blend abweichenden Mischung sichtbar von westlichen Zigaretten; seither trägt sie den Zusatz „Original“, hat einen Filter in Standardlänge und wird in Polen und Tschechien hergestellt.

Eingeführt1959 als „f6“ in der DDR (Packungsaufdruck: „seit 1962“); nach 1990 als „f6 Filter“, seit 2023 als „f6 Original“ beschriftet
Charakterbis 2023 Kurzfilter und vom American Blend abweichende Mischung; seither Filter in Standardlänge und angeglichene Mischung
Formateklassische Packung, seit 2023 zusätzlich Großpackungen (XL-Formate)
Frühere Packungswerte0,8 mg Nikotin, 10 mg Kondensat, 9 mg Kohlenmonoxid je Zigarette (Packungsaufdruck vor 2016, nach Wikipedia)
Produktionbis Juni 2019 Dresden-Striesen, seither Konzernwerke in Polen und Tschechien
Statusaktiv

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Charakter und Mischung

f6 Original ist die Zigarette, die in der DDR schlicht „f6“ hieß und heute den Kern der Marke bildet. Ihr Charakter wurde über Jahrzehnte von zwei Merkmalen bestimmt: einem ungewöhnlich kurzen Filter und einer Tabakmischung, die sich spürbar vom American Blend westlicher Marken unterschied. Zeitgenossen beschrieben die DDR-f6 als kräftig, würzig und eher herb, und der Schnitt des Tabaks galt als grob; der Volksmund spottete, Wasser unterscheide sich von f6 dadurch, dass es keine Balken habe. Belastbare Angaben zur genauen Zusammensetzung veröffentlicht der Hersteller nicht, und Beschreibungen wie „Orient-Mischung“, die in Fachhandels- und Fanpublikationen kursieren, lassen sich nicht überprüfen. Sicher ist nur, dass f6 nie eine typische Virginia-Burley-Mischung nach amerikanischem Muster war und gerade dadurch ihr Profil gewann.

Die Packungswerte, die bis zur EU-Tabakproduktrichtlinie von 2016 aufgedruckt sein mussten, lagen laut Wikipedia bei 0,8 Milligramm Nikotin, 10 Milligramm Kondensat und 9 Milligramm Kohlenmonoxid je Zigarette. Solche Werte stammen aus dem Maschinenrauchverfahren und sagen wenig über die tatsächliche Aufnahme aus (siehe Inhaltsstoffe); sie zeigen aber, dass f6 Original im üblichen Bereich der Vollgeschmack-Zigaretten lag und keineswegs die besonders starke Ostzigarette war, als die sie oft beschrieben wird.

Format und Packung

Die Packung ist der eigentliche Wiedererkennungswert: heller Grund, das dunkelrote, kleingeschriebene „f6“ in einem abgerundeten Rahmen, dazu seit 2023 der Zusatz „Original“, wo zuvor „Filter“ stand. An der Zigarette selbst sitzt ein schmaler brauner Ring, der ursprünglich das Ende des kurzen Filters markierte. Das Design hat die Wende, den Konzernwechsel und mehrere Verpackungsverordnungen überstanden; heute nehmen allerdings die gesetzlich vorgeschriebenen bildlichen Warnhinweise den größten Teil der Packungsfläche ein, sodass vom Markenauftritt nur ein Streifen bleibt (siehe Recht). Verkauft wird f6 Original in der klassischen Packung sowie seit 2023 auch in Großpackungen, die der Hersteller mit Kürzeln wie „7XL“ kennzeichnet. Ein Langformat gab es nach der Wende als eigene Sorte „f6 Filter lang“; sie wurde mit der Sortimentsbereinigung von 2012 eingestellt.

Einführung, Umbenennungen und Veränderungen

Die Marke kam 1959 aus dem VEB Dresdner Zigarettenfabriken auf den DDR-Markt; der Hersteller selbst datiert die Zigarette auf der Packung mit „seit 1962“. In der DDR gab es nur diese eine f6, eine Sortenbezeichnung war nicht nötig. Nach der Übernahme durch Philip Morris 1990 wuchs das Sortiment um zahlreiche Varianten, und die Stammzigarette wurde als „f6 Filter“ von den Sorten Filter lang, Light beziehungsweise Fine Flavor, Silver, International Blend oder Menthol abgegrenzt. Als der Konzern Ende 2012 alle Zusatzsorten in Chesterfield überführte, blieb allein diese Stammzigarette übrig; in Presse und Handel hieß sie nun „f6 Original“, auf der Packung stand aber weiterhin „Filter“.

