Prince

Mit Prince setzte sich in Dänemark die Filterzigarette durch: Chr. Augustinus Fabrikker brachte die Marke 1957 heraus, sechs Wochen später folgte der Slogan „Jeg er også gået over til Prince“, der zum Evergreen wurde. Von Dänemark aus kam die rote Prince nach Schweden, Norwegen und ab den 1970er Jahren nach Norddeutschland, wo BAT sie als „Prince Denmark“ und „große Marke des Nordens“ vermarktete. Die Seite zeichnet Herkunft, Sortiment, Werbe- und Designgeschichte sowie die Marktstellung der Marke nach, die seit 2008 zu British American Tobacco gehört.

Eingeführt1957 in Dänemark durch Chr. Augustinus Fabrikker; Schweden 1961, Norwegen 1967, Norddeutschland ab 1972/1974, ganz Westdeutschland ab 1986
HerstellerHouse of Prince A/S (bis 2008 Tochter des Skandinavisk Tobakskompagni), heute British American Tobacco Denmark A/S; seit Juli 2008 Teil von British American Tobacco
HerkunftDänemark; in Deutschland von BAT als „Prince Denmark“ eingeführt
Produktionbis 2011 im Werk Søborg bei Kopenhagen (seit 1951), danach in anderen europäischen Werken von BAT
Slogans und Claims„Jeg er også gået over til Prince“ (Dänemark, ab 1957); „Die große Marke des Nordens“ (BAT Deutschland, Anfang der 2000er Jahre)
Marktstellungfast 50 % Marktanteil in Dänemark 2001, 24,6 % im 3. Quartal 2004 (dänisches Steuerministerium); 2001 größte Marke Skandinaviens (BAT)
Sorten (Dänemark, Mitte der 2000er Jahre)Rich Taste, Rounded Taste, Golden Taste, Smooth Taste, Menthol Taste, Highland Taste sowie 100er-Varianten

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: die Filterzigarette, mit der Dänemark umstieg

Prince kam 1957 auf den dänischen Markt. Chr. Augustinus Fabrikker brachte die Marke als Antwort auf All-Over heraus, die erste dänische Filterzigarette, die R. Færchs Fabrikker wenige Jahre zuvor eingeführt hatte. Beworben wurde Prince als Filterzigarette mit vollem Tabakgeschmack, und das Konzept ging auf: Erst mit Prince setzten sich Filterzigaretten in Dänemark wirklich durch, heute sind filterlose Zigaretten dort die Ausnahme. Mehr zur Entwicklung der Filterzigarette unter Geschichte.

Bald ging die Marke ins Ausland. 1961, im Gründungsjahr des Skandinavisk Tobakskompagni, zu dem Prince fortan gehörte, folgte Schweden, 1967 Norwegen. Anfang der 1970er Jahre kam Westdeutschland hinzu, später Griechenland, das sich zu einem wichtigen Markt entwickelte. Mitte der 2000er Jahre wurde Prince nach Unternehmensangaben in mehr als 40 Länder exportiert; rund drei Viertel des Absatzes entfielen auf das Ausland, dazu kam der Duty-free-Verkauf auf Flughäfen und Fähren.

Hersteller und Produktion: von Søborg zu British American Tobacco

Die Zigarettensparte des Skandinavisk Tobakskompagni trug später den Namen der Marke: House of Prince A/S. Die Gruppe beschäftigte Mitte der 2000er Jahre mehr als 1.700 Menschen, rund 650 davon in Søborg bei Kopenhagen. Das dortige Werk bestand seit 1951 und fertigte zuletzt rund zwölf Milliarden Zigaretten im Jahr.

Im Juli 2008 übernahm British American Tobacco (BAT) das Zigarettengeschäft des Skandinavisk Tobakskompagni und damit auch Prince; die dänische Gesellschaft firmiert seither als British American Tobacco Denmark. Im Oktober 2009 kündigte BAT an, die Produktion aus Søborg schrittweise in andere europäische Werke zu verlagern und das Werk 2011 zu schließen, begründet mit dem sinkenden Zigarettenkonsum in Westeuropa. Die Entscheidung kostete bis zu 500 Arbeitsplätze. Prince selbst bezeichnete der Konzern dabei als wichtige regionale Marke für Dänemark und die Nachbarländer, in die man weiter investieren wolle.

