Muratti

Flache Blechdosen mit goldener Schrift und einem Krönchen: In den 1920er Jahren galt Muratti als Star unter den Berliner Zigaretten. Die Marke stammt aus Konstantinopel, kam über Manchester nach Berlin, gab einem Fußballwettbewerb der Kanalinseln ihren Namen und einem berühmten Werbefilm von Oskar Fischinger seinen Titel. Die Seite folgt ihrem Weg von der Orientzigarette der Kaiserzeit bis zu den heutigen Eigentümern Philip Morris International und, für Deutschland, British American Tobacco.

Gegründet1821 als Tabakfirma B. Muratti von Basil Mouratoglou in Konstantinopel; Zigarettenfabrik in Manchester 1885, Berliner Niederlassung 1906
HerstellerPhilip Morris International (über U.K. Tobacco Company und Godfrey Phillips, die 1968 an Philip Morris ging); deutsche Namensrechte über Brinkmann und Rothmans bei British American Tobacco
Berliner Standorteab 1906 zunächst in Berlin-Mitte (Dorotheenstraße, dann Universitätsstraße), ab 1912 Victoriahof in der Köpenicker Straße 126 (ebenfalls Mitte), ab 1939 Kommandantenstraße 20 (heute Nr. 22) in Kreuzberg; Werk 1975 geschlossen
Bekannte SortenAriston (Luxe, Gold), Privat, Cabinet, Gentry, Iplic, Kaiser Wilhelm Gold; Muratti’s Kork (schon vor 1945; Neuauflage 1950–1972); international Ambassador und Muratti 2000
WerbungAnzeigen u. a. von Ludwig Hohlwein; Werbefilme „Muratti greift ein“ (1934, Oskar Fischinger) und „Muratti Privat“ (1935)
SponsoringNamensgeberin der „Muratti Vase“, des Fußballwettbewerbs der Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney (seit 1905)
Statusaktiv; von PMI in der Schweiz zu den Hauptmarken gezählt; in Deutschland nach 2002 nicht mehr belegt

Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.

Geschichte: vom Bosporus nach Manchester

Die Wurzeln von Muratti liegen in Konstantinopel, dem heutigen Istanbul. Dort gründete der griechisch-osmanische Tabakhändler Basil Mouratoglou 1821 eine Firma, die unter dem Namen B. Muratti handelte. Als das Osmanische Reich den Tabakhandel in den 1880er Jahren einem Monopol unterstellte, verlagerte die Familie ihr Geschäft nach Westeuropa: 1885 eröffnete Demosthenes Basil Muratti, ein Sohn des Gründers, eine Zigarettenfabrik in Manchester, 1890 entstand daraus die Gesellschaft B. Muratti, Sons & Co. mit Stammsitzen in Manchester und London (mehr zur britischen Tabakkultur unter Großbritannien). Ihr Produkt war die Orientzigarette, damals in Deutschland nahezu der Inbegriff der Zigarette (siehe Orient und Balkan). Bis heute trägt ein Stück Sportgeschichte den Namen: 1905 stand die Marke Pate für die „Muratti Vase“, den jährlichen Fußballwettbewerb der Kanalinseln Jersey, Guernsey und Alderney.

Berlin: vom Victoriahof in die Kommandantenstraße

In Berlin war Muratti seit dem späten 19. Jahrhundert durch eine Vertretung präsent, eine Anzeige in einer deutschen Zeitschrift ist aus dem Jahr 1902 überliefert. Im August 1906 eröffnete die Firma unter Direktor Sophokles Basil Muratti eine eigene Niederlassung, zunächst in der Dorotheenstraße, ab 1912 im fünfgeschossigen Victoriahof in der Köpenicker Straße 126 im heutigen Berlin-Mitte, nahe der Grenze zu Kreuzberg. 1914 wurde daraus die Cigarettenfabrik Muratti GmbH, Anfang der 1920er Jahre eine vom Stammhaus in Manchester unabhängige Aktiengesellschaft. Später übernahm der 1889 in Smyrna geborene Kaufmann Annes Mihram Iplicjian als Mitaktionär und alleiniger Vorstand die Führung.

