Duett
Duett gehörte zu den wenigen langen Zigaretten der DDR: eine Filterzigarette im Format 100 aus dem VEB Tabak Nordhausen, die mit sechs Mark für 20 Stück fast doppelt so viel kostete wie die verbreiteten „Dreizwanziger“. 1990 kam die Marke mit der Nordhäuser Nortak zu Reemtsma und behielt ihr Packungsbild aus Weiß, Gold und Rot über Jahrzehnte nahezu unverändert. Heute ist Duett eine kleine Traditionsmarke im Portfolio von Imperial Brands, verkauft vor allem in den neuen Bundesländern.
| Eingeführt | in der DDR; früheste dokumentierte Packungen aus den 1970er Jahren, genaues Jahr nicht belegt |
|---|---|
| Hersteller | Reemtsma Cigarettenfabriken GmbH, Hamburg (Imperial Brands), seit der Übernahme der Nortak am 11. September 1990; zuvor VEB Tabak Nordhausen, später VEB Nortak, im Kombinat Tabak |
| Herkunft | Deutschland (Nordhausen, Thüringen; DDR) |
| Format | Filterzigarette im Format 100 (Super King Size); in der DDR Weichpackung mit 20 Stück, ab den 1990er Jahren Hartbox, bis mindestens 2012 mit 19 Stück |
| Preis in der DDR | 6 Mark für 20 Stück (staatlicher Einzelhandelsverkaufspreis); Cabinet, f6 und Semper kosteten 3,20 Mark, Club 4 Mark |
| Marktanteil DDR | Duett und Juno zusammen 1,1 Prozent vor der Grenzöffnung (Tabakzeitung, zitiert in der taz vom 13. Juli 1990) |
| Status | aktiv; Nischenmarke vor allem in den neuen Bundesländern, laut Wikipedia gefertigt in Langenhagen, dessen Schließung bis 2027 beschlossen ist |
Zur Einordnung: Dieses Markenlexikon dokumentiert Zigarettenmarken neutral als Teil der Konsum- und Wirtschaftsgeschichte. Es enthält keine Bezugsquellen und keine Empfehlung. Rauchen schädigt die Gesundheit – sachliche Informationen dazu stehen unter Gesundheit, Wege aus dem Konsum unter Rauchstopp.
Geschichte: die lange Filterzigarette aus Nordhausen
Duett ist eine Filterzigarette aus der DDR. Hergestellt wurde sie im VEB Tabak Nordhausen in Thüringen, der später als VEB Nortak Tabakfabriken Nordhausen firmierte und zum VEB Kombinat Tabak Dresden gehörte, dem Verbund der Tabakbetriebe des Landes. Wann die Marke auf den Markt kam, ist nicht überliefert; die frühesten in der österreichischen Sammlerdatenbank Zigsam dokumentierten Packungen stammen aus den 1970er Jahren. Ihr Kennzeichen ist die Länge: Duett gehörte zu den wenigen DDR-Zigaretten im Format 100, war also rund zehn Zentimeter lang, und trug diese Angabe gut sichtbar auf der Packung.
Im staatlich festgelegten Preisgefüge stand Duett an der Spitze der einheimischen Marken. Die Packung mit 20 Stück kostete sechs Mark und damit fast doppelt so viel wie die „Dreizwanziger“ Cabinet, f6 und Semper; selbst die gehobene Club lag mit vier Mark deutlich darunter. Der Marktanteil blieb klein: Nach Zahlen der westdeutschen Tabakzeitung, die die taz im Juli 1990 zitierte, kamen Duett und Juno vor der Grenzöffnung zusammen auf 1,1 Prozent des DDR-Marktes, während Cabinet allein ein Drittel stellte. Zigsam belegt zudem eine Exportausführung für Österreich aus den späten 1970er Jahren.
Hersteller und Produktion: von Nortak zu Reemtsma
Mit der Wende zerfiel die volkseigene Tabakindustrie. Ein Angebot von Philip Morris, das gesamte Kombinat zu übernehmen, scheiterte im Frühjahr 1990 am Veto der DDR-Wettbewerbsbehörde. Zum 1. Mai 1990 wurde das Kombinat in einzelne GmbHs zerlegt, die Markenrechte gingen an vier Betriebe. Die Treuhandanstalt übergab die Nortak Nordhausen GmbH mit den Marken Cabinet, Juno und Duett am 11. September 1990 an die Hamburger Reemtsma Cigarettenfabriken. Laut Spiegel war die Nortak der erste große volkseigene Industriebetrieb, den die Treuhand rechtskräftig an ein Westunternehmen verkaufte; der Kaufpreis lag bei rund 50 Millionen Mark.
