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Feuerzeuge und Zigarettenetuis
Ein Feuerzeug, das im Sturm brennt, ein Etui mit der Handschrift eines Wiener Silberschmieds: Kaum ein Zubehör der Zigarette wurde so sorgfältig gebaut wie die Dinge, mit denen man sie anzündete und bei sich trug. Diese Seite erzählt die Geschichte des Feuerzeugs von Döbereiners Platinapparat bis zum Gasfeuerzeug, stellt Zippo, Dunhill, Ronson und Dupont als Sammelgebiete vor und erklärt Silberpunzen, Art-déco-Emaille und Souveniretuis. Dazu kommt das Handwerk: Zustand beurteilen, ein Benzinfeuerzeug wieder in Gang bringen, Fälschungen erkennen.
| Frühform | Platinfeuerzeug von Johann Wolfgang Döbereiner, Jena 1823 – Wasserstoff, am Platinschwamm katalytisch entzündet; verkauft bis um 1880 |
|---|---|
| Schlüsselerfindung | Auermetall (Cer-Eisen) von Carl Auer von Welsbach, 1903 patentiert – der „Zündstein“ jedes Reibradfeuerzeugs |
| Sturmfeuerzeuge | IMCO, Wien (Feuerzeuge seit 1918, Triplex 1936); Zippo, Bradford/Pennsylvania (seit 1933, Patent 1936, Bodencodes seit 1955) |
| Gasfeuerzeug | Flaminaire, Paris 1947; in den 1950er Jahren Dupont, Dunhill Rollagas und Ronson; später Piezozündung und Einwegfeuerzeug |
| Sammelgebiete Feuerzeug | Hersteller (Zippo, Dunhill, Ronson, Dupont, IMCO, KW, Thorens), Tischfeuerzeuge, Reklamefeuerzeuge, Grabenkunst der Weltkriege |
| Zigarettenetuis | Silber (800, 835, 925), Emaille und Art déco, Wiener Werkstätte, Fabergé, Souvenir- und Soldatenetuis; Blütezeit etwa 1900 bis 1950 |
| Wert bestimmen | Hersteller, Seltenheit, Zustand, Originalität von Einsatz und Scharnier, Originalkarton; Datierung über Bodencodes und Punzen |
Vom Feuerstahl zum Taschenfeuerzeug
Bis weit ins 19. Jahrhundert war „Feuerzeug“ kein Gerät, sondern eine Ausrüstung: Feuerstein, Feuerstahl und Zunder in einer Blechdose. Für die Zigarette, die um 1900 zum Massenprodukt wurde, brauchte es etwas Handlicheres. Zwei Erfindungen stehen am Anfang des modernen Feuerzeugs, beide stammen von Chemikern.
Döbereiners Platinfeuerzeug
1823 stellte Johann Wolfgang Döbereiner, Professor in Jena und von Goethe gefördert, ein Gerät vor, das ohne Funken auskam. In einem Glasgefäß erzeugten Zink und verdünnte Schwefelsäure Wasserstoff; öffnete man ein Ventil, strömte das Gas auf einen Platinschwamm, der es katalytisch entzündete. Ein Handgriff, eine Flamme – das war neu. Das Platinfeuerzeug stand als Tischgerät in Studierstuben und Salons und wurde bis etwa 1880 verkauft; für die Westentasche war es zu teuer und zu empfindlich. Heute sind Platinfeuerzeuge Museumsstücke, etwa im Deutschen Museum in München, das gleich mehrere besitzt, und im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg.