In den 1920er Jahren war Muratti nach der Kreuzberger Chronik „der Star unter den Zigaretten“, Anfang der 1930er Jahre baute die Firma ihre Produktion massiv aus und warb in einer mehrjährigen Kampagne als „Volkszigarette“ um breite Kreise. 1939 beschlagnahmte die Heeresverwaltung das Werk in der Köpenicker Straße, die Fertigung zog in die Kommandantenstraße in Kreuzberg um, 1942 wurde der Betrieb stillgelegt. Nach dem Krieg lag die kaum beschädigte Fabrik im amerikanischen Sektor zunächst still, weil die Besatzungsbehörden keinen Rohtabak zuteilten; 1948 lief die Produktion wieder an, anfangs mit einheimischen Tabaken. Bald war die Muratti AG der größte tabakverarbeitende Betrieb Berlins. 1960 übernahm die Bremer Martin Brinkmann AG die Aktienmehrheit von den griechischen Eigentümern Adrian und Alexander Enfiezioglou; 1963 überstieg der Umsatz laut Kreuzberger Chronik 88 Millionen D-Mark. In Kreuzberg entstand nun vor allem Brinkmanns Lux Filter, bis das Werk 1975 schloss. Beide Fabrikgebäude sind erhalten, und am Eingang in der Kommandantenstraße steht bis heute in großen Lettern der Name Muratti.

Hersteller und Marktstellung: zwei Linien einer Marke

Seit der Trennung von Manchester führt der Name ein Doppelleben. Die britische Stammfirma kam 1907 zur U.K. Tobacco Company und mit ihr zu Godfrey Phillips, die 1968 von Philip Morris übernommen wurde. Auf dem Kontinent war die britische Linie schon vorher vertreten: In der Schweiz ist Muratti um 1960 mit Packungen der Cigarettenfabrik Memphis belegt, die auch eine Muratti’s Royal Filter für Italien herstellte; im Lauf der 1960er Jahre ging die Fertigung an die Neuenburger Fabriques de Tabac Réunies, Keimzelle von Philip Morris in der Schweiz. Unter dem Dach des Konzerns wurde Muratti Ambassador in Italien über Jahrzehnte zur festen Größe, später kamen Märkte in Mittel- und Osteuropa hinzu. Heute zählt Philip Morris International Muratti in der Schweiz zu seinen Hauptmarken.

In Deutschland blieben die Namensrechte beim Berliner Zweig und gingen 1960 mit ihm an Brinkmann, den Hersteller der Lord Extra. An Brinkmann beteiligte sich 1966 die südafrikanische Rembrandt-Gruppe, 1972 übernahm sie das Unternehmen ganz und gliederte es in Rothmans International ein, die 1999 mit British American Tobacco fusionierte. Mit dem Wechsel zu Virginia- und American-Blend-Mischungen nach 1945 und der Übernahme durch Brinkmann rückten die Orientsorten in den Hintergrund. Brinkmann führte die Marke mit Filtersorten weiter; die jüngste bei der Sammlerdatenbank Zigsam dokumentierte deutsche Packung, eine Muratti Privat von BAT, stammt von 2002.

Sortiment: Ariston, Privat, Ambassador

Die Berliner Muratti war eine Orientzigarette und wurde oft in flachen Blechdosen verkauft. Die Übersicht nennt Beispiele nach Sammlerbelegen und Firmengeschichten, keine vollständige Liste (Fachbegriffe im Glossar).

ZeitraumSorten (Auswahl)Hersteller
bis 1942Ariston, Ariston Luxe, Ariston Gold, Gentry, Iplic, Privat, Kork, Cabinet, Kaiser Wilhelm Gold, MuttiMuratti, Berlin
1950er und 1960er JahreMuratti’s Kork (nach dem Krieg 1950 neu aufgelegt, bis 1972), Muratti Filter, Privat; Goût Français für die französischen BesatzungstruppenMuratti AG, Berlin
1960er Jahre bis 2002Muratti Filter, Privat, Cabinet Filter, Ambassador, Lights, No. 1Martin Brinkmann, zuletzt BAT (Deutschland)
um 1960 und 1960er JahreRoyal Filter, Ambassador Filter, Ambassador MultifilterCigarettenfabrik Memphis, dann Fabriques de Tabac Réunies (Schweiz)
seit den späten 1960er JahrenAmbassador (u. a. Multifilter, Extra Mild), Muratti 2000, Lights, EleganzaPhilip Morris (Schweiz, Italien, Mittel- und Osteuropa)

