Eckstein No. 5
Grüner Grund, schwarzes Wappenschild, darin eine große helle Fünf: So sah die Packung von Eckstein No. 5 in den 1930er Jahren aus, und so sah sie im Kern noch 2007 aus. Die Marke stammt aus der Blütezeit der Dresdner Orientzigarette, ging von der Familienfirma Eckstein über Eckstein-Halpaus und Haus Neuerburg an Reemtsma und blieb bis zuletzt ohne Filter. Die Seite zeichnet Herkunft, Packungs- und Werbegeschichte, die Sammelalben der frühen 1930er Jahre und das Ende der Marke im Jahr 2016 nach.
| Eingeführt | 1903 in Dresden (Sammlerdokumentation zigsam.at); nach dem Krieg im Juni 1953 von Reemtsma wieder eingeführt |
|---|---|
| Hersteller | A. M. Eckstein & Söhne, Dresden (gegründet 1865 in Göttingen); ab 1929 Eckstein-Halpaus Cigarettenfabrik GmbH; seit 1935 Reemtsma, Hamburg (seit 2002 Teil von Imperial Tobacco, heute Imperial Brands) |
| Charakter | stets ohne Filter; um 1930 als runde, dicke Orientzigarette ohne Mundstück beschrieben |
| Packung | grüner Grund, schwarzes Wappenschild mit großer Fünf; von den 1930er Jahren bis 2007 im Kern unverändert; Wort-Bild-Marke angemeldet 1954, eingetragen 1956 |
| Slogan | „Echt und recht“ (Werbeschild um 1954, Deutsches Historisches Museum) |
| Sammelalben | u. a. „Mit Eckstein durch die Welt“ (1930/1932), „Der künstlerische Tanz“ und „Die Tanzbühnen der Welt“ (Eckstein-Halpaus, frühe 1930er Jahre) |
| Status | historisch; Produktion im Mai 2016 eingestellt, Schutzdauer der Wort-Bild-Marke 2024 abgelaufen |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: von Göttingen nach Dresden
Meyer Abraham Eckstein (1807–1877), Sohn einer jüdischen Familie aus Lauenförde an der Weser, begann dort 1843 mit der Tabakfabrikation, zog 1854/55 nach Göttingen und wandte sich der in Deutschland gerade aufkommenden Zigarette zu. 1865 gründete er mit seinen Söhnen Nathan und Emanuel die Firma A. M. Eckstein & Söhne. Nathan verlegte den Hauptsitz 1891 nach Dresden, in eine Hochburg der deutschen Orientzigarette (siehe Geschichte).
An der Bamberger Straße in Dresden-Plauen wuchs eine große „Fabrik türkischer Zigaretten“, so der Zusatz im Firmenlogo. Neben Marken wie Da Capo, La Famosa No. 4, Radetzky oder Siebeneichen führte die Firma nach der Sammlerdokumentation zigsam.at seit 1903 Eckstein No. 5; sie wurde die erfolgreichste Marke des Hauses. 1929 fusionierte die Firma mit der Breslauer Zigarettenfabrik Halpaus zur Eckstein-Halpaus Cigarettenfabrik GmbH, die noch im selben Jahr an das Kölner Haus Neuerburg ging, den Hersteller der Overstolz. Neuerburg kooperierte seit 1928 mit Reemtsma und ging 1935 im Hamburger Konzern auf. Packungen der späten 1930er Jahre nennen noch Eckstein-Halpaus in Dresden als Hersteller. 1945 wurde die Fabrik weitgehend zerstört, Teile der Gebäude wurden vereinfacht wiederaufgebaut.
Neubeginn bei Reemtsma
Nach dem Krieg lag Dresden in der sowjetischen Besatzungszone, die Marke kehrte im Westen zurück. Reemtsma führte Eckstein No. 5 laut zigsam.at im Juni 1953 wieder ein und meldete im September 1954 die Packungsgestaltung als Wort-Bild-Marke „Eckstein Cigaretten No 5“ beim Deutschen Patent- und Markenamt an; eingetragen wurde sie 1956. Als Hersteller nennen die Packungen Reemtsma, Ende der 1970er Jahre laut zigsam.at auch eine „Eckstein Cigarettenfabrik“. Seit 2002 gehört Reemtsma zum britischen Konzern Imperial Tobacco, heute Imperial Brands.
