Mark Adams No. 1

Mark Adams No. 1 ist eine Marke, deren Geschichte eher im Regal als in der Werbung geschrieben wurde. Sie lief 2005 in Österreich als Handelsmarke eines Großhandelskonzerns und wurde danach unter dem kanadischen Mohawk-Unternehmen Grand River Enterprises, das in Brandenburg eine eigene Zigarettenfabrik betrieb, zu dessen wichtigster internationaler Zigarettenmarke. Die Seite zeichnet nach, wie aus „Mark Adams“ auf der Packung ein großes „Mark 1“ wurde, und stellt Hersteller, Sorten und Marktstellung vor.

Eingeführt1990er Jahre in Deutschland (Angabe von GRE); Juli 2005 bis September 2006 als Handelsmarke eines Großhandelskonzerns in Österreich belegt
Markeninhaber und Anbieter heuteDanCzek, Tschechien (Hersteller und Großhändler, Markenrechte seit 2022); in Deutschland seit Dezember 2022 vertrieben von der Tochter GRE Trade GmbH, Kloster Lehnin
Frühere ProduktionGRE Grand River Enterprises Deutschland GmbH, Werk Rietz (Kloster Lehnin, Brandenburg), Produktion seit 2006; wesentliche Werksteile zum Jahreswechsel 2022/23 an die German Tobacco GmbH (von-Eicken-Gruppe)
Markeninhaber bis 2022Grand River Enterprises, Anfang der 1990er Jahre von Mohawk-Unternehmern im Reservat Six Nations of the Grand River (Ontario, Kanada) gegründet
SortenRed und Gold (in Österreich seit 2020 „Original“), Silver, White, Black; historisch Green (Menthol) sowie die Slims Lilac und Sky; 2021 Hybrid-Tunnelzigarette
FormateKing Size, 100er-Länge, Großpackungen mit 23 bis 25 Stück, seit September 2026 30er-Maxi-Box; Feinschnitt, Volumentabak, Filterhülsen und Zigarettenpapiere
Claim und Markenschutz„Make your Mark“ (GRE); Unionsmarke „Mark Adams No 1“ Nr. 009148628, eingetragen 2010, Inhaberin heute die DanCzek Teplice a.s.

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: von der Handelsmarke zur Herstellermarke

Die Anfänge von Mark Adams sind schlecht dokumentiert. Grand River Enterprises (GRE), der spätere Markeninhaber, gab um 2018 an, die Zigarette blicke auf mehr als 20 Jahre Geschichte als Qualitätszigarette in Deutschland zurück; demnach war sie seit den 1990er Jahren im Handel. Wer sie damals herstellte und vertrieb, lässt sich nicht belegen. Belegt ist dagegen eine Episode als Handelsmarke: Von Juli 2005 bis September 2006 verkaufte ein internationaler Großhandelskonzern die Zigarette in Österreich als eigene Marke. Auf der Packung stand damals noch schlicht „Mark Adams“, darunter „American Blend Full Flavor“. Als Hersteller dieser Packung nennt die Sammlerdokumentation eine „German Tobacco Company“; ob sie mit der German Tobacco GmbH der von-Eicken-Gruppe zusammenhängt, ist nicht belegt.

Unter GRE, das seit 2006 in Brandenburg produzierte, wurde daraus Mark Adams No. 1. Das Unternehmen sprach später von einer Wiedereinführung der auf dem deutschen Markt seit vielen Jahren etablierten Marke. Von Deutschland aus ging sie in weitere Länder; Sammlerbelege gibt es etwa aus Slowenien (2014) und Litauen (2015), nach Österreich kehrte sie im September 2015 zurück. Um 2018 nannte GRE Mark Adams No. 1 seine meistverkaufte Niedrigpreismarke und seine wichtigste internationale Zigarettenmarke, vertreten in mehr als 25 Ländern. Heute bietet die GRE Trade GmbH aus Kloster Lehnin die Marke an; im September 2026 kam eine 30er-Packung hinzu.

