Waldorf-Astoria
Die Waldorf-Astoria ist der seltene Fall einer Zigarettenfabrik, deren Name vor allem außerhalb der Tabakwelt bekannt ist: Ihr Generaldirektor Emil Molt eröffnete 1919 für die Kinder seiner Belegschaft die erste Waldorfschule. Die Seite zeichnet nach, wie der Name eines New Yorker Luxushotels nach Stuttgart kam, welche Orientzigaretten am Stöckach entstanden, wie die Firma mit Art-déco-Anzeigen, Kunstbildern und einer eigenen Heftreihe warb und warum der Name nach dem Ende des Werks 1929 noch Jahrzehnte weiterlebte.
| Gegründet | zum 1. Januar 1906 als Waldorf-Astoria Company mbH; Hauptsitz Hamburg, Fabrik Stuttgart; ab Mai 1918 Aktiengesellschaft (Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik AG, Stuttgart) |
|---|---|
| Gründer | Emil Molt (1876–1936) mit der Hamburger Zigarrengroßhandlung M. Müller jr. (Namensrechte) und dem Importeur Heinrich Abraham & Co. |
| Standorte | Stuttgart-Stöckach (Cannstatter Straße 97, ab 1908 Hackstraße 11, Erweiterung 1912/13; Stammhaus weitgehend erhalten); Betriebe in Zuffenhausen und Königsberg (beide 1907), Filialen u. a. in Cannstatt, Fellbach und Pfullingen |
| Beschäftigte | 34 zu Beginn, fast 800 Ende 1913, über 1000 im Jahr 1915 (NDB); rund 1000 bei der Schließung 1929 |
| Marken | Oku, Modzu, Halifax, Montreal, Boston, Washington, Clio, Blau Punkt, Walasco, Graf Waldo, Oberst; später unter dem Label u. a. Echt Orient No. 5 und Astor |
| Kulturgeschichte | 1919 Gründung der ersten Waldorfschule durch Emil Molt mit Rudolf Steiner; „Die farbigen Heftchen der Waldorf-Astoria“ (1915–1917), Kunstbilderserien und Waldorfbücherei (um 1926–1928), Sammelalben aus München (1932–1935) |
| Ende | 1929 Schließung des Stuttgarter Werks nach dem Verkauf der Aktienmehrheit (Käufer und Datum uneinheitlich überliefert); Name danach als Label im Umfeld von Haus Neuerburg und ab 1935 bei Reemtsma, zuletzt auf Astor bis Mitte der 2010er Jahre |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: ein Hotelname für Stuttgarter Zigaretten
Die Geschichte beginnt 1905 in Hamburg. Die Zigarrengroßhandlung M. Müller jr. erwarb damals von der amerikanischen Waldorf-Astoria Cigar Store Company die Firmenbezeichnung „Waldorf-Astoria Company“ samt Warenzeichenrechten. Der Kaufmann Emil Molt (1876–1936), ein Kenner der Stuttgarter Zigarettenindustrie, sah darin die Grundlage für ein eigenes Unternehmen. Mit dem Hamburger Importeur Heinrich Abraham & Co. als weiterem Partner entstand zum 1. Januar 1906 die Waldorf-Astoria Company mbH, mit Hauptsitz in Hamburg und Fabrik in Stuttgart. Molt leitete Produktion und Vertrieb, zunächst für Süddeutschland und die Schweiz, ab 1913 als Generaldirektor das ganze Haus. Der Zeitpunkt war günstig, weil eine neu eingeführte Tabaksteuer die ausländische Konkurrenz bremste.
Der Aufstieg verlief rasch. 1907 kamen Betriebe in Zuffenhausen und im ostpreußischen Königsberg hinzu, 1908 bezog man einen modernen Neubau an der Hackstraße 11 am Stuttgarter Stöckach, 1912/13 entstand ein Erweiterungsbau. Ende 1913 arbeiteten fast 800 Menschen für die Firma, 1915 laut Neuer Deutscher Biographie über 1000. Die Waldorf-Astoria war königlich württembergischer Hoflieferant und wurde im Mai 1918 zur Aktiengesellschaft mit 7 Millionen Mark Kapital. Im Ersten Weltkrieg lief der Betrieb notdürftig weiter.
