
Philip Morris
Hinter dem Namen Philip Morris steht zuerst ein Tabakgeschäft in der Londoner Bond Street von 1847, dann ein amerikanisches Unternehmen und seit 1933 eine Zigarette, die schlicht den Firmennamen trägt. Mit dem Pagen Johnny, dem Sponsoring von „I Love Lucy“ und wechselnden Packungen schrieb sie ein Kapitel amerikanischer Werbegeschichte, bevor Marlboro ihr den Rang ablief. Die Seite zeichnet Herkunft, Werbung, Sortiment und die knapp fünf Jahrzehnte in Deutschland nach, die 2021 mit dem Übergang in Marlboro White endeten.
| Eingeführt | 1933 in den USA als Philip Morris English Blend (filterlos, braune Packung); der Name steht seit 1870 auf Zigaretten der Londoner Firma |
|---|---|
| Hersteller | Philip Morris International (außerhalb der USA, eigenständig seit 2008); in den USA Philip Morris USA (Altria Group) |
| Namensgeber | Philip Morris († 1873), Tabakhändler in der Londoner Bond Street; Geschäft der Familie Morris ab 1847, eigene Zigaretten ab 1854 |
| Werbung | Page Johnny Roventini mit „Call for Philip Morris!“ (ab 1933); Sponsor der Sitcom „I Love Lucy“ (1951–1955) |
| Deutschland | regulär ab Juli 1973 (Philip Morris International), später u. a. King Size, Light American, Ultra, One, Filter Kings und White; im Februar 2021 in Marlboro White überführt |
| Marktstellung | laut PMI-Jahresbericht 2025 eine der führenden internationalen Zigarettenmarken des Konzerns; 2016 dem mittleren Preissegment zugeordnet, rund 36 Mrd. Stück Auslieferungen 2016 (PMI-Jahresbericht 2016) |
| Status | international aktiv; in Deutschland seit Februar 2021 nicht mehr unter eigenem Namen im Handel |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: von der Bond Street nach Richmond
Die Wurzeln der Marke liegen in London. 1847 eröffnete die Familie Morris in der Bond Street ein Tabakgeschäft, das den Namen von Philip Morris (1835–1873) trug; 1854 stellte er erstmals eigene Zigaretten her. Ab 1870 trugen Sorten wie Philip Morris Cambridge und Philip Morris Oxford Blues seinen Namen. Nach seinem Tod führten seine Witwe Margaret und sein Bruder Leopold das Geschäft weiter, 1894 übernahm die Familie von William Curtis Thomson die Mehrheit, und 1901 wurde die Firma Hoflieferant König Edwards VII. (siehe Großbritannien).
Nach Amerika kam der Name über den Import. Gustav Eckmeyer, seit 1872 Alleinvertreter der englischen Zigaretten in den USA, gründete 1902 in New York die Philip Morris & Co., Ltd. 1919 übernahmen amerikanische Anteilseigner um George J. Whelan das Geschäft und gründeten die Firma in Virginia neu; 1929 kaufte sie eine eigene Fabrik in Richmond. 1933 brachte das Unternehmen eine Zigarette heraus, die schlicht den Firmennamen trug: Philip Morris English Blend, filterlos, im 70-Millimeter-Format und in brauner Packung (siehe USA). Mitte der 1950er Jahre geriet sie in die Krise, während das Unternehmen die neu positionierte Marlboro aufbaute, die Ende 1975 die meistverkaufte Zigarette der USA war.
Werbung und Design: „Call for Philip Morris!“
Das Pagenmotiv war älter als Johnny: Schon seit dem Ersten Weltkrieg zeigte die Philip-Morris-Werbung einen gezeichneten Pagen, der Zigaretten auf dem Tablett reicht. 1933 gab ihm der Werber Milton H. Biow eine Stimme. Der Legende nach ließ er im Hotel New Yorker den Pagen Johnny Roventini (1910–1998), knapp 1,20 Meter groß, einen gewissen Philip Morris ausrufen; wenig später war Roventini engagiert. Ab dem 17. April 1933 rief er im NBC-Radio „Call for Philip Morris!“, später auch im Fernsehen und in Anzeigen, unterstützt von mindestens zehn Doubles. Nach einer Pause Mitte der 1950er Jahre griff die Werbung ab 1958 wieder auf ihn zurück, in den Ruhestand ging er 1974. Von 1951 bis 1955 sponserte die Marke die Sitcom „I Love Lucy“, deren Credits über einer Philip-Morris-Packung erschienen (siehe Zigarettenwerbung in Kino und Fernsehen).
