Zigarette und Länder › Frankreich: Caporal, Tabac und die Gauloise

Frankreich: Caporal, Tabac und die Gauloise

Kaum ein Land hat seine Zigarette so sehr zur Staatsangelegenheit gemacht wie Frankreich: Fast zwei Jahrhunderte lang baute, schnitt, rollte und verkaufte die Régie den Tabak selbst, und der dunkle Caporal aus ihren Manufakturen roch in jedem Café zwischen Lille und Marseille. Diese Seite erzählt, wie das Monopol entstand und verschwand, was „brun“ von „blond“ unterscheidet, warum das Tabac mit der roten Karotte mehr ist als ein Laden – und wie Chanson, Nouvelle Vague und Literatur die Zigarette zum Zeichen machten.

Monopol1674 unter Colbert eingeführt, 1791 abgeschafft, 1810 von Napoleon erneuert; das Einzelhandelsmonopol besteht bis heute
Régie und SeitaStaatliche Régie, ab 1926 SEIT, ab 1935 SEITA; 1995 privatisiert, 1999 Altadis, seit 2008 Imperial Tobacco
TabakTabac brun (Caporal): dunkel, luftgetrocknet, fermentiert – gegenüber blondem Virginia und American Blend
MarkenGauloises (1910, zuvor Hongroises 1876), Gitanes (1910), Boyards, Celtiques, Parisiennes; Gauloises Blondes 1984
Das TabacLizenzierte Verkaufsstelle mit roter Karotte (seit 1906 vorgeschrieben); rund 23.000 Läden im Jahr 2024
RauchverboteLoi Veil 1976, Loi Évin 1991, Gaststätten seit 2008, Freiluftverbote seit Juli 2025 – Terrassen ausgenommen
MuseumMusée du Tabac in Bergerac, gegründet 1950, seit 1983 im Stadtpalais Peyrarède

Ein Land, eine Régie: das Tabakmonopol

Wer verstehen will, warum die französische Zigarette anders schmeckt, anders aussieht und anders verkauft wird als jede andere, muss beim Staat anfangen. 1674 machte Colbert, der Finanzminister Ludwigs XIV., Herstellung und Verkauf von Tabak zum königlichen Privileg und verpachtete es an Steuerpächter. Tabak wurde zur Säule des Staatshaushalts – und der Schmuggel zum Volkssport, dessen berühmtester Held, Louis Mandrin, 1755 hingerichtet wurde. Die Revolution hob das Privileg 1791 auf, doch schon 1810 ließ Napoleon es per Dekret wieder aufleben, um seine Feldzüge zu bezahlen. Das Modell, das damals entstand, hielt fast zwei Jahrhunderte: Der Staat erteilte den Bauern Anbaulizenzen, kaufte ihnen die gesamte Ernte zu festen Preisen ab, verarbeitete sie in eigenen Manufakturen und verkaufte die Ware über lizenzierte Händler, die débitants. Von der Pflanze bis zur Ladentheke lag alles in einer Hand – der Régie.

Die Manufakturen wurden zu Wahrzeichen ihrer Städte. In Morlaix drehte man schon zur Zeit der Steuerpächter Tabak, später kamen Paris, Lille, Straßburg, Lyon, Marseille, Toulouse, Nantes und das Städtchen Tonneins im Südwesten hinzu: riesige Backsteinbauten, in denen vor allem Frauen arbeiteten, die cigarières – Berufsgenossinnen jener Carmen, die in Mérimées Novelle und Bizets Oper in der Tabakfabrik von Sevilla arbeitet. Was von den Fabriken blieb, ist erstaunlich: Die Manufakturen in Lyon und Toulouse beherbergen heute Universitäten, aus dem Marseiller Werk im Viertel Belle de Mai wurde ein Kulturzentrum.

