Benson & Hedges

Benson & Hedges begann 1873 als Tabakgeschäft in der Londoner Old Bond Street und trug von 1878 bis 1999 den Titel eines königlichen Hoflieferanten. Heute teilen sich JTI, BAT und Philip Morris die Rechte nach Ländern; bekannt ist die Marke für ihre goldene Schachtel, die surrealen Plakate der Agentur Collett Dickenson Pearce und jahrzehntelanges Sportsponsoring. Die Seite zeichnet Geschichte, Eigentümerwechsel, Design und Werbung nach und zeigt, welchen Weg die Marke in Deutschland genommen hat.

Gegründet1873 in London: Tabakgeschäft von Richard Benson und William Hedges in der Old Bond Street
Markeninhaberje nach Land: JTI (Großbritannien, Irland, weite Teile Europas; über Gallaher seit 2007), BAT (u. a. Afrika, Asien, Australien; seit 1956), Philip Morris USA/Altria (USA), Rothmans, Benson & Hedges/Philip Morris International (Kanada)
HoflieferantRoyal Warrant von 1878 bis 1999; das Wappen saß auf dem Deckel der britischen Packung
Design und Werbunggoldene Folienpackung (spätestens 1962) und Slogan „Pure Gold from Benson & Hedges“; ab 1977 surreale Plakate der Agentur Collett Dickenson Pearce
SponsoringBenson & Hedges Cup (Cricket, bis 2002), Masters (Snooker), Jordan Grand Prix (Formel 1, 1996–2005)
In Deutschland1967 eingeführt (British-American Tobacco Germany, Hamburg); seit 2007 bei JTI, um 2009 Neueinführung; 2019 Großteil der Sorten in Winston überführt, B&H Gold blieb; 2024 neuer Volumentabak
MarktstellungGroßbritannien: Anfang der 1990er Jahre unter den drei führenden Zigaretten, 2025 umsatzstärkste Zigarettenmarke im Convenience-Handel (Statista); Deutschland: keine belastbaren Zahlen

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: vom Tabakladen in der Old Bond Street zum Hoflieferanten

1873 eröffneten Richard Benson und William Hedges in der Londoner Old Bond Street ein Tabakgeschäft. Sie verkauften Tabak nicht, wie damals üblich, lose nach Gewicht, sondern als fertige Mischung in versiegelten Dosen. Der Prince of Wales, später König Edward VII., ließ eine Partie ägyptischen Tabaks bei Benson & Hedges zu Zigaretten verarbeiten; daraus entstand die Sorte „Cairo Citadel“, eine der ersten in Großbritannien gefertigten Zigaretten ägyptischer Art. 1878 erhielt das Haus den Titel eines königlichen Hoflieferanten.

1885 folgte Alfred Paget Hedges seinem Vater in die Firmenleitung, Richard Benson schied aus. 1899 wurde eine Niederlassung in New York eröffnet, 1906 eine in Kanada. Rauchenden Damen der edwardianischen Zeit bot man Zigaretten mit Mundstücken aus Rosenblättern oder Veilchen an. Den Hoflieferantentitel verlor Benson & Hedges erst 1999, mit der Begründung, in den königlichen Haushalten fehle die Nachfrage.

Eine Marke, mehrere Konzerne

Die Grundlage der heutigen Aufteilung entstand zwischen 1928 und 1960. 1928 wurde die amerikanische Niederlassung selbstständig; sie brachte 1931/32 mit Parliament eine der frühen Filterzigaretten heraus und kam in den 1950er Jahren zu Philip Morris, je nach Quelle 1954 oder 1958. 1955 übernahm der britische Hersteller Gallaher das Geschäft in Großbritannien und Irland. 1956 kaufte British American Tobacco (BAT) die von Abraham Wix gegründete Auslandsgesellschaft Benson & Hedges (Overseas), 1960 erwarb Philip Morris die kanadische Tochter. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre gingen die Rechte für das europäische Festland von BAT an Gallaher, das 2007 seinerseits von Japan Tobacco International (JTI) übernommen wurde.