Auch die Packung wandelte sich (siehe Packungsdesign). Die braune Schachtel ersetzte Philip Morris 1955 durch eine rot-weiße Packung mit neuem Logo, die Werbung setzte nun auf „gentleness“, Sanftheit. 1960 wurde die King Size zur Philip Morris Commander mit maritimem Auftritt, deren Gestaltung auch die reguläre Sorte übernahm; 1963 kam die Multifilter in einer Kunststoffbox, 1964 folgte die Version mit Aktivkohlefilter. Für Sammler (siehe Packungen sammeln) sind die amerikanischen Schachteln der Jahrhundertmitte ebenso reizvoll wie deutsche Stücke, etwa Probierpackungen mit drei Zigaretten aus den 1980er Jahren oder die ovale Klappschachtel der Filter Kings von 2002.
Konzern und internationale Verbreitung
Seit der Ausgliederung von Philip Morris International (PMI) 2008 gehört die Marke außerhalb der USA zu PMI; in den USA liegt sie bei Philip Morris USA, einer Tochter der Altria Group. Im Jahresbericht 2025 nennt PMI Philip Morris neben Chesterfield und L&M unter seinen führenden internationalen Zigarettenmarken hinter Marlboro und Parliament. Im Jahresbericht 2016 führte der Konzern sie unter den Marken des mittleren Preissegments, zusammen mit L&M, Lark, Merit und Muratti. Laut PMI-Jahresbericht 2016 lieferte der Konzern in jenem Jahr rund 36 Milliarden Zigaretten der Marke aus; die englischsprachige Wikipedia nennt mehr als 40 Absatzländer. Gefertigt wird unter anderem bei der argentinischen Tochter Massalin Particulares.
Außerhalb der USA war die Marke früh präsent: In Österreich wurde sie von 1954 bis 1964 verkauft, 1960 kam sie auf die Philippinen, und in Finnland fertigte der Lizenznehmer Amer Tupakka sie ab 1963. In jüngerer Zeit diente sie dem Konzern als Zielmarke bei Umstellungen. In Italien ersetzte sie im Juni 2015 die Marke Diana; in Österreich tragen Packungen von 2015 und 2016 auf der Folie Hinweise auf L&M Blue und Muratti Ambassador, was auf eine Überführung dieser Sorten deutet.
Sortiment: von English Blend bis White
In den USA folgten auf die filterlose English Blend 1953 längere Formate sowie Filter- und Mentholvarianten. Das internationale Sortiment gliedert sich heute nach Farben: Packungen aus Österreich, Italien, Russland und der Ukraine zeigen seit 2015 Sorten wie Original, Red, Blue, Gold, Supreme und White, dazu 100-Millimeter-Formate und in Argentinien Varianten mit Aromakapsel. Für Deutschland lassen sich über Sammlerbelege diese Linien nachweisen:
| Linie | Belegter Zeitraum | Merkmale |
|---|---|---|
| Filter 100’s | um 1970 | Softpack aus niederländischer Fertigung |
| International | Juli 1973 bis Juni 1983 | Klappschachtel, gefertigt von der Philip Morris GmbH |
| King Size | späte 1970er bis frühe 1990er Jahre | erst Softpack, dann Klappschachtel mit 19 Stück |
| Light American, Ultra | 1980er und 1990er Jahre | leichte und sehr leichte Sorten |
| One | 1990er Jahre und 2002 | leichteste Sorte, 2002 neu gestaltet |
| Blue American Lights, Filter Kings | 2000 bis 2004 | Filter Kings auch in ovaler Klappschachtel |
| White | bis Februar 2021 | letzte Sorte, danach Marlboro White |
Philip Morris in Deutschland
Die ersten Spuren in Deutschland führen über die Amerikaner: In den 1960er Jahren gab es zollfreie Commander-Packungen für die US-Truppen in Berlin. Im März 1970 nahm die Philip Morris GmbH ihre Arbeit auf, zunächst in einer Zwei-Zimmer-Wohnung in Frankfurt-Eschersheim, ab 1975 in München-Sendling, seit 2011 in Gräfelfing bei München. Als reguläre Marke der deutschen Gesellschaft ist sie laut einer Sammlerdatenbank ab Juli 1973 belegt, zunächst als Philip Morris International, eine hochpreisige Variante, die der Konzern auch in anderen europäischen Ländern anbot. Die deutsche Gesellschaft fertigte die Marke zeitweise auch für die Schweiz, Italien und Frankreich.
