Gauloises

Gauloises gehörte zusammen mit der Schwestermarke Gitanes über Jahrzehnte zu den wichtigsten Marken des französischen Tabakmonopols: 1910 eingeführt, bekannt für dunklen Tabak, das blaue Päckchen und den geflügelten Gallierhelm. In Deutschland ist die Marke seit 1960 im Handel, wurde in den späten 1960er Jahren zum Erkennungszeichen studentischer und alternativer Milieus und erreichte Anfang der 2010er Jahre knapp sechs Prozent Marktanteil. Heute gehört sie zu Imperial Brands, hierzulande betreut sie seit 2010 Reemtsma, und im Mittelpunkt stehen die hellen Sorten Blondes Blau und Rot.

Eingeführt1910 in Frankreich als Nachfolgerin der seit 1876 verkauften „Hongroises“; in Deutschland seit 1960
Herstellerstaatliche Tabakregie bzw. SEITA, ab 1999 Altadis; seit 2008 Imperial Tobacco (heute Imperial Brands); in Deutschland 1960 bis 2010 BAT in Lizenz, seit April 2010 Reemtsma
HerkunftFrankreich; seit der Schließung des Werks Riom Ende 2017 Produktion in Deutschland und Polen
Markenzeichengeflügelter Gallierhelm, 1925 von Maurice Giot gezeichnet, 1936 von Marcel Jacno überarbeitet; Blau als Markenfarbe seit 1936
Slogan„Liberté toujours“ („Freiheit für immer“)
Sorten in DeutschlandBlondes Blau, Blondes Rot, Brunes; Feinschnitt; zeitweise Gelb und Grün (Menthol); historisch Caporal
Marktanteil Deutschland5,6 % (2012) und 5,9 % (Geschäftsjahr 2013) nach Reemtsma-Angaben

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: aus den „Hongroises“ wird die Gauloises

Die Gauloises ist älter als ihr Name. Seit 1876 verkaufte die staatliche französische Tabakregie, später unter dem Kürzel SEITA bekannt, eine Zigarette namens „Hongroises“; 1910 wurde sie in Gauloises umbenannt, und im selben Jahr kam die Schwestermarke Gitanes auf den Markt. Anfangs gab es die Gauloises in zwei Ausführungen, aus dunklem Caporal- und aus Maryland-Tabak. Prägend wurde die dunkle Caporal: eine kurze, filterlose Zigarette mit herbem, kräftigem Aroma, zeitweise in Maispapier gedreht, das den Rauch noch intensiver machte. Im Ersten Weltkrieg verband man die Marke mit dem „Poilu“, dem einfachen Frontsoldaten, und ab 1935 lieferte die Regie eigene Truppenpackungen an die Armee.

Bis 1976 hielt der Staat das Monopol auf Herstellung und Verkauf, und Gauloises und Gitanes hatten in Frankreich kaum Konkurrenz. Mitte der 1950er Jahre war mit der Disque Bleu bereits die erste Gauloises mit Filter erschienen. Als nach dem Ende des Monopols ausländische Marken mit hellem Tabak in großer Zahl ins Land kamen, antwortete die SEITA mit leichteren Varianten und 1984 mit den Gauloises Blondes aus hellen Tabaken nach amerikanischem Vorbild. Die blonde Linie wurde zur wichtigsten der Marke, während die dunklen Klassiker an Boden verloren; 2005 endete mit der Schließung des Werks in Lille die Herstellung der dunklen Gauloises in Frankreich. Den größeren Zusammenhang schildert der Abschnitt Geschichte.

Hersteller und Produktion

Gefertigt wurden Gauloises über Jahrzehnte in rund zwanzig staatlichen Manufakturen, von Lille und Morlaix bis Marseille und Riom. 1995 wurde die SEITA privatisiert, 1999 fusionierte sie mit der spanischen Tabacalera zu Altadis, und 2008 übernahm der britische Konzern Imperial Tobacco, seit 2016 Imperial Brands, das Unternehmen samt seinen Marken. Die französischen Werke schlossen nacheinander; mit der Fabrik im auvergnatischen Riom machte Ende 2017 die letzte große Zigarettenfabrik der SEITA im Land zu. Seither kommen Gauloises aus Deutschland und Polen; das Markenlexikon Brandslex nennt die Imperial-Werke in Langenhagen bei Hannover, Radom und Tarnowo Podgórne.