Die Waldorfschule: aus der Fabrik in die Welt
Molt, Theosoph und später Anthroposoph, hatte für seine Belegschaft Erholungsheime, eine Kantine, eine Bibliothek, eine Betriebssparkasse und einen Pensionsfonds eingerichtet, dazu die Mitarbeiterzeitschrift „Waldorf-Nachrichten“ und eine Arbeiter-Bildungsschule. Am 23. April 1919 sprach Rudolf Steiner auf Molts Einladung in der Fabrik vor den Beschäftigten; danach fragte Molt ihn, ob sich eine Schule für deren Kinder gründen ließe. Steiner stellte das Kollegium zusammen und bildete es aus, Molt kaufte aus privaten Mitteln ein ehemaliges Ausflugslokal am Kanonenweg, der heutigen Haußmannstraße.
Am 7. September 1919 öffnete die Freie Waldorfschule mit 256 Kindern in acht Klassen, 191 davon aus Familien der Belegschaft, deren Schulgeld die Firma trug. Die Initiative ging also vom Direktor aus, die pädagogische Leitung lag bei Steiner. Die Schule wuchs rasch über eine Fabrikschule hinaus und wurde zum Ausgangspunkt der Waldorfpädagogik, die den Namen der Zigarettenfabrik bis heute in alle Welt trägt. Molt zahlte die Schulgelder „seiner“ Arbeiterkinder nach dem Ende der Firma aus eigener Tasche weiter.
Hersteller und Produktion: Orienttabak vom Stöckach
Die Waldorf-Astoria war eine Fabrik für Orientzigaretten. Die anfangs 34 Beschäftigten im Hinterhaus Cannstatter Straße 97 verarbeiteten ausschließlich Orienttabake, die Molt laut NDB aus klassischen Anbaugebieten wie Makedonien und Smyrna bezog, gestützt auf Fachleute aus Griechenland, Ägypten und Armenien. Gerollt wurde anfangs von Hand, meist von türkischen, griechischen und rumänischen Zigarettenmachern. Als drei von ihnen im Mai 1907 minderwertige Hülsen nicht verarbeiten wollten und entlassen wurden, kam es zum ersten Streik, der nach knapp einer Woche gütlich endete. Die Steuererhöhung von 1909 nahm die Firma zum Anlass, schrittweise auf Maschinen umzustellen; entlassene Zigarettenarbeiter gründeten 1910 die Tabakarbeitergenossenschaft Stuttgart mit der Marke TAG. Mehr zu den Tabaken unter Orient und Balkan.
Sortiment: Städte, Punkte und ein Oberst
Die Zigaretten trugen eigene Sortennamen, Waldorf-Astoria stand als Absender darüber:
| Marke | Einordnung | Belegt |
|---|---|---|
| Oku, Modzu | preiswertere Orientzigaretten der Anfangsjahre | ab 1906 |
| Halifax, Montreal, Boston, Washington | teurere Sorten, nach nordamerikanischen Städten benannt | ab 1906 |
| Clio, Walasco, Graf Waldo | Marken nach dem Ausbau der Fabrik | um 1913 |
| Blau Punkt | 1928 mit Art-déco-Anzeigen beworben | um 1913 und 1928 |
| Oberst | 25er-Schachtel mit beigelegten „bunten Heftchen“ | um 1926 |
| Blue Points | Blechdose mit blau kariertem Dekor wie bei Blau Punkt, auch in einer Ausführung der Zürcher Waldorf-Astoria Co.; im Museum für Stuttgart zusammen mit Blau Punkt überliefert | vor 1929 (Museumsdatierung ca. 1906–1929) |
| Echt Orient No. 5 | Packung mit Krone und Waldorf-Astoria-Schriftzug über Eichenzweigen | Zweiter Weltkrieg |
| Astor | Reemtsma-Marke unter dem Traditionslabel, siehe Astor | 1935 als Neuerburg-Marke genannt; ab 1950 erneut, bis Mitte der 2010er Jahre |
Werbung und Design: Krone, Eichenlaub und Art déco
Molt erkannte früh die Bedeutung des Markenartikels und legte laut NDB großen Wert auf künstlerisch gestaltete Packungen und moderne Werbung. Der Handel erhielt Plakate aus Karton und Glas, Aschenbecher und Leuchtreklame. Wiederkehrendes Zeichen war das Monogramm W-A im Eichenlaubkranz unter der württembergischen Krone: Es steht auf einer Blechdose der Marke Blau Punkt im StadtPalais – Museum für Stuttgart und auf der Zürcher Dose der „Blue Points“, eine frühe Reklamemarke zeigt es auf schwarzem Grund über dem Hinweis auf die königlichen Hoflieferanten. 1924 bat Molt den Stuttgarter Künstler Wilhelm von Eiff um hochwertige Packungsentwürfe; umgesetzt wurde eine Verpackung mit zwei Elefanten.