Im deutschen Portfolio stand die Namensmarke im Schatten von Marlboro, die 1985 zur meistverkauften Zigarette des Landes wurde; belastbare Zahlen zu ihrem Marktanteil liegen nicht vor. Das Profil verschob sich zu leichten Sorten: Auf King Size und International folgten Light American, Ultra und die One, deren Packungen in den 1990er Jahren 1 Milligramm Kondensat und 0,1 Milligramm Nikotin auswiesen – Maschinenwerte, die über die tatsächliche Aufnahme wenig aussagen (siehe Inhaltsstoffe). Im Februar 2021 endete die Geschichte: Im Zuge einer „Portfolio-Optimierung“ wurde Philip Morris White zu Marlboro White, mit neuem Design, aber nach Herstellerangabe unveränderter Tabakmischung. Die Fachpresse schrieb, die Marke verschwinde nach 48 Jahren vom deutschen Markt.
Namensherkunft
Der Name geht auf den Londoner Tabakhändler Philip Morris zurück: Nicht die Zigarette gab der Firma den Namen, sondern die Firma der Zigarette. Aus dem Namen des Tabakhändlers wurde erst der Name des Geschäfts in der Bond Street, dann ein Zusatz auf Sorten wie Cambridge und Oxford Blues (ab 1870), der Firmenname der New Yorker Gesellschaft (1902) und schließlich 1933 der Name der English Blend. Aus demselben Londoner Haus stammt auch der Name Marlboro: 1885 führte die Firma eine Marlborough, die als Damenzigarette galt. Ebenfalls in der Bond Street eröffneten Richard Benson und William Hedges 1873, im Todesjahr von Philip Morris, ihr Tabakgeschäft (siehe Benson & Hedges).
Kontroversen und Regulierung
Die frühe Werbung arbeitete mit gesundheitsbezogenen Versprechen, die heute unzulässig wären. Jahrelang hieß es, Philip Morris sei frei von einer Reizquelle, die in allen anderen führenden Zigaretten stecke; 1948 kamen ein „Nasentest“ und das Versprechen hinzu, die Zigarette verursache keinen Kater. Der Publizist Vance Packard berichtete 1957 in „The Hidden Persuaders“ (deutsch „Die geheimen Verführer“), bei einer Umfrage 1955 hätten die meisten Befragten beim Namen Philip Morris zuerst an „Reizung“ gedacht. In der EU sind seit 2003 auch Namenszusätze wie „Light“ und „Ultra“ verboten, die das deutsche Sortiment der 1980er und 1990er Jahre prägten, weil niedrigere Maschinenwerte keine geringere Schädlichkeit belegen. Zu den Risiken des Rauchens siehe Gesundheit, zur Rechtslage Recht.
Quellen
- Philip Morris (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Morris_(cigarette)
- Philip Morris (tobacconist) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Philip_Morris_(tobacconist)
- Johnny Roventini – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Johnny_Roventini
- Philip Morris History – Firmenchronik 1847–1980 (UCSF Industry Documents, bereitgestellt von Stanford Research into the Impact of Tobacco Advertising, PDF) – https://tobacco-img.stanford.edu/wp-content/uploads/2020/04/06212232/pmhistory.pdf
- Philip Morris Deutschland: Unsere Geschichte – https://www.pmi.com/markets/germany/de/%C3%BCber-uns/unsere-geschichte
- Philip Morris Deutschland: Unsere Produkte (Markenportfolio) – https://www.pmi.com/markets/germany/de/unsere-produkte
- Philip Morris International: Annual Report 2016 mit Form 10-K (PDF; Auslieferungen nach Marken im Form 10-K, S. 33) – https://www.annualreports.com/HostedData/AnnualReportArchive/p/NYSE_PM_2016.pdf
- Philip Morris International: Annual Report 2025 mit Form 10-K (PDF) – https://www.pmi.com/content/dam/pmicom/global/docs/investor_relation/pmi-2025-annual-report.pdf
- Presse Report, 04.02.2021: Philip Morris wird zu Marlboro White – https://www.presse-report.de/_rubric/detail.php?rubric=News&nr=27809
- Pressemitteilung: Aus „Philip Morris White“ wird „Marlboro White“ (Februar 2021; wiedergegeben bei smokersplanet.de am 22.02.2021) – https://smokersplanet.de/philip-morris-optimiert-aus-philip-morris-white-wird-marlboro-white/
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Philip Morris, Packungen bis 2014 – https://www.zigsam.at/B_PhilipMorris1.htm
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Philip Morris, Packungen seit 2015 – https://www.zigsam.at/B_PhilipMorris.htm
Hinweis zur Quellenlage
- Gründung: Die englischsprachige Wikipedia datiert Philip Morris auf 1835–1873 und schreibt, seine Familie habe das Geschäft 1847 eröffnet; PMI und die Firmenchronik nennen Philip Morris selbst. Leopold Morris ist laut Firmenchronik, Wikipedia und Grace’s Guide sein Bruder, die deutsche PMI-Seite nennt ihn „Sohn“. Die Partnerschaft von Leopold Morris mit Joseph Grunebaum datieren PMI und Wikipedia auf 1881, die Firmenchronik auf 1885.