Der Zündstein macht das Feuerzeug alltagstauglich
Der zweite Schritt gelang 1903 dem Österreicher Carl Auer von Welsbach. Seine Legierung aus Cer und Eisen, das Auermetall, ist pyrophor: Schabt ein gehärtetes Rädchen feine Späne ab, glühen sie sofort weiß auf. Damit war der „Zündstein“ geboren, der bis heute in jedem Reibradfeuerzeug steckt – ein Metall, kein Stein. Mit ihm ließen sich Taschenfeuerzeuge bauen, die zuverlässig zündeten: Tank mit benzingetränkter Watte, Docht, Reibrad und ein Deckel, der die Flamme erstickt. Das Prinzip war so einfach, dass Soldaten des Ersten Weltkriegs es in Frontwerkstätten nachbauten. Diese Grabenkunst brachte Feuerzeuge aus Patronenhülsen mit gefeilten Rädchen und aufgelöteten Uniformknöpfen hervor – heute ein eigenes Sammelgebiet zwischen Handwerk und Zeitdokument.
Sturmfeuerzeuge und die beiden Weltkriege
Dass ein Feuerzeug auch im Wind brennt, verdankt es einem gelochten Kamin um den Docht: Die Bleche brechen den Luftstrom, die Löcher lassen gerade genug Sauerstoff an die Flamme. Diese Bauart hat zwei Heimatorte. Der eine ist Wien, wo Julius Meister & Co. 1907 als Knopffabrik begonnen hatte und nach dem Ersten Weltkrieg auf Feuerzeuge umstellte – zunächst tatsächlich aus ausgeschossenen Patronenhülsen. Unter der Marke IMCO erschien 1936 das Triplex, ein Benzin-Sturmfeuerzeug, dessen Tank sich herausziehen und wie eine kleine Kerze aufstellen lässt; es wurde in kaum veränderter Form gebaut, bis die Wiener Fertigung 2012 endete.
Der andere Ort ist Bradford in Pennsylvania. George G. Blaisdell hatte bei einem Bekannten ein österreichisches Sturmfeuerzeug gesehen, das gut funktionierte, aber zwei Hände brauchte, und entwarf ein rechteckiges Messinggehäuse mit Klappdeckel, einhändig zu bedienen. 1932 gründete er die Zippo Manufacturing Company, 1933 kamen die ersten Stücke in den Handel, 1936 folgte das Patent. Mit dem Kriegseintritt der USA ging die gesamte Produktion an die Truppe; weil Messing kriegswichtig war, entstanden Stahlgehäuse mit schwarz gekörnter Lackierung, dem „Black Crackle“. Im Vietnamkrieg ließen sich Soldaten Sprüche, Landkarten und Einheitsabzeichen in die Deckel gravieren; diese Vietnam-Zippos sind ein Sammelgebiet für sich – und das mit den meisten Nachahmungen.
Vom Benzin zum Gas
Das Benzinfeuerzeug hat einen Nachteil, den jeder kennt, der eines in der Hosentasche trug: Der Brennstoff verdunstet, und er riecht. Die Lösung kam aus Frankreich. Ein 1936 erteiltes Patent auf ein Feuerzeug mit verflüssigtem Butan erwarb der Pariser Unternehmer Marcel Quercia; 1947 stellte seine Marke Flaminaire das erste Gasfeuerzeug vor, zunächst als Tischgerät. Gas brennt sauber, lässt sich in der Flammenhöhe regeln und wartet monatelang im Tank. In den 1950er Jahren zogen die großen Häuser nach – Dupont, Dunhill mit dem Rollagas, Ronson mit der Varaflame-Reihe –, später ersetzte die Piezozündung bei vielen Modellen das Reibrad. Anfang der 1960er Jahre kam in Frankreich das Einwegfeuerzeug auf, ein Jahrzehnt später folgte Bic. Für Sammler markiert das eine Grenze: Was danach in Millionenauflage entstand, ist selten mehr als eine Kuriosität – mit Ausnahme der Reklamefeuerzeuge. Spezialformen leben weiter: Pfeifenfeuerzeuge mit seitlichem Kamin (tabak.org) und Jetflammen für die Zigarre (kubanischezigarren.org).
