MarkenGauloises

Gauloises Brunes

Die Gauloises Brunes sind die Erbinnen der Caporal, jener kurzen, filterlosen Zigarette aus dunklem Tabak, deren blaues Päckchen Marcel Jacno 1936 gestaltete. In Deutschland stand die dunkle Gauloises in den späten 1960er Jahren für ein nonkonformistisches Lebensgefühl; heute bildet sie den herben Gegenpol zu den hellen Blondes.

SorteGauloises Brunes, Zigaretten aus dunklem Tabak
VorgängerinGauloises Caporal, filterlos, seit 1910
Ausführungenmit und ohne Filter (laut deutschsprachiger Wikipedia)
Historische Packungblaues Caporal-Päckchen von Marcel Jacno (1936) mit dem Flügelhelm von Maurice Giot (1925)
In Deutschlandseit 1960 im Handel; in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren Zigarette der „Protestraucher“
Statusaktiv

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Charakter und Tabak

Die Gauloises Brunes führen die Linie fort, mit der die Marke 1910 begann. „Brunes“ heißt „die Braunen“ und bezeichnet Zigaretten aus dunklem Tabak, der an der Luft getrocknet und anschließend fermentiert wird; er schmeckt herber als die hellen Tabake der Blondes. Die deutschsprachige Wikipedia beschreibt die Brunes als Zigaretten aus schwarzem Tabak, hervorgegangen aus der früheren Gauloises Caporal. Die englischsprachige Wikipedia ergänzt, dass sie weniger stark sind als die alte Caporal, weil die europäischen Höchstwerte für Teer und Nikotin eine Anpassung erzwangen; der Tabak ist aber dunkel und kräftig im Geschmack geblieben. Was „tabac brun“ in Frankreich bedeutet und wie er sich vom hellen Tabak unterscheidet, erklärt die Seite Frankreich.

Von der Caporal zur Brunes

Als die Gauloises 1910 die ältere Marke „Hongroises“ ablöste, gab es sie in einer Ausführung aus dunklem Caporal- und einer aus Maryland-Tabak. Die Caporal wurde zum Klassiker: kurz, dick, filterlos und kräftig, zeitweise in Maispapier gedreht, das den Rauch zusätzlich intensivierte. Ihr Tabak stammte zum größten Teil aus Frankreich, höchstens ein Fünftel kam aus Algerien, Syrien und der Türkei. Im Ersten Weltkrieg wurde die Zigarette zur Begleiterin des „Poilu“, des einfachen Frontsoldaten, und ab 1935 produzierte die Regie eigene Truppenpackungen für die Armee. 1936 erhielt die Caporal die blaue Packung von Marcel Jacno mit dem geflügelten Helm, den der Maler Maurice Giot 1925 gezeichnet hatte.

Bis 1976 hielt der Staat das Monopol auf Herstellung und Verkauf, und die dunkle Gauloises hatte in Frankreich kaum Konkurrenz. Mitte der 1950er Jahre kam mit der Disque Bleu die erste Gauloises mit Filter hinzu; die Quellen datieren sie auf 1954 oder 1956. Den großen Einschnitt brachten die 1980er Jahre, als die SEITA auf den Siegeszug heller Zigaretten mit den Gauloises Blondes reagierte. Die dunklen Klassiker verloren an Boden, und 2005 wurde ihre Herstellung mit der Schließung des Werks in Lille nach Alicante in Spanien verlegt. Aus der filterlosen Caporal wurde schließlich die Brunes, nach der englischsprachigen Wikipedia ebenfalls ohne Filter, aber weniger stark; ein genaues Datum der Umbenennung nennen die Quellen nicht.

Format und Packung

Die Brunes gibt es nach der deutschsprachigen Wikipedia mit und ohne Filter; die filterlose Ausführung steht der alten Caporal am nächsten. Für Sammler sind die historischen Vorläufer ergiebig: Die Truppenpackungen, die die Regie für die französische Armee fertigte, trugen nach der französischsprachigen Wikipedia zunächst den Vermerk „Troupe“. Nach 1978 ersetzte ein Stahlhelm der Armee mit Anker und Flügeln den Gallierhelm, und statt „Gauloises“ stand „Vente restreinte“ auf der Packung, also Verkauf nur an Berechtigte. Zusammen mit den Packungen aus der Monopolzeit gehören sie zu den Stücken, an denen sich die Geschichte der Marke ablesen lässt; Hinweise zum Datieren und Sammeln gibt die Seite Packungen sammeln.

Die dunkle Gauloises in Deutschland

Nach Deutschland kam die Gauloises 1960, als British American Tobacco sie in den Handel brachte, und in den ersten Jahrzehnten war sie hier die dunkle Zigarette aus Frankreich, denn die Blondes folgten erst 1984. Sie wurde zum Zeichen: Der Historiker Gerulf Hirt beschreibt, wie die meist filterlosen „schwarzen Zigaretten“ in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren zu einer Art Lifestyle-Accessoire alternativer, kreativer und studentischer Milieus wurden. Neben der Gauloises nennt er die Roth-Händle; Hersteller und Massenpresse sprachen von „Protestrauchern“, die sich gegen den leichten, amerikanisch geprägten Mainstream stellten. Dazu passte das kulturelle Umfeld der Marke: Sartre, Camus und Picasso werden mit ihr verbunden, der amerikanische Maler Robert Motherwell verarbeitete ihre blauen Packungen in zahlreichen Collagen, Léo Ferré besang 1964 „La Gauloise“, und Yves Simon widmete den „Gauloises bleues“ ein Lied. Mehr zur Bildwelt der Marke steht unter Gauloises und die Plakatkunst.

Stellung im Sortiment und Status heute

Im heutigen Sortiment bilden die Brunes den stilistischen Gegenpol zu den hellen Hauptsorten Blau und Rot und knüpfen am unmittelbarsten an die Anfänge der Marke an. Sie sind aktiv und werden in Deutschland weiterhin angeboten. Hergestellt werden Gauloises seit dem Ende der Produktion in Frankreich in Werken des Imperial-Konzerns in Deutschland und Polen; in Deutschland führt Reemtsma die Marke seit April 2010. Absatzzahlen für die Sorte liegen in den ausgewerteten Quellen nicht vor. Eine parallele Geschichte erzählt die Schwestermarke Gitanes, die ebenfalls 1910 aus der Regie hervorging.

Abgrenzung zu den Schwestersorten

Quellen: siehe Markenseite Gauloises.