Davidoff
Davidoff trägt den Namen eines Mannes, der in Genf mit Havanna-Zigarren berühmt wurde, doch als Zigarette ist die Marke eine Hamburger Schöpfung: Reemtsma erhielt 1984 die Lizenz und brachte 1985 die erste Davidoff-Zigarette in einer achteckigen Prismenpackung heraus. Heute gehört die Zigarettenmarke Imperial Brands, ist in mehr als 100 Ländern vertreten und behauptet in Deutschland mit Classic, Gold und schlanken Formaten ihren Platz im Premiumsegment.
| Eingeführt | 1985 in Deutschland mit der Davidoff Magnum; Lizenz an Reemtsma seit 1984 |
|---|---|
| Markeninhaber | Imperial Brands PLC, Bristol (Zigaretten; Lizenznehmer seit 2002, Eigentümer seit 2006); Oettinger Davidoff AG, Basel (übrige Tabakwaren) |
| Hersteller in Deutschland | Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg; Werk Langenhagen, schrittweise Schließung bis 2027 angekündigt |
| Herkunft | Name des Genfer Tabakhändlers Zino Davidoff (1906–1994); Zigarette 1985 von Reemtsma entwickelt |
| Markenzeichen | achteckige Prismenpackung (seit 1985, Formmarke seit 1997) und Schriftzug in Schreibschrift |
| Sorten in Deutschland | Classic, Gold, Gold SL-Line, Rosé SL-Line, Silver, One, White; historisch Magnum, Lights, Menthol |
| Marktanteil Deutschland | rund 1 % (2006, laut OLG Hamburg); 1,1 % laut Imperial-Geschäftsbericht 2006 |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: vom Genfer Tabakladen zur Luxuszigarette
Am Anfang stand ein Laden. 1911 zog die Tabakhändlerfamilie Davidoff aus Kiew nach Genf, wo Vater Henri ein Tabakgeschäft eröffnete. Sein Sohn Zino (1906–1994) lernte den Tabak auf Reisen durch Argentinien, Brasilien und Kuba kennen, richtete im Laden einen klimatisierten Keller für Havanna-Zigarren ein und machte seinen Namen nach dem Zweiten Weltkrieg mit eigenen Zigarrenserien bekannt, beginnend 1946 mit der nach großen Bordeaux-Weinen benannten Château-Linie. 1970 übernahm die Basler Tabakhandelsfirma Oettinger das Geschäft; Zino Davidoff blieb für die Marke tätig und wurde zu ihrem Gesicht.
Zur Zigarette wurde der Name in Hamburg. 1984 erhielt die Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, seit 1980 mehrheitlich im Besitz des Kaffeerösters Tchibo, eine Lizenz zur Herstellung von Davidoff-Zigaretten. 1985 folgte die erste Sorte, die als Luxuszigarette entwickelte Davidoff Magnum, von Anfang an in einer Prismenpackung mit abgeschrägten Kanten. 1989 führte die Marke das längere Format „Premium Line“ ein, nach Angaben von Imperial Brands bis heute ihr meistverkauftes Produkt. In den 1990er Jahren bildeten Davidoff Classic und Davidoff Lights den Kern des Angebots, um 2000 kam eine Mentholsorte hinzu, und 2008 folgte der Start auf dem US-Markt.
Hersteller und Produktion
Als der britische Konzern Imperial Tobacco, heute Imperial Brands, 2002 Reemtsma von Tchibo übernahm, wurde er Lizenznehmer der Zigarettenmarke. Die Rechte selbst lagen weiter bei Tchibo, bis Imperial sie im August 2006 für 540 Millionen Euro kaufte. Seither gehört Davidoff als Zigarette zu Imperial Brands, während die Oettinger Davidoff AG in Basel die weltweiten Rechte an allen anderen Tabakwaren dieses Namens hält, etwa an Zigarren, Zigarillos und Pfeifentabak. Ein dritter Bereich sind Lizenzprodukte außerhalb des Tabaks, etwa das Parfum „Cool Water“ von 1988 oder Kaffee, für den Tchibo eine Lizenz erhielt.