Werbung und Design: Gold, Krone und tanzende Zigaretten

Muratti verkaufte vor allem Exklusivität. Die flachen Blechdosen mit goldener Aufschrift „Muratti Ariston“ und dem Kronenemblem umgab in den 1920er Jahren eine Aura von Luxus; sorgfältig ausgerichtet zeigte die Krone auf jeder Zigarette nach oben, und englische Aufschriften priesen die Marke als Rauchware von Königshäusern und Adel. Die Reklame der 1920er Jahre zeigte Jagd- und Reitszenen nach dem Vorbild der englischen Oberschicht, Herren im Frack und Damen im Pelz; zu den Gestaltern gehörte der Werbegrafiker Ludwig Hohlwein. Daneben bediente die Firma die Orient-Klischees der Branche, etwa mit dem rauchenden Fes-Träger der Marke Neb-Ka, und patriotische Motive: Dosen für Kaiser Wilhelm Gold und Mutti zeigten etwa das Porträt Wilhelms II., gehalten von zwei Soldaten. Anfang der 1930er Jahre erhielten die Packungen ein neues Gesicht, diagonal geteilt in leuchtendes Rot und Blau, darauf in Gold Krönchen und Sortenname (mehr zur Geschichte des Packungsdesigns).

Berühmt wurde 1934 der dreiminütige Tonfilm „Muratti greift ein“ des Filmemachers Oskar Fischinger, in dem animierte Zigaretten ein Ballett tanzen; 1935 folgte der Werbefilm „Muratti Privat“. Mehr zu diesem Genre unter Zigarettenwerbung in Kino und Fernsehen.

Für Sammler

Für Packungssammler reicht das Spektrum von den Blechdosen der Berliner Zeit bis zu Schweizer Probierpackungen der 1960er Jahre mit drei Zigaretten, die unter anderem für die Swissair bestimmt waren, und Automatenpackungen mit 17 Stück. Zu den Sammelbildern gehört das von der Cigarettenfabrik Muratti AG herausgegebene, auf drei Bände angelegte Album „Brennpunkte des Deutschen Sports“, dessen erster Band „Zwischen den Olympischen Spielen“ 1934 bei Westermann in Braunschweig gedruckt wurde. Kapitel wie „SA-Geist und Sportgeist“ machen es zu einem Dokument der NS-Propaganda; das Stadtmuseum Halle veröffentlicht sein Exemplar ausdrücklich nur als Zeitzeugnis (mehr unter Zigarettenbilder und Sammelalben).

Kontroversen und Regulierung

Wie jede Zigarettenmarke unterliegt Muratti heute strengen Werbe- und Packungsvorschriften (siehe Recht). Ein markenspezifischer Konflikt spielte 1991 in Italien: Mitte Dezember setzte Finanzminister Rino Formica per Dekret Einfuhr, Vertrieb und Verkauf von „Marlboro Filter“, „Muratti Ambassador Filter“ und „Merit Filter K.S.“ für dreißig Tage aus. Er warf Philip Morris mangelnde Mitwirkung im Kampf gegen den Zigarettenschmuggel vor. Neben Marlboro und Merit traf das Dekret damit auch Muratti Ambassador.

Namensherkunft

Der Markenname ist der Firmenname und geht auf den Gründer Basil Mouratoglou zurück, dessen Name auch als Muratoglu überliefert ist; die Endung entspricht dem türkischen -oğlu, „Sohn des“. Das Markenlexikon Brandslex verbindet den Wechsel zur italienisch klingenden Form Muratti mit der Hinwendung zu den westeuropäischen Märkten in den 1880er Jahren, andere Darstellungen nennen B. Muratti bereits als ursprünglichen Firmennamen. Die Sorten trugen, wie es in einer Darstellung heißt, Namen mit „mystisch-edlem Beiklang“: Ariston ist griechisch für „das Beste“, Gentry und Ambassador zielen auf englische Vornehmheit. Weitere Traditionsnamen versammelt das Markenlexikon.