Der Start verlief holprig: Wenige Wochen später berichtete das Magazin, die Geschäfte mit Cabinet, Juno und Duett liefen längst nicht so gut wie erhofft. Als Hersteller verzeichnet Zigsam in den 1990er Jahren die Nortak GmbH, 2002 Reemtsma und 2012 Imperial Tobacco, heute Imperial Brands, zu dem Reemtsma seit 2002 gehört. Die Schließung des Nordhäuser Werks kündigte Reemtsma im September 2001 an; als heutigen Produktionsort nennt die deutschsprachige Wikipedia das Reemtsma-Werk Langenhagen bei Hannover. Auch dort geht die Fertigung zu Ende: Nach gescheiterten Verkaufsgesprächen beschloss Imperial Brands im März 2026, das Werk bis ins Jahr 2027 hinein schrittweise zu schließen. Wo Duett danach hergestellt wird, hat der Konzern nicht mitgeteilt.
Format und Sortiment
Zigsam kennt Duett nur in einer Ausführung: als Filterzigarette im Format 100, international Super King Size genannt und damit deutlich länger als die in Deutschland üblichen 83 Millimeter der King Size. Über die Mischung verrät die Packung nur das Versprechen einer „Qualitäts-Mischung“; die deutschsprachige Wikipedia ordnet sie als Traditional Blend ein, Angaben zu Tabaksorten und ihrer Herkunft liegen nicht vor. Mehr zu Formaten und Bauweise steht unter Aufbau.
Deutlich gewandelt hat sich dagegen die Verpackung. In der DDR und noch 1990 steckten die Zigaretten in einer Weichpackung mit Cellophanhülle; die belegten Ausführungen aus DDR-Produktion enthalten 20 Stück. In den 1990er Jahren wechselte die Marke zur Hartbox mit Klappdeckel, und die dokumentierten Packungen bis 2012 fassen 19 Stück. Seit 2016 schreibt die EU-Tabakproduktrichtlinie mindestens 20 Zigaretten je Packung vor; damit ist auch diese Eigenheit Geschichte. Die Übersicht fasst die belegten Ausführungen zusammen; die Werte sind Packungsaufdrucke, keine amtlichen Messungen.
| Zeitraum | Ausführung | Hersteller laut Zigsam | Kondensat / Nikotin |
|---|---|---|---|
| 1970er Jahre | Weichpackung, 20 Stück, Duty free | VEB Tabak Nordhausen | – |
| späte 1970er Jahre | Weichpackung, 20 Stück, Export Österreich | VEB Nortak | 20,1 mg / 0,91 mg |
| 1980er Jahre | Weichpackung, 20 Stück, Duty free | VEB Nortak | – |
| 1990er Jahre | Hartbox, 19 Stück | Nortak GmbH | 13 mg / 0,8 mg |
| 2002 | Hartbox, 19 Stück | Reemtsma (Markeninhaberin Nortak GmbH) | 12 mg / 0,8 mg |
| 2012 | Hartbox, 19 Stück | Imperial Tobacco | 10 mg / 0,8 mg |
Der Rückgang der aufgedruckten Kondensatwerte spiegelt die schrittweise gesenkten europäischen Höchstwerte wider, die ab 1993 galten und seit 2004 bei 10 Milligramm liegen. Über die tatsächlich aufgenommene Menge sagen solche Maschinenwerte wenig; mehr dazu unter Inhaltsstoffe. Seit 2016 stehen sie nicht mehr auf der Packung, die seither großflächige Bildwarnhinweise trägt; die geltenden Regeln fasst die Seite Recht zusammen.
Packungsdesign und Werbung
Zigarettenwerbung kannte auch die DDR, vor allem in den 1950er und 1960er Jahren; 1975 untersagte der Ministerrat die Inlandswerbung jedoch weitgehend, und dabei blieb es bis zum Mauerfall. Für Duett ist aus DDR-Zeiten keine Werbung überliefert; ihr wichtigstes Aushängeschild war die Packung. Die dokumentierten Duett-Packungen setzen auf Weiß, Gold und Rot: ein weißes Mittelfeld zwischen goldenen Seitenstreifen, eingefasst von feinen roten Linien, oben der Schriftzug „Qualitäts-Mischung“. In der Mitte sitzt ein ovales Medaillon auf Goldgrund mit einem Wappenschild in Blau, Weiß und Rot, bekrönt von stilisierten weißen Blättern und gerahmt von Rankenwerk und einem Kranz roter Punkte. Darunter steht der Markenname in breiten roten Versalien, gefolgt von der blauen Angabe „Format 100“. Auf den Duty-free-Packungen trägt der Verschlussstreifen den Namen VEB Tabak Nordhausen, später das Monogramm „NT“.