Von der Régie zur Seita

1926 brauchte die Regierung Poincaré Geld für die Kriegsschulden und gliederte das Tabakgeschäft als „Service d’exploitation industrielle des tabacs“ der Schuldentilgungskasse an; 1935 kam das Zündholzmonopol hinzu, und aus dem Kürzel wurde SEITA. Der Name blieb, auch als aus dem Verwaltungsdienst Ende der 1950er Jahre ein öffentlicher Wirtschaftsbetrieb und 1980 eine Gesellschaft in Staatsbesitz wurde. Den ersten Riss bekam das Monopol durch den Gemeinsamen Markt: 1970 fiel das Anbaumonopol, 1976 mussten Herstellung und Einfuhr für Anbieter aus den anderen Mitgliedstaaten geöffnet werden. 1995 wurde die Seita privatisiert, 1999 fusionierte sie mit der spanischen Tabacalera zu Altadis, und 2008 übernahm der britische Konzern Imperial Tobacco das Ganze. Was das napoleonische Dekret überlebt hat, ist der Einzelhandel: Zigaretten verkauft in Frankreich bis heute nur, wer eine Lizenz des Staates besitzt.

JahrEtappe
1674Colbert macht Herstellung und Verkauf von Tabak zum königlichen Privileg, das an Steuerpächter vergeben wird
1791Die Revolution hebt das Privileg auf; Anbau und Handel werden frei
1810Napoleon führt das Monopol per Dekret wieder ein: Anbaulizenzen, Staatsmanufakturen, lizenzierte Händler
1926 / 1935Gründung der SEIT zur Tilgung der Kriegsschulden; mit dem Zündholzmonopol wird daraus die SEITA
1970 / 1976Ende des Anbaumonopols; Öffnung von Herstellung und Einfuhr für den Gemeinsamen Markt
1995Privatisierung der Seita
1999 / 2008Fusion mit Tabacalera zu Altadis; Übernahme durch Imperial Tobacco
bis heuteEinzelhandelsmonopol des Staates, ausgeübt durch lizenzierte débitants de tabac

Tabac brun: was Caporal bedeutet

Die Régie hatte im Grunde nur ein Produkt zu verkaufen, und das war dunkel. Tabac brun entsteht aus Tabak, der im Schatten luftgetrocknet und anschließend fermentiert wird; die Blätter werden dabei braun, verlieren fast ihren gesamten Zucker und gewinnen einen schweren, erdigen, leicht bitteren Charakter. Genau umgekehrt der blonde Tabak: Virginia wird in beheizten Scheunen rasch getrocknet, behält seine Süße und bleibt goldgelb; der American Blend mischt ihn mit Burley und Orient zu einer weichen, runden Zigarette. Der Rauch des Caporal ist herb und dicht, und jahrzehntelang hing er als Grundton in jedem französischen Café. Die Rohware wuchs zu einem guten Teil im Land selbst: Pflanzer im Südwesten um Bergerac und Tonneins, im Elsass und im Norden bauten für die Régie dunklen Tabak an, dazu kamen Blätter aus Algerien und Übersee. Über Tabaktypen und Trocknungsverfahren informiert tabak.org.

Das Wort Caporal stammt aus der Preisliste der Régie, deren Schnitttabak scaferlati hieß – fein geschnittene, lange Fasern nach einem eigenen Verfahren – und in Güteklassen verkauft wurde. Ganz unten stand der tabac de troupe, den die Armee ihren Soldaten zuteilte; darüber der Caporal, der wie sein militärischer Namensgeber, der Korporal, eine Stufe über dem einfachen Mann rangierte, in „ordinärer“ und „feiner“ Ausführung. Der Caporal ordinaire im grauen Päckchen war der Tabak des Volkes: le gris, den man zwischen den Fingern rollte oder in die Pfeife stopfte. Aus demselben Tabak drehten die Manufakturen ihre Zigaretten, und so wurde aus der Güteklasse ein Geschmacksbegriff, den die Gauloises über Jahrzehnte auf der Packung trug.