Die Zigarette: Orienttabak, rund und ohne Filter
Eckstein No. 5 war zeitlebens eine Zigarette ohne Filter. Packungen um 1930 beschreiben sie als „O/M rund – dick“, also ohne Mundstück und im runden, dicken Format statt der bei Orientzigaretten verbreiteten flach-ovalen Form, gefertigt „aus garantiert edelsten orientalischen Tabaken“ und beworben als „Stärkstes Format“ (siehe Orient und Balkan). Auch nach dem Krieg gab es Eckstein No. 5 nur in dieser einen Ausführung; auf der Packungsseite beschrieb Reemtsma sie laut Wikipedia mit den Worten „Feiner Tabak. Durch und durch würzig. Ohne Filter ein ehrlicher Genuß.“ Gut dokumentiert sind Formate und Aufdrucke:
| Zeitraum | Packung | Inhalt | Aufgedruckte Werte (soweit dokumentiert) |
|---|---|---|---|
| späte 1930er Jahre | Schiebeschachtel | 6 oder 12 Stück | – |
| 1950er Jahre | Hartpackung | 6 Stück | – |
| 1960er Jahre | Softpack, auch Klappschachtel | 11, 12 oder 18 Stück | – |
| 1970er Jahre | Softpack | 20 oder 22 Stück | Ende der 1970er 22 bzw. 20 mg Kondensat, 1,3 bzw. 1,2 mg Nikotin |
| späte 1980er Jahre bis 2002 | Softpack | 19 Stück | von 19 mg Kondensat und 1,2 mg Nikotin gesenkt auf 12 und 1,0 mg |
| 2007 | Softpack | 18 Stück | 10 mg Kondensat, 0,9 mg Nikotin |
Die Übersicht folgt zigsam.at, die Datierungen sind teils geschätzt. Die Maschinenwerte sanken in Stufen, die den europäischen Höchstwerten der 1990er und 2000er Jahre entsprechen; was sie aussagen und was nicht, erklärt der Abschnitt Inhaltsstoffe, zu Formaten filterloser Zigaretten siehe Aufbau.
Werbung und Design: die grüne Schachtel mit der Fünf
Das Gesicht der Marke blieb rund sieben Jahrzehnte im Kern gleich. Schon die Schiebeschachteln der 1930er Jahre zeigen, was noch die Packung von 2007 trägt: grüner Grund, oben der Schriftzug ECKSTEIN in gesperrten Versalien, in der Mitte ein schwarzes Wappenschild mit großer heller Fünf und dem Zusatz „No“, gerahmt von stilisierten Blattvoluten, unten das Wort CIGARETTEN. Die Markenanmeldung von 1954 zeigt dazu ein Rautensignet mit einem E, auf den Packungsseiten als rote Raute. Während die westdeutsche Packung der 1950er Jahre weiß wurde und amerikanisch wirken wollte, blieb Eckstein beim Grün (siehe Packungsdesign und Packungen sammeln).
Für die Schwestermarke Da Capo entstand im Ersten Weltkrieg das Plakat „Unzertrennlich!“ mit zwei Soldaten, die sich gegenseitig Feuer geben, samt dem Zusatz „Trustfrei“: Bis zur Übernahme durch Reemtsma betonte Eckstein so die Unabhängigkeit vom Konzern British American Tobacco. 1922 entwarf der Plakatkünstler Julius Klinger ein Firmenplakat in Rot, Schwarz und Grau, eine orientalisierende Salonszene über dem Schriftzug der Dresdner Fabrik. Ein Werbeschild von etwa 1954, heute im Deutschen Historischen Museum in Berlin, zeigt „Eckstein No 5“ mit dem Spruch „Echt und recht“, der laut Wikipedia auf der Rückseite jeder Packung stand.
