Haus Bergmann
Haus Bergmann gehört zu den Dresdner Zigarettenfabriken, deren Werbung man bis heute in Museen und Archiven begegnet: Plakate des Essener Grafikers Wilhelm Poetter, Sammelalben mit Bildern von Walter Trier, eine eigene Reklameflugstaffel und ein Deltaflugzeug, das sich als kaum fliegbar erwies. Die Seite zeichnet nach, wie die Firma der Brüder Bergmann in Essen entstand und nach Dresden zog, welche Marken sie führte, wie sie 1932 an British American Tobacco kam und warum ihr Name in den zwei Buchstaben HB weiterlebt.
| Gegründet | 17. August 1923 in Essen als AG (Carl und Siegmund Bergmann, Abraham Levin); Sitz ab 1926 Dresden; 1937 in eine GmbH umgewandelt |
|---|---|
| Standorte | Essen (Sitz 1923–1926); Dresden (Zweigniederlassung ab 1924, Sitz ab 1926): Industriegelände an der Planitzstraße (1928), Anfang der 1930er Jahre Bärensteiner Straße 16/18 in Striesen (Bau um 1910, Kulturdenkmal) |
| Eigentümer | Carl und Siegmund Bergmann (mit Abraham Levin); 1932 Erwerb durch British American Tobacco; nach der Enteignung der Brüder Bergmann 1940 ganz bei der BAT (Deutschland) GmbH, Hamburg; Dresdner Betriebe ab 1949 unter Treuhandverwaltung, 1959 liquidiert |
| Marken | Haus Bergmann Privat, Gildehof, Klasse, Orienta (ab 1929), Extra, Broadway, Pigalle, Marko, Selecta, Stambul |
| Werbung | Firmenzeichen und Plakate von Wilhelm Poetter (Essen); Reklameflugstaffel, Gildehof-Flugtag 1931, Werbeflugzeug Fieseler F 3 „Wespe“ (1932); Ufa-Werbefilme 1938/39 |
| Sammelalben | u. a. Bergmanns Bunte Bücher (Walter Trier, um 1930–1934), Schöne Menschen aus aller Welt (1933), Deutscher Ruhm und Wild-West-Bilder (um 1934) |
| Nachleben | Name nach 1945 von BAT in Hamburg weitergeführt; Namensgeber der 1955 eingeführten Marke HB |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: von Essen nach Dresden
Die Haus Bergmann Zigarettenfabrik AG wurde am 17. August 1923 in Essen gegründet, von den Brüdern Carl und Siegmund Bergmann und von Abraham Levin, der seinen Essener Zigarettenbetrieb einbrachte. 1924 kam eine Zweigniederlassung in Dresden hinzu, 1926 verlegte die Firma ihren Sitz dorthin. Dresden war damals eine Hochburg der deutschen Orientzigarette, 1931 verarbeiteten die Fabriken der Stadt rund 12.000 Tonnen Orienttabak (siehe Geschichte und Orient und Balkan). 1928 führte das Mitgliederverzeichnis des Deutschen Werkbunds die Firma mit einer Adresse im Dresdner Industriegelände an der Planitzstraße; Anfang der 1930er Jahre saß sie in einem um 1910 errichteten Fabrik- und Verwaltungsbau an der Bärensteiner Straße 16/18 in Striesen. Bereits 1929 erhielt Haus Bergmann per Vertrag die alleinigen Herstellungsrechte für die Orienta-Zigaretten der 1927 gegründeten Zigarettenfabrik Orienta; deren Nachfolgerin, die Orienta GmbH, wurde 1939 hundertprozentige Tochter.
1932 kaufte British American Tobacco (BAT) das Unternehmen und baute es zum Hauptstandort seiner Produktion in Deutschland aus. Absatzzahlen sind nicht bekannt; Marktführer war Mitte der 1930er Jahre Reemtsma mit rund zwei Dritteln der deutschen Zigarettenproduktion. Die Fertigung in Dresden lief weiter, wie Lohntüten aus dem Jahr 1938 im Stadtmuseum Dresden und Packungen der Jahre 1939 bis 1945 belegen; von 1941 bis 1943 erschien die Werkzeitschrift „Du und Dein Werk“. Bei den Luftangriffen im Februar 1945 wurde das Werk zu drei Vierteln zerstört und danach wieder aufgebaut; bis 1949 arbeitete es vor allem für sowjetische Auftraggeber, dann wurde es als ausländisches Eigentum treuhänderisch verwaltet und an die VVB Tabak verpachtet. Der Bau in Striesen steht heute unter Denkmalschutz.