Die 1920er Jahre brachten einen großstädtischeren Auftritt. Ein Autochrom von Frédéric Gadmer, eine frühe Farbaufnahme vom September 1924 zur Zeit der Kölner Herbstmesse, zeigt vor dem östlichen Portal der Hohenzollernbrücke einen roten Pavillon mit dem Schriftzug „Waldorf Astoria“. 1928 zeichnete der Wiener Grafiker Ernst Deutsch-Dryden für Blau Punkt elegante Art-déco-Anzeigen, die sich mit Motiven wie „Geschenk“ und „Gastgeberin“ an ein weibliches Publikum wandten; statt des Kranzmonogramms führen sie ein geviertes Wappen mit Krone, W, A und Eichenblatt. Mehr dazu in der Geschichte des Packungsdesigns.
Sammeln: Kunstbilder, Heftchen und Alben
Für Sammler zählen vor allem die Drucksachen der Firma. Schon 1915 bis 1917 erschienen nach der Datierung der Deutschen Nationalbibliothek „Die farbigen Heftchen der Waldorf-Astoria“, gedruckt bei Jung & Sohn in Stuttgart, mit Texten unter anderem von Hermann Hesse und Rudolf Steiner. Unter dem Titel „Klassische Kunst in Bildern“ verzeichnet die Bibliothek farbige Bilderserien im Format 11 mal 6,5 Zentimeter, darunter je acht Bilder zur deutschen Renaissance, zu Albrecht Dürer und aus der Münchner Alten Pinakothek, datiert um 1928. Ausdrücklich als Packungsbeigabe belegt sind nur die „bunten Heftchen“, die um 1926 der 25er-Schachtel der Marke Oberst beilagen. Dazu kam die „Waldorfbücherei“: kleine Hefte von meist 15 bis 16 Seiten in mindestens 29 Reihen, von „Anekdoten“ und „Weltwunder“ bis „Mensch und Technik“, mit Texten etwa von Theodor Storm, Hans Christian Andersen oder Oscar Wilde. Die Nationalbibliothek führt mehr als 200 dieser Hefte, überwiegend um 1926 bis 1928 datiert; wie diese Hefte, die Kunstbilder und die farbigen Heftchen an die Kundschaft gelangten, ist nicht dokumentiert. Aus der Hyperinflation 1923 ist außerdem firmeneigenes Notgeld erhalten.
Nach 1929 erschienen unter dem Namen Waldorf-Astoria, nun in München, klassische Sammelalben: 1932 „Vom Segelwagen zum Achtzylinder“ mit Autobildern und „Uniformen der alten Armee“ samt Anhang zu Marine und Schutztruppen, 1934 „Orden“ und 1935 „Ruhmesblätter deutscher Geschichte“. Die Alben von 1934 und 1935 erschienen bereits unter der NS-Herrschaft; ihre militärischen und nationalen Themen zeigen, wie eng solche Serien ab 1933 an die politische Bildpropaganda des NS-Staats angelehnt waren. Einen Überblick gibt die Seite Zigarettenbilder und Sammelalben.
Marktstellung, Übernahme und Nachleben des Namens
Ab 1920 gehörte die Firma zum anthroposophischen Konzern „Der Kommende Tag“, der Anfang 1925 liquidiert werden musste. Danach lag die Aktienmehrheit beim Tabakgroßhändler Kiazim Emin, die Leitung weiter bei Molt. Ende der 1920er Jahre setzten veraltete Anlagen und die Konzentration der Branche der Firma zu: Reemtsma und Haus Neuerburg, seit September 1928 durch einen Poolvertrag verbunden, kamen 1928 nach zeitgenössischen Angaben auf rund 85 Prozent des deutschen Zigarettenmarkts. Laut Stadtarchiv Stuttgart verkaufte Emin sein Aktienpaket im April 1929 an Reemtsma; die NDB (Artikel Neuerburg) datiert den Erwerb der Fabrik durch Haus Neuerburg dagegen auf 1927, das Online-Lexikon brandslex nennt Haus Neuerburg und 1929. Das Stuttgarter Werk wurde noch 1929 geschlossen, rund 1000 Menschen verloren ihre Arbeit.