BegriffBedeutung
ScaferlatiFein geschnittener Rauchtabak der Régie; Grundlage für Pfeife, Selbstgedrehte und Zigarette
CaporalGüteklasse über dem Truppentabak; später Synonym für den dunklen französischen Zigarettentabak
Le grisCaporal ordinaire im grauen Päckchen, der klassische Tabak zum Selbstdrehen
Tabac de troupeTabakration der Armee, im Ersten Weltkrieg meist als Scaferlati für die Pfeife
Brune / BlondeZigarette aus dunklem, fermentiertem Tabak beziehungsweise aus hellem Virginia oder American Blend
Papier maïsGelbliches Zigarettenpapier, Kennzeichen von Gitanes Maïs und Boyards
Clope, sècheUmgangssprache für die Zigarette; der mégot ist der Stummel

Gauloises, Gitanes und die anderen Marken der Régie

Ein Monopol braucht eigentlich keine Marken, und doch hat die Régie einige der bekanntesten der Welt geschaffen. 1876 brachte sie eine Sorte namens Hongroises heraus, 1910 wurde daraus die Gauloises, in einer Ausführung aus Caporal ordinaire und einer milderen aus Maryland-Tabak; 1925 folgte der Caporal doux, 1954 die Disque Bleu, die zwei Jahre später als erste Gauloises einen Filter erhielt. Im selben Jahr 1910 startete die Gitanes, ab 1918 mit gelbem Maispapier als Gitanes Maïs, ab 1956 mit Filter. Ihre Packungen – der geflügelte Helm, die Tänzerin im Rauch, das Blau – wurden zu Ikonen der Gebrauchsgrafik; davon erzählt die Seite Gauloises, Gitanes und die Plakatkunst.

Daneben führte die Régie ein Sortiment, das man außerhalb Frankreichs kaum kennt. Die Boyards mit dickem, gelbem Maispapier galten als die schwerste Zigarette des Landes und als die der Intellektuellen; Jean-Paul Sartre soll sie beim Schreiben von „Das Sein und das Nichts“ in Mengen verbraucht haben. Die Celtiques waren eine weitere Brune, die Parisiennes wurden als P4 im Päckchen zu vier Stück an jene verkauft, denen eine ganze Schachtel zu teuer war, und die Gauloises Troupe gehörten bis Ende der 1980er Jahre zur Versorgung der Soldaten. Früh versuchte sich die Seita auch am hellen Tabak: 1956 erschien die Royale, 1979 die News. Wie Papier, Filter und Schnitt den Rauch verändern, erklärt die Seite zum Aufbau einer Zigarette.

Das Tabac: eine Institution

Man erkennt es von weitem an der roten, spitz zulaufenden Raute über der Tür, der carotte. Der Name erinnert an die Tabakkarotte, das gedrehte Blätterbündel, von dem der Händler früher die gewünschte Menge abschnitt und abwog; seit 1906 ist das genormte Zeichen für jede Verkaufsstelle vorgeschrieben. Hinter dem Schild steht bis heute der Staat. Der Inhaber eines Tabac ist kein gewöhnlicher Kaufmann, sondern ein préposé, ein Beauftragter der Zollverwaltung, der das Einzelhandelsmonopol in ihrem Namen ausübt – auf Grundlage eines Bewirtschaftungsvertrags, der jeweils drei Jahre läuft und sich stillschweigend verlängert. Beliefert wird er ausschließlich von zugelassenen Großhändlern, und die Preise sind landesweit festgesetzt. Im 19. Jahrhundert vergab der Staat die Lizenzen gern als Versorgungsposten an Kriegswitwen, Invaliden und verdiente Beamte – ein bureau de tabac war eine Pfründe, um die sich Abgeordnete für ihre Schützlinge bemühten.

Aus dem Verkaufsrecht ist ein Nahversorger geworden. Das bar-tabac mit dem Zinktresen und der Pferdewette, das tabac-presse mit Zeitungen und Zeitschriften: Hier kauft man Briefmarken und Steuermarken, tippt Lotto, zahlt seit einigen Jahren sogar Bußgelder und Steuern in bar oder eröffnet ein einfaches Bankkonto – Kiosk, Poststelle und Stammtisch in einem. Die Zahl der Tabacs sinkt allerdings seit Jahren: Aus deutlich mehr als 30.000 zu Beginn des Jahrhunderts wurden bis 2024 rund 23.000, und in den Grenzregionen zu Spanien, Belgien, Luxemburg und Italien leidet das Geschäft unter den niedrigeren Preisen der Nachbarn. Der Staat stützt das Netz mit Förderprogrammen, weil er es braucht – als Steuereinnehmer, aber auch als letzten Laden im Dorf.