Heute führt JTI die Marke in Großbritannien, Irland und weiten Teilen Europas, BAT in vielen Ländern Afrikas, Asiens und des Pazifikraums, etwa in Australien, Philip Morris USA (Altria) in den Vereinigten Staaten und die zu Philip Morris International gehörende Rothmans, Benson & Hedges in Kanada. Für Großbritannien fertigte Gallaher die Zigaretten unter anderem im nordirischen Werk Lisnafillan bei Ballymena; nach dessen Schließung 2017 verlagerte JTI die Produktion nach Osteuropa.

Die Goldpackung: „Pure Gold“

Das Markenzeichen ist die goldene Schachtel. Als die junge Londoner Agentur Collett Dickenson Pearce (CDP) 1962 den Werbeetat übernahm, steckte die King-Size-Zigarette bereits in einer goldglänzenden Folienpackung, damals eine Nischenmarke in einem kleinen Segment. Weil King Size mehr kostete, begründeten Texter Frank McCone und Art Director Mike Savino den Preis mit dem Gold und schrieben die Zeile „Pure Gold from Benson & Hedges“; später inszenierten die Anzeigen die Schachtel wie Schmuck oder Geld. Nach Darstellung des Werbers Dave Dye machte diese „Gold Box“-Kampagne die Nischenmarke bis 1980 zur meistverkauften Zigarette Großbritanniens.

Auf dem Deckel der Klappschachtel saß bis 1999 das Wappen des Hoflieferanten – für Packungssammler ein Anhaltspunkt bei der Datierung, ähnlich wie bei Dunhill. Die Hauptsorte hieß lange Special Filter, heute heißt sie Gold (siehe auch Packungsdesign). In Großbritannien ist die goldene Schachtel inzwischen Geschichte: Seit Mai 2017 dürfen Zigaretten dort nur noch in einheitlichen dunkelbraunen Packungen verkauft werden, in Australien gilt das schon seit Ende 2012.

Werbung: Surrealismus ohne Worte

Bekannt wurde die Marke vor allem durch eine Kampagne, die ihr Produkt kaum noch zeigte. Fernsehwerbung für Zigaretten war in Großbritannien seit 1965 verboten, seit 1971 trugen Anzeigen Warnhinweise, und Mitte der 1970er Jahre kamen weitere Auflagen hinzu. Weil zudem Wettbewerber die „Gold Box“-Anzeigen nachahmten, entwickelten Art Director Alan Waldie und Texter Mike Cozens bei CDP 1977 einen neuen Ansatz: rätselhafte Bilder ohne Menschen und ohne Text, zusammengehalten allein von der goldenen Schachtel. Der Fotograf Brian Duffy setzte die ersten Motive um, etwa eine Mausefalle und einen Vogelkäfig.

Ein Exemplar des Motivs „Pyramids“ von 1977/78 besitzt das Victoria and Albert Museum in London; fotografiert hat es Jimmy Wormser in Gizeh, Art Director war Neil Godfrey. Das Museum nennt die Bilder René Magrittes als Vorbild und vermerkt, dass manche Motive der 1980er Jahre nicht einmal mehr eine unversehrte Packung zeigten; einziger Text blieb der staatliche Warnhinweis. Ende der 1970er Jahre übertrug Hugh Hudson, später Regisseur von „Die Stunde des Siegers“, den Stil in einen aufwendigen Kinospot mit Leguanen und einem Swimmingpool.

In den USA, wo Philip Morris die Marke führt, war der Ton heiterer: Ab 1967 spielten Fernsehspots mit den komischen „Nachteilen“ der überlangen B&H 100’s, bis 1971 das Werbeverbot im US-Fernsehen kam (siehe Zigarettenwerbung in Kino und Fernsehen).

Sponsoring: Cricket, Snooker und Formel 1

Über Jahrzehnte war Benson & Hedges eng mit dem Sport verbunden. In England trug ein Eintagesturnier der Grafschaftsmannschaften mit Finale in Lord’s bis 2002 den Namen Benson & Hedges Cup; dazu kamen das Snooker-Turnier Masters in Wembley und ein Golfturnier in St Mellion, Cornwall. In Australien hielt die Marke in den 1970er und 1980er Jahren Namensrechte an Cricket-Serien, bis ein Werbeverbot 1996 das beendete. Von 1996 bis 2005 war sie Hauptsponsor des Formel-1-Teams Jordan Grand Prix. Wo Tabakwerbung verboten war, fuhren die Wagen mit Schriftzügen wie „Bitten & Hisses“, „Buzzin’ Hornets“ oder „Be on Edge“, die mit den Buchstaben des Namens spielten – ein Kniff, den auch West bei McLaren nutzte.

