Manoli
Manoli steht für ein Kapitel Berliner Wirtschafts- und Designgeschichte: Jacob Mandelbaum baute ab 1894 eine Fabrik mit bis zu 1000 Beschäftigten auf, ließ Lucian Bernhard, Julius Klinger und Hans Rudi Erdt Packungen, Plakate und Anzeigen gestalten, und auf die kreisende Lichtreklame der Firma führt man die Berliner Redensart „total manoli“ zurück. Die Seite folgt der Marke von der Orientzigarette der Kaiserzeit über den Einstieg von Reemtsma 1924 bis zu ihren letzten Auftritten in den 1950er und 1960er Jahren und zeigt, was Sammler an Manoli-Dosen und -Plakaten reizt.
| Gegründet | 1894 in Berlin von Jacob Mandelbaum (1859–1918), zunächst mit acht Beschäftigten; nach Presse- und Sammlerangaben anfangs als „Zigaretten-Fabrik Argos“ |
|---|---|
| Hersteller | Zigarettenfabrik Manoli, ab 1921 Manoli AG; 1924 Aktienmehrheit bei Reemtsma (nach Sammlerangaben 1933 vollständig), Produktion 1930 eingestellt, Liquidation 1936 |
| Fabrik | Gewerbehof Rungestraße 22–24 an der Jannowitzbrücke, bezogen 1907, heute die denkmalgeschützten Josetti-Höfe; bis 1914 bis zu 1000 Beschäftigte |
| Bekannte Sorten | Meine Kleine, Gibson Girl (ab 1914 vorübergehend Wimpel), Dandy (ab 1914 Dalli), Diva, Parkschloß, Kaiser, Privat (ab den 1920er Jahren, 1955 erneut beworben) |
| Gestalter | Lucian Bernhard (Firmenzeichen 1910, Packungen, Plakate), Julius Klinger (Anzeigen ab 1907), Hans Rudi Erdt, Ernst Deutsch (später Deutsch-Dryden) |
| Nachleben | Werbung für Manoli Privat und Manoli Gibson Girl 1955, Hörfunkspots für eine Manoli 1964 (Hersteller offen); Wortmarke „Gibson Girl“ bis 2005 geschützt |
| Redensart | „total manoli“, berlinisch für verrückt, zurückgeführt auf die kreisende Lichtreklame der Firma (Manoli-Rad, um 1898/99) |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: eine Berliner Gründung von 1894
Jacob Mandelbaum (1859–1918) kannte das Geschäft, bevor er sein eigenes gründete. 1883 war er über Russland nach Berlin gekommen, seit 1889 vertrat er dort die Dresdner Zigarettenfabrik Jasmatzi. 1894 machte er sich mit acht Beschäftigten selbstständig. Nach Presse- und Sammlerdarstellungen hieß der Betrieb zunächst „Zigaretten-Fabrik Argos“; 1897 kam der Name Manoli hinzu, ab 1901 firmierte die Fabrik nur noch als Manoli. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv nennt dagegen schon für 1894 den Namen Manoli. Früh setzte Mandelbaum auf maschinelle Fertigung und erreichte so neue Käuferschichten. Auf der Berliner Gewerbeausstellung 1896 in Treptow war er mit einer eigens kreierten Ausstellungszigarette vertreten.
Der Aufstieg war steil. Um 1904 zählte Manoli rund 200 Beschäftigte, 1907 zog die Firma in einen neu errichteten Gewerbehof an der Rungestraße 22–24, direkt an der Spree beim Bahnhof Jannowitzbrücke. Bis 1914 wuchs die Belegschaft auf bis zu 1000 Menschen, Mandelbaum erhielt den Titel eines Kommerzienrats. Nach seinem Tod wurde das Unternehmen 1921 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, 1924 erwarb Reemtsma die Aktienmehrheit an der Manoli AG. In der Rungestraße produzierte danach die Berliner Firma Josetti, bekannt für Juno; sie gehörte zur Jasmatzi AG, über die sie in den Reemtsma-Verbund geriet. 1930 wurde die Manoli-Produktion eingestellt, 1936 die Gesellschaft liquidiert.