Quellen

  1. Lisa Hackmann: Die Firma Muratti in Kreuzberg. Kolonialismus begegnen – Dezentrale Perspektiven auf die Berliner Stadtgeschichte – https://kolonialismus-begegnen.de/geschichten/die-firma-muratti-in-kreuzberg/
  2. Werner von Westhafen: Muratti – eine Legende aus Kreuzberg. Kreuzberger Chronik Nr. 66, April 2005 – https://kreuzberger-chronik.de/bibliothek/2005/april/geschichten.html
  3. Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Muratti (Firmengeschichte und datierte Packungen) – https://www.zigsam.at/B_Muratti.htm
  4. Markenlexikon Brandslex – Muratti – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/m/markenlexikon-muratti
  5. Grace’s Guide to British Industrial History: Godfrey Phillips – https://www.gracesguide.co.uk/Godfrey_Phillips
  6. Muratti (cigarette) – Wikipedia (englisch) – https://en.wikipedia.org/wiki/Muratti_(cigarette)
  7. Philip Morris International: Philip Morris in der Schweiz – Übersicht (Hauptmarken) – https://www.pmi.com/markets/switzerland/de/ueber-uns/uebersicht
  8. Gazzetta Ufficiale della Repubblica Italiana: Decreto 14 dicembre 1991 (Aussetzung von Einfuhr, Vertrieb und Verkauf einzelner Zigarettenmarken), GU Serie Generale n. 294 vom 16.12.1991 – https://www.gazzettaufficiale.it/eli/id/1991/12/16/091A5675/sg
  9. Oronzo Martucci: 25 anni fa i due finanzieri travolti e uccisi, poi l’Operazione Primavera per sconfiggere il contrabbando. Quotidiano di Puglia, 23.02.2025 – https://www.quotidianodipuglia.it/regione/finanzieri_uccisi_operazione_primavera-8674265.html
  10. museum-digital / Stadtmuseum Halle: Brennpunkte des Deutschen Sports, Band I „Zwischen den Olympischen Spielen“ (Cigarettenfabrik Muratti AG, 1934) – https://global.museum-digital.org/object/3912263
Hinweis zur Quellenlage
  1. Gründung und Name: 1821 und Basil Mouratoglou nennen Kolonialismus begegnen, Zigsam und Grace’s Guide (Eintrag B. Muratti Sons and Co); ob die Firma von Anfang an als B. Muratti auftrat (so Kolonialismus begegnen und Grace’s Guide) oder erst in den 1880er Jahren umbenannt wurde (so Brandslex), bleibt offen. Die gelegentlich verbreitete Behauptung, Muratti sei die älteste Zigarettenmarke der Welt, ließ sich nicht belegen; 1821 bezeichnet die Gründung der Tabakfirma, nicht die Einführung einer Zigarettenmarke.
  2. Manchester: 1885 nach Kolonialismus begegnen, Grace’s Guide und Brandslex, 1887 nach Zigsam; die englischsprachige Wikipedia nennt 1885 für Berlin und 1887 für London, was den übrigen Quellen widerspricht und nicht übernommen wurde.
  3. Aktiengesellschaft: 1920 nach Kolonialismus begegnen, 1921 nach der Sammlerseite cigabox.de; im Text daher „Anfang der 1920er Jahre“. Wann Iplicjian die Führung übernahm, ist nur als „einige Jahre später“ überliefert.
  4. Britische Eigentümer: Das Jahr 1907 für die Übernahme durch die U.K. Tobacco Company nennt Brandslex (übereinstimmend mit Sammler-Zeitleisten, die 1929 als Jahr des Übergangs der U.K. Tobacco Company an Godfrey Phillips angeben); die Übernahme von Godfrey Phillips durch Philip Morris 1968 belegt Grace’s Guide, die Kette U.K. Tobacco – Godfrey Phillips – Philip Morris auch Zigsam.
  5. Brinkmann: Die Minderheitsbeteiligung der Rembrandt-Gruppe 1966 und die Übernahme des restlichen Aktienkapitals 1972 nennt die deutschsprachige Wikipedia (Artikel Martin Brinkmann AG); Brandslex spricht von einer Übernahme zwischen 1966 und 1972 und datiert die Eingliederung in Rothmans International auf 1972. Kolonialismus begegnen und die deutschsprachige Wikipedia nennen dagegen 1992 für die Zugehörigkeit zu Rothmans International. Umsatz 1963 (über 88 Mio. DM) und über 300 Beschäftigte stammen allein aus der Kreuzberger Chronik, ebenso die Angaben zur Krone auf jeder Zigarette und zum Ansehen der Dosen in den Salons der 1920er Jahre; bis zu 300 Millionen Zigaretten monatlich (Lux Filter) nennen die Kreuzberger Chronik und Kolonialismus begegnen.
