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Zigarettenautomaten und Emailleschilder
Ein Groschen fällt, die Schublade ruckt, die Packung liegt in der Hand: Der Zigarettenautomat an der Hauswand gehört zu den vertrautesten Maschinen des deutschen Alltags, und das emaillierte Reklameschild über der Ladentür war das Plakat, das jeden Regen überstand. Diese Seite erzählt die Technikgeschichte der Automaten vom ersten Münzprüfer bis zur Altersprüfung, erklärt, wie Emaille- und Blechschilder entstanden, und zeigt, worauf man beim Sammeln, Bewerten und Restaurieren achtet.
| Anfänge | 1887 erste Münzautomaten von Stollwerck, ab 1889 mit dem Münzprüfer von Max Sielaff (Patent 1887); 1893 rund 15.000 Stollwerck-Automaten |
|---|---|
| Erste Zigarettenautomaten | Wien 1899 („k. k. Tabakverschleißautomat“); als Erfinder des modernen Zigarettenautomaten gilt William Rowe, USA 1926; mechanische Wandautomaten in Deutschland seit der Zwischenkriegszeit |
| Hersteller | Sielaff (Berlin, seit 1949 Herrieden; erster Zigarettenautomat 1954), Harting (Espelkamp, elektrischer ZA 1, Ende der 1950er Jahre) und weitere Betriebe im In- und Ausland |
| Bestand | 1997 rund 815.000 Automaten in Deutschland, 2018 noch etwa 320.000 |
| Altersprüfung | seit 2007 Pflicht (Geldkarte mit Jugendschutzmerkmal, Personalausweis oder EU-Führerschein), seit 2009 Abgabe nur an Volljährige |
| Emailleschilder | Blütezeit etwa 1890 bis 1960; erstes industrielles Reklame-Emaillierwerk in Deutschland: Schulze & Wehrmann, Elberfeld (Stollwerck-Schilder ab 1893); Werke wie Boos & Hahn und Dold in Baden |
| Zustandsskala | keine einheitliche Norm; verbreitet sind Noten von 0 oder 1 (makellos) bis 5 (restaurierungsbedürftig), mit Plus und Minus oder Zwischenstufen verfeinert; Seltenheit und Motiv zählen mehr als Perfektion |
Vom Schokoladenautomaten zum Zigarettenautomaten
Tabak gegen Münzeinwurf ist älter als die Zigarette. In englischen Wirtshäusern standen schon im frühen 17. Jahrhundert „honesty boxes“: Kästen mit Pfeifentabak, die sich nach dem Einwurf einer Münze öffneten und darauf vertrauten, dass der Gast nur eine Pfeife füllte. Ein Mechanismus, der Ware und Bezahlung wirklich verknüpfte, kam erst mit dem Industriezeitalter: 1883 erhielten Emil Wirba und Ferdinand Uecker ein Reichspatent für einen „automatischen Verkaufsbehälter für Cigarren“, bei dem die Münze eine Sperre löste und eine Schaufelwalze die Zigarre ausgab.
Den Durchbruch brachte in Deutschland aber nicht der Tabak, sondern die Schokolade. Der Kölner Fabrikant Ludwig Stollwerck hatte 1886 in Amerika Verkaufsautomaten gesehen und ließ ab 1887 eigene aufstellen, zuerst das Modell „Rhenania“. Für den Nachfolger „Merkur“, der ab 1889 in Betrieb ging, kamen die gusseisernen Gehäuse von Theodor Bergmann aus Gaggenau, das entscheidende Teil – ein Münzprüfer, der Falschgeld und Hosenknöpfe zuverlässig aussortierte – vom Berliner Ingenieur Max Sielaff, der schon am 9. Juni 1887 das Patent für seinen „selbstthätigen Verkaufsapparat“ erhalten hatte. Die Automaten standen bald zu Tausenden in Bahnhöfen und Gasthäusern; 1893 zählte man rund 15.000 Stollwerck-Automaten. Mitte der 1890er Jahre übernahm eine eigene Automatengesellschaft in Köln Bau, Aufstellung und Wartung – das Geschäftsmodell des Aufstellers war geboren, lange bevor die erste Zigarettenpackung aus einem Schacht fiel.