Praxistipp: Wer in Frankreich unterwegs ist, findet Zigaretten weder im Supermarkt noch an der Tankstelle, sondern nur unter der roten Karotte; die Preise sind überall gleich, Vergleichen erübrigt sich. Für die Rückreise innerhalb der EU gilt die Richtmenge für den Eigenbedarf von 800 Zigaretten; wer mehr mitführt, muss den privaten Zweck glaubhaft machen. Die Einzelheiten stehen auf der Seite Recht.

Chanson, Film und Literatur: die Zigarette als Zeichen

Chanson

Der Soundtrack der französischen Zigarette beginnt mit dem grauen Päckchen: „Du gris“, ein Lied aus den frühen 1920er Jahren, besingt den Régie-Tabak, den man zwischen den Fingern rollt; Georgel sang es zuerst, Berthe Sylva nahm es 1931 auf, und in Clouzots „Lohn der Angst“ summt Charles Vanel dem jungen Yves Montand die Melodie vor. Dann kommt Serge Gainsbourg, der die Gitanes zu seinem Wappen machte. 1980 sang er mit Catherine Deneuve „Dieu est un fumeur de havanes“, ein Duett, in dem sie ihm vorhält, nur ein Gitanes-Raucher zu sein, während der liebe Gott Havannas raucht; auf seinem Grab auf dem Friedhof Montparnasse liegen bis heute blaue Päckchen neben Metrotickets. Léo Ferré sang 1964 „La Gauloise“, ein Liebeslied an die Zigarette, Yves Simon Anfang der 1970er Jahre „Les Gauloises bleues“. Die Zigarette war im Chanson nie nur Requisit, sondern Ausweis: Wer Brune rauchte, gehörte zur Straße, zum Volk, zur Nacht.

Film

Was die Chanson für das Ohr tat, tat das Kino für das Auge. Der poetische Realismus der 1930er Jahre hatte den Rauch als Lichtgestalter entdeckt, doch erst die Nouvelle Vague machte die Zigarette zur Geste der Freiheit. Jean-Paul Belmondo in Godards „Außer Atem“ (1960) raucht nicht, um lässig zu wirken, sondern weil die Figur gar nichts anderes tun kann: Die Zigarette gehört zum Improvisieren, zum Herumstreunen, zum Sprechen ohne Manuskript. Anna Karina in „Die Geschichte der Nana S.“, Jeanne Moreau bei Malle und Truffaut, die schweigenden Männer im Trenchcoat in den Gangsterfilmen von Jean-Pierre Melville – der Rauch war Teil der Filmsprache, so selbstverständlich wie der Jump Cut. Noch in den 2010er Jahren zählte die französische Krebsliga in einem Großteil der heimischen Produktionen Raucherszenen. Wie die Industrie selbst das Kino nutzte, beschreibt die Seite Zigarettenwerbung in Kino und Fernsehen.

Literatur

Am dichtesten wurde der Rauch in Saint-Germain-des-Prés. Sartre widmete dem Rauchen in „Das Sein und das Nichts“ einen ganzen Gedankengang: Die Zigarette sei eine Art, sich die Welt anzueignen, das Aufhören deshalb ein Verzicht auf mehr als ein Laster. Albert Camus wurde Mitte der 1940er Jahre von Henri Cartier-Bresson mit hochgeschlagenem Mantelkragen und Zigarette im Mundwinkel fotografiert – das Bild prägt bis heute die Vorstellung vom französischen Intellektuellen. Jacques Prévert zeigten die Fotografen seiner Zeit kaum je ohne Zigarette, Simone de Beauvoir, Françoise Sagan und Marguerite Duras schrieben mit dem Aschenbecher neben dem Manuskript, und Zugereiste wie der Argentinier Julio Cortázar eigneten sich die Brune an wie die Sprache. Die dunkle Zigarette stand für Denken, Widerspruch und Nachtarbeit, und niemand musste das erklären.

