R1
R1 war Reemtsmas Beitrag zur Lights-Welle der 1980er Jahre: 1984 als Mitglied der R6-Familie gestartet, besetzte die Marke das Ultraleichtsegment und wuchs mit Slim Line, Minima und Long Line zu einer eigenen Markenfamilie. Die Seite verfolgt ihren Weg von der Packung mit Tabakblatt-Emblem über die Fotokampagne „Consciously light“ von 2001 bis zu den EU-Regeln, die ihr wichtigstes Verkaufsargument, die niedrigen Werte, von der Packung verbannten.
| Eingeführt | 1984 in Deutschland, zunächst als Mitglied der R6-Familie |
|---|---|
| Hersteller | Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg (1980–2002 mehrheitlich im Besitz von Tchibo); seit 2002 Teil von Imperial Tobacco, heute Imperial Brands |
| Segment | Ultraleichtzigarette, American Blend; Filter nach Herstellerangabe mit „R1 Flavor System“ (zweiteiliger Flow-Filter) |
| Sorten (belegt) | R1 (1984, um 2000 „Light Flavor“), Slim Line (1987), Minima (1995), Forte (späte 1990er Jahre bis 2002), Minima Long Line (um 2000), Golden Lights und Minima Fresh (um 2002); laut Wikipedia heute R1 Blue, R1 Red und Slim Line Gold |
| Werbung | Kampagne „Consciously light“ (2001, Scholz & Friends, Fotos: Thomas C. Card); deutsche Website „R1 Minima – Leicht durch das Jahr“ (2002) |
| Produktion | 2008 noch im Werk Berlin, danach laut Tagesspiegel Langenhagen und Polen; das Werk Langenhagen soll bis 2027 schrittweise schließen (Ankündigung März 2026) |
| Status | aktiv; bei Reemtsma unter den „weiteren bekannten“ Marken des klassischen Portfolios geführt |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: die Ultraleichte aus der R6-Familie
R1 kam 1984 im Zuge der Lights-Welle auf den deutschen Markt. Reemtsma, seit 1980 mehrheitlich im Besitz der Hamburger Tchibo Frisch-Röst-Kaffee AG, führte die neue Zigarette zunächst als Mitglied der R6-Familie, also im Umfeld der hauseigenen Traditionsmarke von 1921. Während die R6 wie Lord Extra im gewöhnlichen Leichtsegment stand, zielte R1 auf das Ultraleichtsegment, in dem die Konkurrenz etwa Lord Ultra anbot. Frühe Packungen versprachen „Genuss bei besonders niedrigen Werten“; Sammlerbelege aus den 1980er Jahren zeigen als Aufdruck 2 Milligramm Teer und 0,2 Milligramm Nikotin. Laut einer Mitte der 2000er Jahre veröffentlichten Firmengeschichte dominierte R1 ihr Segment bereits nach kurzer Zeit.
Aus der einen Sorte wurde bald eine Familie. 1987 folgte die schlankere R1 Slim Line, die sich nach Brandslex an der Kim von BAT orientierte, 1995 die R1 Minima mit 1 Milligramm Teer und 0,1 Milligramm Nikotin, nach Herstellerangaben um 2001 das wichtigste Produkt der Familie. Um 2000 erschien mit der Minima Long Line die erste 100-Millimeter-Zigarette der Marke. Zugleich wuchs R1 im Ausland; Sammlerbelege dokumentieren Packungen unter anderem aus Italien, Österreich, Spanien, Griechenland, Polen, Russland und der Ukraine.
Hersteller und Produktion
R1 ist eine Marke der Hamburger Reemtsma Cigarettenfabriken, deren Geschichte 1910 in Erfurt begann. Am 15. Mai 2002 übernahm Imperial Tobacco, heute Imperial Brands, 90,01 Prozent der Anteile und später den Rest. Die Hauptrollen im Portfolio spielen heute JPS, Gauloises, West und Davidoff, die Reemtsma als seine wichtigsten Zigarettenmarken nennt.