Hersteller und Produktion: Orienttabak an der Jannowitzbrücke
Wie die Fabrik kurz vor dem Ersten Weltkrieg arbeitete, schildert eine Broschüre über den Besuch der Berliner Handelskammer am 30. Oktober 1913. Der Tabak kam überwiegend aus Mazedonien, wo Kavala, Xanthi und Drama die großen Handelsplätze waren, zum kleineren Teil aus Kleinasien; Vorräte lagerten in Smyrna und Xanthi, ein Lagerhaus in Tempelhof versorgte die Fabrik. Siegfried Mandelbaum, der lange im Orient gearbeitet hatte, erläuterte den Gästen Anbau, Ernte und Fermentation. Die Massensorten liefen über Maschinen, die bis zu 80.000 Zigaretten am Tag schafften; die besseren Qualitäten fertigten rund 350 Arbeiterinnen und Arbeiter von Hand, meist mit echtem Goldmundstück. Kartonagen und Lederpackungen entstanden im eigenen Haus, die Blechdosen bedruckte eine Spezialfabrik. Von der Sorte Dandy stellte Manoli nach eigener Angabe täglich rund eine Million Stück her. Mehr über die Tabake dieser Zeit steht unter Orient und Balkan.
Sortiment: von „Meine Kleine“ bis „Gibson Girl“
Publikumsrenner der frühen Jahre war „Meine Kleine“, nach Sammlerbelegen seit 1897 im Programm: konkurrenzlos günstig und dennoch mit Goldmundstück. In ihrer fliederfarbenen Packung wurde sie um 1900 zum Massenerfolg. Zu den Aushängeschildern der Firma zählte „Gibson Girl“, benannt nach dem Frauenideal des amerikanischen Zeichners Charles Dana Gibson. Die Wortmarke wurde im Oktober 1905 angemeldet, 1913 lagerte für diese Sorte eine Spezialmischung von rund 50.000 Kilogramm. Hinzu kamen unter anderem Dandy, Diva, Parkschloß und Kaiser.
| Sorte | Belegt | Kennzeichen |
|---|---|---|
| Meine Kleine | ab 1897 | fliederfarbene Packung, Goldmundstück, Massenerfolg um 1900 |
| Gibson Girl | Wortmarke 1905 | ab 1914 vorübergehend Wimpel, 1955 erneut beworben |
| Dandy | vor 1914 | laut Broschüre von 1913 rund eine Million Stück täglich; ab 1914 Dalli |
| Privat | ab den 1920er Jahren, Plakat 1932 | Leitspruch „Alles Feinste bleibt Privat“, 1955 erneut beworben |
Werbung und Design: das M im roten Kreis
Bekannt war das Unternehmen vor allem für seine Gestaltung. Manoli trat dem Deutschen Werkbund bei, dessen Leitgedanke die Zusammenarbeit von Kaufmann und Künstler war; ab 1907 entwarf Julius Klinger die Anzeigen. 1910 schuf Lucian Bernhard ein neues Firmenzeichen: ein schlichtes M, umringt von einem roten Kreis. Es ersetzte ein älteres Warenzeichen mit Krone und Gürtelschnalle nach dem Vorbild des englischen Hosenbandordens. Das M im roten Kreis zog sich fortan durch den gesamten Auftritt der Firma, von der Packung über den Lieferwagen bis zum Schaufenster; in der Designgeschichte dient Manoli deshalb oft als frühes Beispiel für Corporate Design.
Bernhard gestaltete vor allem die Packungen, dazu Plakate im Stil des Sachplakats, gedruckt von der Berliner Kunstanstalt Hollerbaum & Schmidt; die Gibson-Girl-Dose machte er zum Motiv eigener Plakate und Anzeigen. Hans Rudi Erdt steuerte um 1910 das Plakat „Manoli Limit“ bei; Ernst Deutsch (später Deutsch-Dryden) zeichnete Anzeigen und Reklamemarken, die das mondäne Leben in Szene setzten. Selbst der Blinkfeuerturm des Flugplatzes Johannisthal trug den Firmenschriftzug. Wie solche Arbeiten die Packungskultur prägten, zeigt die Geschichte des Packungsdesigns.