Bemerkenswert ist die Beständigkeit dieses Bildes. Die Hartboxen der 1990er Jahre, von 2002 und von 2012 zeigen dasselbe Medaillon, denselben Schriftzug und dieselbe Farbordnung; verändert haben sich vor allem das Format der Packung und die Pflichthinweise, vom Hinweis der EG-Gesundheitsminister bis zum großflächigen Warntext von 2012. Eigene Werbekampagnen sind für Duett, anders als für die Schwestermarke Cabinet, auch nach 1990 nicht dokumentiert. Den größeren Zusammenhang zeigt die Geschichte des Packungsdesigns.
Duett als Sammelobjekt
Für Sammler von DDR-Packungen ist Duett ein kleines, aber ergiebiges Gebiet: die Exportausführung für Österreich mit aufgedruckten Werten, Duty-free-Packungen aus zwei Jahrzehnten und die Übergangsstücke von 1990; die gewöhnliche Inlandspackung aus der Zeit vor der Währungsunion ist in den Sammlerverzeichnissen dagegen kaum dokumentiert. Das DDR Museum in Berlin bewahrt Packungen der „Duett 100“ in einem Konvolut von Schachteln mit DDR-Steuerbanderole und Preisauszeichnung in D-Mark auf, neben Westmarken wie Marlboro, Pall Mall, Camel und West. Solche Mischformen gab es nur in der kurzen Übergangszeit nach der Währungsunion vom Juli 1990. Hinzu kommen die 19er-Hartboxen der Nortak- und Reemtsma-Jahre. Hinweise zum Aufbau einer Sammlung gibt die Seite Packungen sammeln.
Marktstellung in Deutschland
Duett war schon in der DDR eine Nischenmarke und ist es geblieben. Von den Zigarettenmarken des Kombinats Tabak sind heute nur noch wenige im Handel, neben Duett vor allem f6 und Cabinet; die in der DDR ebenfalls in Nordhausen gefertigte Juno gab Reemtsma im Mai 2016 auf. Auf seiner Unternehmensseite führt Reemtsma Duett unter den weiteren bekannten Marken seines klassischen Tabakportfolios, in einer Reihe mit Traditionsnamen wie Ernte 23, Reval und Roth-Händle. Verkauft wird die Marke überwiegend in den neuen Bundesländern, in Westdeutschland ist sie ein Nischenprodukt. Belastbare aktuelle Marktanteile liegen nicht vor.
Namensherkunft
Eine Erklärung des Namens ist nicht überliefert. „Duett“ geht über das italienische „duetto“ auf das lateinische „duo“ für zwei zurück und bezeichnet ein Musikstück für zwei Stimmen oder Instrumente. Das Wort taucht in der DDR auch bei anderen Produkten auf: Im Bestand des DDR Museums finden sich ein Duett-Fruchtschaumwein und ein Federballset der Sportmarke Germina mit zwei Schlägern, Modellname Duett. Worauf sich das Paar im Namen der Zigarette bezieht, ist nicht dokumentiert. Mit Marken wie Club, Juwel oder Semper teilt Duett einen Namen, der wertig klingt, ohne ein Herkunftsland zu behaupten; weitere Beispiele versammelt das Markenlexikon.