Noch 2008 lief R1 auch im Berliner Reemtsma-Werk vom Band; mit dessen angekündigter Schließung sollte die Fertigung von West, R1, JPS und Peter Stuyvesant nach Langenhagen bei Hannover und nach Polen wandern. Das 1971 eröffnete Werk Langenhagen nennt Brandslex als Produktionsort der R1. Im März 2026 kündigte Imperial Brands an, es bis ins Jahr 2027 hinein schrittweise zu schließen und damit die eigene Tabakproduktion in Deutschland aufzugeben. Wo R1 danach gefertigt wird, ist nicht bekannt.
Sortiment: das R1 Flavor System
Technisch stützte sich R1 auf einen besonderen Filter. Die Markenwebsite beschrieb 2001 ein „R1 Flavor System“ aus aromatischen Tabaken und einem zweiteiligen „Flow-Filter“, der den Rauch bündeln und den Geschmack in der Filtermitte konzentrieren sollte. Laut Packungsaufdruck handelte es sich um einen American Blend. Die Sorten unterschieden sich vor allem in den Maschinenwerten, die bis 2016 auf den Packungen standen:
| Sorte | Eingeführt | Teer / Nikotin laut Packung | Anmerkung |
|---|---|---|---|
| R1, um 2000 „Light Flavor“ | 1984 | 2 mg / 0,2 mg | Ursprungssorte; später „R1 2mg“, laut Wikipedia heute R1 Red |
| R1 Slim Line | 1987 | 6 mg / 0,6 mg, später 5 mg / 0,5 mg | laut Wikipedia heute Slim Line Gold |
| R1 Minima | 1995 | 1 mg / 0,1 mg | später „R1 1mg“, laut Wikipedia heute R1 Blue |
| R1 Minima Long Line | um 2000 | 1 mg / 0,1 mg | 100-mm-Format; 2009 als „R1 1mg Long Line“ belegt |
| R1 Forte | späte 1990er Jahre | 4 mg / 0,4 mg | zuletzt 2002 belegt |
Hinzu kamen weitere Varianten, etwa R1 Golden Lights und Minima Fresh, die die internationale Website um 2002 vorstellte, oder Superslim-Zigaretten, die zwischen 2007 und 2010 vor allem in Russland und der Ukraine erschienen. Welche Sorten Reemtsma in Deutschland derzeit führt, weist der Hersteller nicht im Einzelnen aus.
Werbung und Design: Leichtigkeit als Bildidee
Die ersten Packungen übernahmen die Formensprache der R6: den gesperrt gesetzten Schriftzug Reemtsma, ein orangefarbenes Emblem aus stilisierten Tabakblättern und große weiße Serifenlettern auf einem Feld in gedecktem Taupe und Burgunderrot. Ende der 1980er Jahre trug die Packung wie die R6 eine diagonal geteilte Bauchbinde mit dem Zusatz „International“, auf dem Deckel stand „Leicht und mild“. Um 2000 zeigte die Packung ein rotes Namensfeld auf weißem Grund, darunter in einem goldfarbenen Band „Reemtsma No. 1“; Ende der 2000er Jahre trug die 1-Milligramm-Sorte ein hellblaues Feld. Mehr zu solchen Wandlungen unter Geschichte des Packungsdesigns.
Am besten dokumentiert ist eine Kampagne von 2001, entwickelt von Scholz & Friends, der Agentur hinter „Test the West!“ für West. Unter dem Claim „Consciously light“ übersetzte sie Leichtigkeit in Analogien: Pusteblume, Drachen, Segelflugzeug, Seifenblasen, Schmetterling, Wassertropfen. Fotografiert wurden die Motive im Juli 2001 in New York von Thomas C. Card, einem auf Schmuck und Haute Couture spezialisierten Werbefotografen, dessen Arbeiten die Markenwebsite als reduziert und detailgenau beschrieb. Gearbeitet wurde in aufwendiger Makrotechnik; die Wassertropfen etwa lösten beim Zurückprallen über einen Laserstrahl selbst den Verschluss aus. Das Spiel mit dem Wort „leicht“ zog sich durch die Kommunikation, von Banderolen der 1990er Jahre wie „Ein leichtes Fest!“ bis zur deutschen Website von 2002: „R1 Minima – Leicht durch das Jahr“.