Der erste belegte öffentliche Zigarettenautomat hing am 19. April 1899 in Wien-Ottakring: ein „k. k. Tabakverschleißautomat“ mit zwölf Fächern, darunter die Marke Memphis, jedes mit eigenem Einwurf. Als Erfinder des modernen Zigarettenautomaten gilt in vielen Darstellungen der Amerikaner William Rowe mit einem Apparat von 1926. In Deutschland kamen in der Zwischenkriegszeit kompakte Wandautomaten für wenige Sorten auf – rein mechanisch, mit einem Einwurf je Sorte und einem Zugschieber, der die Packung aus dem Schacht holte. Die Geräte hingen in Gaststätten, an Bahnhöfen und vor Tabakläden und verkauften nach Ladenschluss weiter.
Der Automat an der Hauswand: ein deutsches Straßenbild
Was den deutschen Zigarettenautomaten von seinen Verwandten anderswo unterscheidet, ist der Standort: draußen, an der Hauswand, an der Straßenecke, rund um die Uhr zugänglich. Dieses Bild entstand nach dem Krieg. Die 1949 im fränkischen Herrieden neu gegründete Firma Sielaff begann mit der Reparatur alter Stollwerck-Automaten; 1954 folgte ihr erster Zigarettenautomat, nach eigener Darstellung der Durchbruch am Markt. Harting in Espelkamp, das nach dem Krieg mit Kochplatten und Bügeleisen begonnen hatte und später auch Musikboxen baute, brachte Ende der 1950er Jahre mit dem ZA 1 einen elektrischen Zigarettenautomaten heraus. Aus diesen und weiteren Werken kamen die Kästen, die zum Stadtmöbel wurden.
Das Geschäftsmodell beteiligte alle: Ein Aufsteller – ein spezialisiertes Unternehmen oder ein Tabakwarengroßhändler – stellte das Gerät, füllte es nach und leerte die Kasse; Hauseigentümer, Gastwirt oder Ladeninhaber gaben die Wand her und erhielten eine Provision nach Absatz. Für die Marken war der Automat ein Schaufenster mit beleuchteten oder emaillierten Werbeblenden, und die Reihenfolge der Sorten wurde verhandelt wie ein Regalplatz. Der Automat prägte sogar die Packung: Weil ein Gerät über Jahre mit einem festen Münzbetrag arbeitete, änderten die Hersteller lieber die Stückzahl als den Preis – nachzulesen unter Packungsdesign und am Beispiel von Ernte 23.
In den 1990er Jahren war das Netz am dichtesten: 1997 standen bundesweit rund 815.000 Zigarettenautomaten. Danach dünnte es sich rasch aus, 2006 auf etwa eine halbe Million, 2018 auf rund 320.000 – Folge der Altersprüfung seit 2007, der Rauchverbote in Gaststätten, sinkender Raucherzahlen und eines Zahlungsverkehrs ohne Kleingeld. In Österreich hängt der Automat neben der Trafik, in Italien vor dem Tabacchi-Laden; Japan band den Kauf an eine Alterskarte, im Vereinigten Königreich ist der Automatenverkauf verboten, in England seit 2011, in den übrigen Landesteilen seit 2012 beziehungsweise 2013. Der frei zugängliche Straßenautomat ist eine mitteleuropäische Besonderheit geblieben – ein Stück Alltagsarchitektur, das Fotografen heute so systematisch dokumentieren wie Telefonzellen.