Hersteller und Produktion: von Six Nations nach Brandenburg

Gegründet wurde GRE Anfang der 1990er Jahre von Mohawk-Unternehmern im Reservat Six Nations of the Grand River in der kanadischen Provinz Ontario; den Namen gab der Grand River, der durch das Reservat zum Eriesee fließt. Um den europäischen Markt zu erschließen, entstand 2004 eine deutsche Tochter, die GRE Grand River Enterprises Deutschland GmbH. Sie richtete für rund 50 Millionen Euro, zu etwa einem Viertel aus Fördermitteln, eine Fabrik im Ortsteil Rietz der Gemeinde Kloster Lehnin bei Brandenburg an der Havel ein und nahm dort 2006 mit 40 bis 50 Beschäftigten die Produktion auf. 2014 liefen in Rietz rund zehn Milliarden Zigaretten im Jahr vom Band, etwa 290 Menschen arbeiteten im Werk. Neben eigenen Marken wie Mohawk und Mark Adams No. 1 entstanden dort auch Handelsmarken für Discounter.

Zum Jahreswechsel 2022/23 übernahm die German Tobacco GmbH, die zur Lübecker von-Eicken-Gruppe gehört (bekannt unter anderem für Burton), wesentliche Teile des Werks. Die Marke ging nicht mit: Wie im Juni 2022 bekannt wurde, hatte GRE die Rechte an ihr und an weiteren Marken bereits an das tschechische Familienunternehmen DanCzek verkauft, einen Hersteller und Großhändler von Tabakwaren. Seit Dezember 2022 vertreibt dessen Tochter GRE Trade GmbH, ebenfalls in Kloster Lehnin ansässig, die Marke in Deutschland; auch die Unionsmarke „Mark Adams No 1“ ist inzwischen auf DanCzek eingetragen. In Österreich verkaufte Packungen stammen laut Sammlerdokumentation seit 2023 aus tschechischer Produktion; für den deutschen Markt fehlen solche Angaben.

Sortiment: Sorten und Formate

Mark Adams No. 1 ist eine Filterzigarette im American-Blend-Stil. Das Programm folgt dem vertrauten Farbschema: Red ist die vollmundige Leitsorte, Gold die mildere Variante, Silver und White liegen bei den Maschinenwerten noch darunter; in einzelnen Märkten kam Black hinzu. Neben King Size gibt es eine 100er-Länge und Großpackungen, die je nach Jahr und Land 23 bis 25 Zigaretten enthielten. Eine Besonderheit brachte 2021 die Mark Adams No. 1 Hybrid, eine sogenannte Tunnel-Zigarette mit einem Hohlraum, in den man bei Bedarf einen separat erhältlichen Einsteckfilter schiebt; ohne ihn raucht man sie filterlos. Zum Programm gehören außerdem Feinschnitt zum Selbstdrehen und Stopfen, als Classic Blend und Halfzware in Beuteln und Dosen, spätestens seit 2020 auch als Volumentabak im 400-Gramm-Eimer, dazu Filterhülsen und Zigarettenpapiere.

SorteTeer / Nikotin / CO in mg (Herstellerangabe 2017–2020)Stand
Red (New Red, in Österreich seit 2020 Original Red)10 / 0,8 / 10aktiv
Gold (New Gold, in Österreich seit 2020 Original Gold)6 / 0,5 / 7aktiv
Silver4 / 0,4 / 52020 im deutschen Programm
White1 / 0,1 / 12020 im deutschen Programm
Green (Menthol)10 / 0,8 / 10historisch, 2020 nicht mehr im deutschen Programm
Blackkeine Angabeinternational, in Österreich seit 2024
Lilac und Sky (Slims)keine Angabehistorisch, Österreich 2017–2021
Hybrid (Tunnel-Zigarette)keine Angabe2021 vorgestellt

Die Maschinenwerte stammen aus genormten Abrauchverfahren und stehen seit 2016 nicht mehr auf den Packungen; was sie aussagen und was nicht, erklärt der Abschnitt Inhaltsstoffe.

Werbung und Design: die große Eins

Große Publikumskampagnen sind von Mark Adams nicht überliefert, umso mehr Gewicht hat die Packung. Die Handelsmarkenpackung von 2005 folgte dem Formenkanon amerikanischer Vollgeschmackszigaretten: ein roter, schräg abgesetzter Kopf mit Goldlinie und dem Schriftzug „Quality Cigarettes“, daneben ein Wappen mit Krone, darunter der Name in schmaler schwarzer Antiqua. GRE behielt Rot, Goldlinie und „Quality Cigarettes“, verschob aber die Gewichte. Auf der slowenischen Packung von 2014 stehen „Mark“ und eine riesige rote Eins im Mittelpunkt, „Adams No.“ steht klein in Schreibschrift darunter. Zur Rückkehr nach Österreich 2015 kamen eine kräftige Groteskschrift und eine übergroße, konturierte Eins, die bis in den Deckel reicht; seit 2020 heißen die Sorten dort Original Red und Original Gold, 2024 folgte eine dunkle Black-Packung.