„Total manoli“
Zu den frühen elektrischen Lichtreklamen Berlins gehörte das sogenannte Manoli-Rad, errichtet um 1898/99 (andere Angaben: um 1906 bzw. 1910): Um den leuchtenden Firmennamen lief ein Kranz aus Glühlampen, die nacheinander kurz erloschen, sodass sich das Ganze zu drehen schien. Der Volksmund soll daraus eine Redensart gemacht haben: „Der ist manoli“ hieß so viel wie verrückt. 1920 lief am Kurfürstendamm Rudolf Nelsons Revue „Total Manoli!“, auch Kurt Tucholsky dichtete auf das Wort. Von 1914 bis 1922 gab die Firma zudem eine eigene Zeitschrift heraus, die „Manoli-Post“.
Marktstellung und Nachleben der Marke
Berlin war neben Dresden das wichtigste Zentrum der deutschen Zigarettenindustrie, und Manoli gehörte dort zu den großen Namen. Nach eigener Rechnung stellte die Fabrik 1913 rund ein Zehntel aller besseren Zigaretten in Deutschland her, dreißig Generalvertretungen verkauften im ganzen Reich, und im Ausland belieferte Manoli unter anderem die französische und die italienische Staatsregie. Nach dem Einstieg von Reemtsma 1924 blieb die Manoli AG Sammlerangaben zufolge zunächst relativ selbstständig und ging erst 1933 ganz an den Konzern; der Name überdauerte auch das Ende der Firma. 1955 warb eine Manoli Cigarettenfabrik GmbH mit Sitz in Berlin und Frankfurt am Main für „Manoli Privat“, und Reemtsma ließ Aufsteller für „Manoli Gibson Girl“ drucken, Werbespruch „charmant wie ihre zeit“. Noch im Mai 1964 liefen Hörfunkspots für eine „überraschende“ Zigarette namens Manoli; wer sie herstellte, geht aus den Archivangaben nicht hervor. Die Wortmarke „Gibson Girl“ blieb bis 2005 geschützt, als Inhaberin war zuletzt die damals zu Reemtsma gehörende Badische Tabakmanufaktur Roth-Händle in Lahr eingetragen. Im Handel ist die Marke heute nicht mehr.
Für Sammler
Wer Manoli-Dosen sammelt, begegnet meist einer zurückhaltenden Gestaltung, oft in ungewöhnlichen Farbtönen. Auf der Gibson-Girl-Dose ist eine Dame im langen, dunkelblauen Abendkleid zu sehen, um die sich Rauchringe legen. Einen Überblick gibt das 2021 erschienene „MANOLI ABC“ des Sammlers Rainer Immensack, das Dosen und Schachteln von 1894 bis 1957 verzeichnet. Plakate und Werbemittel bewahren unter anderem die Kunstbibliothek der Staatlichen Museen zu Berlin, die allein über 250 Plakate Bernhards besitzt, und das Deutsche Historische Museum; ein eigenes Sammelgebiet sind die Reklamemarken, etwa die von Ernst Deutsch. Mehr dazu unter Packungen sammeln. Wer Spuren sucht, findet die denkmalgeschützte Fabrik mit ihren weiß glasierten Hofwänden und grünen Ziegelbändern heute als Josetti-Höfe. Das von Bernhard gestaltete Grabmal von Jacob und Rosa Mandelbaum auf dem Jüdischen Friedhof Schönhauser Allee wurde 2015 restauriert, und das Jüdische Museum Berlin widmete den jüdischen Unternehmern der Zigarettenindustrie 2008/09 die Ausstellung „Total Manoli? – Kein Problem!“.
Kontroversen und Regulierung
Seit 1906 unterlagen Zigaretten im Deutschen Reich einer eigenen Steuer, die über Banderolen erhoben wurde; Manoli zahlte 1913 nach eigener Angabe rund zwei Millionen Mark im Jahr. Um 1912 warb die Firma, ähnlich wie Eckstein, mit dem Zusatz „trustfrei“ und grenzte sich so vom britisch-amerikanischen Tabaktrust ab; die Broschüre von 1913 rühmte Verträge, die „ausländische Monopolbestrebungen“ durchkreuzt hätten. Mit Kriegsbeginn 1914 wurden fremdsprachige Namen eingedeutscht, aus Dandy wurde Dalli, aus Gibson Girl Wimpel. Der Einstieg von Reemtsma schließlich war Teil der Konzentration der 1920er Jahre, die das Gesicht der Branche veränderte (siehe Geschichte).