Quellen
- Duett (Zigarettenmarke) – Wikipedia (deutsch) – https://de.wikipedia.org/wiki/Duett_(Zigarettenmarke)
- Einzelhandelsverkaufspreis – Wikipedia (deutsch), Preisliste Zigaretten in der DDR – https://de.wikipedia.org/wiki/Einzelhandelsverkaufspreis
- Der Spiegel 45/1990: Zigaretten – Spürt man kaum (Übernahme der Nortak durch Reemtsma) – https://www.spiegel.de/wirtschaft/spuert-man-kaum-a-5f43260e-0002-0001-0000-000013501002
- taz, 13.07.1990: Volkseigener Dunst (Zigarettenproduktion und Marktanteile in der DDR) – https://taz.de/Volkseigener-Dunst/!1760036/
- taz, 13.07.1990: „Cabinet“-Umbildungen in der DDR – https://taz.de/Cabinet-Umbildungen-in-der-DDR/!1760034/
- nnz-online, 10.09.2001: Reemtsma in Nordhausen vor dem Aus! – https://nnz-online.de/news/news_lang.php?ArtNr=2439
- Zigsam – The Austrian Cigarette Collection: Duett (Packungen 1970er Jahre bis 2012) – https://www.zigsam.at/B_Duett.htm
- DDR Museum Berlin: Zigarettenschachteln diverse, u. a. Duett 100 (Objekt 1014572) – https://www.ddr-museum.de/de/objects/1014572
- DDR Museum Berlin: Klaus „Duett Fruchtschaumwein“ (Objekt 1014544) – https://www.ddr-museum.de/de/objects/1014544
- DDR Museum Berlin: Federballschläger Germina Duett (Objekt 1024966) – https://www.ddr-museum.de/de/objects/1024966
- DDR Museum Berlin, Blog (11.09.2014): Werbung in der DDR – https://www.ddr-museum.de/de/blog/archive/werbung-in-der-ddr
- Reemtsma: Unsere Produkte (Markenportfolio) – https://reemtsma.com/unser-unternehmen/produkte/
- Reemtsma, Pressemitteilung vom 23.03.2026: Verkaufsgespräche erfolglos – Imperial Brands-Standort Langenhagen wird geschlossen – https://reemtsma.com/pressemitteilungen/verkaufsgespraeche-erfolglos-imperial-brands-standort-langenhagen-wird-geschlossen/
Hinweis zur Quellenlage
- Status: Duett ist aktiv – Reemtsma führt die Marke (Stand September 2026) auf seiner Produktseite unter den Marken des klassischen Tabakportfolios. Hersteller in der DDR war der VEB Tabak Nordhausen (später VEB Nortak) im Kombinat Tabak; „VEB Kombinat Tabak Dresden“ bezeichnet nur den übergeordneten Verbund, nicht das produzierende Werk.
- Einführungsjahr nicht belegt; die frühesten Packungen bei Zigsam sind auf die 1970er Jahre datiert (Sammlerdatierung). Wann der VEB Tabak Nordhausen den Namen Nortak annahm, ist ebenfalls nicht belegt.
- Länge: Packungsaufdruck „Format 100“ und der Wikipedia-Artikel zu Duett sprechen für rund 100 mm; die Wikipedia-Liste der DDR-Einzelhandelsverkaufspreise nennt 120 mm – nicht übernommen.
- Packungsinhalt in der DDR: Zigsam und die EVP-Liste nennen 20 Stück, ddr.center beim DDR-Preis 19 Stück (vermutlich die Nachwende-Packung); 19 Stück sind bei Zigsam erst für die Hartbox der 1990er Jahre bis 2012 belegt. Aktuelle Packungsgröße und -gestaltung wurden nicht geprüft; seit 2016 sind mindestens 20 Stück vorgeschrieben.
- Preis 6 Mark: Wikipedia (Duett-Artikel und EVP-Liste), ddr.center und Mitteldeutsche Zeitung (April 2026); keine amtliche Preisliste eingesehen, Gültigkeitszeitraum unklar.
- Der Marktanteil von 1,1 Prozent gilt für Duett und Juno zusammen (Tabakzeitung, zitiert von der taz, Stand vor der Grenzöffnung); ein Einzelwert ist nicht bekannt.
- Produktionsort Langenhagen nur laut Wikipedia ohne Einzelnachweis; wann die Fertigung von Nordhausen nach Langenhagen wechselte und wo Duett nach der Schließung des Werks gefertigt wird, ist offen. Das Übergabedatum 11. September 1990 stammt aus nnz-online, der Spiegel schreibt „Mitte September“.
- Kondensat- und Nikotinwerte sind Packungsaufdrucke laut Zigsam, keine amtlichen Messwerte; die Zigsam-Datierungen (1970er, 1990er Jahre) sind Schätzungen. Dass der Rückgang den EU-Höchstwerten folgt, ist aus dem zeitlichen Zusammenfall abgeleitet (Höchstwerte ab 1993 laut Spiegel 1990, 10 mg seit 2004).
- „Traditional Blend“ nur laut Wikipedia ohne Beleg; Tabaksorten und -herkunft unbekannt.
- Die Designbeschreibung beruht auf den Packungsabbildungen bei Zigsam (1970er Jahre bis 2012) und im DDR Museum (Weichpackungen von 1990); die Bedeutung des Wappens im Medaillon und der Blätter darüber ist nicht dokumentiert.
- Die Mitteldeutsche Zeitung (April 2026) schreibt, Duett sei „bereits in der DDR“ in Langenhagen hergestellt worden – sachlich falsch, da Langenhagen in Niedersachsen liegt; nicht übernommen.
- Eine Erklärung der Namenswahl ist nicht überliefert; der Abschnitt zur Namensherkunft ordnet nur die Wortbedeutung und gleichnamige DDR-Produkte ein.