Der Name blieb. Die Münchner Waldorf-Astoria veröffentlichte Alben teils gemeinsam mit Zuban, Eckstein-Halpaus und Haus Neuerburg, und 1935 ging Haus Neuerburg nach brandslex samt den Marken Waldorf-Astoria, Astor, Eckstein und Overstolz an Reemtsma. Packungen „Echt Orient No. 5“ aus dem Zweiten Weltkrieg tragen Krone und Waldorf-Astoria-Schriftzug über Eichenzweigen, und auf der 1950 wieder auf den Markt gebrachten Astor erschien der Name über Jahrzehnte: Packungen der 1950er Jahre nennen Waldorf-Astoria als Hersteller, spätere „Waldorf-Astoria International“ als Markeninhaber. Mit dem Ende von Astor Mitte der 2010er Jahre riss diese Linie ab.
Namensherkunft
Mit Johann Jakob Astor hatte die Stuttgarter Firma nur mittelbar zu tun. Ihr Name stammt vom New Yorker Luxushotel Waldorf-Astoria, das nach der Familie Astor und deren Herkunftsort Walldorf in der Kurpfalz benannt ist; von dort war Johann Jakob Astor in die USA ausgewandert. Über die Waldorf-Astoria Cigar Store Company kam die Bezeichnung 1905 samt Warenzeichen nach Hamburg und verband fortan Orientzigaretten aus Stuttgart mit dem Glanz eines Weltstadthotels. Die spätere Marke Astor griff den Familiennamen auf. Weitere Traditionsnamen versammelt das Markenlexikon, die Branchenentwicklung der Abschnitt Geschichte.
Quellen
- Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik
- Stadtarchiv Stuttgart, Digitales Stadtlexikon: Ulrich Gohl, Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik (2020) – https://www.stadtlexikon-stuttgart.de/article/f1844634-17b1-44e3-932d-9a5e0e44a069/1/Waldorf-Astoria.html
- Neue Deutsche Biographie: Anneliese Hermann, Molt, Emil (Bd. 18, 1997) – https://www.deutsche-biographie.de/gnd118734628.html
- Neue Deutsche Biographie: Klaus Petry, Neuerburg, Tabakindustrielle (Bd. 19, 1999) – https://www.deutsche-biographie.de/gnd138143919.html
- Emil Molt – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Emil_Molt
- Haus Neuerburg (Unternehmen) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Neuerburg_(Unternehmen)
- Markenlexikon brandslex.de – Reemtsma – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/r/markenlexikon-reemtsma
- Markenlexikon brandslex.de – Astor – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/a/markenlexikon-astor
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Astor (Packungen mit Hersteller- und Markeninhaberangaben) – https://www.zigsam.at/B_Astor.htm
- StadtPalais – Museum für Stuttgart (museum-digital): Blechdosen „Waldorf-Astoria. Blau-Punkt. 25 Cigaretten“ und „Waldorf-Astoria. Blue-Points. 20 Cigarettes Blue Points“ (Inv.-Nr. S 5027/1-2) – https://bawue.museum-digital.de/object/143710
- Wikimedia Commons: Category:Waldorf-Astoria (cigarettes) (Anzeigen, Dosen, Köln 1924, Echt Orient No. 5) – https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Waldorf-Astoria_(cigarettes)
- Wikimedia Commons: Category:Uniformen der alten Armee (Waldorf-Astoria, 1932) – https://commons.wikimedia.org/wiki/Category:Uniformen_der_alten_Armee_(Waldorf-Astoria,_1932)
- Deutsche Nationalbibliothek: Waldorfbücherei, Reihe 1 „Anekdoten“ (Stuttgart, Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik AG; exemplarisch für die Reihe) – https://d-nb.info/974220736
- Deutsche Nationalbibliothek: Klassische Kunst in Bildern (Waldorf-Astoria, farbige Bilderserien, je 11 x 6,5 cm) – https://d-nb.info/560098561
- Deutsche Nationalbibliothek: Alexander von Gleichen-Rußwurm, Unterhaltendes in der Oberst-Schachtel (Reihe „Bunte Heftchen in der 25er Oberst Schachtel“, um 1926) – https://d-nb.info/573476179