Namensherkunft
Woher der Name stammt, ist nicht geklärt. Einer Überlieferung zufolge ist er der rückwärts gelesene Name von Mandelbaums Frau, „Ilona M.“; seine Ehefrau hieß jedoch Rosa, geborene Cohn. Andere vermuten einen Spitznamen Mandelbaums oder eine Übertragung des Namens Mandelbaum aus einer Fremdsprache. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv spricht von einem „mediterran anmutenden“ Firmennamen, und dieser Klang passte zu einer Branche, deren Marken mit dem Orient und seinen Tabaken warben.
Quellen
- Zigarettenfabrik Manoli – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenfabrik_Manoli
- Jüdische Allgemeine: „Feuer und Flamme für Manoli“ (2. Oktober 2013) – https://www.juedische-allgemeine.de/kultur/feuer-und-flamme-fuer-manoli/
- CIGABOX.DE: Manoli Zigarettenfabrik (Sammlerdokumentation; Firmengeschichte nach Rainer Immensack 2018, Marken und Packungen) – http://cigabox.de/zigarettenfabriken/manoli-zigarettenfabrik/
- Berlin-Brandenburgisches Wirtschaftsarchiv / Klaus Dettmer: „Manoli – Zigaretten fürs Volk“, Berliner Wirtschaft 03/2016 (IHK Berlin, Archivkopie) – https://web.archive.org/web/20170112192816/http://bb-wa.de/images/bbwa/pdf/BerlinerWirtschaft/BW03_2016.pdf
- Die Berliner Handelskammer in der Manoli-Cigarettenfabrik, Berlin 1913 – Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek (MDZ) – https://www.digitale-sammlungen.de/de/view/bsb00047396
- Jüdisches Museum Berlin: Total Manoli? – Kein Problem! Jüdische Unternehmer in der deutschen Zigarettenindustrie (Ausstellung 2008/09) – https://www.jmberlin.de/ausstellung-total-manoli
- Landesdenkmalamt Berlin, Denkmaldatenbank: Zigarettenfabrik (Manoli, ab 1924 Josetti), Rungestraße – https://denkmaldatenbank.berlin.de/daobj.php?obj_dok_nr=09011052
- Staatliche Museen zu Berlin, Kunstbibliothek: Lucian Bernhard, Plakat „Manoli Cigaretten Trustfrei“ (1912) – https://search.smb.museum/object/obj-2690411
- Geschichte der Leuchtreklame in Deutschland – Wikipedia (deutsch), nach Dirk Reinhardt: Von der Reklame zum Marketing, Berlin 1993 – https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Leuchtreklame_in_Deutschland
- Der Tagesspiegel: „Leuchtreklame 1899: Das ‚Manoli-Rad‘ ließ Berlin durchdrehen“ (Kolumne „Aus der Zeit“, 1. März 2024) – https://www.tagesspiegel.de/berlin/berliner-wirtschaft/leuchtreklame-1899-das-manoli-rad-liess-berlin-durchdrehen-11247823.html
- Deutsches Historisches Museum: Werbeaufsteller „Manoli Gibson Girl“, „charmant wie ihre zeit“ (1955, Auftraggeber Reemtsma Cigarettenfabriken, Hamburg) – https://db.dhm.de/objekt/REE06331
- Deutsches Historisches Museum: Werbeaufsteller „Manoli Privat“, „Alles Feinste bleibt Privat“ (1955, Auftraggeber Manoli Cigarettenfabrik GmbH, Berlin/Frankfurt a. M.) – https://db.dhm.de/objekt/REE04452
- DPMAregister: Wortmarke „Gibson Girl“, Registernummer 83983 – https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/83983/DE