Sammelbilder und Alben
Um den Absatz zu steigern, gaben Eckstein & Söhne und Eckstein-Halpaus in der ersten Hälfte der 1930er Jahre eigene Bilderalben heraus, in die man die Bilder aus den Packungen einklebte (siehe Zigarettenbilder und Sammelalben). Die Wikipedia nennt unter anderem:
| Album | Herausgeber | Jahr |
|---|---|---|
| Mit Eckstein durch die Welt, Album II: Ausland | Eckstein & Söhne | 1930 |
| Mit Eckstein durch die Welt, Album I: Inland | Eckstein & Söhne | 1932 |
| Die Völkerschau in Bildern | Eckstein-Halpaus | um 1930 |
| Wunder aus Technik und Natur | Eckstein-Halpaus | 1933 |
| Der künstlerische Tanz | Eckstein-Halpaus | um 1933 |
| Die Tanzbühnen der Welt | Eckstein-Halpaus | um 1934 |
| Die Grossen der Weltgeschichte | Eckstein-Halpaus | um 1935 |
Kulturgeschichtlich reizvoll ist „Der künstlerische Tanz“: quadratische Schwarz-Weiß-Fotografien von sechs mal sechs Zentimetern, die Tänzerinnen und Tänzer wie Mary Wigman, Anna Pawlowa, Alexander Sacharoff oder Josephine Baker zeigen. Ein privates Fotoalbum im Freilichtmuseum Roscheider Hof zeigt, wie eng Bild und Ware verbunden waren: Die Rückseiten tragen neben Angaben zu den Künstlern Werbung für die Hausmarken Halpaus Rarität, Ulmenried und Eckstein No. 5.
Marktstellung in Deutschland
Eckstein No. 5 war eine rein deutsche Marke; zigsam.at verzeichnet nur Packungen für Deutschland. Nach 1953 bediente sie bei Reemtsma das Segment der filterlosen Zigaretten, das mit dem Aufstieg der Filterzigarette zur Nische wurde, gemeinsam mit Reval, Juno und Salem No. 6. Ein Versuch, den Namen auf die Filterzigarette zu übertragen, blieb Episode: Eine Eckstein No. 3 Filter war laut zigsam.at nur von Oktober 1975 bis Juni 1976 erhältlich. Die Wikipedia nennt Eckstein No. 5 die älteste bis zuletzt erhältliche deutsche Zigarettenmarke und datiert sie auf 1854, den Beginn der Zigarettenfertigung der Familie; gemessen am Markenjahr 1903 war die bis 2016 angebotene Juno älter.
Regulierung und Ende der Marke
Das Ende kam in zwei Schritten. Im April 2015 berichtete die Fachzeitschrift DTZ, Reemtsma wolle das Angebot filterloser Zigaretten straffen und Eckstein No. 5, Juno und Salem No. 6 ab Mai schrittweise in die Marke Reval überführen. Im Mai 2016 bestätigte eine Reemtsma-Sprecherin laut dpa das Produktionsende für Eckstein No. 5, Atika, Juno, Salem No. 6, Reval Filter Golden Blend und Player’s Virginia No. 6. Ein Grund, wenn auch nicht der einzige, war die EU-Tabakproduktrichtlinie (siehe Recht): Vom 20. Mai 2016 an durften in Deutschland nur noch Packungen mit Bildwarnhinweisen und mindestens 20 Zigaretten hergestellt werden, und die Umstellungskosten spielten kleinere Marken nicht schnell wieder ein. Die Schutzdauer der Wort-Bild-Marke von 1954 endete im September 2024; im Register des Deutschen Patent- und Markenamts ist sie inzwischen als gelöscht vermerkt.
Namensherkunft
Eckstein ist kein Kunstname, sondern der Name der Gründerfamilie. Abraham Mannes, um 1800 als sogenannter Schutzjude in Lauenförde aufgenommen, nahm 1808 den Familiennamen Eckstein an. Auf ihn verweisen die Initialen im Firmennamen: Sein Sohn Meyer Abraham benannte die 1865 gegründete Firma A. M. Eckstein & Söhne nach dem längst verstorbenen Vater, was damals nicht unüblich war. Nummern im Markennamen waren keine Seltenheit, Eckstein selbst führte auch eine La Famosa No. 4. Was die Fünf ursprünglich bezeichnete, ließ sich nicht klären. Auf der Packung wurde sie zum Blickfang, groß und hell im schwarzen Wappenschild.