- Start in Deutschland: „Juli 1973 bis Juni 1983“ für Philip Morris International stammt allein aus der Sammlerdatenbank zigsam.at; die Konzernchronik datiert die Einführung dieser Linie in Europa auf 1974. Die „48 Jahre“ nennt die Fachzeitschrift Presse Report (2021), was zu 1973 passt. Datierungen der übrigen Sammlerbelege nach Jahrzehnten sind Schätzungen der Sammlung.
- Sorte White: Einführungsjahr in Deutschland nicht belegt; ob sie wie in Österreich (dort 2016 mit demselben Strichcode wie zuvor die One) aus der One hervorging, ist für Deutschland nicht dokumentiert. Dass White zuletzt die einzige Sorte war, wird aus der Meldung abgeleitet, die Marke verschwinde mit der Umbenennung vom Markt. Die unveränderte Tabakmischung ist nur als Herstellerangabe aus der Pressemitteilung vom Februar 2021 belegt; Presse Report bestätigt Umbenennung, Zeitpunkt und Begründung, nicht aber die Mischung.
- Marktstellung: Marktanteile der Marke in Deutschland ließen sich nicht finden; die Einordnung ist daher qualitativ. Die Zuordnung zum mittleren Preissegment gilt für den internationalen Markt (PMI-Jahresbericht 2016); in Deutschland wird die Marke seit Februar 2021 nicht mehr unter eigenem Namen angeboten. Die Einordnung als führende internationale Zigarettenmarke stammt aus dem PMI-Jahresbericht 2025.
- Absatz 2016: Die rund 36 Milliarden Stück sind Auslieferungen laut PMI-Jahresbericht 2016 (Tabelle der Auslieferungen nach Marken: 35,9 Milliarden Stück, 2015: 35,8 Milliarden); die englischsprachige Wikipedia spricht von verkauften Zigaretten. Die Zahl von mehr als 40 Absatzländern stammt allein aus der englischsprachigen Wikipedia.
- Werbung: Legende um Milton H. Biow, das ältere Pagenmotiv seit dem Ersten Weltkrieg, die Doubles, die Pause ab 1955 und die I-Love-Lucy-Jahre 1951–1955 folgen der englischsprachigen Wikipedia; der Radiostart am 17. April 1933 und Roventinis Ruhestand 1974 der Firmenchronik. Die Umfrage von 1955 ist über Vance Packard nur aus zweiter Hand (Wikipedia) belegt. Die Firmenchronik nennt 1955 eine rot-weiße Packung, die Wikipedia eine weiße Packung mit Streifen. Die Multifilter in der Kunststoffbox datiert die Firmenchronik auf September 1963, die Version mit Aktivkohlefilter auf März 1964; die englischsprachige Wikipedia setzt den Aktivkohlefilter schon 1963 an.
- Umstellungen: Italien (Diana, Juni 2015) laut Wikipedia und Sammlerbeleg; Österreich (L&M Blue, Muratti Ambassador) nur aus Folienaufdrucken der Sammlerbelege abgeleitet.
- USA: Dass die Markenrechte dort bei Philip Morris USA liegen, stützt sich auf Wikipedia und die PMI-Konzerngeschichte; ob und in welchem Umfang die Marke dort heute noch vertrieben wird, ist nicht geklärt.
- Maschinenwerte der One (1 mg Kondensat, 0,1 mg Nikotin) sind Packungsaufdrucke aus den 1990er Jahren und 2002 laut Sammlerdatenbank.