Wie ein Zigarettenautomat funktioniert
Das Herz jedes klassischen Automaten ist der Schacht: ein senkrechter Kanal, in dem die Packungen einer Sorte übereinanderliegen und mit dem eigenen Gewicht nachrutschen. Ein mechanischer Automat der 1950er bis 1970er Jahre hat für jede Sorte einen Schacht mit eigenem Münzeinwurf und eigener Zugschublade. Stimmt der Betrag, gibt die Münzmechanik den Schieber frei; zieht man ihn heraus, nimmt er die unterste Packung mit und schiebt sie in die Ausgabe. Beim Zurückdrücken fallen die Münzen in die Kasse, der Stapel rutscht nach, und ist der Schacht leer, kippt ein Schild ins Sichtfenster. Strom braucht diese Konstruktion nicht – deshalb blieb der Zigarettenautomat noch lange ein großes Einsatzgebiet des rein mechanischen Münzprüfers.
Der Münzprüfer ist ein Stück Feinmechanik: Schlitze und Anschläge messen Durchmesser und Dicke, eine Rollbahn prüft Gewicht und Lauf, ein Magnet zieht Eisenscheiben aus der Bahn. Jeder Prüfer ist auf feste Münzwerte gebaut, ein Umbau ist aufwendig – bei der Euro-Einführung 2002 betraf das hunderttausende Geräte. Elektronische Prüfer, die Münzen per Induktion an ihren Materialeigenschaften erkennen, kamen 1972 zuerst in Fahrkartenautomaten zum Einsatz und wanderten als batteriebetriebene Ausführungen später auch in den Zigarettenautomaten. Die elektrischen Geräte seit den 1960er Jahren ersetzten die vielen Schieber durch einen zentralen Einwurf, Wahltasten und Ausgabemotoren; die beleuchtete Front zeigte die Sorten als Leuchtfelder.
Seit 2007 kommt die Altersprüfung hinzu. Bis Anfang 2007 musste jeder öffentlich zugängliche Automat so nachgerüstet sein, dass Jugendliche nichts entnehmen können. Die Branche setzte auf das Jugendschutzmerkmal im Chip der bankgebundenen Geldkarte; alternativ liest das Gerät das Geburtsdatum vom Personalausweis oder EU-Führerschein und prüft die Echtheit des Dokuments an optischen Merkmalen. Seit 2009 gibt der Automat nur noch an Volljährige ab, inzwischen werden auch kontaktlose Karten und die Freigabe per Smartphone erprobt. Ein typisches Gerät aus den 2000er Jahren zeigt den Stand: eine Reihe von Wahltasten, ein zentraler Einwurf und daneben der Kartenleser.
| Generation | Bauart | Kennzeichen |
|---|---|---|
| 1890er bis 1930er | Guss- und Blechgehäuse, mechanisch | Ein Einwurf je Fach, Drehknopf oder Schieber, verzierte Gehäuse, meist in Innenräumen |
| 1950er bis 1970er | Mechanischer Wandautomat | Je Sorte Schacht, Einwurf und Zugschublade; Werbeblenden; ohne Strom; Hauswand als Standort |
| 1960er bis 1990er | Elektrischer Automat | Zentraler Einwurf, Wahltasten, Leuchtfront, Rückgeld, elektronischer Münzprüfer |
| seit 2007 | Automat mit Altersprüfung | Kartenleser für Geldkarte, Ausweis oder Führerschein, Display, bargeldlose Zahlung |
Alte Automaten sammeln und restaurieren
Zigarettenautomaten sind ein junges, aber dankbares Sammelgebiet: in großer Zahl gebaut, in Kellern und Scheunen überliefert, und mit dem Rückbau des Netzes gelangen laufend weitere in private Hände. Gesucht sind die seltenen Wand- und Thekenautomaten der Vorkriegszeit, die als Industriedesign gehandelt werden, die mechanischen Hauswandautomaten der 1950er und 1960er Jahre mit Zugschubladen und Werbeblenden – das klassische Objekt für Werkstatt, Kneipe oder Wohnzimmer – und die elektrischen Geräte der 1970er und 1980er Jahre mit Leuchtfront. Ein Nebengebiet sind die Sortenschilder und Werbeblenden aus Emaille, Glas oder Kunststoff aus den Fronten, die wenig Platz brauchen.