Carl Bergmann und die Villa in Blasewitz
Vom Selbstverständnis der Gründer erzählt die Villa von Carl Bergmann an der damaligen Emser Allee 37 in Blasewitz, deren begonnenen Rohbau Bruno Paul 1928/29 übernahm und samt Einrichtung gestaltete. Am Kamin zeigte ein Relief von Waldemar Raemisch den Fabrikationsgang der Zigarette; die Kaminplatte entwarf Wilhelm Poetter, der für das Unternehmen auch Reklame und Packungen gestaltete. Heute ist die Villa, Goetheallee 37, ein Kulturdenkmal und Sitz der Architektenkammer Sachsen.
Sortiment: Privat, Gildehof, Klasse
Haus Bergmann stellte den Firmennamen als Dachmarke über seine Sorten; auf den Packungen stand etwa „Haus Bergmann Privat“ oder „Haus Bergmann Gildehof“. Über die Mischungen ist wenig bekannt: Eine Gildehof-Schachtel nennt im Deckel die „Mischungs-Nr. 77“, und die Orienta wurde um 1950 als reine Orientzigarette ohne Filter im runden Format beworben. Gut dokumentiert sind dagegen die Packungen, viele davon in Museen (siehe Packungen sammeln).
| Marke | Belege | Besonderheit |
|---|---|---|
| Haus Bergmann Privat | Packungen zu 3, 10, 12 und 25 Stück | Plakat „Edelblatt-Auslese“ von Poetter (um 1935), zwei Werbefilme 1938/39 |
| Gildehof | Packungen zu 10, 12, 25 und 50 Stück, Werbeaufsteller | Wertmarken im Deckel, Plakat von Poetter (1935–1938), Flugtag 1931 |
| Klasse | Packungen zu 10 und 25 Stück | Plakat „Neu – Haus Bergmann Klasse“ von Poetter |
| Orienta | ab 1929 von Haus Bergmann hergestellt, 1939 Tochterfirma | eigenes Sammelalbum um 1934; um 1950 von BAT neu eingeführt |
| Extra, Broadway, Pigalle, Marko, Selecta, Stambul | einzelne Packungen in Museen oder Nennung in Firmenübersichten | wenig dokumentiert |
Werbung und Design: Poetter, Plakate und Trickfilme
Das Gesicht der Firma prägte der Essener Grafiker Wilhelm Poetter (1885–1945). Seit den 1920er Jahren bildeten zwei von ihm im Profil stilisierte, rauchende Köpfe das Firmenzeichen, das sogenannte Doppelkopf-Logo; eine Sammlerbeschreibung datiert den Entwurf auf 1923 und verweist auf seine Nähe zum Signet des Bauhauses. Von Poetter stammen auch mehrere Plakate, die heute unter anderem das Deutsche Historische Museum, das Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg und das Bayerische Hauptstaatsarchiv verwahren. Die Mitgliedschaft im Deutschen Werkbund passt zu diesem Anspruch an Gestaltung (siehe Packungsdesign).
Anfang der 1930er Jahre leitete der Kulturjournalist Helmut Jaro Jaretzki die Reklameabteilung. Aus den Jahren 1938/39 sind zwei kurze Werbefilme der Ufa für Haus Bergmann Privat überliefert. In „Inspiration“ von Hans Fischerkoesen hat ein Vogelmännchen erst Erfolg bei den Vogeldamen, nachdem es über einen rauchenden Menschen geflogen ist; in „Ein appetitlich frisches Abenteuer“ von Ewald von Tresckow hebt ein Buchhalter nach einer Zigarettenpause buchstäblich ab. Eine direkte Linie zum HB-Männchen, das zwei Jahrzehnte später in die Luft ging, ist nicht belegt (siehe Werbung in Kino und Fernsehen).