Für Sammler: Probierpackungen und Banderolen
Für Sammler interessant sind vor allem die Promotion-Stücke, die die österreichische Online-Sammlung Zigsam dokumentiert: unverkäufliche Probierpackungen mit fünf Zigaretten aus den 1980er Jahren, als „Testpackung unverkäuflich“ bedruckte Schachteln, aus denen Kunden im Fachgeschäft eine einzelne Zigarette probieren konnten, und Hüllen wie eine blaue Banderole von 1993 mit dem Gruß „Schön, Sie kennenzulernen.“ Hinzu kommen die krummen Stückzahlen deutscher Packungen, 19 Zigaretten in den 1980er und 1990er Jahren, 17 um 2009, und osteuropäische Superslim-Sondereditionen wie Summer Tropic oder Winter Glow. Mehr dazu unter Packungen sammeln.
Marktstellung in Deutschland
Belastbare, datierte Marktanteile für R1 hat Reemtsma nicht veröffentlicht. Der Hersteller beschrieb R1 2001 als führende Marke im Ultraleichtsegment und in vielen europäischen Ländern als Segmentführer. Die großen Stückzahlen erzielten andere Marken, bei Reemtsma vor allem West; R1 richtete sich nach eigener Darstellung an Raucherinnen und Raucher, die sich bewusst für die niedrigsten Werte entschieden. Heute führt Reemtsma R1 unter den „weiteren bekannten und nach wie vor beliebten Marken“, gemeinsam mit Peter Stuyvesant, Ernte 23, Cabinet und Reval.
Kontroversen und Regulierung: die Light-Frage
An R1 lässt sich die Geschichte der „Light“-Zigarette exemplarisch ablesen, denn das Markenversprechen bestand in den Zahlen selbst. Maschinenwerte entstehen in einem genormten Abrauchverfahren; Raucherinnen und Raucher gleichen niedrige Werte jedoch oft durch tieferes oder häufigeres Ziehen aus, weshalb besonders leichte Zigaretten nicht als weniger schädlich gelten (siehe Inhaltsstoffe und Gesundheit). Die EU-Richtlinie 2001/37/EG verbot deshalb ab dem 30. September 2003 Bezeichnungen wie „leicht“ und „mild“. Im Herbst 2003 verwies die R1-Website auf eine neue Packungsgestaltung; aus Minima und Ursprungssorte wurden, belegt für Österreich 2004 und Deutschland 2009, „R1 1mg“ und „R1 2mg“. Seit 2016 untersagt die Tabakproduktrichtlinie 2014/40/EU auch Teer- und Nikotinangaben auf der Packung, also genau die Ziffern, über die sich R1 drei Jahrzehnte lang definiert hatte. Mehr unter Recht.
Namensherkunft
Der Name folgt dem Muster der R6, bei der das R für Reemtsma und die Ziffer nach Brandslex für eine Tabakmischung stand. Aufgelöst wird er auf der Packung selbst: Um 2000 stand unter dem Schriftzug „Reemtsma No. 1“, ein klassisches Rangzeichen. Dass die Eins auf die niedrigen Werte anspielen sollte, ist nicht belegt; die Ursprungssorte lag mit 2 Milligramm Teer ohnehin darüber. Eine ältere Reemtsma No. 1 aus den 1970er Jahren, die die deutschsprachige Wikipedia als Vorläuferin nennt, ist dort nicht belegt und in den hier ausgewerteten Hersteller- und Sammlerquellen nicht zu finden. Weitere Namensgeschichten versammelt das Markenlexikon, die großen Linien der Branche die Rubrik Geschichte.