Quellen
- Eckstein (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Eckstein_(Zigarettenmarke)
- Eckstein & Söhne – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Eckstein_%26_S%C3%B6hne
- Meyer Abraham Eckstein – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Meyer_Abraham_Eckstein
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Eckstein No. 5 (Packungen von den 1930er Jahren bis 2007) – https://www.zigsam.at/B_EcksteinNo5.htm
- CIGABOX.DE: Eckstein-Halpaus Cigarettenfabrik (Packungen der späten 1920er und 1930er Jahre) – http://cigabox.de/zigarettenfabriken/eckstein-halpaus-cigarettenfabrik/
- DPMAregister: Wort-/Bildmarke Nr. 689354 „Eckstein Cigaretten No 5“ (angemeldet 9. September 1954, gelöscht) – https://register.dpma.de/DPMAregister/marke/register/689354/DE
- Deutsche Digitale Bibliothek: Werbeschild „Eckstein No 5 – Echt und recht“, um 1954 (Deutsches Historisches Museum) – https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/WTINBG3WYJO3YDYUKCIAGFJYZYZ4TGZ6
- museum-digital: Fotoalbum „Der künstlerische Tanz“ mit Zigarettenbildern von Eckstein-Halpaus (Freilichtmuseum Roscheider Hof) – https://rlp.museum-digital.de/object/81102
- DTZ – Die Tabak Zeitung, 14.04.2015: Drei Marken gehen in Reval auf – https://www.tabakzeitung.de/allgemein/drei-marken-gehen-in-reval-auf/
- Merkur/dpa, 17.05.2016: Diese Zigarettenmarken verschwinden vom Markt – https://www.merkur.de/wirtschaft/kleinere-zigarettenmarken-verschwinden-markt-zr-6408757.html
Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr: 1903 nennt allein die Sammlerdokumentation zigsam.at. Die deutschsprachige Wikipedia schreibt, Zigaretten der Marke seien seit 1854 hergestellt worden; gemeint sind offenbar die Anfänge der Zigarettenfertigung von Meyer Abraham Eckstein in Göttingen, nicht der Markenname. Ein Beleg für eine Markeneinführung vor 1903 fand sich nicht. 2) Übernahme 1929: Wikipedia beschreibt eine Übernahme von Eckstein-Halpaus durch Haus Neuerburg, der Wikipedia-Artikel über Haus Neuerburg nur eine Beteiligung an den Eckstein-Werken, die Sammlerseite cigabox.de eine Übernahme durch Reemtsma und Haus Neuerburg. 3) Ende: Die DTZ meldete im April 2015 die geplante schrittweise Überführung in die Marke Reval, im Mai 2016 bestätigte Reemtsma laut dpa das Produktionsende. Wie weit die Überführung 2015 umgesetzt wurde, ist nicht dokumentiert; die englischsprachige Wikipedia nennt August 2015 als Ende, die deutschsprachige Mai 2016. 4) Die Einstufung als älteste bis zuletzt erhältliche deutsche Zigarettenmarke stammt aus der Wikipedia und beruht auf der Firmengeschichte. 5) Packungsformate, Stückzahlen, Datierungen und Maschinenwerte der Tabelle beruhen auf Packungsaufdrucken, die zigsam.at dokumentiert; die Datierungen sind teils geschätzt, Werte vor den 1970er Jahren sind dort nicht verzeichnet. Die Filtervariante Eckstein No. 3 (Oktober 1975 bis Juni 1976) ist auf der Seite „Eckstein No. 3“ von zigsam.at dokumentiert. 6) Tabakmischung und Produktionsstandorte nach 1953 sind nicht belegt. 7) Die Jahresangaben der Alben folgen der Wikipedia; eine Einzelkarte der Serie „Der künstlerische Tanz“ ist auf Wikimedia Commons bereits auf 1929 datiert. 8) Die Beschreibung der Packungsgestaltung beruht auf der Markenabbildung im DPMA-Register und den Packungsfotos bei zigsam.at, die Beschreibung der Plakate auf den Abbildungen in den Wikipedia-Artikeln. 9) Der Packungstext „Feiner Tabak …“ und die Angabe, „Echt und recht“ habe auf jeder Packungsrückseite gestanden, sind nur über die Wikipedia belegt. 10) Die Angabe der Wikipedia, Reemtsma halte die Markenrechte bis heute, ist durch den Registerstand überholt; geprüft wurde nur die Wort-Bild-Marke Nr. 689354, weitere Eintragungen des Namens sind nicht ausgeschlossen. 11) Für Absatz und Marktanteil fanden sich in keiner Phase belastbare Zahlen.