Auf den ersten Blick liest man die Packung daher als „Mark 1“, eine Kurzform, die auch in Presse- und Unternehmensberichten auftaucht. Als Claim führte GRE „Make your Mark“, 2021 abgewandelt zu „Make your Mark! Make your Hybrid!“. Belegt ist vor allem Promotion im direkten Kontakt: 2016 schickte GRE Promotionteams auf Musikfestivals in ganz Deutschland und verkaufte dort Mark Adams No. 1 in eigenen Festival-Editionen. Solche Kleinserien, die kurzlebige Handelsmarkenpackung und die österreichischen Slims sind für Sammler aufschlussreiche Belegstücke; die Datenbank zigsam.at verzeichnet allein für Österreich Dutzende Varianten. Mehr dazu unter Packungen sammeln und Geschichte des Packungsdesigns.

Marktstellung in Deutschland

Mark Adams No. 1 gehört zum Preiseinstiegssegment. Marktanteile haben weder GRE noch GRE Trade veröffentlicht. Laut DTZ setzt GRE Trade angesichts stagnierender Reallöhne und steigender Verbraucherpreise auf etablierte Einstiegsmarken wie Mark Adams No. 1 und Mohawk, um preisbewusste Raucher zu erreichen. Typisch für dieses Segment ist die Arbeit mit Packungsgrößen, bei Mark Adams mit Großpackungen, der 100er-Länge und seit September 2026 einer 30er-Maxi-Box. Hinzu kommt das Geschäft mit Feinschnitt und Volumentabak. Wie West setzt Mark Adams auf amerikanischen Auftritt und American Blend, doch der Weg über eine Handelsmarke und die Fabrik eines kanadischen Mohawk-Unternehmens in Brandenburg unterscheidet sie von den Konzernmarken im Markenlexikon.

Namensherkunft

Eine offizielle Erklärung des Namens ist nicht bekannt, Hinweise auf eine reale Person namens Mark Adams, auf die sich die Marke beruft, gibt es nicht. Der Name passt zu einem verbreiteten Muster: Ein englisch klingender Vor- und Nachname lässt zusammen mit „American Blend“ und Wappen an amerikanische Tabaktradition denken. Der Zusatz „No. 1“ ist erst aus der GRE-Zeit belegt; die Packung von 2005 trug ihn noch nicht. Seine Botschaft formulierte die Beschwerdekammer des rumänischen Markenamts 2015 nüchtern: Die Konstruktion „Mark Adams No 1“ könne nahelegen, die Marke sei die Nummer eins.

Markenrecht und Regulierung

Gut dokumentiert ist ein Markenstreit in Rumänien. Gestützt auf die Unionsmarke „Mark Adams No 1“ ging GRE Deutschland gegen die Wortmarke „Mark 10“ vor, die Philip Morris dort schützen lassen wollte. Die Beschwerdekammer sah im November 2015 keine Verwechslungsgefahr: Das gemeinsame Wort „Mark“ genüge nicht, zumal Raucher bei der Wahl ihrer Marke besonders aufmerksam seien. Im Übrigen hat die Regulierung die Marke vor allem über die Packung verändert: Seit der Tabakproduktrichtlinie von 2014, in Deutschland seit Mai 2016 angewandt, nehmen kombinierte Bild- und Textwarnhinweise rund zwei Drittel (65 Prozent) der Vorder- und Rückseite ein. Spätestens 2020, im Jahr des EU-Mentholverbots, fehlte die Sorte Green im deutschen Programm. Die Regeln für Zigaretten in Deutschland sind unter Recht zusammengefasst.

