Player's Navy Cut

Der bärtige Matrose mit dem Mützenband „Hero“, der seit dem späten 19. Jahrhundert als Warenzeichen aus dem Rettungsring von Player's Navy Cut blickte, wurde zu einem Sinnbild britischer Zigarettenkultur, das Ian Fleming ebenso aufgriff wie die Band Procol Harum. Die Seite verfolgt die Marke von John Players Tabakfabrik in Nottingham über Sammelbilder und Werbung bis zu ihren deutschen Kapiteln bei BAT, Austria Tabak und Reemtsma und zeigt, wo Navy Cut und der Name Player's heute weiterleben.

Eingeführt1883 in Nottingham; Navy-Cut-Zigaretten spätestens Anfang der 1890er Jahre in Anzeigen belegt
HerstellerJohn Player & Sons, Nottingham; seit 1901 Teil der Imperial Tobacco Company (heute Imperial Brands, Bristol); Exportrechte ab 1902 bei British American Tobacco, für Europa bis Anfang der 1970er Jahre
MarkenzeichenBärtiger Matrose mit Mützenband „Hero“ im Rettungsring vor zwei Kriegsschiffen, Warenzeichen seit dem späten 19. Jahrhundert (Datierung strittig: Naval Marine Archive nennt 1888 für den Rettungsring und 1893 für die Kombination, Grace's Guide 1883 für „Hero“); auf der Rückseite Nottingham Castle
Werbung und Sammelbilder„Player's please“ und „It's the tobacco that counts“ (Dosendeckel-Entwurf 1925–1938); Sammelbilder ab 1893 („Castles and Abbeys“), insgesamt mehr als 200 Serien
SortenMedium (Leitsorte), Mild und Gold Leaf; Pfeifentabak; in Kanada u. a. Navy Cut Plain (1980er Jahre) und Navy Cut Special Blend (2002)
In DeutschlandPlayer's Virginia und Player's P&S über BAT (ab den 1950er Jahren), Medium Navy Cut ab Ende der 1970er Jahre aus Irland, ab Ende der 1980er Jahre Lizenzfertigung bei Reemtsma; P&S bis heute im Reemtsma-Portfolio
HeuteIn Irland weiter als Players Navy Cut im Handel (Imperial Brands, King Size); die filterlose Medium ist in Großbritannien und Deutschland Geschichte; der Name lebt außerdem in JPS Players (Großbritannien), Player's (Kanada, BAT) und John Player Navy Cut (Sri Lanka) fort

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: vom Tabakhaus in Nottingham zur britischen Traditionsmarke

John Player (1839–1884) handelte in Nottingham zunächst mit Saatgut und Dünger. 1877 übernahm er die Tabakfabrik von William Wright in der Broad Marsh im Stadtzentrum und stellte Pfeifen- und Kautabak sowie handgedrehte Zigaretten her. 1883 gilt als Geburtsjahr der Marke Player's Navy Cut. 1884 zog die Firma in die neu errichtete Castle Tobacco Factory in Radford, im selben Jahr starb der Gründer. Navy-Cut-Zigaretten in Dosen und Zwölferpackungen sind spätestens Anfang der 1890er Jahre in Anzeigen belegt. 1893 übernahmen seine Söhne John Dane und William Goodacre Player die Leitung.

1901 ging John Player & Sons mit zwölf weiteren britischen Herstellern in der Imperial Tobacco Company auf, einer Abwehrfusion gegen die American Tobacco Company. 1902 gründeten beide Seiten für das Exportgeschäft die British American Tobacco (BAT). Im Konzern behielt Player's als eigene Niederlassung Marken und Erscheinungsbild. Zwischen den Weltkriegen war die Medium die mit Abstand gefragteste der drei Navy-Cut-Zigaretten, besonders in Südengland und in der Mittelschicht. Ende der 1950er Jahre beschäftigte Player's in Nottingham rund 11.000 Menschen.

Das Wachstum der folgenden Jahrzehnte trugen neue Marken: die kurze Player's No. 6 mit Sammelgutscheinen, Mitte der 1960er Jahre eingeführt und 1970 die meistverkaufte Zigarette Großbritanniens, die Preismarke No. 10 (1968) und die schwarz-goldene John Player Special (1970). Mit der Schließung der Anfang der 1970er Jahre eröffneten Horizon-Fabrik endete 2016 nach mehr als 130 Jahren die Tabakherstellung in Nottingham.