Reklame am Himmel: Flugtage und die „Wespe“
Ab 1930 leitete der Kasseler Pilot Kurt Katzenstein zusammen mit H. Wackwitz eine Reklameflugstaffel der Firma. 1931 veranstaltete Haus Bergmann in Dresden den „Gildehof-Flugtag“ mit Elly Beinhorn, Vera von Bissing und Gerhard Fieseler; Szenen eines Dokumentarfilms zeigen Direktor Carl Bergmann mit Fieseler und Oberbürgermeister Wilhelm Külz mit Elly Beinhorn.
Für den Europarundflug 1932 bestellte die Firma bei Fieseler in Kassel drei auffällige Werbeflugzeuge. Die Rhön-Rossitten-Gesellschaft konstruierte dafür unter Alexander Lippisch einen schwanzlosen Deltaflügler mit zwei Motoren in Tandemanordnung, die F 3 „Wespe“. Beim ersten Abheben im Mai 1932 ging die Maschine zu Bruch; auch nach Umbauten blieb sie für gewöhnliche Piloten kaum beherrschbar und erhielt keine Lufttüchtigkeitserklärung.
Sammelbilder und Alben
Für Sammler ist Haus Bergmann vor allem eine Adresse für Bilderalben (siehe Zigarettenbilder und Sammelalben). Die Deutsche Nationalbibliothek verzeichnet unter anderem:
| Album | Datierung | Besonderheit |
|---|---|---|
| Bergmanns Bunte Bücher, Buch 1 bis 3 | um 1930 bis um 1934 | Bilder von Walter Trier, Texte von Fred A. Colman, einem Pseudonym Jaretzkis |
| Schöne Menschen aus aller Welt | 1933 | Buch 1 „Deutschland“, Buch 2 „Deutsche Stämme“, mit Fotografien |
| Wissen um Natur und Kultur | um 1933 | herausgegeben von der BAT Deutschland GmbH |
| Deutscher Ruhm | um 1934 | Kupferdruck-Bilder, u. a. „Deutsche Helden des Landheeres“ |
| Die bunte Welt des Films; Orienta-Filmbilder | um 1934 | farbige Filmbilder |
| Wild-West-Bilder; In Prärie und Urwald | um 1934/35 | Texte von Patty Frank, Verwalter des Karl-May-Museums in Radebeul |
Die Auflagen lassen die Reichweite ahnen: Buch 1 der „Bunten Bücher“ erreichte bis 1932 die 18. Auflage, Buch 3 erschien im 200. bis 250. Tausend. Beim Datieren von Packungen hilft die Steuerbanderole, die Hersteller, Stückzahl und Stückpreis nennt, etwa „Haus Bergmann AG, Dresden A 21“.
Namensherkunft und Nachleben: aus Haus Bergmann wird HB
Der Name verbindet den Familiennamen der Gründer mit dem Wort „Haus“, wie es auch das Kölner Haus Neuerburg tat, der Hersteller der Overstolz. Nach 1945 lag Dresden in der sowjetischen Besatzungszone; Namen und Marken nutzte BAT in Hamburg weiter. Um 1950 kam die Orienta in Westdeutschland wieder auf den Markt, und als BAT 1955 eine neue Filterzigarette einführte, nannte man sie nach den Initialen von Haus Bergmann HB. In einem Werbefunkspot vom Juni 1955 heißt es „Haus Bergmann präsentiert“, und unter dem roten Kegel der neuen Packung stand das Doppelkopf-Logo. Noch 1972 und 1973 erschienen Autokarten mit dem Absender „Haus Bergmann, Zigarettenfabrik“ in Hamburg.
Zeitgeschichte: Haus Bergmann nach 1933
Nach 1933 mussten mehrere Köpfe hinter der Werbung der frühen 1930er Jahre als Juden Deutschland verlassen: Helmut Jaro Jaretzki verlor seine Stellung und emigrierte 1939 in die USA, Walter Trier ging Ende 1936 nach London, Kurt Katzenstein zunächst in die Niederlande und später nach Südafrika. Auch die Firmengründer Carl und Siegmund Bergmann waren Juden; im Frühjahr 1940 wurden sie enteignet, und die BAT (Deutschland) GmbH übernahm den gesamten Betrieb, offiziell erst 1943 per Vertrag mit dem Deutschen Reich. Die Alben wandten sich nationalen Themen zu, die Werkzeitschrift sprach von der „Betriebsgemeinschaft Haus Bergmann“, und die Steuerbanderole einer Privat-Packung aus den Jahren 1939 bis 1945 trägt den Reichsadler mit Hakenkreuz.