Entwickelt und gefertigt wurden die Zigaretten für den deutschen Markt von Reemtsma, nach Angaben des Markenlexikons Brandslex im 1971 eröffneten Werk Langenhagen bei Hannover. Im März 2026 teilte Reemtsma mit, dass Imperial die Produktion dort nach gescheiterten Verkaufsgesprächen bis ins Jahr 2027 hinein schrittweise einstellt; damit endet die Tabakherstellung des Konzerns in Deutschland. International ist die Marke breit aufgestellt: Imperial nennt mehr als 100 Länder, mit besonderem Gewicht in Taiwan, Saudi-Arabien und wichtigen Märkten Mittel- und Südeuropas, und hebt ihre Stärke im weltweiten Duty-free-Handel hervor.
Sortiment
Im Mittelpunkt stehen in Deutschland zwei Sorten: die vollmundige Davidoff Classic und die mildere Davidoff Gold, die auf die frühere Davidoff Lights zurückgeht. Dazu kommen schlanke Formate, allen voran die Gold SL-Line, der Reemtsma im Juli 2025 die Davidoff Rosé SL-Line zur Seite stellte, eine 97 Millimeter lange Zigarette mit weißem Filter. Die Liste der beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit gemeldeten Tabakerzeugnisse (Stand September 2026) verzeichnet außerdem Silver, One und White sowie Sorten der Reemtsma-Marke R1 mit dem Zusatz „by Davidoff“.
| Sorte | Charakter | Zeitraum |
|---|---|---|
| Davidoff Magnum | als Luxuszigarette entwickelte erste Sorte; um 1993 als Supreme Virginia und Light Virginia beworben | ab 1985; in Deutschland nicht mehr gemeldet; Duty-free-Reihe Magnum Elite (u. a. 2015, 2017) |
| Davidoff Classic | vollmundige Leitsorte, in den 1990er Jahren als „Full Flavour“ beworben | spätestens um 1994 bis heute |
| Davidoff Lights, heute Gold | mildere Standardsorte, als Lights mit „Fine Mildness“ beworben | Lights spätestens um 1994; Gold nach dem Lights-Verbot von 2003 |
| Davidoff Menthol | Mentholsorte | um 2000 bis spätestens zum Mentholverbot 2020 |
| Gold SL-Line, Rosé SL-Line | schlanke Formate; Rosé mit 97 mm Länge und weißem Filter | Rosé seit Juli 2025 |
| Silver, One, White | weitere Sorten der Marke | in Deutschland gemeldet (Stand 2026) |
Werbung und Design: die achteckige Packung
Das Erkennungszeichen der Marke ist ihre Form. Seit 1985 kam Davidoff in sogenannten Prismenpackungen in den Handel, deren Längskanten abgeschrägt sind, sodass die Schachtel im Querschnitt achteckig wird; 1997 wurde diese Form als dreidimensionale Marke eingetragen. Nach Angaben des Herstellers war Davidoff die erste Marke mit einer achteckigen Packung, die die Zigaretten zugleich besser schützen soll, und die Fachpresse nennt diese Verpackung noch 2025 „Davidoff-typisch“. Dazu kommt der Schriftzug in geschwungener Schreibschrift, dessen Doppel-f in langen Strichen eine waagerechte Linie kreuzt; er verbindet die Zigarette mit dem Zigarrenhaus. Mehr zur Formgeschichte der Schachtel unter Packungsdesign.
Die Werbung setzte auf Kennerschaft. Das Deutsche Historische Museum in Berlin bewahrt eine ganze Reihe von Reemtsma-Werbemitteln der Marke, darunter einen Aufsteller für die Magnum-Sorten Supreme Virginia und Light Virginia (um 1993), einen Kartonaufsteller mit den Zeilen „Full Flavour DAVIDOFF CLASSIC / Fine Mildness DAVIDOFF LIGHTS“ (um 1994) und ein Werbeschild von 1998 mit dem englischen Slogan „The more you know“, der auch auf einem Plakat für die Classic stand. Solche Stücke aus dem Handel bilden ein eigenes Sammelgebiet, siehe Automaten und Schilder.