Sortiment: die rote Prince und ihre Familie

Nach der Sortimentsübersicht des Herstellers blieb die rote Originalsorte mit vollem Geschmack in Dänemark mehr als zwei Jahrzehnte lang allein. 1979 kam mit Prince Lights die erste leichtere Variante hinzu, später folgten Langformate, eine Mentholsorte und weitere Abstufungen. Nach dem EU-Verbot von Bezeichnungen wie „Lights“ wurden im Herbst 2003 alle Varianten umbenannt. Der dänische Stand Mitte der 2000er Jahre, nach Herstellerangaben:

Sorte (ab Mitte der 2000er)Früherer NameEingeführt
Rich TastePrince (Originalsorte)1957
Rounded TastePrince Lights1979
Rich Taste 100Prince 1001985
Rounded Taste 100Prince Lights 1001987
Menthol TastePrince Lights Menthol1990
Golden TastePrince Ultra Lights1990
Golden Taste 1001995
Smooth TastePrince Extra Ultra1999
Highland Taste2006

Wie kräftig die Originalsorte einst war, zeigt ein Vergleichstest der norwegischen Zeitung VG von 1977: Gemessen wurden 28 Milligramm Teer und 2,0 Milligramm Nikotin pro Zigarette, die vierthöchsten Werte unter 28 Marken. 1987 lagen die Werte bei 20 und 1,7 Milligramm. Heute gelten in der EU Höchstwerte von 10 Milligramm Teer und 1 Milligramm Nikotin; zur Aussagekraft solcher Messungen siehe Inhaltsstoffe.

Werbung und Design: „Jeg er også gået over til Prince“

Sechs Wochen nach dem Marktstart erschien der Slogan, der die Marke über Jahrzehnte begleitete: „Jeg er også gået over til Prince“, zu Deutsch „Ich bin auch zu Prince gewechselt“. Gedacht war er für ein halbes Jahr, laut Hersteller wurde daraus ein Evergreen. Zunächst warben anonyme Models mit dem Satz, ab den 1960er Jahren bekannte Gesichter, in den 1990er Jahren etwa das Fotomodell Tina Kjær. In Norwegen und Schweden warben Prominente damit, in Norwegen etwa Rolv Wesenlund und Henki Kolstad. Mit dem dänischen Tabakwerbeverbot, das Anfang 2002 in Kraft trat, endete diese Ära.

Von 1957 an zeigte die Packung in ihrer Mitte das Motiv einer Zigarette, das erst mit dem neuen Design im Frühjahr 2003 verschwand; im Herbst 2004 folgte eine weitere Überarbeitung mit zusätzlichen Angaben auf der Seite und auf der Innenseite des Deckels. Leitfarbe der Originalsorte blieb Rot. Für Sammler markiert 2003 damit eine klare Grenze: Packungen mit dem Zigarettenmotiv stammen aus der Zeit davor. Mehr dazu unter Packungsdesign-Geschichte und Packungen sammeln.

Prince in Deutschland: „Die große Marke des Nordens“

Als Dänemark 1972 den Beitritt zur Europäischen Gemeinschaft beschloss, gelangte Prince laut House of Prince zunächst in Geschäfte unmittelbar südlich der deutschen Grenze. Für 1974 verzeichnet die Firmenchronik der deutschen BAT die Einführung von „Prince Denmark“ in Norddeutschland, hergestellt von der „Schwestergesellschaft“ in Kopenhagen. Von dort rückte der Vertrieb schrittweise nach Süden vor, seit 1986 war die Marke in ganz Westdeutschland erhältlich. Ihr Schwerpunkt blieb der Norden: 2001 zählte BAT Prince zu den führenden Marken Norddeutschlands, und für den dänischen Hersteller war Deutschland Mitte der 2000er Jahre ein wichtiger Exportmarkt.

Werblich setzte BAT auf die Herkunft. „Die große Marke des Nordens“ lautete Anfang der 2000er Jahre die Überschrift zu Prince auf der Website des Unternehmens; beschrieben wurde sie als „Skandinavische Cigarette“, natürlich und unkonventionell, bewusst abgesetzt von der amerikanischen Konsumwelt. Zur norddeutschen Verankerung passt, dass das junge Wacken Open Air in Schleswig-Holstein 1992 Prince Denmark als Sponsor gewann. Heute führt BAT in Deutschland Prince neben HB als Traditionsmarke; im Mittelpunkt des Portfolios stehen Lucky Strike und Pall Mall.