Quellen
- R1 (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/R1_(Zigarettenmarke)
- Markenlexikon brandslex.de – R1 – https://www.brandslex.de/markenlexikon/cover/r/markenlexikon-r1
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: R1 (Packungsdatenbank) – https://www.zigsam.at/B_R1.htm
- Reemtsma: Unternehmensgeschichte (Hersteller-PDF, archiviert 2006) – https://web.archive.org/web/20060517061040/http://www.reemtsma.com/fileadmin/pdf/1_Unternehmen/Reemtsma_Unternehmensgeschichte.pdf
- r1.com: About R1 (Markenwebsite, archiviert 2001) – https://web.archive.org/web/20011110150934/http://www.r1.com:80/800/products/2300.html
- r1.com: Making of – The Shooting, Kampagne 2001 (archiviert, mit Unterseiten zu Fotograf und Motiven) – https://web.archive.org/web/20011110151616/http://www.r1.com:80/800/making_of/4100.php
- r1minima.de: R1 Minima – Leicht durch das Jahr (deutsche Markenwebsite, archiviert 2002) – https://web.archive.org/web/20020720151205/http://www.r1minima.de:80/index.html
- Reemtsma – Unsere Produkte (Herstellerseite) – https://reemtsma.com/unser-unternehmen/produkte/
- Reemtsma: Verkaufsgespräche erfolglos – Imperial Brands-Standort Langenhagen wird geschlossen (2026) – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/verkaufsgespraeche-erfolglos-imperial-brands-standort-langenhagen-wird-geschlossen/
- Tagesspiegel: Reemtsma schließt das Berliner Werk (2008) – https://www.tagesspiegel.de/wirtschaft/reemtsma-schliesst-das-berliner-werk-1664179.html
Hinweis zur Quellenlage: 1) Einführungsjahr: Die Planungsnotiz nannte 1980; Reemtsma-Firmengeschichte, archivierte Markenwebsite, Brandslex, Zigsam und Wikipedia nennen übereinstimmend 1984 – korrigiert. 2) „Designikone der 1980er (Minimalismus)“ ließ sich nicht belegen: Die Packungen der 1980er Jahre folgten der R6-Formensprache (Tabakblatt-Emblem, Serifenlettern, Bauchbinde); belegt ist nur, dass die Markenwebsite 2001 die Arbeiten des Kampagnenfotografen als reduziert und detailgenau beschrieb. Die Designbeschreibungen beruhen auf Packungsfotos der Zigsam-Datenbank. 3) Namensherkunft: „Reemtsma No. 1“ ist auf einer deutschen Packung um 2000 abgebildet (Zigsam); eine Vorgängermarke „Reemtsma No. 1“ (laut de.wikipedia 1976 mit 1 mg Teer) steht nur in der Wikipedia, 2008 ohne Beleg eingefügt; die Werte wurden deshalb nicht übernommen. 4) Marktanteil: de.wikipedia nennt 1,8 % und Platz elf ohne Jahresangabe (ursprünglich aus einer inzwischen toten Bildergalerie der NGZ, um 2006) – nicht übernommen. Die Segmentführerschaft ist reine Herstellerangabe (Website 2001, Firmengeschichte Mitte der 2000er Jahre). 5) Heutiges Sortiment: Reemtsma nennt keine Sorten; R1 Blue, R1 Red und Slim Line Gold stammen nur aus de.wikipedia (Stand 2012 bis 2019); die Zuordnung Blue = frühere Minima/1mg und Red = Ursprungssorte/2mg ist aus den Werten abgeleitet. 6) Einführungszeitpunkte von Minima Long Line (um 2000), Forte (späte 1990er Jahre), Golden Lights und Minima Fresh (um 2002) sind aus Sammlerbelegen und Website-Schnappschüssen erschlossen, nicht aus einer Herstellerchronik; ob Golden Lights und Minima Fresh in Deutschland verkauft wurden, ist offen. 7) Produktion: Langenhagen als R1-Standort nur über Brandslex belegt; der Produktionsort nach der Werksschließung (bis 2027) ist nicht bekannt. 8) Umbenennungen nach 2003 sind für Österreich datiert (Januar/Februar 2004), für Deutschland nur durch Packungen von 2009; wann die Farbnamen Blue/Red eingeführt wurden, ist unklar (de.wikipedia nennt sie bereits 2006). 9) Slim-Line-Vorbild Kim nur laut Brandslex. 10) Ob die Kampagne „Consciously light“ in Deutschland mit dem englischen Claim lief, ist nicht belegt; dokumentiert ist sie auf der internationalen Website. Die Zuordnung „Test the West!“ zu Scholz & Friends stammt aus den Quellen der West-Seite. 11) Wortmarke: Auf Wikimedia Commons gibt es keine Datei zur Zigarettenmarke R1 (die Dateien „R1 logo.gif“ und „R1 Logo.png“ gehören zu anderen Marken), daher logo = null.