Benson & Hedges in Großbritannien und Deutschland

Großbritannien

Im Hauptmarkt Großbritannien gehörte B&H Special Filter Anfang der 1990er Jahre laut dem International Directory of Company Histories zu den drei führenden Zigaretten, alle aus dem Hause Gallaher; Ende der 1990er Jahre beherrschte die Marke das Premiumsegment. Nach Daten, die Statista für die 52 Wochen bis März 2025 ausweist, war Benson & Hedges die umsatzstärkste Zigarettenmarke im britischen Convenience- und unabhängigen Lebensmittelhandel, knapp vor JPS.

Deutschland

In die Bundesrepublik kam die Marke 1967: Die Hamburger British-American Tobacco (Germany) GmbH führte sie ein und stellte sie auch selbst her. Nachdem in der ersten Hälfte der 1990er Jahre die Rechte für das europäische Festland an Gallaher gegangen waren, kamen die Zigaretten aus britischer Fertigung, den Vertrieb behielt BAT. Nach dem Zusammenschluss von BAT mit Rothmans International beendete Gallaher diese Zusammenarbeit; ab 2000 sollte Reemtsma den Vertrieb übernehmen.

Seit 2007 gehört die Marke in Deutschland zu JTI. Nach Konzernangaben wurde sie um 2009 als preisgünstige Marke mit neuen Packungsformaten und urbanem Design neu eingeführt. 2019 stellte JTI die meisten Sorten unter das Dach der Schwestermarke Winston: Aus B&H Black wurde die nur in Deutschland angebotene Winston Black; Red und Blue gingen in den gleichnamigen Winston-Sorten auf. Unter eigenem Namen blieb B&H Gold. 2024 kam wieder ein Volumentabak zum Stopfen unter dem Markennamen hinzu; hergestellt werden die Produkte für den deutschen Markt laut JTI in Deutschland. Belastbare Marktanteile für Deutschland ließen sich nicht finden.

Namensherkunft

Der Name verbindet die Familiennamen der Gründer Richard Benson und William Hedges; geläufig ist auch die Kurzform B&H. Ebenfalls in der Bond Street lag das Tabakgeschäft von Philip Morris. Der Tabakhändler starb 1873, im Gründungsjahr von Benson & Hedges; sein Name wurde später ebenfalls zur Marke. Weitere Marken, die nach ihren Gründern benannt sind, verzeichnet das Markenlexikon.

Regulierung und Kontroversen

Werbebeschränkungen haben den Auftritt der Marke immer wieder verändert, von den Fernseh- und Sponsoringverboten bis zu den Einheitspackungen. Das Mentholverbot der EU beendete 2020 die 2012 in Großbritannien eingeführte Kapselsorte Dual. In Kanada verurteilte ein Gericht in Québec 2015 die drei größten Hersteller des Landes, darunter Rothmans, Benson & Hedges, zu Schadensersatz von mehr als 15 Milliarden kanadischen Dollar an Raucherinnen und Raucher der Provinz. Hintergründe stehen unter Recht und Gesundheit.