Die großen Namen als Sammelgebiete
Die meisten Sammlungen folgen einem Hersteller, einer Epoche oder einem Thema. Vier Namen haben eigene Sammlergemeinden mit Katalogen, Tauschbörsen und Fachvokabular hervorgebracht. Daneben lohnen europäische Werkstätten wie KW in Solingen, Rowenta in Offenbach, Colibri oder das Schweizer Haus Thorens aus Sainte-Croix, das bis 1964 Feuerzeuge baute, bekannt vor allem für die per Knopfdruck betätigten Modelle „Single Claw“ und „Double Claw“. Die Feuerzeuge dieser Häuser sind erschwinglich, gut dokumentiert und noch immer in Nachlässen zu finden.
Zippo: Bodencodes lesen
Kein anderes Feuerzeug lässt sich so genau datieren. Ab 1955 ließ Blaisdell Markierungen in den Boden prägen, ursprünglich zur Qualitätskontrolle, um bei Feuerzeugen, die zur Reparatur zurückkamen, Auffälligkeiten einer bestimmten Fertigungsserie zu erkennen. Aus dieser Werkstattnotiz wurde das wichtigste Werkzeug der Sammler:
| Zeitraum | Bodenprägung | Hinweis |
|---|---|---|
| 1933 bis Mitte der 1950er | keine Jahrescodes, nur Patentvermerke | Datierung über Patentangabe, Scharnierbau und Schriftbild |
| Mitte 1955 bis 1965 | Punkte links und rechts des Schriftzugs | die Zahl der Zeichen nimmt in jeder Serie von Jahr zu Jahr ab |
| 1966 bis 1973 | senkrechte Striche | gleiches Prinzip |
| 1974 bis 1981 | Schrägstriche (/) | 1979 bei einem Teil der Stücke links ein Strich und rechts zwei statt umgekehrt – ein bekannter Fehlstempel |
| 1982 bis Juni 1986 | umgekehrte Schrägstriche (\) | gleiches Prinzip |
| Juli 1986 bis 2000 | Buchstabe A–L für den Monat, römische Ziffer II–XVI für das Jahr | „C VIII“ bedeutet März 1992 |
| seit 2001 | Buchstabe für den Monat, zweistellige Jahreszahl | „H 04“ bedeutet August 2004 |
Daneben verraten Scharnier, Schriftbild und Einsatz das Alter; die frühen Modelle der 1930er Jahre mit außen liegendem Scharnier gehören zu den teuersten Feuerzeugen überhaupt. Weil der Hersteller bei Reparaturen den kompletten Einsatz tauscht, stecken in alten Gehäusen häufig junge Innereien.
Dunhill: Londoner Eleganz
Das Londoner Haus Dunhill, seit 1907 Tabakhändler in der Duke Street, brachte Mitte der 1920er Jahre das „Unique“ heraus, ein Benzinfeuerzeug mit seitlichem Hebelarm für die Einhandbedienung, das auf die Tüftler Wise und Greenwood zurückging – in Silber, Gold, Leder oder japanischem Lack aus der Werkstatt Namiki. Berühmt wurden nach dem Krieg die Aquarium-Tischfeuerzeuge: Von 1949 bis Ende der 1950er Jahre gravierte und bemalte Ben Shillingford Acrylglasplatten von der Rückseite mit Fischen und Wasserpflanzen, jedes Stück ein Unikat. Mitte der 1950er Jahre folgte das Rollagas, eines der ersten Gasfeuerzeuge, das James Bond in Büchern und Filmen benutzte.
Ronson: Feuer mit einem Finger
Louis V. Aronson, Gründer der Art Metal Works in Newark, New Jersey, brachte 1926 das „Banjo“ heraus: Ein Druck auf den Hebel dreht das Rad, hebt die Löschkappe und entzündet den Docht, Loslassen erstickt die Flamme. Das automatische Feuerzeug wurde zum Welterfolg, und der Markenname Ronson, aus Aronsons Namen geschnitten, verdrängte den Firmennamen. In den 1930er Jahren folgten die Touch-Tip-Tischfeuerzeuge in Bakelit, Chrom und Emaille des Art déco, bei denen man einen getränkten Zündstab auf den Zündknopf drückt; 1941 erschien das Whirlwind mit verschiebbarem Windschutz, das die amerikanischen Soldaten neben dem Zippo begleitete.