- Deutsche Nationalbibliothek: Die farbigen Heftchen der Waldorf-Astoria (Reihe, Buchdruckerei Jung & Sohn, Stuttgart) – https://d-nb.info/58012522X
- Deutsche Nationalbibliothek: Waldorf-Nachrichten, hrsg. von der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, Aktiengesellschaft in Stuttgart (1919–1922) – https://d-nb.info/01389496X
- Deutsche Nationalbibliothek: Vom Segelwagen zum Achtzylinder (Sammelalbum, München: Waldorf-Astoria und Zuban, 1932) – https://d-nb.info/361818491
- Deutsche Nationalbibliothek: Die Nachkriegszeit. Historische Bilddokumente 1918–1934 (Sammelalbum 1935; beteiligt Eckstein-Halpaus, Waldorf-Astoria und Haus Neuerburg) – https://d-nb.info/1357590741
Hinweis zur Quellenlage
- Käufer und Zeitpunkt der Übernahme: Das Stadtarchiv Stuttgart (Gohl 2020) nennt den Reemtsma-Konzern als Käufer des Aktienpakets von Kiazim Emin (April 1929). Die deutschsprachige Wikipedia (Artikel Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik) nennt ebenfalls Reemtsma und verweist dafür auf den brandslex-Artikel zu Reemtsma; der führt Waldorf-Astoria aber erst 1935 unter den Marken von Haus Neuerburg. Für Haus Neuerburg sprechen die Neue Deutsche Biographie (Klaus Petry 1999, Artikel Neuerburg: Erwerb der Stuttgarter Fabrik 1927), der brandslex-Artikel zu Astor (Übernahme durch Haus Neuerburg 1929) und die Wikipedia-Artikel zu Emil Molt (1929) und Haus Neuerburg („ab 1927“); auch die DNB-Belege der Münchner Waldorf-Astoria (1932 ein Album mit Zuban, 1935 eines mit Eckstein-Halpaus und Haus Neuerburg) passen zu einer Neuerburg-Zugehörigkeit bis 1935. Reemtsma und Neuerburg waren seit September 1928 durch einen Poolvertrag verbunden. Im Text stehen die Darstellungen nebeneinander.
- Beschäftigte: NDB „über 1000“ für 1915, Wikipedia „etwa 1000“ für 1919, Stadtlexikon „fast 800“ Ende 1913 und „um die 1000“ bei der Schließung 1929.
- Kiazim Emin: Wikipedia nennt ihn „Wiener Tabakgroßhändler“, das Stadtlexikon einen türkischen Großkaufmann und Tabakhändler; im Text neutral „Tabakgroßhändler“.
- Tabakherkunft: Die NDB nennt Makedonien, Smyrna und „Samara“ (möglicherweise Samsun gemeint, nicht geprüft); übernommen wurden nur Makedonien und Smyrna. Die NDB betont Handarbeit, das Stadtlexikon die Mechanisierung ab 1909; im Text zeitlich gestaffelt.
- Namensweg: Laut NDB erwarb M. Müller jr. 1905 Namen und Warenzeichen von der Waldorf-Astoria Cigar Store Company; das Stadtlexikon spricht allgemeiner von Tochterfirmen, die sich von der amerikanischen Mutter gelöst hatten; eine in der englischen Wikipedia referierte Version, Molt habe den Namen vom Tabakladen des New Yorker Hotels gekauft, wurde nicht übernommen.
- Drucksachen: Die Datierungen der DNB sind überwiegend Schätzungen („um 1926“, „um 1928“). Wie Waldorfbücherei-Hefte, Kunstbilder und farbige Heftchen an die Kundschaft gelangten, geht aus den Katalogdaten nicht hervor; als Packungsbeigabe belegt ist nur die Reihe „Bunte Heftchen in der 25er Oberst Schachtel“. „Mehr als 200“ bezieht sich auf Katalogeinträge der DNB (246 mit der Reihenangabe Waldorfbücherei), nicht auf die Gesamtauflage. Von der Reihe „Die farbigen Heftchen der Waldorf-Astoria“ verzeichnet die DNB die Hefte 1 bis 31, teils auch in neuer Auflage, datiert 1915 bis 1917 (meist in eckigen Klammern, also nicht aus dem Druck selbst) und gedruckt bei der Buchdruckerei Jung & Sohn in Stuttgart; ein Verlag ist nicht angegeben.
- Münchner Alben: Commons datiert „Uniformen der Marine und Schutztruppen“ auf 1933, die DNB auf 1932 (Anhang zu „Uniformen der alten Armee“); verwendet 1932. Die Erscheinungsjahre der Münchner Alben gibt die DNB überwiegend in eckigen Klammern an, also nicht aus dem Druck selbst.