Vom Caporal zum American Blend

Solange die Grenzen geschlossen waren, hatte der Caporal keinen Gegner. Das änderte sich 1976, als Frankreich Herstellung und Einfuhr für die Partner des Gemeinsamen Marktes öffnen musste. Die hellen, süßeren Zigaretten nach amerikanischem Muster fanden zuerst bei Frauen und jungen Rauchern Anklang, denen die Brune zu schwer und zu väterlich war, und Marlboro brachte dazu das Bild vom Cowboy mit. Die Seita antwortete mit eigenen Blondes – 1984 der Gauloises Blondes, Mitte der 1980er Jahre der Gitanes Blondes –, konnte den Trend aber nur begleiten, nicht drehen: 1994 stammte weniger als jede zweite in Frankreich verkaufte Zigarette noch aus ihrer Produktion. Marlboro, spätestens seit den 1990er Jahren die meistverkaufte Marke des Landes, hält seit langem rund ein Viertel des Marktes, während die Gauloises auf ihrem Heimatmarkt weit zurückgefallen ist. Die Brune ist zur Nische geworden; die Gitanes Maïs verschwand 2016 aus dem Sortiment.

Mit dem Monopol ging auch die Fabrik. Lille schloss 2005, das Werk bei Nantes Mitte der 2010er Jahre, 2017 die letzte Zigarettenfabrik der Seita auf französischem Boden; die Brunes kommen seit 2005 aus dem Ausland, blonde Gauloises und Gitanes Filtre heute vor allem aus Polen. Das Land, das seine Zigarette wie kein anderes zur Staatssache gemacht hatte, stellt sie nicht mehr selbst her. Eine Verwandte des Caporal gibt es übrigens diesseits des Rheins: die badische Roth-Händle.

Café, Terrasse und Zinc: die Rauchkultur

Das Café war das Rauchzimmer der Nation. Am Zinktresen gehörten der kleine Schwarze und die Zigarette zusammen wie Brot und Butter; im Café de Flore schrieben Sartre und Beauvoir in den Kriegswintern, weil es dort warm war, und die Terrasse ist bis heute die Bühne, auf der man sieht und gesehen wird. Dieser Selbstverständlichkeit setzte der Gesetzgeber in drei Schritten Grenzen. Die Loi Veil von 1976 beschränkte erstmals die Werbung, brachte den ersten Warnhinweis auf die Packung und Rauchverbote in bestimmten öffentlichen Räumen. Die Loi Évin vom 10. Januar 1991 verbot die Tabakwerbung vollständig und erklärte den Nichtraucherschutz in Gemeinschaftsräumen zum Grundsatz, ließ aber Raucherzonen zu. Der entscheidende Schnitt kam mit dem Dekret vom November 2006: Ab dem 1. Februar 2007 wurde am Arbeitsplatz und in öffentlichen Gebäuden nicht mehr geraucht, ab dem 1. Januar 2008 auch nicht mehr in Cafés, Bars, Restaurants und Diskotheken.

Die Zigarette zog daraufhin nach draußen. Die Terrasse wurde zum Refugium – seit 2013 mit der gerichtlichen Klarstellung, dass sie nur dann als draußen gilt, wenn sie kein Dach hat oder zur Straße hin ganz offen ist. Seit dem 1. Juli 2025 gilt das Rauchverbot auch an Stränden während der Badesaison, in Parks und öffentlichen Gärten, an Bushaltestellen und im Umkreis von Schulen, Sportanlagen und Bibliotheken – die Café-Terrasse blieb ausdrücklich ausgenommen. Der Rauch hängt nicht mehr im Lokal, aber die Zigarette zum Espresso am Terrassentisch gehört noch immer zum Bild des Landes.

Frankreich heute

Die Zigarette ist in Frankreich teuer, einheitlich und schlicht. Seit 2020 kostet die gängige Packung mehr als zehn Euro, 2025 liegen die meisten Marken bei zwölf bis dreizehn Euro, so viel wie kaum sonst in Europa. Seit 2017 stecken alle Zigaretten in der Einheitspackung: gleiches Olivbraun, gleiche Schrift, kein Helm, keine Tänzerin. Der Anteil der täglichen Raucher lag Ende der 2010er Jahre noch bei gut einem Viertel der Erwachsenen und sinkt seither, nach amtlicher Zählung um Millionen binnen eines Jahrzehnts; die gesundheitliche Einordnung bietet die Seite Gesundheit. Ein erheblicher Teil des Konsums wird inzwischen jenseits der Grenze oder auf dem Schwarzmarkt gedeckt; wie groß er ist, hängt davon ab, wer schätzt.