Dupont: Lack, Gold und der Klang des Deckels
Das Pariser Haus S.T. Dupont fertigte seit 1872 Lederkoffer für eine sehr wohlhabende Kundschaft. Sein erstes Feuerzeug entstand 1941 aus Aluminium, weil Messing im Krieg nicht zu bekommen war; in den 1950er Jahren folgten Gasfeuerzeuge, die bis heute in Faverges in Savoyen gebaut werden. Sie sind schwer, präzise gefräst und mit chinesischem Lack, Guillochierung oder Vergoldung veredelt, und Kenner erkennen ein echtes Stück am hellen, lange nachklingenden Ton beim Öffnen des Deckels. Wegen der hohen Preise wird Dupont häufig nachgemacht; Gewicht, Gravurtiefe und Seriennummer sind die ersten Prüfpunkte.
Tischfeuerzeuge und Reklamefeuerzeuge
Das Tischfeuerzeug war das Statussymbol des Wohnzimmers und des Chefbüros. Es musste nicht in die Tasche passen, also durfte es schwer sein: Marmor- und Onyxsockel, Bronzefiguren, verchromte Kugeln, in den 1950er Jahren Keramik und Messing in den Formen der Nierentischzeit. Viele gehörten zu einem Rauchservice mit Zigarettenkasten und Aschenbecher. Über den Wert entscheiden die Signatur eines Herstellers oder Entwerfers und die Frage, ob der Einsatz noch der originale ist – in sehr vielen Tischfeuerzeugen steckt ein Standardbrenner in einem individuell gefertigten Gehäuse, und ein Austausch war üblich.
Das Reklamefeuerzeug ist der demokratische Gegenpol. Nach dem Zweiten Weltkrieg entdeckten Firmen aller Größen das Zippo als Werbeträger, in den frühen Jahren noch von Hand bemalt. Die Zigarettenmarken waren mit dabei: Feuerzeuge mit dem Kamel, dem Marlboro-Rot oder dem HB-Wappen gehören zu den beliebtesten Themensammlungen, weil sie Werbe- und Feuerzeuggeschichte verbinden. Die Marken hinter den Motiven dokumentiert das Markenlexikon, etwa Camel und Marlboro, die Gestaltung die Rubrik Design & Werbegeschichte.
Zigarettenetuis: Silber, Emaille, Art déco
Solange Zigaretten lose oder in weichen Hüllen verkauft wurden, brauchte man einen festen Behälter gegen das Zerdrücken, und dieser Behälter wurde vom ersten Tag an zum Schmuckstück. Ein Etui besteht aus zwei flachen Schalen mit Scharnier und Druckknopfschließe; innen hält ein federnder Bügel oder ein Gummiband je eine Reihe Zigaretten. Die Blütezeit reicht von etwa 1900 bis in die 1950er Jahre; danach machte die Klappschachtel, deren Geschichte die Seite Packungsdesign erzählt, das Etui entbehrlich. Ganz verschwunden ist es nie: Nach den großen Warnhinweisen 2003 und den Bildwarnungen 2016 stieg die Nachfrage in Europa jeweils spürbar an.