  6. Fischinger: Laut filmportal.de wurde „Muratti greift ein“ im Farbverfahren Gasparcolor gedreht, von der Tolirag (Berlin) produziert und am 11. April 1934 von der Zensur freigegeben. Die Musik wird unterschiedlich angegeben (filmportal.de: ein Marsch von Paul Lincke; Kolonialismus begegnen: Mozarts „Rondo alla turca“; andere Darstellungen: Josef Bayers „Puppenfee“) und ist im Text daher nicht genannt. „Muratti Privat“ (1935) ist laut Filmografie des Center for Visual Music ebenfalls ein Film Fischingers (schwarzweiß, Ton); die englischsprachige Wikipedia nennt nur einen Werbefilm von 1935.
  7. Muratti Vase: Die englischsprachige Wikipedia schreibt, die Marke habe den Wettbewerb 1905 gesponsert; dass die Firma den Pokal stiftete, belegen nur lokale Darstellungen (Jerripedia; history.gg nennt Muratti den ersten Sponsor). Nicht im Text: der ebenfalls nach der Firma benannte Muratti Gold Cup, ein Bahnradrennen in Manchester (1899–1975, laut deutschsprachiger Wikipedia mit einem von der Firma gestifteten Pokal).
  8. Status: PMI zählt Muratti auf seiner Schweizer Seite zu den Hauptmarken und nennt die Marke auf anderen Länderseiten (etwa Malaysia) unter seinen führenden Marken im mittleren Preissegment. In Italien führt die amtliche Tabakliste der Agenzia delle Dogane e dei Monopoli (Stand Januar 2026) mehrere Muratti-Sorten (Ambassador Azure, Blue und Silver sowie Azure und Red 100s). Für Deutschland ist nach der Muratti Privat von 2002 kein Vertrieb belegt; in einer Rangliste der 50 meistverkauften Marken der Bundesrepublik für 1981 (Tobacco International, Juli 1982, Truth Tobacco Industry Documents qpwn0067) taucht Muratti nicht auf. Die Markenrechte in Deutschland (BAT) stützen sich auf Brandslex, Zigsam und die englischsprachige Wikipedia; ein Registerauszug wurde nicht eingesehen.
  9. Sortendaten: Zigsam nennt als Einführungsjahre 1960 für Muratti Privat und 1966 für Muratti Ambassador; beide Namen sind aber schon vor 1939 belegt (Brandslex, Blechdosen der 1920er Jahre in Museumsbeständen), gemeint sind vermutlich Neueinführungen, die Jahre wurden nicht übernommen. Für Muratti’s Kork nennt Zigsam die Einführung im September 1950 und die Einstellung im August 1972; die Sorte ist aber schon vor dem Krieg belegt (Brandslex; Packung von 1939–1945 im Museum Europäischer Kulturen), 1950 bezeichnet also die Neuauflage nach dem Krieg. In der Schweiz belegt Zigsam um 1960 und in den 1960er Jahren Muratti-Packungen der Cigarettenfabrik Memphis AG (darunter die Swissair-Probierpackungen und eine Muratti’s Royal Filter für Italien), aus den 1960er Jahren aber auch schon solche der Fabriques de Tabac Réunies; ein genaues Datum für den Übergang der Fertigung ist nicht dokumentiert. Die Tabelle beruht auf datierten Sammlerpackungen und Firmendarstellungen und zeigt Belege, nicht die gesamte Laufzeit einer Sorte.
  10. Iplic: Dass die Sorte Iplic nach Annes Mihram Iplicjian benannt ist, liegt nahe, ist aber nicht belegt.
  11. Weitere Belege, die im Text nicht verwendet sind: Philip-Morris-Unterlagen von 1988 (Truth Tobacco Industry Documents zzbj0115, rzbj0115) dokumentieren die italienische Neueinführung der Muratti Ariston mit drehbarem „Calibro“-Filter. Zwei Anzeigen von 1902 in der Zeitschrift „Berliner Leben“ (Wikimedia Commons, gemeinfrei) werben mit „Feinster türkischer Tabak“ und „High Class Cigarettes“. Museumsbestände laut museum-digital: Blechdose „Muratti Privat“ (1920er Jahre, Stiftung Domäne Dahlem), Blechdose „Kaiser Wilhelm Gold“ mit dem Vermerk „Muratti Hoflieferanten Berlin“ (Landesmuseum Württemberg), Packungen „Muratti Iplic“ und „Muratti’s Kork“ (1939–1945, Museum Europäischer Kulturen).
  12. Das abgebildete Logo ist die heutige blaue Wortmarke der Philip-Morris-Marke; die historischen Berliner Zeichen mit Krone sind nicht abgebildet.