Der Matrose „Hero“: Warenzeichen und Packung

Das Emblem wuchs aus zwei älteren Motiven zusammen. Nach dem kanadischen Naval Marine Archive war der Rettungsring mit dem Schriftzug „Player's Navy Cut“ seit 1888 geschützt, während der bärtige Matrose um 1891 für die Marke „Jack Glory“ der Firma William Parkins & Co. aus Chester entworfen worden war; 1893 ließ Player's die Kombination eintragen. Auf einer Packung der 1930er Jahre in der Londoner Wellcome Collection blickt der blonde, bärtige Seemann aus einem weißen Rettungsring, hinter ihm zwei Schiffe, Meer, Sonnenuntergang und Leuchtturm; die Rückseite zeigt als zweites Warenzeichen Nottingham Castle.

Auf dem ursprünglichen Warenzeichen fehlt vor „Hero“ das übliche „HMS“, und der Kragen zeigt zwei statt der drei Streifen der Royal Navy. Das linke Schiff gilt als HMS Britannia; ob rechts die HMS Dreadnought oder die HMS Hero zu sehen ist, ist umstritten. Die Zigaretten gab es anfangs vor allem in Blechdosen, später in Kartonschachteln nach Art einer Streichholzschachtel; die Dose zu 50 Stück ist noch um 1950 belegt, und die Medium blieb bis in die 1990er Jahre bei der Schiebeschachtel (mehr unter Packungsdesign).

Sortiment: Medium, Mild und Gold Leaf

Player's Navy Cut umfasste Pfeifentabak und Zigaretten unter demselben Emblem. Bei den Zigaretten war die Medium Leitsorte, daneben gab es Mild und Gold Leaf. Die klassische Medium war filterlos und stand für die britische Virginia-Tradition (siehe Großbritannien); gehandelt wurde sie in Packungen zu 10 und 20 Stück. Auch in Kanada lebte der Name weiter: Die Sammlung Zigsam verzeichnet dort eine Player's Navy Cut Plain aus den 1980er Jahren und eine Player's Navy Cut Special Blend von 2002.

Werbung, Sammelbilder und Popkultur

Ein Entwurf für einen Dosendeckel aus den Jahren 1925 bis 1938 im Victoria and Albert Museum zeigt die Bausteine der Werbung: den Matrosen, eine geöffnete Packung und die Zeilen „It's the tobacco that counts“ und „Player's please“. Schon 1893 hatte Player's mit „Castles and Abbeys“ eine der ersten britischen Sammelbildserien mit Sachthemen aufgelegt; insgesamt erschienen mehr als 200 Serien, meist zu 50 Karten, etwa „Footballers“ (1928), „Motor Cars“ (1936) und eine Krönungsserie (1937). Einige der begehrten Serien wurden in den 1990er Jahren nachgedruckt (siehe Zigarettenbilder und Sammelalben).

Das Motiv wurde Allgemeingut der Popkultur: In Ian Flemings Bond-Roman „Feuerball“ (1961) schwärmt Domino ausführlich vom Matrosen auf der Packung, Procol Harum zitierten ihn 1969 auf dem Cover von „A Salty Dog“, auf das wiederum 1975 der Japaner Haruomi Hosono mit „Tropical Dandy“ anspielte. In den 1970er Jahren ließ Player's ein Dampfboot namens Hero für Werbezwecke fahren. Im Motorsport begann das Haus 1968 mit den Farben von Gold Leaf am Lotus; in Kanada unterstützte Player's Racing Fahrer wie Jacques Villeneuve, Sieger des Indianapolis 500 von 1995, und Paul Tracy, CART-Meister 2003.

Player's in Deutschland

In Deutschland war Player's lange eine Marke der BAT, die seit 1902 die Exportrechte hielt. Um 1955 warb die British American Tobacco Co. (C.E.) GmbH für Player's Virginia mit dem Reim „Rauche, staune, gute Laune“; das Plakat eines nur als Monogrammist ZD bekannten Grafikers bewahrt das Deutsche Historische Museum. Ende der 1950er Jahre kam die Filterzigarette Player's P&S hinzu.

Nachdem Handelsregeln der Europäischen Gemeinschaft Anfang der 1970er Jahre die Marktaufteilung zwischen Imperial und BAT beendet hatten, wechselten die Hersteller mehrfach. Nach den Packungsbelegen der österreichischen Sammlung Zigsam kam die Medium Navy Cut ab Ende der 1970er Jahre aus Imperials irischer Fertigung, P&S um 1980 von Austria Tabak und ab Ende der 1980er Jahre aus der Lizenzfertigung von Reemtsma, die in den 1990er Jahren auch die Navy Cut herstellte. In Österreich war die Medium Navy Cut von 1976 bis 2003 als Importmarke im Handel.