In Deutschland brachte British American Tobacco (BAT) die Gauloises 1960 in den Handel und vertrieb sie über Jahrzehnte in Lizenz. Mit der Übernahme von Altadis durch Imperial endete diese Partnerschaft: Seit April 2010 betreut die Imperial-Tochter Reemtsma in Hamburg die Marke, die damit in einem Portfolio mit JPS, West und Davidoff steht.

Sortiment

Im Mittelpunkt stehen in Deutschland zwei helle Sorten: Gauloises Blondes Blau als kräftigere und Gauloises Blondes Rot als mildere Variante, im Handel meist kurz Gauloises Blau und Rot genannt. Zeitweise gab es daneben Gelb als besonders leichte und Grün als Mentholsorte. Die dunkle Tradition setzen die Gauloises Brunes fort, die Nachfolgerinnen der alten Caporal. Hinzu kamen Feinschnitt zum Selbstdrehen und Anfang der 2010er Jahre eine Linie ohne Zusatzstoffe, die Reemtsma als „Gauloises Frei von Zusätzen“ führte; das betrifft die Rezeptur, nicht die Schadstoffe, die beim Verbrennen entstehen, wie der Abschnitt Inhaltsstoffe erläutert.

SorteCharakterStatus
Gauloises Blondes Blauhelle Tabake nach amerikanischem Vorbild, kräftigere der beiden Hauptsortenaktiv
Gauloises Blondes Rothelle Tabake, mildere Schwester der Sorte Blauaktiv
Gauloises Brunesdunkler Tabak, Nachfolgerin der Caporalaktiv
Gauloises Blondes Gelbbesonders leichte helle Variantezeitweise im Angebot
Gauloises GrünMentholzigarettehistorisch (EU-Mentholverbot 2020)
Gauloises Caporalfilterloser Klassiker aus dunklem Tabak, seit 1910historisch, abgelöst durch die Brunes

Werbung und Design: Flügelhelm, Enten und „Liberté toujours“

Das Markenzeichen ist der geflügelte Helm der Gallier. Der Landschaftsmaler Maurice Giot zeichnete ihn 1925 für die Packung; 1936 überarbeitete der Grafiker Marcel Jacno das Päckchen, retuschierte den Helm und führte das Blau ein, das seither zur Marke gehört. Die Gauloises wurde selbst zum Motiv: Der amerikanische Maler Robert Motherwell verarbeitete Gauloises-Packungen in zahlreichen Collagen, Léo Ferré sang 1964 „La Gauloise“, Yves Simon widmete den „Gauloises bleues“ ein Lied, und Namen wie Jean-Paul Sartre, Albert Camus und Pablo Picasso werden bis heute mit der Marke verbunden. Mehr dazu erzählt die Seite Gauloises und die Plakatkunst.

In Deutschland ging die Werbung eigene Wege. BAT arbeitete mit der Münchner Agentur Heye & Partner, und ab 1974 kooperierte die Marke mit Citroën. Daraus entstanden ab 1981 die „Gauloises-Enten“: Sonderanfertigungen des 2CV und verwandter Modelle in den Farben der Packung, die in Preisausschreiben verlost wurden, darunter eine schwimmfähige Ente und 1983 ein „Truck“ mit Sattelauflieger. Von den 31 Sondermodellen sind nachweislich noch drei in Deutschland zugelassen. Später warb BAT unter dem Motto „Liberté toujours“ („Freiheit für immer“) für die Gauloises Blondes; die Kampagne der Agentur Kolle Rebbe erreichte 2004 das Finale des Effie-Wettbewerbs. Reemtsma griff das Motto 2024 zum 114. Geburtstag der Marke mit einer limitierten „Liberté Edition“ in Sonderdesigns auf. Im Motorsport trugen die Formel-1-Wagen von Ligier (1996) und Prost Grand Prix (1997 bis 2000) den Namen, in der MotoGP 2004 und 2005 das Yamaha-Werksteam um Valentino Rossi.