- Regensburger Archiv für Werbeforschung: Hörfunkspot „Manoli-Zigarette“ (4. Mai 1964, gesendete Reinaufnahme) – https://raw.uni-regensburg.de/details.php?r=6812
- Regensburger Archiv für Werbeforschung: Layout „Manoli-Zigarette“ (26. Mai 1964) – https://raw.uni-regensburg.de/details.php?r=7430
Hinweis zur Quellenlage
- Firmenname und Gründung: Die Jüdische Allgemeine (2. Oktober 2013) und die Wikipedia nennen als ersten Namen Argos, die Wikipedia gibt 1897 als Jahr der Umbenennung in Manoli an (ohne Einzelnachweis). Nach cigabox.de, gestützt auf Rainer Immensack (2018), hieß die Firma ab 1897 „Manoli Zigarettenfabrik Argos“ und ab 1901 „Manoli Zigarettenfabrik“; der Text folgt dieser Stufung. Das Berlin-Brandenburgische Wirtschaftsarchiv (Berliner Wirtschaft 03/2016) schreibt, Mandelbaum habe 1894 gleich unter dem Namen Manoli gegründet. Laut der Sammlerseite manoli-berlin.de firmierte das Unternehmen bei der Pariser Weltausstellung 1900 noch als Argos; eine Chic-Dose im Museum Europäischer Kulturen wirbt mit „Goldene Medaille – Paris 1900“.
- „Meine Kleine“: Wikipedia datiert die Sorte auf 1900; der Sammler Rainer Immensack zeigt Packungsgestaltungen ab 1897, cigabox.de nennt ebenfalls 1897. Der Text folgt den Sammlerbelegen und setzt den Massenerfolg um 1900 an. Den Stückpreis nennt das Wirtschaftsarchiv, der Text gibt ihn nur qualitativ wieder.
- Julius Klinger: Der Wikipedia-Artikel Manoli nennt 1907 als Beginn seiner Anzeigenarbeit, der Artikel zu Klinger 1911.
- Gibson-Girl-Dose: Laut Wikipedia stammt die Dose selbst nicht von Bernhard; das Deutsche Historische Museum führt ihn bei einer Dose für 100 Stück (Inv. AK 94/516.3746, 1905–1914) dennoch als Entwerfer.
- Lichtreklame: Nach Dirk Reinhardt („Von der Reklame zum Marketing“, Berlin 1993, S. 312 f., wiedergegeben im Wikipedia-Artikel „Geschichte der Leuchtreklame in Deutschland“) entstand die erste Berliner Lichtwerbeanlage 1896 am Spittelmarkt (für Malton-Wein), eine weitere 1897 in der Leipziger Straße; das „Manolirad“ datiert er auf 1898. Der Tagesspiegel (Kolumne „Aus der Zeit“, 1. März 2024) nennt 1899. Der Wikipedia-Artikel Manoli bezeichnet ohne Einzelnachweis eine Anlage von 1910 als erste elektrische Lichtreklame Berlins; der Superlativ ist damit widerlegt, 1910 steht im Text nur als abweichende Angabe. Der Wikipedia-Artikel Alexanderplatz verortet die kreisende Manoli-Reklame am Alexanderplatz, die Sammlerseite datiert das „Manoli-Rad“ dort auf um 1906; ob es eine oder mehrere solcher Anlagen gab, ist offen. Dass die Redensart auf die Lichtreklame zurückgeht, ist Überlieferung; auch die Wikipedia formuliert es nur als Vermutung.
- Revue und Tucholsky: Wikipedia (Artikel Manoli) nennt ein Tucholsky-Gedicht von 1920 als Vorlage der Nelson-Revue; der Artikel Lilly Flohr datiert die Premiere auf den 8. Oktober 1920 und nennt Fritz Grünbaum und Paul Morgan als Textautoren, die Tucholsky-Werkliste bei Wikisource führt „Manoli linksrum –!“ (Peter Panter, September 1923). Der Text nennt deshalb kein Jahr für Tucholsky.