- Marken: Oberst nennt die Wikipedia ohne Datum, datiert über den DNB-Eintrag (um 1926). „Blue Points“ belegen ein Commons-Foto einer Dose der „Waldorf-Astoria Co. Zurich“ und das StadtPalais – Museum für Stuttgart, das eine Blue-Points-Dose zusammen mit einer Blau-Punkt-Dose zeigt, beide der Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik zuschreibt und auf ca. 1906–1929 datiert; beide Dosen tragen dasselbe hell- und dunkelblaue Karomuster. Wie Blue Points und Blau Punkt im Sortiment zusammenhingen, ist nicht belegt. „Echt Orient No. 5“ ist nur über Museumsfotos (Festungsmuseum Oscarsborg, Norwegen; Commons) belegt, Datierung innerhalb des Kriegs und Herstellungsort offen.
- Astor: Die deutschsprachige Wikipedia schreibt Astor schon der Stuttgarter Firma zu und nennt 2015 als Ende; brandslex führt Astor 1935 unter den Marken von Haus Neuerburg. Zigsam datiert die Einführung auf 1950, brandslex beschreibt 1950 als Wiederkehr einer älteren Marke. Eine Branchenmeldung (Sprit+, Februar 2016) nennt März 2016 als Ende, daher im Text „Mitte der 2010er Jahre“ (Details auf der Astor-Seite).
- Hoflieferant: Titel laut Reklamemarke, Wikipedia, brandslex und der Deckelinnenseite der Blue-Points-Dose im StadtPalais („Kgl. Hoflieferanten“), Jahr der Ernennung unbekannt; die Reklamemarke ist auf Wikipedia auf 1904 datiert, also vor der Gründung, das Datum wurde nicht übernommen.
- Werbung: Die Zuschreibung der Blau-Punkt-Anzeigen von 1928 an Ernst Deutsch-Dryden stammt aus den Commons-Dateibeschreibungen; Wilhelm von Eiffs Packungsentwürfe (Brief Molts vom 3. November 1924, Elefanten-Entwurf umgesetzt) und das Notgeld von 1923 aus den Bildbeschreibungen des Stadtarchivs Stuttgart im Stadtlexikon. Die Kölner Aufnahme ist laut Commons ein Autochrom von Frédéric Gadmer vom 20. September 1924; sie zeigt das östliche Portal der Hohenzollernbrücke mit dem Hinweis „Zur Messe“, nicht das Messegelände. Ob der rote Pavillon mit dem Schriftzug „Waldorf Astoria“ ein Verkaufsstand war, geht aus der Bildbeschreibung nicht hervor. Die Angabe zu Plakaten, Aschenbechern und Leuchtreklame stammt aus dem Stadtlexikon. Das Firmenzeichen beschreibt das StadtPalais – Museum für Stuttgart auf einer Blau-Punkt-Dose als goldfarbenen Eichenlaubkranz mit den roten Initialen W-A unter der württembergischen Krone; Reklamemarke und Zürcher Blue-Points-Dose zeigen nach den Abbildungen dasselbe Motiv. Die Blau-Punkt-Anzeigen von 1928 führen dagegen ein geviertes Wappen mit Krone, W, A, Eichenblatt und kariertem Mittelfeld, die Packungen „Echt Orient No. 5“ Krone und Schriftzug über Eichenzweigen. Eine Quelle zur Entwicklung des Firmenzeichens fand sich nicht.
- Schulzahlen (256 Kinder, 191 aus der Belegschaft, acht Klassen) aus der deutschsprachigen Wikipedia (Emil Molt, gestützt auf die Emil-Molt-Schule Berlin); die englische Wikipedia (History of Waldorf schools) nennt dieselben Zahlen.
- Marktanteil 85 Prozent (1928) für Reemtsma und Neuerburg zusammen nach dem Wikipedia-Artikel Haus Neuerburg, der sich auf Wilhelm Blase (1933) stützt.
- Sitz: Den Hauptsitz in Hamburg mit Zweigstelle in Stuttgart nennt die NDB (Artikel Molt) für die 1906 gegründete GmbH. Die Aktiengesellschaft erscheint in den Katalogangaben der DNB als „Waldorf-Astoria-Zigarettenfabrik, Aktiengesellschaft in Stuttgart“ (Waldorf-Nachrichten 1919–1922), ihre Drucke nennen „Stuttgart: Waldorf-Astoria Zigarettenfabrik AG“; ob der Sitz schon mit der Umwandlung 1918 nach Stuttgart ging, ist nicht belegt.