Marktstellung in Deutschland

In der Bundesrepublik war die dunkle Gauloises zunächst eine Nischenmarke. Der Historiker Gerulf Hirt beschreibt, wie die meist filterlosen „schwarzen Zigaretten“ in den späten 1960er und frühen 1970er Jahren zum Erkennungszeichen alternativer, kreativer und studentischer Milieus wurden, neben der Gauloises vor allem die Roth-Händle; Hersteller und Presse sprachen von „Protestrauchern“. Für das Jahrzehnt vor 2003 sprach der Effie-Beitrag der Agentur Kolle Rebbe, die für BAT die Gauloises Blondes bewarb, von einer „nahezu beispiellosen Erfolgsgeschichte“ der Marke in Deutschland; danach geriet der Markt unter Druck, und Marlboro dominierte den Wettbewerb.

Unter Reemtsma legte Gauloises zunächst weiter zu: Nach Unternehmensangaben erreichte die Marke 2012 einen Marktanteil von 5,6 Prozent und im Geschäftsjahr 2013 von 5,9 Prozent; Reemtsma führte sie damals neben JPS als Strategiemarke. Neuere Zahlen enthalten die ausgewerteten Quellen nicht; 2024 bezeichnete Reemtsma Gauloises als eine seiner Kernmarken. Weitere Marken des deutschen Marktes versammelt das Markenlexikon.

Namensherkunft

„Gauloises“ bedeutet „die Gallischen“, in weiblicher Form, weil die Zigarette im Französischen ein Femininum ist; die deutschsprachige Wikipedia übersetzt mit „Gallierinnen“. Die Vorgängerin hieß „Hongroises“, „Ungarinnen“. Mit der Umbenennung kurz vor dem Ersten Weltkrieg wählte die Regie einen Namen, der an die kriegerischen Ureinwohner Frankreichs erinnern sollte, und der Flügelhelm auf der Packung setzte das Motiv später ins Bild. Die gleichzeitig eingeführte Gitanes, „Zigeunerinnen“, folgte demselben Muster weiblicher Markennamen. Auch die Sortennamen sind sprechend: „blondes“ steht für helle, „brunes“ für dunkle Tabake, und „Caporal“ war in Frankreich zugleich der Name eines dunklen Schnitttabaks der Regie, den Soldaten noch bis 1987 als Ration beziehen konnten. Mehr dazu unter Frankreich.

Kontroversen und Regulierung

In Frankreich stand die Marke mehrfach vor Gericht. 1999 klagte eine Krankenkasse gegen vier Tabakhersteller, darunter die SEITA, auf Erstattung von Behandlungskosten, und 2007 verurteilte der Kassationshof die SEITA wegen unzulässiger Tabakwerbung: Eine Partnerschaft mit dem Festival Francofolies in den Jahren 2000 bis 2002 hatte dessen Gestaltung an die Gauloises Blondes angelehnt. 2016 erwog die Regierung auf Grundlage der EU-Tabakproduktrichtlinie sogar, Markennamen wie Gauloises und Gitanes zu untersagen, weil sie als zu stilvoll galten. In Deutschland gelten für Gauloises dieselben Regeln wie für alle Marken: Seit 2003 sind Zusätze wie „Légères“ verboten, weshalb Farben die Sorten unterscheiden, seit 2016 bestimmen Bildwarnhinweise die Packung, und seit 2020 sind Mentholzigaretten wie die frühere Gauloises Grün nicht mehr zulässig. Die Einzelheiten fasst die Seite Recht zusammen, die gesundheitliche Einordnung steht unter Gesundheit.

Sorten im Lexikon

Quellen

  1. Gauloises – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Gauloises
  2. Gauloises – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Gauloises
  3. Gauloises – Wikipédia (französisch) – https://fr.wikipedia.org/wiki/Gauloises
  4. Gauloises-Enten – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Gauloises-Enten
  5. Markenlexikon brandslex.de – Gauloises – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/g/markenlexikon-gauloises
  6. Reemtsma-Pressemitteilung: Geschäftsjahresabschluss 2013 (presseportal.de, 5. November 2013) – https://www.presseportal.de/pm/12800/2590982
  7. GWA / Effie Germany: Case „Liberté toujours“ (Gauloises Blondes, Kolle Rebbe, 2004) – https://www.gwa.de/cases/liberte-toujours-518/
  8. Gerulf Hirt: Vom Luxus zum Risiko. Produktions- und Konsumtionssphären der Zigarette in (West-)Deutschland, ÖZG 30 (2019), Heft 1 – https://journals.univie.ac.at/index.php/oezg/article/view/3651
  9. manager magazin: Letzte große Gauloises-Fabrik in Frankreich schließt (2016) – https://www.manager-magazin.de/unternehmen/artikel/gauloises-letzte-grosse-fabrik-in-frankreich-schliesst-a-1123678.html
  10. tankstelle Magazin: Neu bei Gauloises ab Juli – limitierte „Liberté Edition“ (28. Juni 2024) – https://www.tankstelle-magazin.de/reemtsma-neu-bei-gauloises-ab-juli-limitierte-liberte-edition/