Quellen

  1. Grand River Enterprises (Deutschland) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Grand_River_Enterprises_(Deutschland)
  2. zigsam.at – Sammlerdokumentation Mark Adams (Packungen 2005–2025) – https://www.zigsam.at/B_MarkAdams.htm
  3. GRE: Mark Adams No. 1 – Markenseite englisch (Internet Archive, Januar 2018) – https://web.archive.org/web/20180117190555/http://www.mohawkgre.net/en/mark-adams-no-1-en/
  4. GRE: Mark Adams No. 1 – Markenseite deutsch (Internet Archive, September 2020) – https://web.archive.org/web/20200920035606/https://www.mohawkgre.net/mark-adams-no-1/
  5. GRE: Bye, Bye Summer – Festival-Editionen 2016 (Internet Archive) – https://web.archive.org/web/20180301225317/http://www.mohawkgre.net:80/de/2016/11/09/festivals-2016-at/
  6. GRE: Make your Mark! Make your Hybrid! (2021, Internet Archive) – https://web.archive.org/web/20210120193954/https://www.mohawkgre.net/de/2021/01/05/make-your-mark-make-your-hybrid/
  7. NNDKP: Romania – Smokers pay more attention to brands (2016) – https://www.nndkp.ro/articles/romania-smokers-pay-more-attention-to-brands/
  8. DTZ: Von Eicken Gruppe investiert und wächst (2022) – https://www.tabakzeitung.de/allgemein/von-eicken-gruppe-investiert-und-waechst/
  9. DTZ: Schwache Kaufkraft verstärkt Trend zu günstigen Tabakwaren (2025) – https://www.tabakzeitung.de/markt/zigarette-feinschnitt/schwache-kaufkraft-verstaerkt-trend-zu-guenstigen-tabakwaren/
  10. DTZ: Markenfamilien setzen Impulse (2026) – https://www.tabakzeitung.de/markt/zigarette-feinschnitt/markenfamilien-setzen-impulse/
  11. smokersplanet: ‚Mohwak‘ lebt – Die GRE-Trade GmbH macht es möglich und startet in Deutschland (Dezember 2022) – https://smokersplanet.de/mohwak-lebt-die-gre-trade-gmbh-macht-es-moeglich-und-startet-in-deutschland/
  12. EUIPO: Unionsmarke „Mark Adams No 1“, Nr. 009148628 (Registereintrag) – https://euipo.europa.eu/eSearch/#details/trademarks/009148628
Hinweis zur Quellenlage

Die Frühgeschichte ist lückenhaft: Die Einführung in den 1990er Jahren stützt sich allein auf Angaben von GRE; wer die Marke damals in Deutschland herstellte und führte, ist nicht belegt, und die Zeit als Handelsmarke ist nur für Österreich (2005/06) durch Sammlerbelege dokumentiert. Wann genau GRE die Marke übernahm, ist nicht überliefert; belegt ist die 2010 eingetragene Unionsmarke. Laut Branchenpresse wurde im Juni 2022 bekannt, dass DanCzek die Rechte erworben hatte; das EU-Markenregister verzeichnet 2022 Inhaberwechsel und führt heute die DanCzek Teplice a.s. als Inhaberin der Unionsmarke. Die Sammlerdokumentation nennt dagegen weiterhin Grand River Enterprises als Markeninhaber und für die österreichischen Packungen seit 2023 „Grand River Enterprises, Czech Republic“ als Hersteller; einen Produktionsort für Deutschland nennen die Quellen nicht. Die deutsche GRE-Gesellschaft wird laut Handelsregister seit 2024 abgewickelt (Amtsgericht Potsdam, HRB 20089 P, Auflösung zum 30. April 2024). Das Gründungsjahr von GRE wird mit 1992, 1993 oder rund 1994 angegeben. Die Maschinenwerte sind Herstellerangaben der Jahre 2017 bis 2020; die Bezeichnungen „Original Red“ und „Original Gold“ sind nur für Österreich belegt, der heutige Status von Silver, White, Black und Hybrid in Deutschland ist offen. Dass die Mentholsorte wegen des Mentholverbots entfiel, liegt nahe, ist aber nicht ausdrücklich belegt; offen ist auch der genaue Zeitpunkt, denn die deutsche Herstellerseite von 2020 nennt Green im Text noch, in ihrer Sortentabelle aber nicht mehr. Die Festival-Editionen von 2016 sind nur aus einer Mitteilung von GRE bekannt, ohne Angaben zu Motiven und Auflagen; Marktanteile sind nicht veröffentlicht. Die englischsprachige Wikipedia nennt noch Kloster Lehnin als Produktionsort und stellt den rumänischen Markenstreit mit vertauschten Rollen dar. Mit Philip Morris hat die Marke nichts zu tun; der Konzern war nur Gegenpartei in diesem Verfahren.