Im Duty-free-Handel inszenierte Imperial die Marke als Designobjekt. Nach Berichten des Branchendienstes Moodie Davitt Report entwarf der französische Designer Ora-Ito 2007 achteckige schwarze und weiße Packungen für die Reiseedition „Davidoff Black & White“; 2015 erweiterte Imperial unter dem Kampagnenmotto „For The Hunters“ die Reihe Magnum Elite um Editionen mit handgefertigten, nummerierten Umverpackungen, darunter die auf 100 Stück begrenzte Elite Gold 100 mit 23-karätigem Gold auf jeder Packung. Für Sammler von Packungen sind solche nummerierten Serien ein eigenes Kapitel.
Marktstellung in Deutschland
In Deutschland ist Davidoff eine Premiummarke mit kleinem Marktanteil und festem Platz im Regal. Im Streit um die Prismenpackung hielt das Hanseatische Oberlandesgericht 2006 einen Anteil von „rund 1 %“ am deutschen Zigarettenmarkt als unstreitig fest; Imperial sprach im Geschäftsbericht desselben Jahres von stabilen 1,1 Prozent, obwohl viele Rauchende damals zu günstigeren Produkten wechselten. Reemtsma zählt Davidoff auf seiner Website neben JPS, Gauloises und West zu seinen wichtigsten Zigarettenmarken, und die Fachpresse führt sie als Premiummarke des Hauses.
Namensherkunft
Der Markenname ist der Familienname des Gründers. „Davidoff“ ist die ältere, französisch geprägte Umschrift des russischen Namens Dawydow, der auf den Vornamen David zurückgeht. Anders als bei Marken, deren Name eine Herkunft nur andeutet, steht hinter Davidoff eine reale Person mit einem realen Laden, ähnlich wie bei Dunhill in London. Die Zigarette übernahm vom Zigarrenhaus den Schriftzug und den Anspruch, ihre Heimat aber ist Hamburg: Entwickelt wurde sie von Reemtsma, und bis 2006 lagen die Rechte bei Tchibo. Weitere Marken versammelt das Markenlexikon.
Kontroversen und Regulierung
Um die Packung wurde vor Gericht gestritten. Der Davidoff-Anbieter ging gegen den Hersteller der Zigarettenmarke Calumé vor, der seit 2003 ebenfalls Schachteln mit abgeschrägten Ecken verwendete und eine identische Formmarke hatte eintragen lassen. Das Landgericht Hamburg gab der Klage 2004 statt, das Hanseatische Oberlandesgericht entschied im März 2006 jedoch, Käufer sähen in leicht abgeschrägten Ecken keinen Hinweis auf die Herkunft; bestätigt wurde nur die Pflicht des Konkurrenten, in die Löschung seiner Formmarke einzuwilligen. Kritik aus der Gesundheitsforschung galt dem „Brand Stretching“: Eine 2005 in der Fachzeitschrift Tobacco Control erschienene Studie berichtet, dass ausländische Tabakfirmen in Taiwan ihre Werbeausgaben zwischen 1995 und 2000 inflationsbereinigt vervierfachten und einen großen Teil davon in Fernsehwerbung steckten, die die Namen Mild Seven und Davidoff, dort als deutsche Marke geführt, über andere Produkte präsent hielt. In Deutschland gelten die allgemeinen Regeln: 2003 verschwand der Zusatz „Lights“, seit 2016 bestimmen Bildwarnhinweise die Packung, und seit 2020 sind Mentholzigaretten verboten, wie es sie auch unter dem Namen Davidoff gab. Einzelheiten stehen unter Recht, die gesundheitliche Einordnung unter Gesundheit.
Sorten im Lexikon
- Davidoff ClassicDavidoff Classic ist die vollmundige Leitsorte der Marke, in den 1990er Jahren als „Full Flavour“ beworben und bis heute im Kern des Sortiments.
- Davidoff GoldDavidoff Gold ist die mildere Standardsorte der Marke; sie geht auf die als „Fine Mildness“ beworbene Davidoff Lights zurück und trägt ihren Namen seit dem EU-Verbot der Bezeichnung „Lights“.