Quellen

  1. Benson & Hedges – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Benson_%26_Hedges
  2. Grace’s Guide to British Industrial History: Benson and Hedges – https://www.gracesguide.co.uk/Benson_and_Hedges
  3. Gallaher Group Plc – International Directory of Company Histories (Encyclopedia.com) – https://www.encyclopedia.com/books/politics-and-business-magazines/gallaher-group-plc
  4. Markenlexikon brandslex.de – Benson & Hedges – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/b/markenlexikon-benson-hedges
  5. Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Benson & Hedges (Firmengeschichte) – https://www.zigsam.at/R_BensonHedges.htm
  6. HORIZONT: Benson & Hedges wechselt Vertriebspartner (8. September 1999) – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/-Benson--Hedges-wechselt-Vertriebspartner-17007
  7. The Guardian: What’s a royal warrant exactly? (23. August 2010) – https://www.theguardian.com/theguardian/2010/aug/23/royal-warrants
  8. Victoria and Albert Museum: „Pyramids“, Plakat für Benson & Hedges, 1977–1978 (E.1884-1990) – https://collections.vam.ac.uk/item/O75989/pyramids-poster-godfrey-neil/
  9. Dave Dye: B&H Part 1 – The ‘Gold Box’ Years (2015) – https://davedye.com/2015/01/29/that-funny-looking-king-size-brand-pt-1/
  10. Dave Dye: B&H Part 2 – The surreal years (2016) – https://davedye.com/2016/05/02/that-funny-looking-king-size-brand-pt-2-the-surreal-years/
  11. Statista: Leading cigarette brands in c-stores in the UK in 2025 – https://www.statista.com/statistics/1190767/leading-cigarette-brands-in-c-store-and-independent-grocers-uk/
  12. smokersplanet.de: Benson & Hedges – Ein neues Kapitel wird geschrieben (25. März 2019) – https://smokersplanet.de/benson-hedges-ein-neues-kapitel-wird-geschrieben/
  13. smokersplanet.de: JTI erweitert das Produkt-Portfolio – Benson & Hedges Volumen Tabak (3. Juni 2024) – https://smokersplanet.de/jti-erweitert-das-produkt-portfolio-benson-hedges-volumen-tabak-ergaenzt-die-marken-familie/
Hinweis zur Quellenlage
  1. Übernahme der US-Gesellschaft durch Philip Morris: Die englischsprachige Wikipedia und Grace’s Guide nennen 1958, die Scribner Encyclopedia of American Lives (Artikel zu Joseph F. Cullman III) 1954; brandslex datiert die Übernahme des US-Vertriebs auf 1954 und den Kauf der Niederlassung auf 1958. Im Text steht daher „1954 oder 1958“.
  2. Europäische Rechte: brandslex, HORIZONT und zigsam.at datieren den Übergang von BAT an Gallaher auf 1993. HORIZONT verknüpft ihn mit der Übernahme des amerikanischen Tabakgeschäfts von American Brands (American Tobacco Company) durch BAT, die sonst meist auf 1994 datiert wird. Im Text steht daher „in der ersten Hälfte der 1990er Jahre“.
  3. Hoflieferant: Das Jahr 1878 nennen Grace’s Guide und die englischsprachige Wikipedia (dort ohne Einzelnachweis); das Ende 1999 berichtet auch der Guardian (2010).
  4. Deutschland: HORIZONT kündigte Reemtsma im September 1999 als Vertriebspartner ab 2000 an; wie lange Reemtsma die Marke vertrieb und ob sie zwischen 2000 und 2009 durchgehend erhältlich war, ließ sich nicht klären. Die Neueinführung „um 2009“ ist aus der JTI-Mitteilung vom März 2019 abgeleitet („seit ihrer Einführung vor zehn Jahren“). Ein vollständiges aktuelles Sortiment für Deutschland veröffentlicht JTI nicht.
  5. Werbung: Die Angaben zur „Gold Box“-Kampagne (1962, „Pure Gold“, meistverkaufte Zigarette bis 1980) und zu den Beteiligten der surrealen Kampagne stammen aus den Beiträgen des Werbers Dave Dye und sind nur teilweise durch das Victoria and Albert Museum bestätigt. Titel und Motiv des Hugh-Hudson-Spots („Swimming Pool“) stützen sich zusätzlich auf den Katalog des History of Advertising Trust. Das Jahr ist uneinheitlich überliefert: Der Katalog nennt 1978, Dave Dye setzt den Spot etwa zwei Jahre nach dem Kampagnenstart 1977 an, was eher auf 1979 deutet. Im Text steht daher „Ende der 1970er Jahre“.
  6. Marktstellung: Die Statista-Angabe gilt nur für den britischen Convenience- und unabhängigen Lebensmittelhandel (52 Wochen bis März 2025), nicht für den Gesamtmarkt; die Umsatzzahlen sind nicht frei einsehbar.
  7. Kanada: Die Jahreszahlen 1906 (Gründung der Niederlassung) und 1960 (Kauf durch Philip Morris) stammen aus brandslex und Grace’s Guide; die Sammlerseite zigsam.at nennt abweichend 1958.
  8. Einheitspackungen: Die Daten für Großbritannien (vollständig seit Mai 2017) und Australien (seit Dezember 2012) folgen den jeweiligen Gesetzen und sind nicht einzeln in der Quellenliste belegt.