Vor der Übernahme lohnt ein nüchterner Blick: Ist der Schlüssel da, oder muss ein Schlosser das Zylinderschloss ersetzen? Sind Schächte und Schieber vollständig? Auf welche Münzen ist der Prüfer eingestellt – Pfennig und Mark, Euro, eine Fremdwährung? Wie stark hat der Standort im Freien dem Blech zugesetzt? Ein Gerät aus einem Gastraum ist meist besser erhalten als eines, das Jahrzehnte im Regen hing. Beim Restaurieren gilt, was für alle Reklameobjekte gilt: bewahren statt erneuern.
- Bestandsaufnahme: Typenschild, Hersteller, Baujahr und Zustand notieren, alle Seiten fotografieren, bevor man eine Schraube löst.
- Reinigen: Wasser, milde Seife, weiche Tücher; keine Scheuermittel, keine Lösungsmittel auf bedruckten Blenden.
- Mechanik: Verharztes Öl lösen, sparsam neu ölen, Federn und Schieber prüfen, nichts mit Gewalt bewegen.
- Münzprüfer: Mit Originalmünzen – alte Pfennig- und Markstücke sind leicht zu beschaffen – oder mit Wertmarken betreiben, statt den Prüfer umzubauen.
- Rost und Lack: Losen Rost entfernen, blanke Stellen konservieren, die alte Lackierung mit ihren Gebrauchsspuren belassen.
- Elektrik und Montage: Leitungen und Leuchtstoffröhren von einer Fachkraft prüfen lassen; ein Wandautomat wiegt leicht so viel wie ein Erwachsener, die Befestigung muss das tragen.
Praxistipp: Zu Hause ist ein alter Automat ein Möbelstück, kein Verkaufsgerät. Wer ihn mit Ware befüllt und öffentlich zugänglich aufstellt, betreibt ein anzeigepflichtiges Gewerbe und unterliegt Jugendschutz und Tabaksteuerrecht – die Grundzüge stehen unter Recht. Für die Vitrine genügen leere Packungen in den Schächten, die als eigenes Sammelgebiet ohnehin dazugehören.
Emailleschilder: das Dauerplakat aus Glas und Stahl
Auch die Geschichte des Emailleschilds beginnt bei Ludwig Stollwerck. Papierplakate hielten im Freien wenige Wochen; Stollwerck wollte ein „witterungsbeständiges Dauerplakat“ und ließ 1893 bei Schulze & Wehrmann in Elberfeld, dem ersten industriellen Emaillierwerk für Reklameschilder in Deutschland, die ersten Schilder fertigen. Um 1900 hing Emaille an jeder Hauswand, jedem Bahnhof, jeder Ladentür – Zeitgenossen sprachen von der „Blechpest“. Vorläufer gab es in England, wo Benjamin Baugh 1859 das Emailleschild hatte patentieren lassen und 1889 bei Birmingham eine der ersten Fabriken eigens dafür gegründet hatte. Die Blütezeit reicht von etwa 1890 bis 1960: Der Zweite Weltkrieg mit seiner Metallknappheit unterbrach die Produktion, danach verdrängten bedrucktes Blech, Kunststoff und Leuchtreklame das schwere, teure Emailleschild nach und nach.
Deutschland besaß eine eigene Industrie dafür. Zu den bekanntesten Werken zählen Boos & Hahn in Ortenberg bei Offenburg, seit den 1920er Jahren dort ansässig und bis in die 1990er Jahre in Betrieb, sowie das Ätz- und Emaillierwerk C. Robert Dold in Offenburg mit der Marke „Ferro-Email“. Ihre Firmenstempel am unteren Rand sind für Sammler Datierungs- und Echtheitshinweis. Die Entwürfe kamen aus Reklameateliers, gelegentlich von namhaften Grafikern – dieselbe Welt wie die Plakatkunst der Marken in der Rubrik Design & Werbegeschichte.