Auch der Anbau ist ein Schatten seiner selbst. Um 1950 lebten rund hunderttausend Pflanzer vom Tabak der Régie; heute ernten einige hundert Betriebe im Südwesten, im Elsass und in einigen weiteren Regionen auf rund tausend Hektar knapp dreitausend Tonnen, überwiegend Burley und Virginia. Die Erinnerung pflegt Bergerac: Das Musée du Tabac, 1950 gegründet und seit 1983 im Stadtpalais Peyrarède untergebracht, hat einen Teil der einstigen Seita-Sammlung aus Paris übernommen. Was vom französischen Modell bleibt, ist mehr als Nostalgie: die Karotte über der Tür, das Tabac als letzter Laden im Dorf, die Wörter clope und brune, die Terrasse – und die Erinnerung an ein Jahrhundert, in dem ein ganzes Land denselben dunklen Tabak rauchte. Wie andere Länder ihre Zigarette prägten, zeigt die Rubrik Zigarette und Länder, die große Linie die Seite Geschichte der Zigarette.

Quellen

  1. Seita – Wikipédia (französisch) – https://fr.wikipedia.org/wiki/Seita
  2. Débit de tabac – Wikipédia (französisch) – https://fr.wikipedia.org/wiki/D%C3%A9bit_de_tabac
  3. Gauloises – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Gauloises
  4. Tabac – Portal der französischen Zollverwaltung (Douane) – https://www.douane.gouv.fr/professionnels/tabac
  5. Musée du Tabac, Bergerac – Stadt Bergerac – https://www.bergerac.fr/directory/musee-du-tabac/

Häufige Fragen

Was ist Caporal-Tabak?

Caporal war ursprünglich eine Güteklasse des staatlichen Schnitttabaks, eine Stufe über dem Truppentabak. Gemeint ist dunkler, luftgetrockneter und fermentierter Tabak mit herbem, erdigem Charakter – der Stoff, aus dem Gauloises und Gitanes jahrzehntelang gedreht wurden. Heute steht das Wort für den französischen Tabac brun schlechthin.

Warum gibt es Zigaretten in Frankreich nur im Tabac?

Weil der Einzelhandel mit Tabak bis heute Staatsmonopol ist. Der Inhaber eines Tabac handelt als Beauftragter der Zollverwaltung, wird nur von zugelassenen Großhändlern beliefert und verkauft zu landesweit festgesetzten Preisen. Erkennungszeichen ist die rote Karotte über der Tür, seit 1906 vorgeschrieben.

Gibt es Gauloises und Gitanes noch mit dunklem Tabak?

Ja, beide Marken führen weiterhin Brunes, mit und ohne Filter, allerdings als Nischenprodukt neben den blonden Sorten, die seit den 1980er Jahren das Geschäft tragen. Hergestellt werden sie seit der Schließung des Werks in Lille 2005 nicht mehr in Frankreich, sondern in ausländischen Werken des Konzerns, zunächst in Spanien; die Gitanes Maïs mit gelbem Papier wurde 2016 eingestellt.

Darf man auf französischen Café-Terrassen noch rauchen?

Ja, sofern die Terrasse offen ist – ohne Dach oder zur Straße hin vollständig geöffnet. In den Innenräumen von Cafés, Bars und Restaurants gilt seit 2008 ein Rauchverbot; die 2025 eingeführten Freiluftverbote für Strände, Parks, Bushaltestellen und das Umfeld von Schulen nehmen Terrassen ausdrücklich aus.

Wofür steht SEITA?

Das Kürzel stand für „Service d’exploitation industrielle des tabacs et des allumettes“, den 1926 gegründeten und 1935 um das Zündholzmonopol erweiterten Staatsbetrieb, der die Régie fortführte. 1995 privatisiert, ging die Seita 1999 in Altadis auf und gehört seit 2008 zu Imperial Tobacco; der Name lebt als Tochtergesellschaft weiter.