Quellen
- Sächsisches Staatsarchiv, Hauptstaatsarchiv Dresden: Bestand 11539 Verwaltungsbetrieb Haus Bergmann Zigarettenfabrik GmbH (Firmengeschichte 1923–1959 nach Handelsregister) – https://www.archiv.sachsen.de/archiv/bestand.jsp?oid=09.23&bestandid=11539&syg_id=
- Gerhard Paul: Das HB-Männchen – Werbefigur des Wirtschaftswunders. Zeithistorische Forschungen 4 (2007) – https://zeithistorische-forschungen.de/1-2-2007/4633
- Liste von Zigarettenfabriken in Dresden – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_von_Zigarettenfabriken_in_Dresden
- Haus Carl Bergmann (Villa Goetheallee 37) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Carl_Bergmann
- Fieseler F 3 – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Fieseler_F_3
- Kurt Katzenstein – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Kurt_Katzenstein
- Helmut Jaro Jaretzki – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Helmut_Jaro_Jaretzki
- Markenlexikon brandslex.de – HB (mit Angaben zu Haus Bergmann) – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/h/markenlexikon-hb
- CIGABOX.DE: Haus Bergmann Zigarettenfabrik (Marken und Packungen) – http://cigabox.de/zigarettenfabriken/haus-bergmann-zigarettenfabrik/
- museum-digital (Staatliche Museen zu Berlin): Haus Bergmann (HB) Zigarettenfabrik, Dresden – https://smb.museum-digital.de/people/54858
- museum-digital (Museum Europäischer Kulturen): Packung Haus Bergmann Privat, 1939–1945, mit Steuerbanderole – https://smb.museum-digital.de/object/106537
- Deutsche Nationalbibliothek: Bergmanns Bunte Bücher (Bilder von Walter Trier, Text von Fred A. Colman) – https://d-nb.info/560178964
- Deutsche Nationalbibliothek: Du und Dein Werk, Werkzeitschrift der Betriebsgemeinschaft Haus Bergmann (1941–1943) – https://d-nb.info/587146680
- Deutsches Institut für Animationsfilm (DIAF): Chronologie zum deutschen Animationsfilm 1930–39 – https://www.diaf.de/forschung/chronologie-zum-animationsfilm-in-deutschland/chronologie-zum-deutschen-animationsfilm-1930-39/
- Reemtsma Cigarettenfabriken – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Reemtsma_Cigarettenfabriken
Hinweis zur Quellenlage
- Eigentümer: Haus Bergmann gehörte nicht zu Reemtsma, sondern wurde 1932 von British American Tobacco übernommen (so das Sächsische Staatsarchiv, Gerhard Paul 2007, die GND der DNB zu den BAT-Cigaretten-Fabriken, Wikipedia, brandslex, museum-digital und altesdresden.de). cigabox.de und das Freilichtmuseum Roscheider Hof nennen 1931; diese Angabe ist überholt und steht deshalb nicht im Text. In den Übernahmelisten zu Reemtsma (Wikipedia) taucht die Firma nicht auf. Die meisten Alben stammen aus den Jahren 1932 bis 1935, also bereits aus der BAT-Zeit. Das Staatsarchiv bezeichnet die Brüder Bergmann für 1940 dennoch als „rechtmäßige Besitzer“; wie die Anteile zwischen 1932 und 1940 verteilt waren, geht aus den ausgewerteten Quellen nicht hervor.