- Übernahme und Ende der Firma: 1924 erwarb Reemtsma die Aktienmehrheit (Wikipedia, Artikel Juno); nach der Sammlung Immensack blieb die Manoli AG zunächst „noch relativ selbständig“ und gehörte erst ab 1933 ganz zum Konzern, ebenso nach cigabox.de. Das Wirtschaftsarchiv schreibt nur, Reemtsma habe das Unternehmen 1924 erworben. Liquidation 1936 nach Wikipedia, Wirtschaftsarchiv und einer Datenbank der Humboldt-Universität, 1935 nach dem Wikipedia-Artikel Juno. Trotz Produktionsende 1930 blieb der Name im Reemtsma-Programm: Die Sorte Privat verzeichnet cigabox.de ab 1922, die Sammlung Immensack beschreibt eine erneute Verkaufsförderung durch Reemtsma ab 1929; ein Plakat von Leonhard Fries für „Manoli privat“ von 1932 nennt als Herausgeber die „Manoli Zigarettenfabrik der Reemtsma Cigarettenfabriken, Hamburg“ (Bayerisches Hauptstaatsarchiv, Plakatsammlung 23306), das Museum der Dinge datiert eine Manoli-Privat-Dose auf 1933–1936 und eine Fox-Dose mit Manoli-Logo auf 1948–1950.
- Josetti in der Rungestraße ab 1924 nach Landesdenkmalamt und Wikipedia (Artikel Juno), ab 1927 nach Wikipedia (Artikel Mediaspree). Josetti gehörte seit 1905 zur Jasmatzi AG, die 1915 an die Deutsche Bank kam, 1925 einen Interessengemeinschaftsvertrag mit Reemtsma schloss und 1935 als Kommanditgesellschaft zum Zweigbetrieb des Konzerns wurde (Wikipedia, Artikel Zigarettenfabrik Jasmatzi und Juno); der Text spricht daher nur allgemein vom Reemtsma-Verbund.
- Nachkriegszeit: Die Sammlerseite nennt die Frankfurter Zigarettenfabrik Liberty als Lizenzfertiger um 1954, cigabox.de dagegen eine Neugründung in Frankfurt durch einen Erben Mandelbaums um 1955. Belegt sind die DHM-Werbemittel von 1955 mit der „Manoli Cigarettenfabrik GmbH (Berlin/Frankfurt a. M.)“ (REE04452) bzw. Reemtsma (REE06331) als Auftraggeber; beide Datensätze wurden im September 2026 im Online-Katalog des Museums mit Titel, Datierung, Auftraggeber und Aufschrift abgeglichen. Wer die Manoli von 1964 herstellte und wie lange sie im Handel war, ist offen; die gesendete Reinaufnahme vom 4. Mai 1964 (R-Nr. 6812) und das Layout vom 26. Mai 1964 (R-Nr. 7430) nennen nur „Firma: Manoli“.
- Markenrechte heute: Ob Reemtsma bzw. Imperial Brands noch Rechte am Namen Manoli hält, ließ sich nicht klären; die Produktübersicht von Reemtsma (September 2026) führt die Marke nicht. Belegt ist nur, dass die Wortmarke „Gibson Girl“ (angemeldet am 17. Oktober 1905, zuletzt 1995 verlängert) am 31. Oktober 2005 auslief.
- Die Zahlen von 1913 (ein Zehntel der besseren Zigaretten, zwei Millionen Mark Steuer, eine Million Dandy täglich, 350 Handarbeiter, 80.000 Stück je Maschine und Tag, 50.000 Kilogramm Gibson-Girl-Mischung) stammen aus der 1913 gedruckten Broschüre zum Handelskammer-Besuch und geben die Selbstdarstellung der Firma wieder.
- Die Deutung von „trustfrei“ als Abgrenzung von British American Tobacco folgt der Markenseite Eckstein; Mandelbaums früherer Arbeitgeber Jasmatzi gehörte seit 1901 mehrheitlich zur American Tobacco Company (Wikipedia, Artikel Zigarettenfabrik Jasmatzi).
- Namensherkunft: keine belegte Erklärung; Rainer Immensack führt den Namen auf einen Spitznamen Mandelbaums zurück.
- Siegfried Mandelbaum wird in der Broschüre von 1913 ohne Verwandtschaftsangabe genannt; die Sammlerseite führt ihn als Sohn des Gründers.