Wie ein Emailleschild entsteht
Emaille ist Glas, auf Stahl aufgeschmolzen. Ein Stanzwerk schneidet die Schilder aus kräftigem Stahlblech, bördelt die Ränder und stanzt die Schraubenlöcher. Das entfettete Blech erhält eine dunkle Grundemaille, eingebrannt bei Temperaturen um 800 Grad, dann eine Deckemaille als Fond, meist Weiß, Blau oder Rot. Das Motiv entsteht Farbe für Farbe: Über Schablonen wird Emaillepulver oder -schlicker aufgetragen, und jede Farbe wird einzeln gebrannt. So entsteht der leicht erhabene Schichtaufbau, den man mit dem Finger spürt und der ein Original vom Nachdruck unterscheidet. Feine Verläufe, etwa in Gesichtern, kamen lithografisch oder als Abziehbild aufs Schild, nach dem Krieg auch im Siebdruck. Die Rückseite blieb schlicht emailliert, oft dunkelblau, grau oder schwarz; gewölbte Schilder, von denen der Regen ablief, und Messingösen in den Löchern sind Kennzeichen der frühen Jahre.
Motive aus der Welt der Zigarette
Die Zigarettenfabriken gehörten zu den eifrigsten Auftraggebern, denn ihre Ware wurde in tausenden kleinen Läden verkauft, und das Schild an der Tür sagte dem Passanten, welche Marke es hier gab. Aus Kaiserzeit und 1920er Jahren stammen die Schilder der Dresdner Orientzigaretten wie „Salem Aleikum“ mit ihren orientalischen Motiven, die Schilder von Eckstein, der Berliner Marken Manoli und Juno und der Kölner Overstolz aus dem Haus Neuerburg. Die Nachkriegszeit brachte die kleineren, nüchterneren Schilder der Wirtschaftswundermarken – HB, Ernte 23, Reval, Roth-Händle –, oft als Türschild, Thermometerschild oder Hinweistafel „Hier Zigaretten“. Für den Wert zählen Motiv, Grafik, Größe und Seltenheit: Ein figürliches Schild mit Werbefigur oder Porträt aus der Zeit vor 1930 steht weit über einem reinen Schriftschild der 1950er Jahre.
Blechschilder: die leichtere Schwester
Neben der Emaille gab es von Anfang an das bedruckte Blech. Der Blechdruck – Lithografie auf verzinntem oder lackiertem Stahlblech – diente seit dem späten 19. Jahrhundert für Dosen, Schilder und Aufsteller. Blechschilder waren billiger und leichter, erlaubten Halbtöne und fotografische Motive, hielten im Freien aber nur wenige Jahre, weil der Lack kreidete und das Blech an jedem Kratzer rostete. In gutem Zustand sind sie deshalb heute seltener, als ihre Massenauflage vermuten lässt. In den 1950er und 1960er Jahren übernahm das geprägte, im Offsetdruck bedruckte Blechschild die Rolle der Emaille als Standard der Außenwerbung, ehe Kunststoff und Neonschrift auch ihm den Rang abliefen. Man erkennt es am dünnen, biegsamen Material, an der Oberfläche ohne Glasschicht und daran, dass Kratzer bis aufs Metall gehen, statt muschelförmig auszubrechen.