Silber und seine Punzen
Das klassische Etui ist aus Silber, innen oft vergoldet, damit der Tabak das Metall nicht anlaufen lässt. Außen zeigt es guillochierte Muster, Hammerschlag, Gravuren und aufgesetzte Monogramme in Gold. Ob ein Etui aus Silber ist, sagt nicht der Glanz, sondern die Punze – und dieselben Stempel helfen bei Herkunft und Datierung:
| Herkunft | Punze | Was sie verrät |
|---|---|---|
| Deutschland, seit 1888 | Halbmond und Krone mit Feingehalt in Tausendteilen (800, 835, 925) | 800 ist typisch für ältere, 835 und 925 für jüngere Stücke |
| Österreich-Ungarn, 1872 bis 1922 | Dianakopf mit Ziffer für den Feingehalt | Donaumonarchie, darunter die Wiener Werkstätte |
| Großbritannien | schreitender Löwe, Stadtmarke, Jahresbuchstabe, Meistermarke | Datierung auf das Jahr genau, Ort und Werkstatt bestimmbar |
| Russland bis 1917 | „84“ (Zolotnik, entspricht 875/1000), ab 1899 mit Frauenkopf im Kokoschnik | Tula-Niello, Fabergé – stark gefälscht |
| Frankreich | Minervakopf | Feingehalt 950 oder 800 |
| USA | Schriftzug „Sterling“ oder „925“ | keine staatliche Punze, die Herstellermarke entscheidet |
| Unedle Metalle | „Alpacca“, „Neusilber“, „Chrom“ – oder gar nichts | kein Silber; Zahlen wie „90“ oder „100“ sind Auflagenangaben versilberter Ware |
Die meisten „silbernen“ Etuis in Nachlässen sind verchromtes Messing, Alpacca oder poliertes Aluminium – ein Magnet entlarvt nur verchromten Stahl, nicht Messing oder Neusilber.
Art déco, Wiener Werkstätte und die Pariser Juweliere
Die 1920er und 1930er Jahre sind die große Zeit des Etuis als Kunstobjekt. In Wien entwarfen Josef Hoffmann und seine Kollegen für die Wiener Werkstätte Silberetuis mit gehämmerten Oberflächen und strengen Linien, die heute zu den gesuchtesten Stücken zählen. In Paris fertigten Cartier, Van Cleef & Arpels und Lacloche Etuis aus Gold mit geometrischen Emailflächen und Edelsteinen – Linda Porter soll ihrem Mann Cole Porter zu Premieren seiner Musicals Cartier-Etuis geschenkt haben, deren Dekor auf das jeweilige Stück anspielte. Die Masse der Art-déco-Etuis kam allerdings aus den Fabriken von Pforzheim und Birmingham: Chrom, Emaille in Schwarz, Rot und Jadegrün, Sonnenstrahlen und Zickzacklinien – erschwingliche Eleganz, die heute die Grundlage der meisten Sammlungen bildet.
Souvenir, Soldat, Widmung
Andenkenetuis mit emaillierten Alpenpanoramen und Stadtwappen waren die Postkarten der Westentasche; siamesische Etuis mit Niello-Tänzerinnen, mexikanisches Silber aus Taxco und Nielloarbeiten aus dem Nahen Osten kamen mit Reisenden und Soldaten nach Europa. Soldaten beider Weltkriege trugen Etuis in der Brusttasche, und mancher Veteran schrieb ihnen zu, eine Kugel gestoppt zu haben – belegt ist das selten, erzählt wird es gern. Gravierte Widmungen machen ein Etui zum Dokument: Sie mindern den Wert eines Schmuckstücks, erhöhen aber den eines Zeitzeugen. Zu bedenken ist außerdem das Format: Etuis der Vorkriegszeit sind auf die damals üblichen kürzeren Zigaretten zugeschnitten, heutige King-Size-Formate passen häufig nicht hinein.
Zustand beurteilen
Für Feuerzeuge und Etuis gilt: Originalität vor Glanz. Ein Stück mit ehrlichen Gebrauchsspuren und allen Originalteilen ist mehr wert als ein hochpoliertes mit erneuertem Einsatz oder Scharnier. Worauf man achtet:
- Oberfläche: Abgeriebene Verchromung mit durchscheinendem Messing gilt als Patina, solange sie gleichmäßig ist; Dellen an den Ecken deuten auf Stürze.
- Mechanik: Das Reibrad muss frei laufen und noch Zähne haben, der Deckel sauber einrasten, das Scharnier nicht wackeln; bei Etuis müssen Schließe und Bügel greifen. Bei Gasfeuerzeugen sind die Dichtungen der Schwachpunkt – ein Zischen nach dem Befüllen bedeutet Werkstatt.