- Gründung: Nach der Beständeübersicht des Sächsischen Staatsarchivs (Hauptstaatsarchiv Dresden, Bestand 11539, nach dem Handelsregister) wurde die AG am 17. August 1923 mit Sitz in Essen gegründet; Abraham Levin brachte seinen Essener Zigarettenbetrieb ein. Neben Niederlassungen in Berlin und Hamburg bestand seit dem 11. Januar 1924 eine Zweigniederlassung in Dresden, am 2. März 1926 wurde der Sitz nach Dresden verlegt; die Umwandlung in eine GmbH wurde am 24. September 1937 beschlossen und am 1. Oktober 1937 eingetragen. Die Angabe „1920 in Dresden“ stammt von cigabox.de, auf das sich die Wikipedia-Liste der Dresdner Zigarettenfabriken und das Stadtwiki Dresden berufen; sie ist durch die Handelsregisterangaben widerlegt. brandslex nennt zwar 1923, aber Dresden als Gründungsort; der Wikipedia-Artikel zu Jaretzki nennt die AG ohne Beleg „seit 1925 in Dresden ansässig“.
- Name des Bruders: Das Staatsarchiv nennt ihn Siegmund, an anderer Stelle Sigmund, der Wikipedia-Artikel zur Villa „Siegmund (Sindel)“, die Publikation „Haus der Architekten“ der Architektenkammer Sachsen (2011) „Sindel Bergmann“. „Siegfried“ stammt von cigabox.de, auf das sich die Wikipedia-Liste beruft; brandslex und altesdresden.de schreiben ebenfalls Siegfried. Im Text steht deshalb Siegmund.
- Standorte: Die Adresse Planitzstraße im Industriegelände stammt aus dem Eintrag „DWB-Mitgliederverzeichnis 1928“ bei museum-digital; DWB wird als Deutscher Werkbund gelesen. Adressbücher (altesdresden.de) führen Haus Bergmann an der Bärensteiner Straße 16/18 für 1930, 1932, 1940 und 1942, für 1933 dort „Bergmann & Cie, Kartonnagenfabrik“ und für 1934 die Zigarettenfabrik Orienta GmbH; wer das Gebäude um 1910 errichten ließ, ist nicht belegt. Orienta: cigabox.de (und das davon abgeleitete Stadtwiki) nennt eine Übernahme der Zigarettenfabrik Orienta GmbH im Jahr 1930. Nach dem Staatsarchiv wurde die Zigarettenfabrik Orienta AG am 19. Juli 1927 in Dresden gegründet; 1929 erhielt Haus Bergmann per Herstellungsvertrag die alleinigen Herstellungsrechte für Orienta-Zigaretten, die Orienta GmbH entstand durch Gesellschaftsvertrag vom 14. März 1932 und wurde am 27. Februar 1939 hundertprozentige Tochter von Haus Bergmann. Eine Übernahme 1930 ist damit nicht haltbar.
- Firmenzeichen: Dass seit den 1920er Jahren zwei von Poetter im Profil stilisierte, rauchende Köpfe das Firmensignet bildeten, schreibt Gerhard Paul (Zeithistorische Forschungen 2007); dasselbe Zeichen zeigt Poetters Plakat für Haus Bergmann Privat um 1935. Die Datierung auf 1923 und der Bauhaus-Vergleich stammen dagegen allein aus der Beschreibung der Commons-Datei „Hans Bermann Plakat 1935.jpg“ (Sammlung Marc Wegner). Auf dem Plakat steht vor „Edelblatt-Auslese“ die Zahl 3⅓, nicht „3 1/2“ wie in der Commons-Beschreibung; im Text steht deshalb nur „Edelblatt-Auslese“.
- Jaretzki: Die Leitung der Reklameabteilung steht im Wikipedia-Artikel ohne Jahr am Ende seiner Weimarer Laufbahn; „Anfang der 1930er Jahre“ ist daraus erschlossen.
- Alben: Datierungen nach DNB, teils vom Katalog erschlossen; die Sportlerkarikaturen von Walter Trier um 1930 (Wikipedia, Artikel Walter Trier) sind keinem Album sicher zugeordnet und stehen deshalb nicht im Text.
- Werbefilme: Titel, Regie, Ufa und Inhalt nach den Datensätzen der Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung in der DDB; die Chronologie des Deutschen Instituts für Animationsfilm nennt als Zensurfreigaben den 17. Januar 1939 („Ein appetitlich frisches Abenteuer“, Ufa-Werbefilm) und den 27. Februar 1939 („Inspiration – so appetitlich frisch“, aus dem Fischerkoesen-Studio, das mit der Ufa weiter zusammenarbeitete). Ein Zusammenhang mit dem HB-Männchen ist nicht belegt. Ein Aschenbecher „Haus Bergmann Privat ‚so appetitlich frisch‘“ ist in der DDB auf „um 1960“ datiert; ob Privat nach 1945 weitergeführt wurde, ließ sich nicht klären.