Die tiefgreifendste Veränderung kam 2023. Philip Morris glich die Zigarette den übrigen Konzernmarken an: Der kurze Filter wurde durch einen Filter in der branchenüblichen Länge von rund zwei Zentimetern ersetzt, der braune Ring blieb als optisches Zitat erhalten, und die Packung wechselte von „Filter“ zu „Original“. Zeitgleich kamen Großpackungen hinzu, und aus Chesterfield Blue wurde zum 1. November 2023 f6 Blue. Bereits seit Juni 2019 wird f6 Original nicht mehr in Dresden, sondern in zwei Konzernwerken in Polen und Tschechien produziert, weil in Dresden die Technik für die EU-weit vorgeschriebene fälschungssichere Packungskennzeichnung fehlte; das Dresdner Werk schloss im Juli 2025 endgültig.

Stellung im Sortiment und Abgrenzung zu f6 Blue

f6 Original ist die Leitsorte und war von Anfang 2013 bis Herbst 2023 die einzige Sorte der Marke. Zuvor hatte es innerhalb der Marke eine ganze Farbfamilie gegeben, von der leichten Silver über Light und Fine Flavor bis zu Menthol; alle wurden Ende 2012 in die Marke Chesterfield überführt, wo Blue und Red als Sorten weiterbestehen; Mentholzigaretten sind in der EU seit Mai 2020 ohnehin verboten. Die 2023 wiederbelebte Schwestersorte f6 Blue folgt einem anderen Konzept: Sie ist eine mildere Zigarette auf Basis eines American Blend, technisch die frühere Chesterfield Blue, und richtet sich an Raucher, denen das Original zu kräftig oder zu eigenwillig ist. Wer den Unterschied beider Sorten sucht, findet ihn also weniger in der Herkunft als in der Mischung: Original steht für das Erbe der Dresdner Zigarette, Blue für den Konzernstandard unter dem Ostnamen. Innerhalb des deutschen Philip-Morris-Portfolios liegt f6 unterhalb von Marlboro und L&M im preisgünstigen Segment und konkurriert dort mit Marken anderer Konzerne, die ebenfalls mit Tradition und Herkunft argumentieren.

Status heute

f6 Original ist weiterhin auf dem deutschen Markt und wird von Philip Morris aktiv geführt; die Sortimentserweiterung von 2023 spricht dafür, dass der Konzern die Marke nicht aufgeben will, sondern sie als preisgünstige Traditionsmarke neben Chesterfield und L&M positioniert. Die Käuferschaft sitzt nach wie vor überwiegend in den ostdeutschen Bundesländern, wo die Marke seit den 1960er Jahren zum Alltag gehörte. Zugleich ist die Bindung an Dresden gekappt: Die Produktion liegt im Ausland, und der Standort, mit dem die Werbung jahrzehntelang argumentierte, existiert seit 2025 nicht mehr. Für die Sorte bedeutet das eine paradoxe Lage. Sie trägt den Namen „Original“, ist aber in Filter, Mischung und Herkunft weiter vom DDR-Vorbild entfernt als je zuvor. Ob der Name auf Dauer trägt, wird davon abhängen, ob die Käuferschaft die Marke als Symbol oder als Produkt versteht.

Besonderheiten

Drei Dinge machen f6 Original zu einem Sonderfall unter den deutschen Zigaretten. Erstens ist sie das einzige DDR-Tabakprodukt, das ein internationaler Konzern über mehr als drei Jahrzehnte als eigenständige Marke weitergeführt hat; Juwel und Karo aus demselben Werk wurden 2015/16 und 2022 eingestellt, Cabinet verlor unter Reemtsma stark an Bedeutung. Zweitens war sie mit ihrem Kurzfilter bis 2023 eine der letzten Zigaretten des Massenmarkts, die sich sichtbar vom internationalen Einheitsformat unterschieden. Drittens ist sie ein Lehrstück für Markenführung: Dass ausgerechnet eine Zigarette als erstes ostdeutsches Produkt den Goldenen Effie erhielt, zeigt, wie geschickt Philip Morris in den 1990er Jahren mit Herkunft und Ostalgie umging.

All das ändert nichts an der gesundheitlichen Bewertung. f6 Original ist eine gewöhnliche Filterzigarette, deren Rauch dieselben krebserzeugenden Stoffe enthält wie jeder andere Tabakrauch; ob der Filter kurz oder lang ist, ändert daran nichts Wesentliches. Wer die Marke aus Gewohnheit oder Verbundenheit raucht, findet unter Gesundheit und Rauchstopp nüchterne Informationen. Die Geschichte der Marke, ihrer Werbung und ihres Dresdner Werks ist auf der Seite f6 beschrieben.

Quellen: siehe Markenseite f6.