- Innenleben: Ein festgebackener Zündstein ist der häufigste Schaden an Benzinfeuerzeugen aus Nachlässen; die Cer-Eisen-Legierung korrodiert und quillt, bis sie das Röhrchen sprengt. Verharzte Watte und ein verkohlter Docht sind dagegen leicht ersetzt.
- Gravuren: Entfernte Monogramme hinterlassen dünne, wellige Stellen, die man gegen das Licht sieht; nachträglich hinzugefügte „historische“ Gravuren sind der Klassiker der Fälschung.
- Zubehör: Originalkarton, Garantiekarte und der zum Gehäuse passende Einsatz machen bei gesuchten Stücken einen erheblichen Teil des Werts aus.
Restaurieren, ohne zu zerstören
Die beste Restaurierung lässt sich rückgängig machen. Silber poliert man mit dem weichen Tuch, nicht mit Paste; Niello, Emaille und Innenvergoldung gehören weder ins Tauchbad noch ins Ultraschallgerät, Beulen zum Goldschmied. Verchromung wird weder abgeschliffen noch erneuert, denn eine frische Chromschicht macht aus einem Zeitzeugen einen Nachbau. Ein Benzinfeuerzeug wieder in Gang zu setzen ist dagegen Handarbeit, die jeder lernen kann:
- Einsatz aus dem Gehäuse ziehen, Filz am Boden anheben, verharzte Watte herausnehmen und den Tank mit etwas Feuerzeugbenzin auswischen.
- Zündsteinschraube und Feder herausnehmen. Sitzt der alte Stein fest, von unten mit einem dünnen Draht vorsichtig nachschieben – Gewalt zerstört das Röhrchen.
- Reibrad mit einer Messingbürste reinigen und prüfen, ob die Zahnung noch greift; ein glatt gelaufenes Rad muss ersetzt werden.
- Verkohlte Dochtspitze abschneiden und den Docht mit der Pinzette nachziehen; ist er zu kurz, kommt ein neuer hinein, um den die Watte lagenweise gepackt wird.
- Neuen Zündstein einsetzen, Feder und Schraube eindrehen, bis das Rad spürbar am Stein reibt, aber leicht läuft.
- Watte langsam mit Feuerzeugbenzin tränken, nicht bis sie trieft; Überschuss abwischen, kurz ausdünsten lassen.
- Zünden und die Flamme beobachten: Brennt sie rußig oder unruhig, ist der Docht zu lang oder die Watte zu locker gepackt.
Praxistipp: Feuerzeuge für die Vitrine werden entleert und ohne Zündstein gelagert – Benzin verharzt, und der Stein backt binnen weniger Jahre im Röhrchen fest.
Wert und Fälschungen
Was ein Stück wert ist, entscheiden Hersteller, Seltenheit, Zustand, Originalität und eine belegbare Geschichte. Das Spektrum ist enorm: Werbefeuerzeuge und Chrometuis aus der Massenproduktion werden für kleines Geld gehandelt und bleiben lohnend, weil es auf die Vollständigkeit einer Serie ankommt. Am anderen Ende stehen frühe Zippos mit Außenscharnier, Aquarium-Tischfeuerzeuge, Etuis der Wiener Werkstätte und Arbeiten von Fabergé oder Cartier, für die auf Auktionen Beträge aufgerufen werden, die sonst Schmuck und Uhren vorbehalten sind. Dazwischen liegt die solide Markenware, in der man mit Geduld und Kenntnis noch gute Stücke findet.
Wo Geld ist, sind Fälschungen. Drei Muster kehren wieder:
- Komplette Nachbauten bekannter Modelle, vor allem von Zippo und Dupont: falsche Schriftarten im Bodenstempel, Codes, die es nie gab, zu leichte Gehäuse, Einsätze, die nicht zum Jahr passen.
- Echte Stücke mit neuer Geschichte: ein gewöhnliches Zippo der 1960er Jahre mit frischer Vietnam-Gravur, ein schlichtes Etui mit aufgelötetem Regimentsabzeichen. Frische Gravuren sind scharfkantig und hell, alte haben runde Kanten und Schmutz in den Vertiefungen.