Hinweis zur Quellenlage: 1) Flügelhelm: Brandslex und die französische Wikipedia datieren Maurice Giots Helm auf 1925, der französische Wikipedia-Artikel über Marcel Jacno nennt 1929; übernommen wurde 1925. 2) Disque Bleu: 1954 (Brandslex, englische und französische Wikipedia) oder 1956 (deutsche Wikipedia; laut französischer Wikipedia das Jahr der ersten Filterversion); im Text daher Mitte der 1950er Jahre. 3) Tabakherkunft der Caporal: Die englische Wikipedia nennt dunkle Tabake aus Syrien und der Türkei, die deutsche Wikipedia Tabake ausschließlich aus Frankreich; übernommen wurde die vermittelnde Angabe von Brandslex (überwiegend Frankreich, höchstens 20 Prozent aus Algerien, Syrien und der Türkei). 4) Das Jahr, in dem die Gauloises Blondes nach Deutschland kamen, ist nicht belegt; belegt sind der Start 1984 in Frankreich und die Vermarktung durch BAT um 2004. 5) Frühere Bezeichnung der Sorte Rot: In Frankreich hießen die leichteren Blondes-Varianten Légères (1986) und Super Légères (1990); welcher dieser Namen der heutigen deutschen Sorte Rot vor dem EU-Verbot 2003 entsprach, ist nicht belegt. Ebenso ist nur naheliegend, nicht ausdrücklich belegt, dass Blau unmittelbar auf die erste Gauloises Blondes von 1984 zurückgeht. 6) Ob Gelb und die Brunes mit Filter in Deutschland noch angeboten werden, ist unklar; die deutsche Wikipedia führt das Sortiment teils in der Vergangenheitsform, Handelsübersichten zeigen vor allem die filterlosen Brunes. 7) Das Datum der Ablösung der Caporal durch die Brunes nennt keine Quelle. 8) Marktanteile: Vorhanden sind nur Unternehmensangaben für 2012 (5,6 Prozent) und das Geschäftsjahr 2013 (5,9 Prozent). Aktuelle Zahlen liegen nicht vor; die Annahme aus der Themenplanung, Gauloises gehöre heute zu den zehn meistverkauften Marken in Deutschland, ließ sich nicht belegen und wurde nicht übernommen. 9) Produktion: manager magazin (2016) nennt Deutschland oder Polen, Brandslex die Werke Langenhagen, Radom und Tarnowo Podgórne; welches Werk den deutschen Markt beliefert, ist nicht belegt. Nach Brandslex schloss die letzte SEITA-Fabrik in Frankreich (Furiani auf Korsika, laut manager magazin nur für den regionalen Markt) 2023. 10) Übernahme von Altadis durch Imperial Tobacco: englische Wikipedia Januar 2008, deutsche Wikipedia Februar 2008; im Text nur das Jahr. 11) Entstehung der SEITA: 1926 als staatlicher Dienst (französische Wikipedia) bzw. 1959 (Brandslex); im Text ohne Jahr. 12) Den Slogan „Liberté toujours“ ordnet die englische Wikipedia schon der Zwischenkriegszeit zu; belegt ist er hier für die Blondes-Werbung um 2004 und die Sonderedition 2024. 13) Die Angabe, die Gauloises Blondes sei 2010 die meistverkaufte Marke von Imperial Tobacco gewesen, stammt aus der französischen Wikipedia mit Verweis auf den Geschäftsbericht 2010 und wurde nicht am Original geprüft. 14) Die Zusatzstoffangaben (Stand 2008) stammen aus der Infobox der deutschen Wikipedia, die sich auf die amtliche Zusatzstoffliste beruft. 15) Die Zuordnung von Sartre, Camus und Picasso zur Marke folgt der englischen Wikipedia, die dafür teils nur Sekundärbelege anführt.