Quellen
- Imperial Brands – Our brands: Davidoff (Archivversion vom 12. November 2025) – https://web.archive.org/web/20251112191937/https://www.imperialbrandsplc.com/our-brands
- HORIZONT: Imperial Tobacco sichert sich Davidoff (23. August 2006) – https://www.horizont.net/marketing/nachrichten/-Imperial-Tobacco-sichert-sich-Davidoff-65106
- Markenlexikon brandslex.de – Davidoff – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/d/markenlexikon-davidoff
- Markenlexikon brandslex.de – Reemtsma – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/r/markenlexikon-reemtsma
- OLG Hamburg, Urteil vom 3. März 2006, Az. 5 U 5/05 (Prismenpackung Davidoff/Calumé), via aufrecht.de – https://www.aufrecht.de/urteile/markenrecht/urteile-2006/keine-herkunftsweisende-bedeutung-von-abgeschraegten-ecken-einer-zigarettenschachtel-olg-hamburg-urteil-vom-030306-az-5-u-505
- Deutsches Historisches Museum via Deutsche Digitale Bibliothek: Werbeaufsteller „Full Flavour DAVIDOFF CLASSIC / Fine Mildness DAVIDOFF LIGHTS“ (um 1994) – https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/F2D6U5Q7TME4OD5WFEYCFSP6FLSYFHOI
- CSP Daily News: Davidoff Cigarettes Arrive in America (1. Mai 2008) – https://www.cspdailynews.com/tobacco/davidoff-cigarettes-arrive-america
- DTZ – Die Tabakzeitung: Mit besonderer Note und mildem Geschmack (18. Juni 2025) – https://www.tabakzeitung.de/markt/zigarette-feinschnitt/mit-besonderer-note-und-mildem-geschmack/
- Reemtsma: Verkaufsgespräche erfolglos – Imperial Brands-Standort Langenhagen wird geschlossen (23. März 2026) – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/verkaufsgespraeche-erfolglos-imperial-brands-standort-langenhagen-wird-geschlossen/
- Wen, C. P. u. a.: Are marketing campaigns in Taiwan by foreign tobacco companies targeting young smokers? Tobacco Control 14 (2005), Suppl. 1 – https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC1766177/
Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführung: Brandslex nennt 1984 für die Lizenz an Reemtsma und 1985 für die Davidoff Magnum; das OLG Hamburg bestätigt den Vertrieb in Prismenpackungen seit 1985. 2) Wann die Namen Classic und Lights eingeführt wurden, ist nicht dokumentiert; belegt sind sie durch Werbemittel des Deutschen Historischen Museums um 1994. Welche Sorten 1989 im Format „Premium Line“ starteten und wie lang es genau ist, nennen die Quellen nicht. 3) Die Nachfolge Lights → Gold ergibt sich aus dem EU-Verbot, der Sortimentslogik und Sammlerverzeichnissen (cigarettespedia); ein Umstellungsdatum nennt der Hersteller nicht. 4) Das aktuelle Sortiment stützt sich auf die Liste der beim BVL gemeldeten Tabakerzeugnisse (Stand September 2026) und die Fachpresse; eine Meldung belegt nicht zwingend die Verfügbarkeit im Handel. 5) Marktanteil: „rund 1 %“ (2006) laut OLG Hamburg, 1,1 % laut Imperial-Geschäftsbericht 2006; neuere Zahlen lagen nicht vor. 6) Produktion: Die Fertigung in Langenhagen stützt sich auf Brandslex; wohin die Produktion nach der Schließung verlagert wird, ist nicht bekannt. 7) Geburtsort Zino Davidoffs: Brandslex und Imperial nennen Kiew, das Historische Lexikon der Schweiz und die Wikipedia Nowhorod-Siwerskyj; der Text nennt daher nur die Kiewer Herkunft der Familie. 8) Wie Tchibo die weltweiten Rechte an der Zigarettenmarke erwarb, geht aus den Quellen nicht hervor; eine Sammlerquelle nennt für eine Packung von 1989 Davidoff & Cie. als Markeninhaberin. 9) Die Farbbeschreibung der Classic-Packung beruht auf dem Foto einer italienischen Packung von 2016 (Wikimedia Commons). 10) Ergänzend ausgewertet: Berichte des Branchendienstes Moodie Davitt Report (2007, 2011, 2015, 2017, 2024), weitere Objekte des Deutschen Historischen Museums (u. a. AK 2011/1538, AK 2008/903, AK 2008/2148, P 2015/246), die Produktseite von Reemtsma und der Geschäftsbericht 2006 von Imperial.