Zustand beurteilen: die Skala der Sammler
Emaille ist Glas, und Glas bricht. Typische Schäden sind Abplatzer an den Schraubenlöchern und am Rand, Rost an den offenen Stellen, Einschusslöcher aus den Kriegsjahren, verblasste Farben – vor allem Rot – nach Jahrzehnten in der Sonne und Verbiegungen durch unsachgemäße Demontage. Sammler und Auktionshäuser benoten den Erhaltungszustand meist von 0 oder 1 (makellos) bis 5, verfeinert durch Plus, Minus oder Zwischenstufen; eine verbindliche Norm gibt es nicht. Auf der verbreiteten Skala ab 0 gilt etwa:
| Zustand | Beschreibung |
|---|---|
| 0 | Makellos, voller Glanz, keine Abplatzer – praktisch nur bei Lagerfunden |
| 1 | Kleine Abplatzer nur an den Bohrlöchern oder am Rand, Motiv unberührt |
| 2 | Größere Rand- oder Eckschäden, vereinzelt kleine Fehlstellen im Motiv |
| 3 | Mehrere Schäden im Motiv, Oberfläche matt oder Farben verblasst |
| 4 | Schwere Schäden, die den Gesamteindruck stören, Rost, Verbiegungen |
| 5 | Fragment oder Schild, das nur restauriert Bestand hat |
Ein Schild in Zustand 2 mit seltenem Motiv ist meist mehr wert als ein makelloses Allerweltsschild; Seltenheit und Grafik wiegen schwerer als Perfektion. Bei der Pflege gilt Zurückhaltung: lauwarmes Wasser, milde Seife, weiches Tuch; Rost an Abplatzern lässt sich mit etwas Wachs oder Öl stillhalten. Fehlstellen mit Lack zu schließen ist üblich, damit ein Schild an der Wand ruhiger wirkt, muss beim Weitergeben aber genannt werden – ein restauriertes Schild ist eine eigene Kategorie mit eigenem Preis.
Reproduktionen und Fälschungen erkennen
Seit Emailleschilder Sammlerpreise erzielen – für Raritäten werden Beträge gezahlt, die man sonst von Gemälden kennt –, gibt es Nachbildungen in großer Zahl. Die meisten sind ehrliche Dekoration; problematisch wird es, wenn sie mit künstlicher Alterung als Original angeboten werden. Woran man das Original erkennt:
- Gewicht: Originale bestehen aus kräftigem Stahlblech und sind schwer; Nachbildungen sind meist dünn und leicht.
- Schichtaufbau: Beim Original liegen die Farben als spürbare Stufen übereinander; beim Nachdruck ist die Fläche glatt, das Motiv liegt „unter Glas“ oder ist schlicht bedruckt.
- Raster: Unter der Lupe zeigt ein gedrucktes Motiv das gleichmäßige Punktraster moderner Verfahren; Schablonenemaille hat glatte, leicht weiche Kanten.
- Alterung: Echte Abplatzer haben scharfe, muschelförmige Ränder und Rost mit Tiefe; aufgedruckte „Roststellen“ sind flach und sitzen oft symmetrisch an unwahrscheinlichen Stellen.
- Rückseite und Rand: Originale zeigen eine emaillierte, meist dunkle Rückseite mit Brennspuren und einen gebördelten Rand; Nachbildungen sind hinten weiß, glänzend oder blank.
- Herstellermarke: Stempel wie die von Boos & Hahn oder Dold sitzen beim Original in der Emaille; tragen Nachbildungen Stempel, hilft der Vergleich mit belegten Stücken.
- Format und Herkunft: Bekannte Motive wurden in festen Größen gefertigt, ein Kleinformat ist meist ein Nachdruck; ein Schild mit belegter Fundgeschichte ist die beste Versicherung.
Museumsbestände und Sammlerkultur
Wer ein Auge entwickeln will, sollte Originale in Ruhe betrachten. Das Deutsche Automatenmuseum auf Schloss Benkhausen in Espelkamp zeigt aus der seit 1985 gewachsenen Sammlung der Unternehmerfamilie Gauselmann rund 200 von etwa 1.800 Münzautomaten aus den 1880er bis 1980er Jahren, mit einer eigenen Abteilung für Warenautomaten, in Führungen auch in Funktion. Das Technoseum in Mannheim besitzt eine umfangreiche Sammlung von Emaille- und Blechschildern und eine Reihe von Warenautomaten; die „Galerie der Objekte“ auf der Website des Hauses gibt einen ersten Eindruck. Dazu kommen Heimat- und Handwerksmuseen mit einzelnen Automaten und Schildern ihrer Region sowie die Objektdatenbanken der Museumsverbünde mit Typen, Maßen und Datierungen.