- Gildehof-Flugtag: Teilnehmende nach Wikipedia (Elly Beinhorn) und den Filmstills der Deutschen Fotothek (Fieseler, Beinhorn, Carl Bergmann, Wilhelm Külz). Die Fotothek nennt Dresden-Klotzsche als Ort, der Flughafen Klotzsche wurde aber erst 1935 eröffnet, 1931 lag der Dresdner Flugplatz auf dem Heller; im Text daher nur „in Dresden“.
- Enteignung und Nachkriegszeit nach dem Staatsarchiv (Bestand 11539): Im Frühjahr 1940 wurden die jüdischen Brüder Bergmann enteignet, die Firma ging als „feindliches, polnisches, jüdisches Vermögen“ an das Deutsche Reich; die BAT (Deutschland) GmbH übernahm den gesamten Betrieb unmittelbar danach, offiziell 1943 per Vertrag mit dem Reich. Im Februar 1945 wurde das Werk bei Bombenangriffen zu 75 Prozent zerstört und danach wieder aufgebaut; bis 1949 arbeitete es hauptsächlich für sowjetische Auftraggeber. Ab Mai 1949 stand es als Auslandsvermögen unter Treuhandverwaltung, ab Oktober 1949 war es an die VVB Tabak verpachtet, die dort ihre Union-Zigarettenfabrik unterbrachte; zum 31. Dezember 1959 wurden die Haus-Bergmann-Betriebe liquidiert. Das Bundesarchiv verwahrt zudem eine Akte „Haus Bergmann Zigarettenfabrik GmbH, Dresden“ (B 218/490, Dienststelle für Auslandsvermögen, 1945), nicht eingesehen. Die Villa kam laut Architektenkammer Sachsen „nach Enteignung der Familie Bergmann“ in andere Hände; Zeitpunkt und Umstände sind unklar und stehen deshalb nicht im Text.
- Marktstellung: keine Absatz- oder Marktanteilszahlen. Den Ausbau zum Hauptstandort der BAT-Produktion in Deutschland nennt das Staatsarchiv; nach Gerhard Paul gelang BAT mit der Übernahme 1932 der Durchbruch auf dem deutschen Markt. Der Reemtsma-Anteil von rund zwei Dritteln der deutschen Zigarettenproduktion Mitte der 1930er Jahre nach Wikipedia (Reemtsma Cigarettenfabriken).
- Weitere Belege außerhalb der Quellenliste: Stadtmuseum Dresden (Lohntüten 1938) und Freilichtmuseum Roscheider Hof (Orienta-Plakat um 1950) über museum-digital; Plakate im DHM (P 90/8570, „Neu – Haus Bergmann Klasse“), im MKG Hamburg (E1975.423, „Gildehof“, 1935–1938) und im Bayerischen Hauptstaatsarchiv (Plakatsammlung 23313, 1935) sowie der Werbefunkspot vom 6. Juni 1955 (UB Regensburg, Historisches Werbefunkarchiv), jeweils über die DDB; im Katalog der DNB die übrigen Alben der Tabelle und die in Hamburg erschienenen Autokarten „Links und rechts der Autobahn“ (1972) und „HB-Karte mit den Autobahn-Entlastungsstrassen“ (1973); Wikipedia-Artikel Walter Trier, Patty Frank, Elly Beinhorn, Vera von Bissing und Flughafen Dresden.
- Sorten: Gildehof, Klasse, Marko, Orienta, Privat, Selecta und Stambul nennt cigabox.de, Privat, Gildehof, Orienta, Selecta und Stambul brandslex. Extra, Broadway und Pigalle sind durch je eine Packung im Deutschen Historischen Museum belegt (AK 94/516.3209, AK 94/516.3212 und AK 94/516.3214, über die DDB, dort „zwischen 1900 und 1930“ datiert); zu Marko, Selecta und Stambul fanden sich in der DDB keine Objekte, sie sind nur durch diese Firmenübersichten belegt.