MarkeBelegter Zeitraum in DeutschlandHersteller laut Packung oder Werbemittel
Player's Virginiaum 1955British American Tobacco Co. (C.E.) GmbH
Player's P&S FilterEnde der 1950er Jahre bis mindestens 2009BAT, um 1980 Austria Tabak, ab Ende der 1980er Jahre Reemtsma
Player's Medium Navy CutEnde der 1970er bis 1990er JahreImperial Tobacco (Irland), in den 1990er Jahren Reemtsma
P&SheuteReemtsma (Imperial Brands)

Zahlen zu Absatz oder Marktanteil ließen sich nicht ermitteln; unter wechselnden Herstellern blieb der Name aber mehr als ein halbes Jahrhundert im Handel. Reemtsma führt P&S bis heute in seinem klassischen Tabakportfolio; ob die Packung noch „Player's“ trägt, geht aus den Herstellerangaben nicht hervor.

Markenrechte und Stellung heute

Wem der Name gehört, hängt bis heute vom Land ab. In Irland führt Imperial Brands Players Navy Cut weiterhin als King-Size-Zigarette, in Großbritannien den Namen in der preisgünstigen Linie JPS Players. In Kanada gehört Player's zu Imperial Tobacco Canada, einer BAT-Tochter, die trotz des Namens nichts mit Imperial Brands zu tun hat; in Sri Lanka führt die Ceylon Tobacco Company eine John Player Navy Cut. In den USA brachte Philip Morris Zigaretten unter dem Namen Player's heraus. Die filterlose Medium ist dagegen in Großbritannien und Deutschland Geschichte; die jüngsten deutschen Packungsbelege stammen aus den 1990er Jahren.

Namensherkunft

„Player's“ ist der Genitiv des Gründernamens, gemeint ist die Ware von John Player. „Navy Cut“ verweist auf einen Brauch der Royal Navy: Matrosen wickelten Tabakblätter mit Schnur fest zu Rollen, ließen sie unter Druck reifen und schnitten Scheiben davon ab. Der Begriff blieb eine Gattungsbezeichnung für gepressten und geschnittenen Tabak, die auch andere Hersteller wie Wills nutzten; erst der Seemann im Rettungsring machte ihn bei Player's zum Markenbild. Die Zusätze Medium und Mild bezeichneten die Stärke. Weitere Fachbegriffe erklärt das Glossar.

Kontroversen und Regulierung

Als Kanada 1988 ein umfassendes Tabakwerbeverbot erließ, gründete Imperial Tobacco Canada die Firma Player's Racing Ltd., um die Ausnahme für das Sponsoring von Sport- und Kulturveranstaltungen unter einem Firmennamen zu nutzen; deren Auftritt glich den Zigarettenpackungen fast vollständig. Erst ein neues Verbot beendete im Oktober 2003 das Motorsport-Sponsoring. Die gesundheitlichen Folgen des Rauchens behandelt die Seite Gesundheit, die Regeln für Werbung und Verpackung in Deutschland der Bereich Recht.