Die Literatur ist überschaubar: Axel Riepenhausens „Blechplakate“ (1979) und Sylke Wunderlichs „Das große Buch der Emailplakate“ (1997) sind die Standardwerke zum Schild; die Geschichte des Zigarettenautomaten hat Gerhard Wagemann unter dem Titel „Vom ZA1 zum Variotec“ (2003) aufgeschrieben. Man trifft sich auf Reklame- und Sammlerbörsen, wo Automaten, Schilder, Blechdosen und Packungen nebeneinanderliegen – was rund um die Zigarette gesammelt wird, hängt am Ende zusammen.
Quellen
- Zigarettenautomat – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Zigarettenautomat
- Emailleschild – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Emailleschild
- Deutsches Automatenmuseum, Sammlung Gauselmann, Espelkamp – https://deutsches-automatenmuseum.de/
- Technoseum Mannheim – Galerie der Objekte (Emaille- und Blechschilder) – https://www.technoseum.de/sammlung/galerie-der-objekte/
- Bundesverband Deutscher Tabakwaren-Großhändler und Automatenaufsteller (BDTA) – https://www.bdta.de/
Häufige Fragen
- Seit wann gibt es Zigarettenautomaten in Deutschland?
Münzautomaten verbreiteten sich in Deutschland ab 1887, als Ludwig Stollwerck Schokolade über Automaten verkaufen ließ; ab 1889 arbeiteten seine Geräte mit dem Münzprüfer von Max Sielaff. Reine Zigarettenautomaten kamen in der Zwischenkriegszeit auf; der frei zugängliche Automat an der Hauswand wurde in den 1950er und 1960er Jahren zum Straßenbild.
- Warum muss man am Zigarettenautomaten eine Karte einstecken?
Seit 2007 müssen öffentlich zugängliche Automaten das Alter prüfen, seit 2009 geben sie nur an Volljährige ab. Der Automat liest das Jugendschutzmerkmal im Chip der Geldkarte oder das Geburtsdatum vom Personalausweis oder EU-Führerschein; erst danach nimmt er Geld an.
- Darf man einen alten Zigarettenautomaten zu Hause aufhängen?
Als Dekoration ja – ein alter Automat ist dann ein Möbelstück wie eine Musikbox. Wer ihn mit Ware befüllt und für andere zugänglich betreibt, wird zum Gewerbetreibenden und muss Jugendschutz und Tabaksteuerrecht beachten. Für die Vitrine genügen leere Packungen in den Schächten.
- Woran erkennt man ein originales Emailleschild?
Am Gewicht des kräftigen Stahlblechs, am spürbaren Schichtaufbau der einzeln gebrannten Farben, an der emaillierten, meist dunklen Rückseite mit Brennspuren und am gebördelten Rand. Nachbildungen sind leicht, glatt, zeigen unter der Lupe ein Druckraster und tragen oft aufgedruckte, flache „Roststellen“.
- Was bedeutet Zustand 2 bei einem Emailleschild?
Auf der verbreiteten Skala von 0 bis 5 steht Zustand 2 etwa für ein Schild mit größeren Rand- oder Eckschäden und vereinzelten kleinen Fehlstellen im Motiv – eine häufige Erhaltung bei Schildern, die Jahrzehnte im Freien hingen. Einheitlich sind die Skalen nicht: Manche beginnen bei 1, Plus und Minus oder Zwischenstufen wie „2–3“ verfeinern die Einstufung, und im Zweifel sagt die Beschreibung der einzelnen Schäden mehr als die Note.