Marktstellung in Dänemark und Skandinavien

In Dänemark war Prince über Jahrzehnte unangefochtener Marktführer. Ein Bericht des dänischen Steuerministeriums von 2007 beschreibt, wie die langjährige Treue der Raucher zu heimischen Marken dem Skandinavisk Tobakskompagni faktisch eine Art Monopol verschafft hatte; in der Statistik diente Prince als Maßstab für die meistgefragte Preisklasse. 2001 kam die Marke auf fast 50 Prozent Marktanteil. Dann drängten Billigzigaretten in den Markt, darunter mit LA auch eine Marke aus dem eigenen Haus. Bis zum dritten Quartal 2004 fiel der Anteil von Prince auf 24,6 Prozent, nach einer Steuererhöhung 2005 holte die Marke einen Teil zurück.

BAT bezeichnete Prince 2001 als größte Zigarettenmarke Skandinaviens. In Norwegen, wo die Marke seit 1967 verkauft wird, gilt die Variante Rounded Taste nach Angaben der Wikipedia als meistverkaufte Zigarette des Landes.

Namensherkunft

Warum Chr. Augustinus 1957 den Namen Prince wählte, ist in den ausgewerteten Quellen nicht überliefert. Naheliegend ist eine Deutung: Das englische Wort für Prinz verbindet internationalen Klang mit einer Anmutung von Rang und Qualität, die in einer Monarchie wie Dänemark ohne Erklärung verstanden wird. In Deutschland lief die Zigarette als „Prince Denmark“, womit Herkunft und skandinavische Positionierung schon im Namen steckten. Wie eng Marke und Unternehmen zusammengehörten, zeigt der Name der Zigarettensparte, House of Prince. Weitere Namensgeschichten versammelt das Markenlexikon.

Kontroversen und Regulierung

Die Regulierung hat die Marke mehrfach verändert: Seit 2002 ist Tabakwerbung in Dänemark verboten, 2003 erzwang das EU-Verbot irreführender Bezeichnungen neue Sortennamen, zugleich wurden die Warnhinweise größer (zur Rechtslage in Deutschland siehe Recht). Ein Zivilverfahren, das Anfang der 2000er Jahre begann, beschäftigte die Gerichte bis 2011: Ein ehemaliger Raucher von der Insel Fünen, der fast 50 Jahre lang Prince geraucht hatte, verlangte vom Skandinavisk Tobakskompagni Schadenersatz. Er warf dem Unternehmen vor, mit Zusatzstoffen und einer Filterventilation, die Raucher unbewusst verschließen, eine stärkere Wirkung erzielt zu haben, als die Deklaration angab. Das Østre Landsret in Kopenhagen wies die Klage am 8. Dezember 2011 ab. Hinzu kamen Fälschungen, über die Medien etwa 2000 und 2017 berichteten; sie stammten vermutlich aus Osteuropa und Asien.

Quellen

  1. Prince (cigaretmærke) – Wikipedia (dänisch) – https://da.wikipedia.org/wiki/Prince_(cigaretm%C3%A6rke)
  2. Prince (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Prince_(cigarette)
  3. House of Prince: Prince then and now (Unternehmenswebsite, archiviert 2005) – https://web.archive.org/web/20051124074423/http://www.prince.dk/sw357.asp
  4. British American Tobacco Germany: Firmen-Chronik (Unternehmenswebsite, archiviert 2001) – https://web.archive.org/web/20011211093750/http://www.bat.de:80/_default/_a/7611u5/_default/Chronik.Unternehmen
  5. British American Tobacco Germany: Hauptmarken – Prince, „Die große Marke des Nordens“ (archiviert 2002) – https://web.archive.org/web/20020325015523/http://www.bat.de:80/_default/_a/88af5l/_default/Hauptmarken.MarkenProdukte
  6. BAT Deutschland: Unsere Marken (Herstellerseite) – https://www.bat.de/marken-und-produkte/unsere-marken
  7. Business.dk (Berlingske): House of Prince i Søborg lukker og slukker (26. Oktober 2009, archiviert) – https://web.archive.org/web/20091029100401/http://www.business.dk:80/article/20091026/foedevarer/91026046
  8. Skatteministeriet: Status over grænsehandel 2007, Kapitel 4 – Priser og incitamenter til grænsehandel (archiviert) – https://web.archive.org/web/20110606052939/http://www.skm.dk/publikationer/udgivelser/statusovergraensehandel2007/5733/
  9. DR Nyheder: Ryger taber retssag mod cigaretproducent (8. Dezember 2011, archiviert) – https://web.archive.org/web/20120214210425/http://www.dr.dk:80/Nyheder/Indland/2011/12/08/100250.htm
  10. Wacken Open Air – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Wacken_Open_Air

Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführung in Deutschland: House of Prince nennt 1972 (zunächst Geschäfte direkt südlich der Grenze, sinngemäß „als Dänemark dem Gemeinsamen Markt beitrat“; formell trat Dänemark zum 1. Januar 1973 bei, die Volksabstimmung war 1972), die archivierte BAT-Firmenchronik nennt 1974 für die Einführung von „Prince Denmark“ in Norddeutschland; im Text stehen beide Angaben. 2) Die Bezeichnung „Schwestergesellschaft“ in der BAT-Chronik deutet auf eine Verflechtung zwischen BAT und dem Skandinavisk Tobakskompagni vor 2008 hin; Art und Umfang wurden nicht verifiziert und im Text nicht behauptet. 3) All-Over als erste dänische Filterzigarette: Jahr uneinheitlich (1953 laut Wikipedia und einer Seite von House of Prince, 1954 laut einer anderen Seite der Unternehmenswebsite); im Text ohne Jahr. 4) Packungsdesign: Die Herstellerseite datiert die Ablösung des Zigarettenmotivs in der Zwischenüberschrift auf Frühjahr 2003, im Fließtext auf Frühjahr 2002; übernommen wurde 2003, wie auch in der dänischen Fassung der Seite. 5) Marktanteile Dänemark: Die in der Wikipedia genannten 48,1 % (2002) und 26,7 % (2007) beziehen sich laut Tabelle des Steuerministeriums auf die meistgefragte Preisklasse (Prince-Preisklasse), nicht allein auf die Marke; verwendet wurden die im Berichtstext genannten Markenwerte (fast 50 % 2001, 24,6 % im 3. Quartal 2004). Aktuelle Marktanteile für Dänemark, Norwegen oder Deutschland wurden nicht gefunden. 6) Maschinenwerte 1977 und 1987 stammen aus Artikeln der Zeitung VG, zitiert nach der englisch- und norwegischsprachigen Wikipedia; die Originalartikel wurden nicht eingesehen. 7) Dass Prince Rounded Taste die meistverkaufte Zigarette Norwegens sei, steht in der Wikipedia ohne Datum und Einzelnachweis; im Text als Wikipedia-Angabe gekennzeichnet. 8) Produktion: Die Berlingske-Quelle (business.dk) belegt die Ankündigung von 2009, den Vollzug der Schließung 2011 nennt die Wikipedia (House of Prince). Für die Verlagerung nannte BAT nur andere Werke in Europa; DR berichtete 2017, rote Prince für Skandinavien werde in Deutschland gefertigt, BAT verlagerte die Zigarettenfertigung aus Bayreuth jedoch 2016 in andere Werke. Der aktuelle Produktionsstandort ist nicht belegt. 9) Sortiment: Tabelle nach der archivierten Herstellerseite (Stand 2005), Highland Taste (2006) nach Wikipedia; für Golden Taste 100 nennt die Herstellerseite als früheren Namen offenkundig fehlerhaft „Prince Lights 100“, daher „–“. Welche Sorten BAT heute in Deutschland anbietet, nennt die Herstellerseite nicht. 10) Namensherkunft: keine offizielle Erklärung gefunden; der Abschnitt ist als Deutung formuliert. 11) Prominente in der Werbung (Tina Kjær, Rolv Wesenlund, Henki Kolstad) nur über Wikipedia belegt. 12) Vorab-Notizen: „In Norddeutschland traditionell stark“ ist durch die BAT-Chronik 2001 („eine der führenden Marken im Norden Deutschlands“) und den Claim „Die große Marke des Nordens“ belegt, aktuelle regionale Zahlen fehlen; der Hersteller wurde präzisiert (entwickelt von Chr. Augustinus Fabrikker, 1961–2008 Skandinavisk Tobakskompagni mit der Tochter House of Prince, seit 2008 BAT). 13) Rechtsstreit: Laut DR richtete sich die Klage gegen das Skandinavisk Tobakskompagni; ob das Urteil vom 8. Dezember 2011 angefochten wurde, ist nicht geprüft. 14) Wacken 1992 nur über die deutschsprachige Wikipedia belegt (dort mit Verweis auf Andreas Schöwe, „Wacken Roll“, 2012). 15) Fälschungen 2000 und 2017 nach der englischsprachigen Wikipedia; die DR-Meldung von 2017 wurde eingesehen. 16) Logo: Auf Wikimedia Commons ist keine Wortmarke von Prince vorhanden; die Datei in der englischsprachigen Wikipedia ist als „Non-free logo“ lizenziert, daher logo = null.