Quellen

  1. John Player & Sons – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/John_Player_%26_Sons
  2. Player's Navy Cut – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Player%27s_Navy_Cut
  3. Markenlexikon brandslex.de – John Player Special (JPS), mit Firmengeschichte von John Player & Sons – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/j/markenlexikon-john-player-special
  4. Grace's Guide to British Industrial History: John Player and Sons (Player's), Firmenchronik und Anzeigen ab 1892 – https://www.gracesguide.co.uk/John_Player_and_Sons_(Player%27s)
  5. Naval Marine Archive – The Canadian Collection: „Navy Cut“ cigarettes and HERO – https://navalmarinearchive.com/research/docs/navy_cut_hero.html
  6. procolharum.com: „A Salty Dog“ als Parodie des Player's-Matrosen und ihre Nachfolger, u. a. Haruomi Hosonos „Tropical Dandy“ (1975) – https://procolharum.com/phalbum3_players.htm
  7. Victoria and Albert Museum: Design for the lid of a tin box („Player's please“), 1925–1938 – https://collections.vam.ac.uk/item/O195103/
  8. Wellcome Collection: Player's Navy Cut cigarettes „medium“ / John Player & Sons (Packung, 1930er Jahre) – https://wellcomecollection.org/works/w4csh3gu
  9. Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Player's Navy Cut (Packungen der 1940er bis 2000er Jahre) – https://www.zigsam.at/B_PlayersNavyCut.htm
  10. Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Player's P&S (Deutschland, späte 1950er Jahre bis 2009) – https://www.zigsam.at/B_PlayersPS.htm
  11. Deutsches Historisches Museum via Deutsche Digitale Bibliothek: Werbeplakat für die Zigarettenmarke Player's Virginia (um 1955) – https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/RFVYAI7DPL4ZWSYEAQREXSQVCUXUTFTJ
  12. Reemtsma – Unsere Produkte (Herstellerseite) – https://reemtsma.com/unser-unternehmen/produkte/
Hinweis zur Quellenlage
  1. Einführung: brandslex und die englischsprachige Wikipedia nennen 1883 als Beginn von Player's Navy Cut, ohne zwischen Tabak und Zigarette zu unterscheiden. Die frühesten ermittelten Belege für Navy-Cut-Zigaretten sind Anzeigen in britischen Zeitschriften, die Grace's Guide abbildet: aus dem Jahr 1892 und aus der Illustrated London News vom Juni 1893, jeweils mit Packungen zu 12 sowie Dosen oder Schachteln zu 24, 50 und 100 Stück; Anzeigen von 1898 werben ausdrücklich für handgefertigte Navy-Cut-Zigaretten. Die pauschale Angabe der Sammlung Zigsam, die Marke sei 1900 eingeführt worden, ist damit widerlegt.
  2. Warenzeichen: Die Abfolge Rettungsring 1888, Matrose um 1891 (ursprünglich für „Jack Glory“ von William Parkins & Co.) und kombiniertes Zeichen 1893 folgt dem Naval Marine Archive (Picton, Ontario); in Anzeigen erscheint die Kombination bereits 1892. Grace's Guide nennt dagegen nach David Newton („Trademarked“, 2008) 1883 als Jahr der ersten Eintragung des Matrosenkopfs „Hero“; andere Darstellungen datieren die endgültige Gestalt des Matrosen auf 1927, aus diesem Jahr stammt laut englischsprachiger Wikipedia auch ein Matrosenkopf, den der Maler Arthur David McCormick für die Navy-Cut-Werbung schuf. Welches Schiff rechts im Emblem zu sehen ist, bleibt strittig; die von Chris Mullen („Cigarette Pack Art“) wiedergegebene Überlieferung, der Matrose sei einem Seemann der HMS Edinburgh nachgebildet, ist nicht belegt.
  3. Stellung heute: Dass Imperial Brands Players Navy Cut in Irland weiterführt, stützt sich auf die englischsprachige Wikipedia (Artikel John Player & Sons, Abschnitt Ireland); irische Handelslistungen führten im September 2026 eine King-Size-Zigarette im 20er-Pack. Das Ende der Marke in Großbritannien datiert die englischsprachige Wikipedia auf spätestens 2015 und stützt sich dabei auf den Pfeifentabak Player's Navy Cut Flake, den Mac Baren von 2006 bis Ende 2015 für Imperial herstellte; wann die letzten filterlosen Navy-Cut-Zigaretten in Großbritannien verkauft wurden, ist nicht dokumentiert. Die Angabe derselben Quelle, die Marke sei um 1900 auch in Deutschland populär gewesen, ließ sich nicht überprüfen.
  4. Player's No. 6: brandslex und Zigsam nennen 1966 als Einführungsjahr, andere Darstellungen 1965; im Text steht daher „Mitte der 1960er Jahre“.
  5. Deutschland: Zeiträume, Hersteller und Packungsgrößen beruhen auf Packungsbelegen der Sammlung Zigsam, die überwiegend nach Jahrzehnten datiert sind; ob die Navy Cut schon vor Ende der 1970er Jahre regulär in Deutschland angeboten wurde, ist offen. Ergänzende Belege aus der BAT-Zeit, die nicht in der Quellenliste stehen: Hörfunkspots von British American Tobacco für Player's aus den Jahren 1963 und 1966 (Regensburger Archiv für Werbeforschung) sowie der Drehplan eines Farbwerbefilms „Rauche, staune, gute Laune!“ für Players-Zigaretten von 1954 (Filminstitut Hannover).
  6. P&S heute: Reemtsma nennt P&S in seiner Markenübersicht; ob die heutige Packung den Namen Player's trägt und wofür das Kürzel steht, ist nicht belegt.
  7. Markenrechte: Die Zuordnung für Kanada und Sri Lanka stützt sich auf die englischsprachige Wikipedia und brandslex; für die USA verzeichnet die Sammlung Zigsam eine Player's Medium Navy Cut für den Duty-free-Handel der 2000er Jahre mit Philip Morris als Hersteller und Markeninhaber. Marktanteile für Player's in Deutschland ließen sich nicht ermitteln.