- Falsche Herkunft: nachträglich eingeschlagene Punzen, Werkstättenmarken auf Etuis, die nie in Wien waren, Fabergé-Stempel auf Massenware. Hier hilft nur der Vergleich mit dokumentierten Stücken in Museen und Fachliteratur.
Feuerzeuge mit Brennstoff gelten im Versand und im Flugverkehr als Gefahrgut – Sammlungen reisen entleert. Die übrigen Gebiete dieser Rubrik stellt die Übersicht Sammeln rund um die Zigarette vor; den zeitlichen Rahmen liefert die Geschichte der Zigarette.
Quellen
- Feuerzeug – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Feuerzeug
- Germanisches Nationalmuseum, Objektkatalog: Döbereiner-Feuerzeug (Platinfeuerzeug) – https://objektkatalog.gnm.de/wisski/navigate/91304/view
- Zippo – Wikipedia (englisch, mit Übersicht der Bodencodes) – https://en.wikipedia.org/wiki/Zippo
- Zigarettenetui – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenetui
- On The Lighter Side – internationaler Sammlerclub für Feuerzeuge (seit 1983) – https://otls.com/
Häufige Fragen
- Wie findet man heraus, wie alt ein Zippo ist?
Über den Bodenstempel. Seit Mitte 1955 trägt jedes Zippo einen Jahrescode – zuerst Punkte, dann senkrechte Striche, Schrägstriche und umgekehrte Schrägstriche, seit Juli 1986 einen Buchstaben für den Monat und eine römische, seit 2001 eine zweistellige arabische Jahreszahl. Ältere Stücke datiert man über Patentvermerke, Scharnierbau und Schriftbild. Der Einsatz kann jünger sein als das Gehäuse, weil der Hersteller ihn bei Reparaturen tauscht.
- Ist ein „silbernes“ Zigarettenetui wirklich aus Silber?
Nur wenn es eine Feingehaltspunze trägt – in Deutschland Halbmond und Krone mit 800, 835 oder 925, in Großbritannien den schreitenden Löwen, in Österreich-Ungarn den Dianakopf. Prägungen wie „Alpacca“, „Neusilber“ oder Zahlen wie „90“ und „100“ bezeichnen unedle Legierungen oder versilberte Ware. Ein Magnet entlarvt nur verchromten Stahl, nicht Neusilber oder Messing.
- Darf man ein altes Feuerzeug noch benutzen?
Ja, und viele Sammler tun es. Benzinfeuerzeuge brauchen dafür frische Watte, einen neuen Zündstein und einen intakten Docht, Gasfeuerzeuge dichte Ventile und Dichtungen; undichte Gasfeuerzeuge gehören in die Werkstatt. Wer den Sammlerwert erhalten will, benutzt seltene Stücke nicht täglich, denn jeder Gebrauch hinterlässt Spuren an Verchromung und Reibrad.
- Mindert eine Gravur den Wert?
Das kommt auf das Stück an. Bei Schmuckobjekten wie Art-déco-Etuis oder Dupont-Feuerzeugen senkt ein fremdes Monogramm den Preis, weil Käufer ein neutrales Stück wollen. Bei Zeitzeugen – Soldatenfeuerzeugen, Reklamestücken, Etuis mit Widmung – ist die Inschrift oft der eigentliche Wert, sofern sie echt ist. Nachträglich angebrachte „historische“ Gravuren sind die häufigste Manipulation.
- Wie bewahrt man eine Sammlung richtig auf?
Trocken, ohne direktes Sonnenlicht und ohne Brennstoff: Benzin verdunstet und verharzt, alte Zündsteine korrodieren und sprengen das Röhrchen. Silber läuft durch Schwefel in der Luft an und liegt am besten in anlaufhemmendem Tuch oder säurefreiem Papier, Emaille und Lack vertragen keine Stöße. Ein Karteiblatt oder eine Datei mit Herkunft, Datum und Zustand je Stück macht die Sammlung für Nachfolger und Versicherer nachvollziehbar.